Zentralasien wird Zentrum künftigen Wirtschaftswachstums

Im vergangenen Vierteljahrhundert, seit die zentralasiatischen Länder ihre Unabhängigkeit erhielten, besuchte sie der Präsident der Vereinigten Staaten nicht ein einziges Mal. Und an den Außenminister John Kerry erinnert sich hier jeder schmunzelnd in jenem Zusammenhang, dass er sich im Februar 2013, zu Beginn seiner Karriere sehr über erfolgreiche Bemühungen seiner US-Diplomaten zur Unterstützung des demokratischen Übergangs in einem nicht existierenden Staat „Kyrzakhstan“ (Anm. Red.: es gibt entweder Kasachstan oder Kirgisistan) gefreut hatte. Die breite amerikanische Öffentlichkeit weiß über diese Region, falls überhaupt etwas, dann noch weit weniger.

Vor diesem Hintergrund kann man meinen, dass das heutige Zentralasien (ZA) für Washington im System der außenpolitischen Koordinaten die wohl kleinste Stelle einnimmt. In Wirklichkeit ist es nicht so. Die Region gehört zwar nicht zu den internationalen Prioritäten des Weißen Hauses, aber Amerika führt hier energisch und akzentuiert Kurs. Darüber hinaus erkennen viele führende westliche Experten, dass der Region ein hoher, vielleicht sogar unterschätzter strategischer Wert für die Vereinigten Staaten aufgrund seiner objektiven Merkmale zukommt.

ZA befindet sich nahezu im geographischen Zentrum des eurasischen Kontinents

Die Geschehnisse hier betreffen die Interessen der großen internationalen Konkurrenten der USA und vieler großer Regionalmächte. Die Auswirkungen auf die „Schmerzzonen“ der Region eröffnen eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Beeinflussung der Situation in den Nachbarländern.

Dabei hat Zentralasien viele „Schmerzzonen“. Seine aktuelle externe Stabilität ist trügerisch. Potenziell ist dies jedoch eine der explosiven Regionen der Erde. Zur „Bombe“ mit einem Zeitzünder wird es durch angehäufte demographische, sozio-ökonomische Probleme, schwelende ethno-territoriale- sowie Wasser- und Energie-Konflikte, die Bedrohung durch den Terrorismus, den Drogenhandel und politische Instabilität.

Können die Vereinigten Staaten weit weg von möglichen Krisenerscheinungen an den Grenzen ihrer strategischen Rivalen bleiben? Denn wenn sie einen weiterer Schlag auf die „Ambitionen“ Moskaus im postsowjetischen Raum führen wollen, wo macht das nach der Ukraine am meisten Sinn, wenn nicht auf die südlichen Grenzen des Urals und Sibiriens?

Man darf auch den natürlichen Reichtum der Region nicht vergessen: Öl, Gas, Uran, Gold und andere Ressourcen, die stets die Aufmerksamkeit ausländischen Kapitals angezogen haben und immer wieder neu anziehen. Die Öl-und Gasreserven der Wasserfläche des Kaspischen Meeres gehören in der Welt der „Energie-Ellipse“. Auf dem gegenüberliegenden Rand sind die Amerikaner seit langem fest verankert, indem sie eine Allianz mit den arabischen Monarchien am Persischen Golf bilden.

Deswegen kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass Zentralasien, auch wenn es vorübergehend aus dem Fokus der amerikanischen Außenpolitik wegfallen wird, in der Zukunft unweigerlich wieder und wieder zu ihm zurückzukehren wird.

Die Analyse der gesamten verfügbaren Daten über die Außenpolitik der USA in Zentralasien deutet darauf hin, dass das Weiße Haus das Ziel eines geopolitischen Bruchs mit Russland in der Region stellt und zu realisieren versucht. Für Russland würde das, wenn nicht sogar katastrophale, dannmindestens tragische Folgen haben. Es würden:

die internationale und wirtschaftliche Isolation verstärkt,
die Verbindungen mit dem Iran unterbrochen,
die fünf-Millionen der russischen Bevölkerung leiden,
die Möglichkeiten verloren gehen, an den weit entfernten Grenzen Bedrohungen zu widerstehen, die aus dem Süden kommen, einschließlich Terrorismus, Drogen etc.
Die ersten diplomatischen Schritte in Bezug auf die fraglichen Territorien unternahm Washington bereits nach der Revolution von 1917 in Russland und dem Ende des Ersten Weltkriegs. In ihrem Programm der Nachkriegswelt war die Administration des US-Präsidenten Woodrow Wilson darum bemüht sicherzustellen, dass das „muslimische Russland, d.h., kurz gesagt, Zentralasien“ sich von Moskau abwenden und „einem anderen Land ein begrenztes Mandat für die Verwaltung auf der Grundlage eines Protektorats übergeben“ würde.

