in D/A/CH

Wie durch eine über Twitter verteilte, den ersten Meldungen nach, authentische Dienstanweisung bekannt wurde, sollen hunderte Imame in Deutschland und Österreich den Auftrag erhalten haben, Einrichtungen der Gülen-Bewegung und deren Anhänger auszuspionieren.

Wie Ausschnitte einer Liste zeigen, die der Welt vorliegt, wurden die fraglichen Personen nach politischer Zuverlässigkeit beurteilt und es sind zahlreiche deutsche Staatsbürger betroffen.

Die betroffene Anweisung soll aus dem Büro des Diyanet (Türkisches Ministerium für religiöse Angelegenheit) Präsidenten Prof. Dr. Halife Keskin stammen und an Vertretungen in 38 Ländern verschickt worden sein.

In einer ersten Reaktion berief der österreichischen Außenminister den Geschäftsträger des dortigen Diyanet Ablegers Atib ein. Gleichlautende offizielle Verlautbarungen von Ditib und Atib zufolge, bestreiten die Verbände, Anweisung erhalten zu haben, Berichte verfasst oder weitergeleitet zu haben, distanzieren sich von der Maßnahme und streiten jegliche Kenntnisse ab.

Wie wahrscheinlich ist der Vorfall ?

Wie aus einer kleinen Anfrage von Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE hervorgeht, scheint ein erster Spionageverdacht im Dezember 2014, nach Verhaftung dreier mutmaßlicher Spione des türkischen Geheimdienstes MIT aufgekommen zu sein. Davor berichtete der Focus bereits 1994.

So heißt es in dem Text

…Ein Zentrum der MIT-Aktivitäten für Deutschland sei demnach die zum staatlichen Religionsamt der Türkei gehörende DITIB-Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld… – Drucksache 18/5646, Deutscher Bundestag

Entscheidend hierbei ist, dass sich die Vorwürfe in diesem Fall auf den Geheimdienst MIT beziehen. Das ist deshalb zu unterscheiden, da Geheimdienstmitarbeiter vorwiegend andere Tätigkeiten ausführen als religiöse Würdenträger, deren seelsorgerische Tätigkeit ein besonderes Vertrauensverhältnis voraussetzt.

Wie ein auf Wikileaks veröffentliches Dokument verrät, steuert die Ditib selbst auf einen Richtungsstreit zu. Während Ankara den Einfluss auf die in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft zumindest teilweise aufrecht erhalten möchte, fühlen sich insbesondere jüngere Deutschtürken mehr und mehr entfremdet und in ihren Bedürfnissen vernachlässigt. Gemäß anderer Quellen scheint es die Tendenz zu geben, die Ditib zunehmend als politisches Werkzeug zu nutzen.

Internationale Auswirkungen

Das entschiedene und weltweite Vorgehen der türkischen Regierung gegen die Gülen Bewegung scheint die muslimischen Länder in zwei Lager zu teilen.

Während bspw. Pakistan Angehörige und Mitarbeiter der Gülen-Bewegung des Landes verwiesen hat, haben sich andere Länder wie Kirgistan und Kasachstan entschieden gegen entsprechende Ansuchen gestellt. während bspw. Nigeria langatmige Prüfverfahren angekündigt hat.

Eine großangelegte Social Media Offensive mit der Absicht Präsident Erdogan als Führungsfigur der islamischen Welt zu etablieren, ist außerhalb der Türkei größtenteils verhallt.

Insbesondere arabische Staaten tragen hinsichtlich historischer Erfahrungen im osmanischen Reich tief sitzendes Misstrauen gegen die Türkei, dass die aktuellen Ereignisse nicht mindern.

Auswirkungen auf Deutschland

Ein von der Ditib durchgeführter, großflächiger, islamischer Religionsunterricht in deutschen Schulen ist vermutlich hinfällig.

Der Migrationsbericht 2015 zeigt, dass der Anteil türkischstämmiger Muslime von 68 % auf 51 % abgefallen ist. Ursache dürfte in der großen Anzahl islamischer Neuankömmlinge im Verlauf der Flüchtlingskrise und der, im Vergleich, geringen Geburtenrate von türkischstämmigen Muslimen in Deutschland liegen.

Ein Alleinvertretungsanspruch der türkischen Religionsbehörde ist damit nicht mehr gegeben und alle anderen Verbände werden verstehen, wie schnell sie in Ungnade fallen können.

Zusätzlich hat sich die politische Machtstruktur in Europa verändert. Die härtere Türkei Linie des österreichischen Außenministers Kurz erfährt breite Unterstützung und der derzeitige französische Präsident Holland versucht erst gar nicht wiedergewählt zu werden.

