Kommentar: Deutschland- Das Land der Duckmäuser und Ja-Sager

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Frank-Walter Steinmeier, der deutsche Außenminister, sprach im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung der SPD am Montag, den 19.5.2014, auf dem Alexanderplatz in Berlin. Als er von Demonstranten mit Zwischenrufen unterbrochen wurde, stoppte er seinen eigentlichen Vortrag und widmete sich in einer Wutrede an diese. Mittlerweile hat diese Wutrede in den sozialen Netzwerken einen gewissen Kultstatus unter der Schlagzeile “Steinmeier schreit Gegner nieder” erreicht.

Hört zu! Eine Aussage- gerichtet an ein laut Spiegel Online “diffuses Bündnis von linken Gruppen und Verschwörungstheoretikern”, die ihn während der Rede im Bezug auf den Ukraine Konflikt lautstark als Kriegstreiber quittierten und auspfiffen. Frank-Walter Steinmeier, der populärste deutsche Politiker laut Umfragen, ein Kriegstreiber? Ich war verblüfft. Die Deutschen, ein Volk, dass sich in den letzten Jahren zu einem Land voller Duckmäuser und Ja-Sager entwickelt hat. Angefangen bei den obersten Politikern, unserer Kanzlerin, unseres Innenministers, ja sogar unseres freiheitsliebenden und predigenden Bundespräsidenten, die alle keine klaren Worte, geschweige denn Taten auf unfassbare Enthüllungen und Konflikte fanden, bis hin zum letzten Bundesbürger, der doch nur mehr über die sogenannten “Massenmedien” kontrolliert wird und dessen einzige bundespolitische Aufgabe nur mehr darin besteht alle paar Jahre als Stimmvieh für die etablierten Parteien zu dienen.

Diese Deutschen sollen es tatsächlich gewesen sein, die sich nun wöchentlich über sozialen Netze und durch Mundpropaganda Montags in verschiedenen Städten Deutschlands treffen und gegen die Medien und etablierten Parteien demonstrieren? Diese Deutschen sollen ihren beliebten Außenminister, der seit Monaten für den Frieden in der Ukraine wirbt, als Kriegstreiber beschimpft haben? Und dieser Politiker soll die “Cojones” ( Anmerkung: spanisch für Eier) gehabt haben und eine Wutrede gegen diese engagierten friedliebenden Mitbürger gehalten haben. Ich bin seit diesem Montag völlig desillusioniert und muss mir eingestehen, dass ich solche Entwicklungen von den Deutschen nicht erwartet hätte.

Doch ich empfinde einen gewissen faden Beigeschmack; denn der Außenminister sprach erst in der dieser Woche von einem großen Graben zwischen Politik und der Bevölkerung. Er hatte eine Studie in Auftrag gegeben, um zu erfahren wie die Deutschen über die deutsche Außenpolitik denken. Die Studie fiel für unseren Außenminister, der in Kooperation mit der deutschen Verteidigungsministerin Frau Von der Leyen mehr deutsches Engagement in der Welt fordert, katastrophal aus, denn fast 2/3 der Bevölkerung sprechen sich momentan gegen mehr Auslandseinsätze aus. Paradox. Da gehen die Deutschen doch tatsächlich auf die Straße, demonstrieren gegen ihre Kriegstreibenden Politiker und deren Massenmedien, lehnen auch noch Auslandseinsätze, vor allem im Bezug auf den Ukrainekonflikt, mit großer Mehrheit ab und ihr Außenminister brüllt der Menge zu, dass sie zuhören sollen, denn sie hätten Europa immer noch nicht verstanden, in dem doch nicht mehr geschossen wird und Menschen sich neuerdings zuhören.

Lieber Herr Steinmeier, ich hinterfrage ihre zweiminütige Rede nun einmal kritisch; Sie werfen den Menschen vor, selber Kriegstreiber zu sein, da sie gegen die Maidanfaschisten, die rechtsradikalen Putschisten in der Ukraine, die den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowytsch aus dem Amt jagten, demonstrieren. Sie sagen die Deutschen hätten kein Recht dazu. Ich verstehe das, doch dann frage ich mich, wie definieren sie Recht. Ist das Recht länderübergreifend variabel und kann je nach passender Situation verändert und ausgelegt werden? Ist es rechtens eine demokratisch gewählte Regierung zu stürzen und eine nicht legitimierte Putschregierung zu unterstützen?

“Und der deutschen Sozialdemokratie muss man nicht sagen, warum wir für Frieden kämpfen- nicht der deutschen Sozialdemokratie.”

So ist das also, die deutsche Sozialdemokratie steht über den Meinungen der deutschen Bevölkerung, die sie und ihre Partei legitimiert. Sie allein entscheidet richtig, denn nur diese Partei ist mit der Gabe gesegnet, die Gründe für Frieden zu kennen und für diesen zu kämpfen. Bildich sehe ich schon Frank-Walter Steinmeier mit Friedensflagge und SPD Emblem an vorderster Front in künftigen osteuropäischen Konflikten stehend.