Es ist schwer vorstellbar, dass in der Realität der damaligen Zeit jemand anderes außer den Vereinigten Staaten und ihren britischen Verbündeten über ein ähnliches Mandat verfügen könnte. Übrigens, die Idee des Abtrennens der zentralasiatischen Territorien von Russland konnten sie erst 70 Jahre später umsetzen, trotz der Tatsache, dass sogar in den zwanziger- dreißiger Jahren die Bemühungen des Westens sich nicht nur auf Diplomatie beschränkten. London lenkte die Basmatschi-Bewegung, die gegen die Sowjetmacht in der Region kämpfte und die ihre letzten Überfälle in den Jahren des 2. Weltkrieges beging.

Später wurden Auswirkungen auf die Situation in den asiatischen Republiken der Sowjetunion spürbar, die die Vereinigten Staaten schon während der Afghanistan-Kampagne der UdSSR 1979-1989 begründeten indem sie in die Region nationalistische und religiöse Literatur und die afghanischen Mudschaheddin brachten (die die materielle, politische und militärische Unterstützung Washingtons hatten), die ihrerseits Angriffe auf Industrie-und Rand-Objekte führten. Als die eines vollwertigen Spielers kündigte das Weiße Haus seine Ansprüche auf seine besondere Rolle in der Region bereits nach der Selbständigwerdung der fünf asiatischen Republiken aus der Sowjetunion an.

In der neueren Zeit hat die amerikanische Diplomatie auf der zentralasiatischen Linie drei Stufen durchlaufen, in etwa zeitgleich mit dem Zeitpunkt der Präsidentschaften von Clinton, George Bush Jr. und Barack Obama. Jeder setzte auf seine eigene Weise Akzente in der Außenpolitik, die dabei im Rahmen des allgemeinen strategischen Kurses globaler Hegemonie der USA und der Abschreckung Russlands wirkten.

Gemeinsame Verringerung der Bedrohung

In den ersten Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion störte es das „Weiße Haus“, dass in Zentralasien eine umfangreiche Infrastruktur für die Produktion und den Vertrieb von Massenvernichtungswaffen blieb, nukleare, biologische und chemische Waffen, vor allem das vierte nukleare Zentrum in der Welt auf dem Territorium von Kasachstan. Dementsprechend legte Washington dann den Schwerpunkt auf die Befreiung der Region von dieser Infrastruktur. Die Aufgabe wurde gelöst, zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des XXI Jh. wurden die Atomwaffen an Russland übergeben und die Waffenproduktion demontiert. Insgesamt hatte das einen positiven Effekt für die globale und regionale Sicherheit.

Das Problem bestand jedoch darin, dass die US-amerikanischen Programme in diesem Bereich (Gemeinsame Verringerung der Bedrohung, Nann-Lugar-Programm) von der Führung der Russischen Föderation und von den Führungen den zentralasiatischen Republiken unter Inkaufnahme ziemlich harter und auch diskriminierender Bedingungen verabschiedet werden mussten, die zudem für die amerikanische Seite Möglichkeiten für subversive, einschließlich nachrichtendienstlicher Tätigkeit eröffneten.

Es erfolgte eine beispiellose Offenlegung der Daten über die militärischen Möglichkeiten der OVKS-Länder. Im Rahmen von Zuschüssen des Internationalen Wissenschafts- und Technologiezentrum (ISTC), durch Überprüfungs-Reisen und andere ähnliche Verfahren haben die Vertreter der Vereinigten Staaten legale Möglichkeiten für die Entwicklung von Kontakten in militärische und wissenschaftliche Kreise Zentralasiens und das Sammeln von umfangreichen Informationen über das Potenzial von Staaten in der Region bekommen. In die Hände der amerikanischen Militär-Techniker sind solche Informationen und Proben gefallen, die für den russischen militärisch-industriellen Komplex sensible Daten sind (z. B. über Isotop-Zusammensetzung von nuklearen Waffen, biologische Rezepturen der Waffen, Entwürfen von Trägerraketen usw.).

