in D/A/CH

In Bezug auf deutsche Russland-Politik gilt die Grünen-Politikerin Marieluise Beck als Hardlinerin. Mit Begrifflichkeiten wie «Homo Sovieticus», geht die Osteuropa-Expertin mit der russischen Staatsführung hart ins Gericht. Doch Sie muss sich auch ungewohnten Vorwürfen stellen. Die Bandbreite reicht von «Kriegstreiberei», «anti-russische Stimmungsmache» bis hin zu «Kooperation mit ukrainischen Rechtsradikalen».

In den letzten Wochen sind mehrere zehntausend Russen aus dem Donbass vor den Angriffen der ukrainischen Streitkräfte geflohen, die vom euronationalistischen Regime in Kiew dirigiert werden, das mittels eines gewaltsamen Umsturzes Anfang des Jahres an die Macht gelangt ist.

Bis dato gibt es bereits mehrere hundert zivile Opfer, Blogs berichten auch von Gräueltaten an Zivilisten in Städten wie Slawjansk, aus denen sich die spärlich ausgerüsteten territorialen Selbstschutzverbände zurückgezogen hatten. Mittlerweile provozieren die nicht selten zu einem hohen Prozentsatz von Kämpfern des offen neonationalsozialistischen „Rechten Sektors“ gebildeten ukrainischen Einheiten sogar durch Übergriffe auf russisches Territorium.

Marieluise Beck, Bundestagsabgeordnete der Grünen, scheint das wenig anzufechten. Ihrer Auffassung nach scheint die Ukraine zu einem ergiebigen Feldlabor gesellschaftspolitischer Umgestaltung geworden zu sein, in dem nur unverbesserliche russische Agenten die Partycrasher markieren. Auf ihrem facebook-Account schwärmt sie: „Charkiw:

NGOs, gendergruppen, memorial. Fazit: es gibt keinen ethnonationalistischen Konflikt. Der wird von Putin inszeniert. Der Spalt verläuft zwischen dem homo sowjeticus und den Menschen, die sich zur westlichen Moderne und einer offenen Gesellschaft hinwenden wollen. Die russische Propaganda und Inszenierungen durch Provokateure durch aus Russland eingeschleuste Nationalisten läuft auf Hochtouren“.

Was der „homo sovieticus“ sein soll, darüber gibt Wikipedia unter anderem wie folgt Auskunft:

„Wortschöpfung des russischen Dissidenten Alexander Sinowjew in seinem gleichnamigen Buch“, […] Für den Homo Sovieticus ist das Stehlen von Volkseigentum lediglich ein Kavaliersdelikt. Der Begriff Volkseigentum ist für ihn in etwa gleichbedeutend mit „gehört niemandem“. Vor diesem Hintergrund entwendet der Homo Sovieticus z. B. regelmäßig Dinge von seinem Arbeitsplatz, sei es für den eigenen Gebrauch, sei es zum Weiterverkauf. Durch Zensur und Reisebeschränkungen hat der Homo Sovieticus ein idealisiertes Bild der westlichen Kultur. Das Verbotene und Exotische dieser Kultur übt auf ihn einen noch größeren Reiz aus, weil es von offizieller Seite verteufelt wird.“

Bezug auf „Homo Sovieticus“ fällt auf Beck selbst zurück

Böse Zungen behaupten nun, es wären doch eigentlich gerade die Demonstranten des Euromaidan gewesen, die ein idealisiertes und möglicherweise auch naives Bild vom Westen und seiner Kultur gehabt hätten und vielfach von der Erwartung ausgingen, unmittelbar nach dem Machtwechsel in Kiew und dem Inkrafttreten des Assoziierungsabkommens würde sich der Arbeitsmarkt in der EU für alle Ukrainer öffnen, der Beitritt zu EU und Nato wäre nur noch eine Frage von Monaten und in weiterer Folge würden in der Ukraine blühende Landschaften entstehen.

Und was die großzügige Aneignung von Volkseigentum anbelangt, sollen nicht wenige geistige Väter und Mütter des Umsturzes, allen voran Ex-Premierministerin Julija Timoschenko, selbst einiges an Erfahrung gesammelt haben.