Gleichzeit hat Bundeskanzlerin Merkel den CDU-Parteitagsbeschluss zur Wiedereinführung des Optionsmodell, das vorwiegend Deutsch-Türken betrifft nicht verhindern können und es zeichnet sich ab, dass sich die Verhältnisse zu Ungunsten der Türkei verschieben.

Sofern sich die erhobenen Vorwürfe bestätigen und keine ernsthaften Maßnahmen der Ditib erfolgen, wird man die Ditib Funktionäre auf das Abstellgleise schieben. Man geht oft nicht gegen bekannte Spione nicht vor, weil sie nur durch neue Spione ersetzt werden, die man nicht kennt.

In Sicherheitskreisen nennt man das die Champignon-Taktik:„Im Dunklen halten und mit Scheiße füttern.“

Die weitere Entwicklung der Türkei

Die Türkei ist kein wirtschaftlich stabiles Land. Das chronische Leistungsbilanzdefizit liegt bei 4,5 % des BIP, weit über amerikanischen oder griechischen Verhältnissen und hängt zu großen Teil vom Tourismus ab, der unter massiven Problemen leidet.

Das Militär hat bereits 1960, 1971, 1980 geputscht bzw. 1997 interveniert. Die AKP-Regierung kam in Folge des Wirtschaftseinbruchs als Auswirkung des Dotcoms Einbruch 2002 an die Macht.

Der Übergang von der türkischen Lira zur „neuen Türkische Lira“, Umtauschkurs 1:1.000.000 hat die Staatsverschuldung verringert, ohne die strukturellen wirtschaftlichen Probleme zu beseitigen.

Wieder verkürzt ausgedrückt, hat sich die AKP-Regierung von 2005 gerechnet, geschätzte 20 Jahre an Zeit gekauft, bis die Schuldenlast den Staatshaushalt erneut in die Knie zwingt.

Es macht, aus dieser Sicht, schlicht Sinn, die Zeit bis zum nächsten Einbruch zu Stabilisierung der Macht zu nutzen und etwaige Gegner auszuschalten.

Die natürliche Abfolge bei wirtschaftlichen Problemen ist eine zunehmende Bürokratisierung gefolgt von militärischen Konflikten. Die löbliche Ausnahme ist die Russische Föderation, die den Übergang nach Zusammenbruch der Sowjetunion weitgehend friedlich bewältigt hat.

Das größere Bild

Die Türkei hat mit der Operation „Atilla“ 1974 ein großangelegtes Landungsunternehmen auf der Insel Zypern durchgeführt. Ein Großteil der türkischen Bevölkerung sieht einen Teil der griechischen Inseln als traditionell türkisches Territorium.

Die Türkei hat nicht ohne Grund die 2. größte NATO Armee und Griechenland steckt nicht ohne Grund 5 % seiner Wirtschaftskraft in die Rüstung.

Wenn Präsident Erdogan sagt, dass die Türkei in ihren heutigen Grenzen nicht groß genug ist, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass er es nicht auch so meint. Es ist möglich, dass wir türkisch-griechische Konflikte um einzelne Inselgruppen sehen werden aber das wird Deutschland nicht betreffen, es wird Wien treffen.

Wir haben bei der Fußball-WM 2008 gesehen, wie es aussieht, wenn serbische und türkische Fans aufeinandertreffen und wir können das sehr gut wieder erleben. Wir sahen in den Balkan-Kriegen christlich-orthodoxe Milizen geben, die den Kampf aufnahmen. Die Teilnehmer vom Balkan sind größtenteils nicht tot, nur gereift.

Niemand auf der Welt zwingt irgendjemanden quer durch die Stadt, zu einem türkischen Gemüsehändler oder Friseur zu fahren aber in Wien ist das mehr oder weniger der Nachbar. Während Deutschland über mehrere Großstädte verfügt, ist Wien die einzige Millionenstadt Österreich.

Beim dritten türkischen Autokorso mit den „Türkei ist die beste Nation aller Zeiten“-Sprechchören werden jemanden die Nerven reißen und er wird etwas unheimlich Dummes tun.

Und genau deshalb wird Österreich vermutlich immer einen leicht härteren Kurs im Umgang mit türkischen Verbände wählen, weil der Spielraum für Fehlentscheidung geringer ist und letztlich jeder fürchtet, was im Fax aus Ankara steht.

Dein Kommentar

Kommentar

  1. Die CIA nahe GülenBewegung war sehr wahrscheinlich in den gescheiterten blutigen Putsch gegen die demokratisch gewählte türkische Regierung verwickelt.
    Und es war ein Anhänger der Gülen Bewegung, der gestern den russischen Botschafter in der Türkei ermordet hat.
    Die türkische Regierung hat allen Grund, gegen die GülenBewegung vorzugehen.

