in Politik

Wieder mussten unschuldige Menschen für die Politik mit ihrem Leben bezahlen. Nein, diesesmal ist der Ort des Grauens nicht irgendwo im fernen Mittleren Osten oder Afrika zu suchen wo wir gemütlich unsere Augen davor verschliessen können. Diesesmal trägt der Ort des Grauens nicht solche exotische Namen wie Bagdad, Sana`a, Damaskus, Peschawar, Mogadischu oder Falluja, diesesmal traf es die europäische Stadt der Liebe: Paris.

Frankreich`s Staatspräsident Francois Hollande erklärte den Tag nach dem brutalen Anschlag auf die Redaktion des Satire Magazins Charlie Hebdo zum Staatstrauertag, und verurteilte diesen als „barbarische Terror-Attacke“ und als „Angriff auf unsere Grundwerte“. Von allen Seiten trafen Beileidbekundungen mit ähnlicher Wortwahl in Paris ein und zurecht gingen die Menschen in vielen Städten Europas auf die Strasse um sich solidarisch zu zeigen und die ermordeten Menschen zu ehren.

Natürlich war das ein „Akt der Barbarei“, um die Worte von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu benutzen, und die Drahtzieher sowie die Mörder selbst gehören vor Gericht gestellt. Nicht wenige fordern ein ganz andere Strafe die nicht mit den Grundsätzen eines demokratischen Staates vereinbar sind. Und natürlich wird sich die Frage nach dem Warum gestellt, die beispielsweise Spiegel Online zu beantworten versucht hat.

Schaut man sich die Berichterstattung an, könnte man durchaus zur Überzeugung gelangen dass dieser feige Angriff tatsächlich nur wegen der Verunstaltung des muslimischen Propheten Muhammad in der Satire von Charlie Hebdo geschah. Dass sich einige Muslime tatsächlich nur aufgrund der Besudelung der „Ehre des Propheten“ so sehr radikalisiert haben, dass sie zu solchen unglaublichen Mitteln wie eben einem Anschlag auf die Redakteure und Zeichner des Magazins greifen. Der Ruf der Täter nach „Allah- u Akbar“ (Gott ist Gross) und die Aussage „wir haben den Propheten gerächt“ von der die überlebenden Zeugen berichtet haben, deutet doch auch in diese Richtung. Aber ist das tatsächlich so?

Diese Satire – man mag von ihr halten was man möchte – ist mit Sicherheit nicht dafür verantwortlich das eine kleine Zahl von radikalisierten Islamisten zu solchen Mitteln greifen. Sie ist lediglich der geeignetste Angriffspunkt für diese Art von Terror: minimalstes Risiko aber dafür mit maximaler Wirkung! So hat zum Beispiel niemand einen Vergleich zu dem Anschlag von Ottawa/Kanada vom letzten Oktober gemacht, weil dort schlicht nicht dieses einfache Motiv hergestellt werden konnte wie bei den Karrikaturen von Charlie Hebdo. Und dennoch teilen sich beide Anschläge (dazu gehören auch die Anschläge von Madrid und London) einen gewaltigen Teil an wirklichen Ursachen.