Durch die Einführung der aus den USA gelieferten Anlagen der Computertechnik hat man jetzt die Risiken, dass in einer kritischen industriellen und militärischen Infrastruktur einiger zentralasiatischen Staaten durchaus ein ausländisches Spionage-Instrument mit verdeckten mathematischen Codes und technischen Mitteln zur Fernbedienung, zum Ablesen von Informationen aus der Ferne oder sogar zur Selbstbeschädigung, -zerstörung unentdeckt funktionieren kann. Im Gegensatz zu Russland, wo die amerikanische Hilfe der vorläufigen besonderen Prüfung und Kontrolle unterstellt war, wurden die Möglichkeiten der zentralasiatischen Staaten in dieser Hinsicht immer mehr eingeschränkt.

In ihrem praktischen Handeln bei Vertragsgestaltungen gingen die US-Militärs von der Notwendigkeit der Vernichtung einer möglichst großen Anzahl von effektiven Modellen der militärischen Ausrüstung der Sowjetunion aus. Infolgedessen haben beispielsweise die russischen Streitkräfte eine große Anzahl von strategischen Bombern nicht zugesprochen bekommen, auf die sie nach dem UdSSR Zerfall eigentlich Anspruch gehabt hätten.

Und natürlich haben die Amerikaner es nicht zugelassen, dass eine Transformation der sowjetischen strategischen nuklearen Streitkräfte in die Militärbasen der Russischen Föderation erfolgt wäre, was in der Zukunft den Prozess der Restaurierung geopolitischen Einfluss Moskaus in der Region Zentralasien beschleunigt hätte. Unwiderruflich gingen viele für ihre Zeit fortschrittliche Produktionsstätten des militärisch-industriellen Komplexes der UdSSR in der zentralasiatischen Region (Stepnogorsk Forschungs- und industrielle Basis, Pawlodar chemisches Kombinat usw.) verloren.

Für die Vereinigten Staaten erwies sich diese Strategie als äußerst erfolgreich. Die Kosten im Gesamtvolumen der Militärausgaben der USA waren unbedeutend und viel geringer als die Kosten, die es einer adäquaten Gegenwirkung gegenüber dem liquidierten militärischen Potential benötigt hätten. Der größte Anteil des Geldes wurde Kasachstan zugewiesen (im Moment 1,3-1,4 Milliarden US-Dollar.). Dabei wird das Geld nicht direkt gegeben, sondern verteilt, meist in Form von Bestellungen bei den amerikanischen Rüstungs-, Bau-und Beratungsunternehmen, d.h. sie arbeiteten im Interesse des militärisch-industriellen Komplexes der USA.

Inhaltlich wird in den neuen Projekten der „Gemeinsamen Verringerung der Bedrohung“ der Schwerpunkt auf die nuklearen und biologischen Komponenten gelegt. Das Programm „Gemeinsame Verringerung der Bedrohung“ kommt auch der Finanzierung des groß angelegten US-Projektes: des Aufbaus eines geschlossenen Netzwerkes von militärisch-biologischen Laboratorien entlang der Grenzen Russlands zugute. Sie sind in Georgien und in der Ukraine schon gebaut worden. Im Jahr 2016 sollte das zentrale Referenzlabor in Alma-Ata (Kasachstan) eingeführt und in Betrieb genommen (Kosten über 100 Millionen Dollar) werden. Diese Objekte unterliegen keiner externen Kontrolle und können daher sowohl für zivile als auch für militärische biologische Entwicklung verwendet werden, was prinzipielle Vorteile bei der Erstellung der „selektiven“ biologischen Waffen neuer Generation bringt.

