in D/A/CH

Kennen Sie das auch? Es ist deutlich nach 23 Uhr, Sie sind zu müde zum Lesen. Es lohnt sich auch nicht mehr, noch einen Film zu schauen, also gucken Sie mal im ZDF bei Markus Lanz rein. Wen Sie dort sehen, ist nicht selten ein FDP Politiker als Gast. Insgesamt ist diese Partei in der Sendung außergewöhnlich präsent.

Markus Lanz und Dirk Niebel

Ich habe einmal zurückgeschaut bis zum 11.6., als Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) in der Talkshow zu Gast war. Sie eingeschlossen waren von diesem Tag an bis gestern zehn Politiker und Politikerinnen bei Markus Lanz. Im einzelnen wären das noch Katharina Nocun (Piratin, 12.6), Renate Künast (Grüne, 13.6.), Wolfgang Kubicki (FDP, 25.6.), Matthias Machnig (SPD, 27.6.), Wolfgang Bosbach (CDU, 27.6.), Markus Söder (CSU, 4.7.), noch einmal Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, 9.7.), Daniel Bahr (FDP, 11.7.) und gestern Dirk Niebel (FDP). Ein bisschen auffällig, oder?

Die FDP dümpelt laut Umfragen auf Bundesebene seit langem so bei Werten zwischen 4% und 5% herum. In der Sendung von Markus Lanz stellt sie seit dem 11.6. aber jeden zweiten Politiker, der als Gast im Studio saß. Das Wort “überrepräsentiert” wäre an dieser Stelle eine Untertreibung. Mit Markus Söder und Wolfgang Bosbach war zudem je ein Vertreter von CDU und CSU zu sehen. Das macht 7 von 10 zugunsten von Schwarz-Gelb. Auf der anderen Seite kam man nur in den Genuss eines Vertreters/einer Vertreterin von SPD und Grünen, sowie einer Piratin. Von der Linkspartei, die nach Umfragen immerhin noch 1-4% stärker als die FDP ist, war in dieser Zeit niemand bei Lanz. Kurz zuvor, am 6.6., hieß einer der Gäste Gregor Gysi, was ich fairerweise hinzufügen muss, aber zu diesem Auftritt später noch ein wenig mehr.

Alles kein Zufall

Man kann das alles natürlich als Zufall abtun oder als einen zu kleinen zeitlichen Ausschnitt kritiseren, aber am 22. September steht bekanntlich bereits die Bundestagswahl an und in Angesicht dieses Ereignisses ist die Gästeauswahl schon bemerkenswert. Markus Lanz protegiert die FDP und er macht das auf die ihm eigene pseudo-kritische Schleimerart ziemlich schlecht. Gleichzeitig wahrscheinlich aber gut genug, sodass eine Menge Zuschauer auf ihn hereinfallen. Zugegebenermaßen ist es schon schwierig einzuschätzen, ob große Teile des Publikums ihn für ebenso durchschaubar halten wie es bei mir der Fall ist.

Ärgerlich ist diese ganze Angelegenheit aber nicht nur, was die Quantität der FDP Gäste angeht, sondern auch bezüglich der Gespräche, die Lanz mit ihnen führt. Wahrscheinlich tauchen sie deshalb auch so gerne in der Sendung auf. Markus Lanz verpackt bei ihnen für gewöhnlich sein Lob in Kritik. Die Kritik bewegt sich fast immer da, wo es nicht wirklich weh tut. Ein gutes Beispiel ist der gestrige Auftritt von Dirk Niebel. Natürlich wurde die bekannte Geschichte vom Ministerium aufgewärmt, welches die FDP abschaffen (bzw mit dem Außenministerium zusammenlegen) wollte, um es dann anschließend zu übernehmen. Ach und dann war da noch dieser Teppich.

Der Teppich, der einen Talk erst so richtig gemütlich macht

Ja, ja, die Teppichaffäre. Mittlerweile kann man über die Geschichte lächeln und das Teppichluder der FDP gibt bereitwillig zu, in dieser Angelegenheit ein bisschen ungeschickt gehandelt zu haben. Viel entscheidender als all diese Spielchen ist der Kern des Ganzen und da gab es ein klares Lob von Lanz für Niebels Arbeit. Ja, der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung leistet schon tolle Arbeit. Vor allem jene Länder, die auf Entwicklung und Unterstützung dringend angewiesen sind, stehen kein bisschen besser da als noch vor wenigen Jahren. Aber was interessiert das Niebel und Lanz ? Sie leben in Deutschland und verdienen beide gut bis hervorragend.

Natürlich wurde Niebel auch wieder auf seine Rede angesprochen, in der er Philipp Rösler deutlich kritisierte. Eine damals extrem umstrittene und auch deutlich kritisierte Aktion. Jetzt geht´s der FDP aber wieder etwas besser und das hat sie auch Niebel und dessen Rede zu verdanken. Darauf verständigten sich Lanz und Niebel dann, selbstverständlich ohne es exakt so zu sagen. Wieder begann der Gastgeber dieser Talkshow also scheinbar mit Kritik, um am entscheidenden Punkt dem FDP Mann die Eier zu schaukeln. Was bleibt am Ende? Dirk Niebel ist ein guter Bundesminister, für die FDP sehr wichtig und mit Punkt 1 ist die FDP damit auch irgendwie für Deutschland wichtig. Ich möchte kotzen.

