in D/A/CH

Wie eine Osterbotschaft kam am Karfreitag das Interview der Frankfurter Rundschau mit Claudia Roth daher. In einem beigestellten Porträt wurde festgestellt, dass die Bundestagsvizepräsidentin vielen als „richtig nervig“ gilt, da sie „gerne polarisiert“. Nun lässt sich ja bewusst polarisieren, indem man eine fundierte Position vertritt und darin konsequent ist und bleibt; und das muss nicht schlecht sein. Man kann aber auch anders polarisieren, nämlich mit permanent irrationalem  Geschwafel, welches die sachliche Diskussion über Machbares blockiert. Wie auch dieses Interview wieder zeigte, gehört Frau Roth’s Polarisierung nicht zur ersten Kategorie.

Wir erfahren, dass Claudia Roth auf Rundreise durch die Krisenherde dieser Welt war, und nun über das dortige Grauen aus erster Hand berichten kann. Das tut sie denn auch mit dem ihr eigenen Pathos und bildhaften Metaphern.

Es kann doch nicht sein, dass Europa auf die Flüchtlingstragödien an seinen Außengrenzen mit Abschottung und Ausweisung reagiert und das Ertrinken von Tausenden Menschen billigend in Kauf nimmt. Das Mittelmeer ist inzwischen ja zu einem Meer des Todes geworden. … Wir werden uns natürlich darüber auseinandersetzen müssen, ob wir uns in Europa weiter diesen Wettlauf der Schäbigkeit im Umgang mit Flüchtlingen leisten wollen

Eigentlich hat man sich daran gewöhnt, doch diesmal dachte ich: Kann ihr denn nicht mal jemand sagen „Halt die Klappe!“ Nicht nur, dass sie fremdenfeindlichen Elementen Wasser auf die Mühlen gießt, die dann wieder verkünden können, dass ranghohe Politiker fordern, dem weltweiten Flüchtlingsstrom die Tore zu öffnen. Sie vernebelt auch völlig die Sicht auf die Realität, auf das Machbare.

mikethecat sagt:
Wenn Claudia Roth, als Speerspitze des Gutmenschentums in diesem unserem Lande, die erste syrische (möglichst Groß-)Familie bei sich zuhause aufnimmt, und auf eigene Kosten verpflegt, was ihr bei ihrem Einkommen nicht schwerfallen dürfte, könnte ich diese ihre Gefühlsduselei evtl. ernst nehmen.

Dieser Kommentator hat zwar recht, er lässt sich aber auf die gleiche irrationale Ebene herunterziehen. Ebenso verheerend sind die Auswirkungen auf die öffentliche Debatte, die ihre Sachbezogenheit verliert und damit jede Aussicht auf gesellschaftlichen Konsens.

Das für mich empörendste aber: Frau Roth wirft den Menschen in Europa vor, dieses fürchterliche Leid billigend in Kauf zu nehmen. Nicht nur, dass sie damit die geleistete Hilfe, das Engagement der Hilfe Leistenden klein redet; sie weigert sich ganz einfach anzuerkennen, wo unsere Verantwortung und unsere Möglichkeiten enden. Billigend in Kauf nehmen kann man nur, wozu man eine Alternativentscheidung hätte.  Niemand in Europa billigt das, was in Syrien und anderen Orten der Unmenschlichkeit geschieht. Und niemand nimmt es in Kauf, denn dazu müsste man gleichzeitig die Möglichkeit haben, es zu ändern.