“Die Welt besteht nicht nur auf der einen Seite aus Friedensengeln und auf der anderen Seite aus Bösewichten, die Welt ist leider komplizierter und Gott sei Dank gibt es einige Menschen die sich dieser Kompliziertheit widmen und Wege aus der Krise in der Ukraine suchen.”

So und nun die Erkenntnis, dass die Welt komplizierter ist als alle dachten. Aber es ja Gott sei Dank Menschen gibt, die sich dieser Weltpolitik widmen und versuchen das Beste daraus zu machen. Was das Beste ist, und was diese Handlungen implizieren, dass bleibt für diesen Montag Frank-Walter Steinmeiers Geheimnis.

Und nun folgt das Anfangs oben erwähnte Zitat, dass es Menschen gibt, die Europa immer noch nicht verstanden haben. Denn in diesem heutigen Europa wird nicht mehr geschossen und es wird sich zugehört. Herr Steinmeier, ich sage es mal so, ich höre ihnen gerne zu, vor allem wenn sie so pathetisch von Kampf, Frieden, Bösewichten und dem Recht sprechen. Solche Reden wünscht man sich wirklich öfter, denn diese Reden geben Aufschluss über unsere Politik. Keine vorbereiteten Pressemitteilungen, dessen Inhalt so aussagend ist wie…nun ja, eigentlich sind sie es gar nicht. Aber Herr Steinmeier, ich muss sie fragen, hören sie ihrer Bevölkerung eigentlich zu? Es wird in Europa sehr wohl geschossen, gemordet und gefoltert. Ja sogar von Menschen, die ihrer Meinung nach keine Kriegstreiber sind, sondern Gutmenschen, die den Frieden wollen.

Ukrainische Anhänger der “Svoboda” Partei, die Menschen bei lebendigen Leib verbrennen, unsere amerikanischen Freunde, die sich ehrenamtlich in der Ostukraine betätigen um den Menschen dort den Frieden und die wahre Demokratie zu bringen und deutsche Offiziere der Bundeswehr, die schon immer einmal die ukrainischen Menschen und Landschaften kennen lernen wollten und sich dort ohne jegliches Mandat außerhalb unserer Landesgrenzen befinden. Die Bevölkerung hat ihnen zugerufen, dass sie ein Kriegstreiber sind. Die Bevölkerung hat ihnen mit Hilfe ihrer Studie erzählt, dass sie gegen Auslandseinsätze sind. Und die Bevölkerung unterscheidet sehr wohl zwischen Gut und Böse und weiß, dass die Wahrheit dazwischen liegt- anders als von unseren Medien in Schwarz-Weiß (Guter Amerikaner & Böser Russe) vorgetragen.

Doch wenn ich mir ihre Rede anhöre, komme ich einfach zu dem Entschluss, dass sie derjenige sind, der nicht zuhört. Denn sie sagen, wenn die deutsche Politik auf Leute wie diese (die Demonstranten am Alexanderplatz in Berlin) gehört hätte, wäre Europa heute kaputt. Also hören sie ihrer Bevölkerung absolut nicht zu, nein sie ignorieren diese und stellen auch noch die Hypothese eines kaputten Europas auf, wenn es nach dem Willen ihrer Bevölkerung gegangen wäre. Da muss ich kurz nachhaken, und fragen wie sie den Unterschied zwischen dem heutigen kaputten Europa, mit hohen Jugendarbeitslosigkeiten, bankrotten Staaten in der Knechtschaft der Troika, einem nahenden Kriegsausbruch im Herzen Europas zwischen europäischen Staaten, und einem kaputten Europa ihrer Meinung nach definieren würden.

Ich für meinen Teil schaue mir gern noch einmal ihre Rede an, freue mich über ihren Wutausbruch und den Parallelen zu Franz Josef Strauß Rede 1980, doch vor allem freue ich mich über das Ende des deutschen “Duckmäusertums” der Bevölkerung ( Herr Gysi, ich danke ihnen für diesen Begriff).

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=AX5m5swD-QU

(Foto Snapshot bearbeitet)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/steinmeier-bruellt-montagsdemo-auf-alexanderplatz-in-berlin-nieder-a-970571.html

9 Kommentare zu "Kommentar: Deutschland- Das Land der Duckmäuser und Ja-Sager"

  1. Auf einer schweizerischen Webseite wurde da der Begriff „Brüllaffe“ ins Spiel gebracht – ich habe aber absolut keine Ahnung, was damit gemeint war.

    Also die Welt besteht nicht nur aus Guten und Bösen?

    Jetzt bin ich aber überrascht! Die Staatsjournalisten von Steinmeiers Gnaden erzählen da aber seit Wochen was ganz anderes:

    Böser Putin, guter Westen.

    Oder meint der Br…äh Steinmeier da vielleicht Syrien? Ist Assad also nicht der Alleinböse und die Aufständigen nicht die Guten?

    Apropos Gysi – war das nicht der Vertreter eines Folterlager-Regimes? Nein, ich mein diesmal nicht das NS-Regime, auch nicht Obama.

