in D/A/CH

Nabucco war ein Flaggschiff-Projekt der EU, um Gasunabhängigkeit von Russland zu erreichen. Der seltsame Teil der Geschichte war, dass niemand so genau wusste, wer das Gas für die Pipeline eigentlich liefern sollte. Und damit beginnt eine Kriminalgeschichte, um viel Geld, politische Intrigen und einen toten ehemaligen Botschafter – der seltsame Tod des Rakhat Alijew und seine Geschichte.

Der Politdeal

Neben schönen Landschaften, traumhaften Bergen und Opern von Mozart gibt es einige Dinge, die man über Österreich nicht weiß, unter anderem, dass der größte Erdöllieferant der Alpenrepublik das dünn besiedelte Kasachstan am anderen Ende der Welt ist.

Dies erklärt die besondere Bedeutung des kasachischen Botschafters in Wien und eine besondere Aufgabe erfordert eben einen ganz besonderen Mann – Rakhat Alijew. Der vormalige Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew, ehemaliger stellvertretender Geheimdienstchef, Vize-Außenminister und Nummer 2 im Staat.

Durch diese exzellenten Verbindungen überrascht es nicht, dass die OMV, Österreichische Mineralölverwaltung, Anführer des Konsortiums zum Bau der Nabucco-Gaspipeline wurde. Während sich die weit größeren Eni (Italien), Total (Frankreich) oder Shell (Niederlande) auf die Entwicklung des kasachischen Erdöl- und Erdgasfeldes Kaschagan konzentrierten und bei Nabucco nur im Hintergrund auftraten.

Bestimmungszweck des Nabucco Projekts, war unter Umgehung des russischen Transportnetzes Gas aus Zentralasien nach Westeuropa zu transportieren. Die Projektkosten lagen bei geschätzten 15 Milliarden Euro und das Projekt wurde von der Europäischen Union massiv unterstützt.

Das Geld

Die österreichische Bank Austria, wurde zum Eigentümer der kasachischen ATF Bank, die insbesondere den Außenhandel mit Deutschland abwickelt und alles schien auf Schiene. Gleichzeitig begannen dunklen Wolken über dem Projekt aufzuziehen.

Nach seiner zweiten Entsendung als Botschafter nach Österreich, begann die kasachische Justiz mit Ermittlungen gegen Rachat Alijew, die Entwicklung des Kaschagan Superfeldes geriet ins Stocken und die österreichische Beteiligung an der ATF Bank zeigte sich wenig gewinnbringend.

Um die sich anbahnende geringe Auslastung von Nabucco zu kompensieren wurde angekündigt sich um einen Vertrag über das Deniz Shah II Feld mit Aserbaidschan zu bemühen wobei Aserbaidschan bekannt gab, seine Gasproduktion massiv steigern zu wollen, wohl wissend, dass die Produktionskapazitäten von Schah Deniz alleine niemals ausreichen würden, um Nabucco auszulasten.

Es begannen damit wilde Spekulation um mögliche weitere Produzenten , genannt wurden unter anderen der Irak, der Iran, Turkmenistan oder Ägypten, alle scheiterten.

Der Deal platzt

Schließlich kam es zum Supergau, die Finanzkrise von 2008 schickte die Öl und damit auch die Gaspreise auf Talfahrt und der Konflikt um Ossetien und Abchasien zwischen Georgien und Russland eskalierte. Sicherheitsbedenken über die Routenführung durch den Südkaukasus wurden laut.

Die Beteiligung der Bank Austria an der ATF Bank musste in der Folge um etwa 2 Mrd. Euro abgeschrieben werden und die ersten Firmen begannen ihre Beteiligungen am Kaschagan Feld abzustoßen.

Etwa gleichzeitig wurde der nun ehemalige Botschafter Alijew in Abwesenheit zu 20 Jahren Straflager verurteilt und international zu Fahndung ausgeschrieben. Später bestätigte der europäische Gerichtshof die Zulässigkeit eines kasachischen Haftbefehls und der Abschiebung im Fall eines Ukrainers. Alijew setze sich nach Malta ab.

Geplanter Verlauf der Nabucco-Pipeline / Sémhur / wikimedia.org / CC BY-SA 4.0

Der italienische Haupteigentümer begann das Kasachstan Engagement der Bank Austria ernsthaft zu hinterfragen und das Kaschagan Elefantenfeld benötigte chinesische Investoren, um die Entwicklung aufrecht zu halten. Nabucco scheitertete vollständig.

