Kommentar – Der Wahlsieg der AfD

Das zu erwartende gute Abschneiden der rechtsradikalen Populisten der AfD hat vielleicht auch etwas Positives: Die Wahlen öffnen hoffentlich denjenigen die Augen, die stets behauptet haben, Rassismus sei in Deutschland nicht mehrheitsfähig.

Von Kaveh Ahangar – Niemand kann jetzt mehr glaubhaft leugnen, dass Rassismus nicht nur ein Problem von Neonazis ist, sondern die Mitte der Gesellschaft von rechtsradikalen Ressentiments nur so durchtränkt ist. Man könnte sie auch die extreme Mitte nennen.

Endlich geben mindestens 24% der Sachsen und zwischen 13 und 15% der Südwestdeutschen offen zu, menschenverachtende Rassisten zu sein, die Geflüchtete und Muslime hassen und ihr heißgeliebtes weißes Deutschland in Gefahr sehen. Viele von uns haben zwar schon seit den 90ern am eigenen Leib erfahren müssen, dass die Mehrheitsbevölkerung so tickt, aber man hat bisher immer so getan als ob die täglichen rassistischen Übergriffe, Anschläge und Morde lediglich ein Problem des rechten Randes gewesen seien. Je mehr Menschen diese rechte Gefahr jetzt hoffentlich bewusst wird, desto besser.

AfD-Wähler sind mir dabei fast schon sympathischer als die vielen Rassisten, die es auch in den anderen Parteien gibt. Denn manche von ihnen denken zwar genauso wie die AfD, bringen aber nicht den Mut auf es auch ehrlich zum Ausdruck zu bringen. Die AfD – die überdurchschnittlich von ungebildeten Männern, Arbeitern, Arbeitslosen und den unteren Mittelschichten gewählt wird – ist diesbezüglich weniger heuchlerisch und man weiß bei ihnen wenigstens woran man ist.

Sie machen aus ihrer Menschenverachtung keinen Hehl. Die große Koalition dagegen tut so als würde sie eine flüchtlingsfreundliche Politik betreiben, während sie hinten herum die Refugees massenweise abschiebt und das Asylgesetz verschärft. Darüber hinaus sollte man eines nicht vergessen: die neoliberale Sparpolitik der etablierten Parteien seit Ende der 90er Jahre hat unter anderem erst die Grundlagen dafür geschaffen, dass Menschen heute en Masse die AfD wählen.

Diese Wahl hat aber noch etwas anderes offenbart. Selbst wenn Politiker*innen wie Klöckner und Wagenknecht in populistischer Manier von Obergrenzen schwafeln, wählen die Menschen lieber eine Partei, die auch die Glaubwürdigkeit besitzt, Obergrenzen tatsächlich durchzusetzen und auch dazu steht mit rigoroser Waffengewalt die Grenzen „schützen“ zu wollen. Je mehr man den Rechtsradikalen mit rassistischen und populistischen Zugeständnissen entgegenkommt, desto mehr fühlen sie sich scheinbar in ihren Positionen bestärkt.