Aber wenn wir schon dabei sind, reden wir doch über Dinge, die wir ändern könnten. Zum Beispiel die Rüstungsexporte – da nehmen wir tatsächlich Menschenopfer billigend in Kauf! Wir billigen die Produktion der Waffen und nehmen in Kauf, dass damit Menschen getötet werden. Und hätten die Möglichkeit, das zu beenden, es wäre allein unsere Entscheidung: das Verbot aller Rüstungsexporte und der Abbruch aller Handelsbeziehungen mit rüstungsexportierenden Ländern. Könnten wirklich mal ein Zeichen setzen, uns als Europäern, als Erben der Aufklärung Ehre erweisen.  Halt – ich vergaß – das widerspricht ja den Gesetzen unserer Götter: Markt und Wachstum. In solche Konflikte begeben sich die Berufs-Philanthropen schon lange nicht mehr. Lieber fordern sie, die Sterne vom Himmel zu holen; das ist ungefährlicher und bleibt ohne Folgen. So werden Roth & Co. auch weiterhin mit ihrem Sabber das Füllhorn der Gutmenschlichkeit zum Überlauf bringen. Das lenkt ja so wunderbar ab – von den Dingen, die wirklich getan werden können, getan werden müssen.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Solchen „heligen Zorn“, wie der Autor ihn zeigt, müssen wir uns alle erhalten! Wenn wir uns das hirnlose Verbreiten von verlogenen Befindlichkeiten nicht mehr gefallen lassen, schaffen wir Raum für gut durchdachte Fortschritte.

    Tatsache ist allerdings, dass die ursprünglichen Anweisungen an die Grenztruppe Frontex so hart waren, dass so gut wie sicher war, dass es auf hoher See Tote geben würde.

    Roth und ihr Verein haben sich den Pazifismus radikal ausgetrieben und sind heute in der deutschen Politik die größten Kriegstreiber geworden. Dass sie immer noch von Menschlichkeit reden, ist schizophren.

  2. Rassismus läßt sich auch durch unterbewerten wie negieren der Partikularinteressen eines Volkes ausdrücken.

    Roths Nachordnen Deutscher Interessen gegenüber Wirtschaftsflüchtlingen, Islamisten und afrikanischen Drogendealern ist nichts anderes als Rosenbergs Ideologie mit vertauschten Vorzeichen.

    Im Kaiserreich gab es noch den Tatbestand des Hochverrats – in der BRD gilt dies als „politisch korrekt“.

    „Politisch korrekt“ ist Roth zweifelsohne…

  3. Dieses verlogene Geschwafel von CDU-CSU/SPD/FDP/GRÜNE ist nur noch zum Kotzen! Wie kommt es denn zu den Flüchtlingsströmen aus Syrien, Libyen, Afrika, wenn nicht durch vom Westen angezettelte Stellvertreterkriege, von unseren verhurten Leitmedien auch gerne als „Bürgerkriege“ bezeichnet?!

    Der Westen könnte das sofort abstellen, indem er aufhört, den massenmörderischen islamistischen Psychopathen Geld, Training, Waffen und logistischen Support zu geben. Auch könnte man die verlogenen türkischen Machthaber dazu zwingen, die Rattenlinien über ihre Grenze nach Syrien zu blockieren. Und dann ein Wörtchen mit den Saudis und Kataris darüber wechseln, daß sie gefälligst aufhören sollen, ihren „youth bulge“, also ihre überflüssige und für…

  4. … die eigene Machtposition brandgefährliche männliche Jugend in diesen Krisenregionen zu entsorgen. Dieser den Bekloppten als Djihad verkaufte Terrortourismus ist für die Petro-Diktatoren eine echte „win-win“-Situation, während die betroffenen Länder zerstört werden und ausbluten.

    Das könnte man natürlich sofort beenden … wenn dem nicht die geostrategischen Interessen unserer transatlantischen „Freunde“ entgegenstehen würden: da hört dann die Humanismus-Heuchelei unserer korrupten Parlamentarier und Politkasper ganz schnell auf!

  5. @macmarine: Sie treffen den Kern der Sache! Es st nicht so, wie Roth deklamiert, dass die USA und ihr Gefolge (wir!) nur billigend in Kauf nähmen, dass ganze Länder zerbrechen und die Menschen von dort zu uns fliehen, wobei sie angesichts der Abschottung des Schengen-Rums oft den Tod finden.

    Sie bereiten vielmehr im Untergrund die Zerstörung erst vor (Libyen, Ägypten, Syrien, Ukraine), wo sie nicht gleich die Länder selbst militärisch überfallen (Irak, Afghanistan).

    @Richard: Auf die wichtigen ganz natürlichen „Partikularinteressen“ wie das Interesse an der ungestörten Ausübung der eigenen Lebensweise innerhalb unseres Landes und in Europa nimmt da natürlich niemand Rücksicht. Es geht ja um (das selbst erzugte) Problem von Leben…