Nach Meldungen des ZDF begann die deutsche Justiz mit Ermittlungen gegen Alijew wegen Geldwäsche. Während das Rechtsanwaltsbüro des deutschen Ex-Politikers Lothar de Maiziere ernsthafte Vorwürfe gegen die österreichische Justiz wegen Untätigkeit erhob.

Schließlich kam es zur in Wien zur Gerichtverhandlung gegen Alijew wegen des Mordes an zwei Bankern und er klagte über ernsthafte Drohungen durch Mitinsassen werden seiner Untersuchungshaft in der JVA Wien Josefstadt

Am 24. Februar 2015, in der Nacht vor seiner Aussage gegen zwei ehemalige Zellengenossen, die ihn bedroht haben sollen, begeht Rakhat Alijew Selbstmord in seiner Zelle.

Die Aufarbeitung

Selbstmorde im Verlauf politisch brisanter Prozesse sind in Österreich keineswegs unüblich:

Johann „Jack“ Unterweger österreichischer Serienmörder, der in Haft als Schriftsteller bekannt wird, erhängt sich in der Nacht nach der Urteilsverkündung in seiner Zelle.

Franz Fuchs, Attentäter und Bombenbauer bekannt als „Briefbomber“ erhängt sich in seiner Zelle, obwohl er durch eine Explosion bei seiner Festnahme beide Arme verloren hat und nur über Kunststoffprothesen verfügt.

Wolfgang Priklopil, bekannt durch den Fall Kampusch wirft sich vor einen fahrenden Zug der Wiener S-Bahn, um seiner Verhaftung zu entgehen. Der Chefermittler im Fall Kampusch, Franz Kröll, erschießt sich mit seiner Dienstwaffe.

Und schließilch Rakhat Alijew, Millionär, mächtiger Mann in Kasachstan und ehemaliger Schwiegersohn des Präsidenten erhängt sich in seiner Zelle.

Dazu berichtet die Zeit unter Berufung auf ein Privatgutachten des bekannten deutschen Rechtsmediziner Brinkmann.

Vielmehr sei Aliyev durch eine so genannte Perthes’sche Druckstauung getötet worden. Der oder die Täter müssen sich auf ihn gesetzt und ihm so den Brustkorb zusammengedrückt haben. Zusätzlich haben sie ihm Nase und Mund zugehalten. Er ist qualvoll erstickt. Und wurde wohl erst nach seinem Tod aufgehängt.

Dein Kommentar

Kommentar

  1. Da hätte man doch gleich mal die Rolle unseres Ex-RAF Sympathisanten Joschka Fischer mit untersuchen können!
    Dieser pseudo Grüne, der größte Opportunist aller Zeiten, welcher bei Nabucco als Lobbyist für RWE u.OMV tätig war (sowie für BMW)!
    Naja und zu „Unfällen u.Selbstmorden“, die im Westen immer kurz vor geplanten Aussagen passieren, muss man wohl nichts mehr sagen!!

  2. Zum Franz Fuchs ist interessant, dass der damalige Innenminister C.Einem, intensiv an der Einzeltäterthese, die sich dann durchgesetzt hat, gezweifelt hat.
    Wollte – einmal spekuliert – Gladio/Transatlantiker die rechtsradikale Gefahr in Österreich hochspielen ?

    • Danke für deinen Kommentar. Mir scheint es unplausibel wie und weshalb jemand Nitroglycerin einlagern sollte und wenn er andere Sprengstoffe zur Verfügung hätte, wieso das Risiko nehmen und Nitroglycerin herstellen ?

      Angenommen es gibt Stay-Behind-Kräfte in Österreich, die noch nicht 90 Jahre alt sind, worin sollte ihre Aufgabe bestanden haben, Briefkuverts einzuwerfen ?

      Die kurze Antwort, gab es Gladio Kräfte in Österreich, ja vermutlich. Allerdings wurden die mit der Wende vermutlich demobilisiert. Das heißt nicht, dass nicht wieder welche aufgestellt werden, ich sehe sie nur in den 90ern nicht.

  3. Weil die meisten Operation, daran scheitern das irgendjemanden vor Freunden angeben möchte, die Wehretats nach dem Ende des kalten Kriegs reduziert wurden und lose Enden generell unerwünscht sind.