Keine Liebe für die Opposition 

Grundsätzlich versucht Markus Lanz in den letzten Wochen ganz verzweifelt, der FDP nach den Skandalen um PRISM, Snowden und jeglicher Bespitzelung, Kompetenz und Wichtigkeit in dieser Thematik anzudichten. Eben jener Partei, die mit der CDU/CSU koaliert. Wie gering das Interesse der Union ist, die Machenschaften der NSA komplett aufzuklären und die Bespitzelung von Bundesbürgern einzudämmern  oder gar die Legitimität von Geheimdiensten in Frage zu stellen, sollte den meisten klar sein. Die einzige Bundestagspartei, die keinem Bespitelungsgesetz zugestimmt hat, ist die Linkspartei, aber wen interessiert das schon? Die ist in der Welt von Lanz höchstens kompetent, wenn es um soziale Fragen geht und hier stellt sie natürlich lediglich übertriebene Forderungen.

Marina Weisband hatte es bei Markus Lanz nicht leicht

Ist die Opposition einmal bei Markus Lanz zu Gast, ist sie schnell weg, die Liebe zu Politikern und Politikerinnen. Plötzlich erlebt man eine ganz andere Bissigkeit und einen viel größeren Willen, den Gegenüber zu kritisieren. Weg ist die Absicht, den politischen Gast am Ende in ein positives Licht zu rücken. So geschehen z.B. bei Gregor Gysi, der sich unter anderem wieder einmal uralte Stasivorwürfe anhören durfte. Am intelligenten, eloquenten und humorvollen Gysi prallte Lanz allerdings ab wie ein dicker, schwitzender Hauptschüler, der ein Topmodel anbaggert. Deutlich länger ist es her, dass Lanz in seiner Sendung aggressiv versuchte, die Piratin Marina Weisband in Urheberrechtsfragen vorzuführen. Das war billig und wurde nur noch durch das “Gespräch”  mit Nastassja Kinski in der letzten Woche übertroffen.

Unter den Gästen heute Abend befindet sich übrigens Ilse Aigner. Die ist zwar bekanntlich nicht in der FDP, aber anschließend steht es trotzdem 8:3 für Schwarz-Gelb.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Wohl wahr!

    Aber Lanz ist nur auf den ersten Blick der Schuldige. Dahinter steht ja schließlich ein Sender, der diese Form der pseudo-kritischen Talkshows als unterhaltsam und sendenswert erachtet. Leider gibt es zu viele Zuseher, die diese Einschätzung offensichtlich bestätigen.

    Echte, unabhängige und fundierte Diskussionen von wichtigen Themen der Zeit (insbesondere EURO-/Schulden/Guthabenkrise, Landgrabbing, etc.) findet in keinem Sender statt. Ab und zu mal eine gute Reportage nachts bei ARTE oder so.

    Das interessiert aber leider kaum jemanden. Lieber regelmäßig die neueste Doku-Soap oder Dschungelcamp auf Assi-TV geglotzt als sich nur ein einziges mal mit wirklich wichtigen Themen befassen. Traurig aber wahr.

  2. In der letzter Zeit hört man zum Glück nicht mehr so viel in den Nachrichten! Alle Augen sind gegen Prismn also gegen USA gerichtet

    das man die FDP als Partei der Freiheit abstempeln möchte und für unsere Rechte einsetzen möchten, ist doch eigentlich der größte Witz….denn wer kann sich noch erinnern, dass in einem Deutschland Fußballspiel das Wohnmeldegesetz geändert wurde und das somit Werbungen auch bei neuem Wohnsitz einen verfolgen! Das man mit unsere Postanschrift viel Geld verdienen wollte! Das war die FDP und unsere Daten spielten hierbei keine Rolle!

    Wenn man wirklich eine Partei einen neuen Wechsel möglicherweise zutrauen kann, ist die Linke! Da sie wirklich als eine „echte“ Opposition im Bundestag stehen

  3. Das Lanz`sche Geschmuse mit der Partei, die aber noch jeden rechten Putschisten von Mittelamerika bis Innerasien per „Stiftung“ unterstützt, wäre der einen Teil einer Medaille, von der es den anderen teil nicht mehr gibt, seit der WDR vom „Rotfunk“ zum Pielsender wurde. Da ist ausgerechnet der BR ja schon schwer linkslastig gegen die INSM- Laberstube aus Köln mit Neigung zum FDP „Kabarettisten“ Dieter „Only“, den werde ich nie wieder korrekt schreiben, nie.

  4. Was wundert es in einem Sender, der von Konrad Adenauer („was interessiert mein Geschwätz von gestern?“) als „Gegengewicht zur ARD“ gegründet wurde? Da bleibt man sich schwarz(gelb) treu. Aber leider scheint auch die ARD Druck bekommen zu haben, schwarz-gelb in den Tagesthemen und der Tagesschau häufig so darzustellen, das Merkel-Röslers Desasterpolitik nicht erkennbar ist. Stattdessen wird mit „populären“ Themen (Osthilfe nach Hochwasser – Merkel geht Wählerstimmen kaufen) oder „Abschaffung des Soli“ – Brüderle bedient den Stammtisch – an der Stimmung gebaut, die diese Katastrophen-Kombo auch nach der BTW an der Macht halten soll.