    • Und wem hat der Sultan sein Leben zu verdanken und das er seine Macht dadurch sogar noch ausbauen konnte?
      Dem „bösen, bösen“ Putin, der ihn nicht nur warnte, sondern mit Störsendern und funkelektr.Niederhaltung, die (CIA)Putschisten taub und stumm machte!
      Darum verlief der Putsch so stümperhaft, wie wir heute wissen!
      Erdogan soll froh sein, das er sich für den heimtückisch abgeschossenen russ.Bomber, im Auftrag der USA, entschuldigt hatte, sonst wäre er wohl nicht gewarnt worden und heute nicht mehr da!

  2. „Insbesondere arabische Staaten tragen hinsichtlich historischer Erfahrungen im osmanischen Reich tief sitzendes Misstrauen gegen die Türkei, dass die aktuellen Ereignisse nicht mindern.“

    Das geht vielen europäischen Ländern ähnlich, die unter der 400jährigen Türkenherrschaft zu leiden hatten! Deutsche kennen die Türkei und die Türken maximal aus dem Urlaub und finden dann alles ganz „toll“.

    Die russisch-türkische Liason sollte man nicht überbewerten. Es ist keine Freundschaft, sondern ein momentaner Interessenspakt, wegen Syrien und Nahost und damit gegen USA/Nato. Für die Russen ist das rein strategisch begründet.

    Man schauen ob dieser Pakt bestehen bleibt, wenn die Türken wieder in der Ägäis zündeln. Man kann ihnen nicht trauen!

    • Gut beobachtet! Da gibt es auch noch die Prophezeiung des Pater Paisios! Dabei würde sich der aktuelle Staatschef einen Konflikt mit Russland provozieren, in folge dessen die Türkei völlig zerstört werden und geteilt! Ein Teil geht an die Kurden, ein Teil an die Serben und der Rest würde zuerst russisch. Aber später auf Druck von Aussen Griechisch und Istanbul würde zu Konstantinopel umgenannt!

      • Danke für die Ergänzung, ich kenne die Paisios Propehzeiungen, die in der gesamten Orthodoxen-Welt verbeitet sind, wollte sie im Artikel aber nicht ansprechen, um Kritik an Neopresse fernzuhalten.

        Mindestens ebenso verbreitet ist Baba Wanga, mit einer auf den ersten Blick imposanten Trefferliste:
        – Tod von Lady Diana
        – Untergang der Kursk
        – Anschlag auf das World-Trade Center
        – Vorhersage des „arabischen Frühlings“

        Ich persönlich weiß aber nicht, ob die Prognosen einfach zutreffen oder Politiker sich danach richten. Bekannt ist bspw. das Verhältnis von Buchela „Pythia vom Rhein“ zu Bonner Regierungskreisen.

    • Hallo Alois Müller, danke für deinen Kommentar und ich hoffe, du bist mir nicht weiter böse, wenn ich dich Erhan nenne.

      Ich persönlich bin der Auffassung, dass wir am meisten lernen können, wenn sich zwei Geheimdienste streiten und Informationen nach außen dringen.

      Bzgl. deiner Frage zu NP, aufgrund meiner Einreichungen und einem sehr netten Redaktionsteam bin ich zumindest nicht der Meinung, dass dieses UNABHÄNGIGE Nachrichtenportal in irgendeinen Zusammenhang, zum türkischen Geheimdienst MIT steht.

  3. Der Islam gehört auf den Müllhaufen der Geschichte. Diese
    Gotteslehre eines unmoralischen Beduinen ist ein verwesender
    Kadaver der unser Leben vergiftet.
    Kemal Atatürk – der Gründer der „modernen“ Türkei

    • das menschlige seelengefledere wurde schon früh als elitäres werkzeug der nimmersatten gilden erkannt.
      um so mehr leid, um so mehr plump_magnetik.

      wer will den nicht in irgendein ausserirdisches paradies, das hier nur für säue reserviert zu sein scheint.

      • Ich denke das wirkliche Unheil liegt im Übergang vom Schamanen zum Priester.

        Schamane ist jemand, dessen Lebenserhalt von persönlichen Charisma und Fähigkeiten abhängt und erfolgt auf freiwilliger Basis – da kann ich nichts Negatives erkennen.

        Ein Priester erhält seinen Gehalt aufgrund seiner Funktion in einem System, das auch Zwang einsetzt. Insofern verständlich wenn mehr Augenmerk auf den Gehaltszettel als den menschlichen Beziehungen liegt.

        Ich halte das weniger für ein Problem der Religion als der Organisation.