Der „neue Mensch“, den die sowjetischen Bolschewiken nach der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ schaffen wollten, sollte in erster Linie „frei von Lüge, Betrug, Grausamkeit, Diebstahl, Faulheit, Trunksucht“ sein. 1923 schrieb Leo Trotzki über den „Sowjetmenschen“, der infolge der Revolution entstehen soll:

„Der Mensch wird unvergleichlich stärker, klüger, feiner werden … der menschliche Durchschnitt wird sich bis zum Niveau eines Aristoteles, Goethe, Marx erheben.“

Der estnisch-kanadische Historiker Andres Kasekamp wiederum stellt den Homo Sovieticus als einen Menschen dar, der nach dem Willen der Staatsführung keinerlei nationale Wurzeln oder Identität (der einzelnen Sowjetrepubliken) mehr aufweisen soll und die ganze UdSSR als seine Heimat sieht. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass nicht zuletzt auch die Grünen in ihrem Europawahlprogramm verstärkt die Bildung einer „europäischen Identität“ zu Lasten traditioneller nationalstaatlicher Bezüge betont hatten, erscheint die Bezugnahme auf die Idee des „Homo Sovieticus“ seitens Becks auch vor diesem Hintergrund als eher kurios.

Wie die linke Sowjetunion für die linke Studentenbewegung zum Feindbild wurde

In der Tat wurde die Idee einer Schaffung des „Neuen Menschen“ in der Sowjetunion bald ebenso aufgegeben wie die Idee der „Weltrevolution“. Bereits in den 1930er Jahren setzte sich Josef Stalin gegen seinen Hauptwidersacher Leo Trotzki durch, als es darum ging, die Doktrin vom „Sozialismus in einem Lande“ gegen jene der „permanenten Weltrevolution“ durchzusetzen – mit dem Ziel, die kommunistische Herrschaft in der Sowjetunion zu festigen, statt sich in der globalen Unterstützung von Revolutionen zu verzetteln.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gelang es Stalin, in jenen Ländern Osteuropas, in welche die Rote Armee vorrücken konnte, kommunistische Regime zu errichten. Dennoch war die Politik der Sowjetunion eher darauf ausgerichtet, ihren bereits errungenen Machtbereich zu festigen, als um jeden Preis kommunistische Machtergreifungen in anderen Ländern zu unterstützen.

Aus Sicht vieler kommunistischer Sympathisanten im Westen war dies natürlich enttäuschend und deshalb wurde beispielsweise Mao Zedong, der sich nach dem Tod Stalins mit den Sowjets überwarf, weil diesen seine politischen Programme zu radikal waren und zu viel Chaos schufen, und nicht Leonid Breschnew zur Ikone der Studentenbewegung. Darüber hinaus waren die Erfolgschancen an der Sowjetunion orientierter und offen kommunistischer Gruppierungen innerhalb der westeuropäischen Öffentlichkeit infolge der Blockkonfrontation und des Kalten Krieges eingeschränkt.

Während die Sowjetunion als erstarrt und sich auf den vermeintlichen Errungenschaften des Sozialismus ausruhend wahrgenommen wurde, wurde etwa Maos China als Hort einer permanenten revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft angesehen – in der sich emanzipatorische westliche Intellektuelle beheimateter und verstandener fühlten als in der wenig akademisierten sowjetischen Funktionärsaristokratie.

Nicht Konsensfähiges zum Konsens machen

Vor diesem Hintergrund spricht auch gerade der Hinweis Marieluise Becks auf die „NGOs“ und „Gendergruppen“ Bände, deren Auftreten in der Ukraine infolge des Maidan sie auf ihrer facebook-Pinnwand so stark bejubelt. Diese nimmt die aus der Studentenbewegung hervorgegangene frühere Maoistin offenbar heute als Träger einer dynamischen Gesellschaftsveränderung in jene Richtung wahr, die sie in ganz Europa für wünschenswert hält.