    Und ich dachte, der wäre längst vorm Kriegsverbrecher-Trimunal in Den Haag. Sachen gibts!

    • Lieber Richard ! Vielen Dank für diese Worte.

      Wie ich erst diese Woche exklusiv erfahren habe, steht nicht nur Mr. Gregory Gysi, der Sohn von Erich Honecker, vor dem Gericht. Nein es wurden doch tatsächlich auch der ehemalige Innenminister Hans-Peter Friedrich wegen weitreichender Spionageaktivitäten im Weißen Haus und Wladimir Putin, der wieder einmal Oberkörper frei auf seinem Angelausflug Schwule Propaganda von sich gab, angeklagt.

      Hierbei ist natürlich anzumerken, dass die Angeklagten durch ihre Pressesprecher schon verlauten ließen, dass sie zutiefst bestürzt seien, die kommenden Termine in Den Haag nicht besuchen zu können. Man müsse verstehen, die Fußball Weltmeisterschaft in Brasilien hätte da Vorrang.

      Einen schönen…

  2. Ich glaube, der Autor verwechselt Auslandseinsatz mit Außendiplomatie. Es stimmt, dass die meisten deutschen Auslandseinsätze der Bundeswehr ablehnen, im Übrigen auch ich. Zum Glück wird es nie einen Auslandseinsatz in der Ukraine geben. Auch wenn Putin in die Ukraine einmarschiert bzw. ist er ja schon, wird Deutschland mit Sicherheit nicht militärisch intervenieren … und das ist gut so. Schließlich gibt der Klügere nach. Und ich halte Frau Merkel wesentlich klüger als Putin, auch wenn ich sie nicht gewählt.
    In ihrem Text kommt es mir vor als wenn die Bundeswehr schon längst in der Ukraine ist. Und wenn sie die Gruppe Militärbeobachter auf Grundlage des Wienderdokuments als Auslandseinsatz ala Afghanistan abstempeln, dann tun sie mir…

    • Wirtschaft ist Krieg im Frieden.Erst wird der Konkurrent und der mögliche Konkurrent(Arbeitnehmer) bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu gewinnen gibt,folgt der Satz: “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”

      “Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.”, lautet ein berühmtes Zitat des preußischen Generals Carl von Clausewitz,der Anfang des 19. Jahrhunderts in den napoleonischen Kriegen eine entscheidende Rolle spielte.

      Lassen sie mal oben diese Zeilen auf sich wirken,wenn Sie Zeit haben und gehen Sie in sich. Und selbst wenn es den Leuten peinlich ist, die Lohnabhängigkeit bleibt bestehen und wenn ein neuer Adolf Hitler käme, so würden sie ihm rein aus Lohnabhängigkeit…

    • Si tacuisses, philosophus mansisses. Lieber „Watzke“, keine Sorge, hier wird überhaupt nichts auf Grundlage von irgendentwas angenommen. Der Artikel ist maßlos überspitzt geschrieben und nimmt die ein oder andere Äußerung von Herrn Steinmeier nicht wirklich ernst und versucht diese satirisch zu kommentieren. Aber bedenken sie, die Wahrheit stirbt im „Krieg“ immer zuerst… Schönen Abend !

  3. Überspitzung ist durchaus manchmal notwendig bei Zeitgenossen, die das was nicht überspitzt ist, nicht als ausrechend (an)erkennen, um die Wahrheit der Situation zu erfassen.
    Eigentlich hätte das was nicht überspitzt ist, längst einen anderen Kommentar abnötigen sollen… und wenn das so geschehen wäre, müßten wir uns hier auch nicht über Spitzfindigkeiten unterhalten…
    Schönes WE.

  4. Maßlos Überspitz? Na dann bin ich ja erleichtert. Und ich hab mir schon Sorgen gemacht, dass der Autor diesen Schwachsinn ernst meint.

    Eigentlich war ich ja der Auffassung, dass die neopresse versucht seriös und unabhängig zu berichten. Derweil wird nur dunkelrote Suppe berichtet bei der man nicht mal weis ob das nun ernst gemeint ist.

    Sorry, aber da lese ich demnächst doch lieber Postillon, das ist wenigstens komisch.

  5. Lieber “ Watzke“, wenn sie reine Satire lesen wollte, sind sie wahrscheinlich wirklich mit dem Postillon besser bedient. Jedoch unterscheiden sie dann bitte zwischen Bericht und Kommentar. Ein Kommentar soll den eigenen Standpunkt mit Informationen unterlegen und die eigene Meiung argumentativ begründen. Hierbei beliebt jedes rethorische Mittel und ist dem Autor frei überlassen. Aber noch als Ergänzung: Frank-Walter Steinmeier’s Rede bot sich förmlich an, diesen kritisch und satirisch zu kommentieren. Aber bedenken sie;

    „Geschmack ist die Kunst, sich auf Kleinigkeiten zu verstehen“

  6. revolution jetzt . weg mit dieser alle 4 jahre gewählten politmafia . wir werden doch nur verwalltet . es wird immer unerträglicher . meinungsfreiheit ist nicht gewollt . es lebe die freiheit .

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