Was niemand in diesem Zusammenhang erwähnt ist die Rolle dieser Regierungen bei den Kriegen weit weg von der Heimat. So ist Frankreich einer der Hauptdrahtzieher der Bombenkampagne gegen Libyen 2011 gewesen, und gehörte bis vor Kurzem zu den Unterstützern der sogenannten „Rebellen“ in Syrien, die sich dann als radikale wahhabitische Extremisten entpuppt haben. Es ist glaube ich keine Übertreibung wenn man sagt dass an den Händen Frankreich`s indirekt (durch Waffenlieferungen und aktiver Ausbildung von „Rebellen“) das Blut von vielen unschuldigen syrischen Menschen klebt. Und durch den plötzlichen Abbruch der Waffenlieferungen braucht man kein grosser Visionär sein um sich vorzustellen, dass viele der ehemaligen „Kunden“ alles andere als erfreut darüber sind. Für Frankreich wäre es nicht das erste Mal, dass unschuldige Franzosen sterben mussten, weil ihre Regierung plötzlich nicht mehr liefert. Am 08.05.2002 starben 11 französische Spezialisten eines U-Boot Unternehmens bei einem gezielten Bombenanschlag auf ihren Bus in der pakistanischen Stadt Karachi. Auch damals wurde die Schuld umgehend vor die Tür von Al Qaida gelegt. Der Grund war aber viel profaner: Paris stellte die vereinbarten Schmiergeldzahlungen für die Lieferungen von U-Booten an Pakistan ein.

Und wieviele unschuldige Menschen mussten in Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Libyen oder Somalia sterben, die durch die „Koalition der Willigen“, darunter natürlich auch der NATO dessen Generalsekretär gerade erst den Anschlag in Paris als „barbarischen Akt“ bezeichnet hat, getötet wurden? Haben diese Menschen es nicht verdient das wir uns genauso wie für die unschuldigen Redakteure und Zeichner in Paris einsetzen? Sind diese Morde, nur weil sie nicht von vermummten Islamisten, sondern von Kampfjets, Kampfhubschrauber und Drohnen verübt wurden, nicht weniger barbarisch?

Es ist richtig und wichtig das wir uns nicht von solchen Anschlägen einschüchtern lassen. Aber all jene politischen Führer die sich nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo zu Wort melden, dürfen nicht vergessen dass ein jeder der austeilt auch damit rechnen muss, dass er irgendwann mal eine eingefangen bekommt. Leider trifft es dabei aber immer, egal auf welcher Seite, nur die Unschuldigen.

 

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Kommentar

    • Genialer Beitrag, absolut empfehlenswert!
      Christoph Hörstel hat einen genialen Durchblick und bringt die wichtigen (Finanzen, Gerichte in der BRD, u.A.) Themen wirklich auf den Punkt!!

  1. es ist schon erstaunlich wie sehr man drn Terror in Paris mit 12 Toten durch die Medien peitscht und dem Terror in Nigeria mit einer dreistelligen Anzahl an Toten und Zerstörung von mehr als 10 Ortschaften (Dörfer und Kleinstädte) an einem Tag nur ne Randnotiz zukommen lässt…die Doppelmoral in Europa ist kaum zu überbieten…

  2. Warum musste die ISIS als neue Terrororganisation gezeugt und in die Welt gesetzt werden? Weil die Al-Kaida mit der angeblichen Ermordung von Osama Bin Laden durch die Navy SEALS in Pakistan ausgedient hatte. Dabei ist er im Dezember 2001 eines natürlichen Todes gestorben und sie hielten das Phantom eines Oberbösewicht 10 Jahre lang aufrecht.

    Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: ISIS ist zu 100% eine CIA-Operation http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2014/08/isis-ist-zu-100-eine-cia-operation.html#ixzz3ONEKQznx

  3. In den Tausenden öfentlichen Stellungnahmen zu den abscheulichen Vorgängen in Paris findet sich nicht ein einziger Hinweis darauf, dass die USA tatsächlich seit Jahrzehnten mit aller Macht die Herrschaft über den ölreichen Orient zu gewinnen suchen und damit in die Gegnerschaft mit den Muslimen geraten sind. Helfer wie insbesondere Frankreich, das seine Brutalität in Algerien ausgetobt hat, ist natürlich als Verbündeter der USA mit im Fadenkreuz der Islamisten, die sich als Opfer der USA fühlen.

    Keiner der Kommentatoren im Fernsehen findet nur ein Wort dazu, dass der IS-Staat eine ungewollte Gründung durch eine irrsinnige amerikanische Politik ist, die mit den verbrecherischen Golfkriegen begann.