Denn was sind eigentlich NGOs? Der konservative US-amerikanische Analyst John Fonte beschreibt sie in seinem Buch „Sovereignty or Submission“ als Gruppen mit einer politischen Agenda, die nicht über die erforderliche breite Konsensfähigkeit verfügt, um in funktionierenden Demokratien auf konventionellem Wege innerstaatlich Mehrheiten dafür erringen zu können – und die deshalb auf dem Wege der Einflussnahme und des Lobbyismus in supranationalen Institutionen wie der UN oder der EU auf diesem Umweg von oben in die Gesetzgebung der einzelnen Staaten eingebracht werden soll – notfalls auf Kosten deren souveräner Gestaltungsrechte.

Eine Vorstellung also, die davon ausgeht, dass die breite Bevölkerungsmehrheit durch Tradition, Religion, überlieferte Werte und ökonomische Interessen in einem „falschen Bewusstsein“ gefangen sei und dass es deshalb einer „aufgeklärten“ intellektuellen Elite bedürfe, die diese auf dem Wege der Nutzung staatlicher Hoheitsbefugnisse oder Entfaltung gesellschaftlichen Drucks bzw. Einschüchterung zum „richtigen Denken“ zu erziehen hätte.

Und das ist es schließlich, was nicht wenige Menschen auch in Westeuropa mit der „Verbotspartei“ der Grünen assoziieren.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Die „Dame“ hat sich wohl in der Partei geirrt….die verdummung der Politiker sucht seines gleichen momentan.

    Jetzt soll Russland auch noch der Flugzeugabsturz angehängt werden mit kommentaren wie… Blackbox in Moskau, EU befürchtet Manipulation….

    Also wenn einer Mannipuliert sind es die Amis und die EU siehe die kriege in den letzten Jahren.

  2. Diese Partei ist das schlimmste was hier transatlantisch kreuscht und fleuscht.
    Könnte glatt von einem Soros oder Gates gesponsert sein. Auch von denen bitte ALLE raus aus dem Bundestag. „Verbotspartei“? Ja, bitte, fangen wir bei olivbraun an.

  3. Wer finanzierte diese Dauerbetroffenen eigentlich?

    Ist es wahr, dass die Rockefellers größere Beträge in die Grünen investierten?

    Naja, wer die Deutsche Bundeswehr zum Einrichten der größten Opiumplantage der Welt in Afghanistan mißbraucht ist für mich sowieso das Allerletzte.

    Man gehe zum Hauptbahnhof und schaue die Drogenabhängigen in ihren Exkrementen liegen – dafür darf man sich dann bei den Grünen bedanken.

    „Gebt das Hanf frei“ – das hätten diese antideutschen Rassenhasser wohl auch noch gern.

    • Wer das Theater, wie auch die NGOs finanziert ist schon klar. Die Firma Rußland, vertreten durch seine private Zentralbank, spielt mit der Firma United States, vertreten durch die private Zentralbank mit der Firma Ukraine, murmeln, um uns an die Möglichkeit eines Krieges in Europa zu gewöhnen. Gesteuert wird das durch die private Zentralbank der Zentralbanken BIZ und unterstützt mit glaubhaften Szenarien vom Tavistock-Institut. Das bipolare Spielchen lädt immer zum Beziehen von Stellung für die Einen oder die Anderen ein, aber es lohnt sich nicht. Die Teilung der Firma Ukraine muß man den Leuten durch die unterschiedlichen Interessen deutlich machen, wobei auf allen Seiten wohl die Blackwater-Nachfolge-Söldner gegeneinander kämpfen dürfen.

        • Wäre Rußland unter der Kontrolle der FED-Inhaber hätten wir vermutlich längst die Weltregierung.

          Es scheint, die Arme der Krake reichen weit – alles aber werden sie wohl noch nicht kontrollieren. Die Übernahme Rußlands scheint eher gescheitert.

  4. Für diese Frau sind Leute die Ihrer Anti-Russland-Haltung widersprechen, Trolle. Ihre Facebook-Seite spricht eine eindeutige Sprache. Ein gefährliches und verlogenes Spiel treibt sie und bringt die Friedensbewegung in Verruf. Dass sie mit ihrem weltfremden Getue dabei den Obertroll gibt, ist ihr offensichtlich entgangen. Ihre Kontakte zur US-Rüstungs- und Frackingindustrie sind bekannt. Heinrich Böll würde sich im Grabe umdrehen, was „Grüne“ wie MLB da in seinem Namen veranstalten.