Militärisch-technische Zusammenarbeit

Ein neuer Meilenstein der amerikanischen Politik in Zentralasien entstand im Jahr 2001, als „der Krieg“ gegen den internationalen Terrorismus erklärt wurde. Die Vereinigten Staaten begannen die militärische Operation „Enduring Freedom“ in Afghanistan. Für ihre Unterstützung appellierte Washington an die zentralasiatischen Länder mit der Bitte, in ihrem Hoheitsgebiet US-militärische Objekte stationieren zu dürfen. Dieser Vorschlag wurde damals auch von Russland unterstützt, das selbst mit terroristischen Aggressionen konfrontiert worden war.

Unter dem Vorwand des Kampfes gegen das gemeinsame „Böse“ gab es in Zentralasien dann zwei Basen der US-Luftwaffe (im usbekischen Karschi und dem Kirgisischen Manas),  Luftkorridore für die US-Luftfahrt und Bodenkorridore für die Versorgung (sog. nördliches Netz der Versorgung, EKP), sowie mehrere Logistik-Zentren anderer NATO-Staaten.

Später sind jedoch zwei Dinge offensichtlich geworden.
Erstens, die Vereinigten Staaten haben nicht vor, ihre militärische Basen jemals wieder abzubauen, sondern möchten sie auf kontinuierlicher Basis beibehalten.
Zweitens, ihre Anwesenheit selbst erzeugt sowohl für Russland als auch für die zentralasiatischen Länder einen ganzen Komplex damit verbundener Risiken, die nicht berücksichtigt worden waren. Zu diesen Risiken gehören die folgenden:

Die NATO-Militärbasen befanden sich in den Ländern der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheitund stören somit in der Region die etablierten Machtverhältnisse.
Die Absicht, die Militärbasen beizubehalten führte dazu, dass die Amerikaner in die inneren Angelegenheiten der Zentralasiatischen Länder eingriffen. Der infolge der „Tulpen Revolution“ im Jahr 2005 gestürzte Präsident Kirgisiens A. Akajew, der danach vertrieben wurde, hat später direkt darüber gesprochen, dass einer der Gründe des Putsches seine Ablehnung einer Garantie für den Erhalt der US-Militär-Basis in Manas war. Russland erlitt wirtschaftliche Schäden, die rund um den Manas Bestechungsskandal entstanden sind bei der Versorgung mit Brennstoffen und Schmiermitteln. Da waren einerseits Familienmitglieder des Präsidenten Kirgisiens A. Akajew und andererseits Offiziere des Pentagon beteiligt. Bei den Lieferungen ging es um illegalen Re-Export russischer Ölprodukte, die über Kirgisien zollfrei für den Eigenbedarf der Republik eingeführt wurden.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass bestimmte bauliche Objekte für die Führung technischer Spionage gegen die russischen Militär-und Weltraum-Zentren in der Region verwendet werden konnten. Dies beweist indirekt das Vorhandensein von Gebäuden ohne Fenster und mit einer großen Anzahl von Kühlanlagen. Einzelne Fakten bestätigen die Annahme, dass die Vereinigten Staaten Manas in der Arbeit ihrer Agenten für die Planung von Diversions-Operationen ausgenutzt haben. Z. B. wurde eine illegale Einfuhr von Schusswaffen durch die amerikanischen Soldaten in die Republik dokumentiert sowie deren Vorhandensein auf der Basis des Außenaufsichts-Dienstes.

Im Februar 2010 hatte der Iran ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft „Kirgisistan“ aus Dubai kommend zur Zwischenlandung gezwungen. An Bord war der Führer der Belutschen-Kampfgruppe (Pakistan) gegen den Iran, dermuslimischen Terrorgruppe „Jundullah“, Abdulmalik Riga, der nach Manas flog. Abdulmalik Riga gab zu, dass in Manas die Voraussetzungen für die Ausbildung von Kämpfern, die den bewaffneten Kampf gegen Teheran führen sollten, geschaffen wurden.

Das Ergebnis war, dass Russland zwar ursprünglich die Stationierung von US-Militäreinrichtungen in Zentralasien unterstützte, dann jedoch gezwungen war, eine Menge Mühe in ihre Ausweisung zu investieren. Es ist inzwischen zwar geschafft (Manas hat im Juni 2014 aufgehört zu existieren, noch früher, im Jahr 2005 wurde infolge der Verschlechterung der Beziehungen zu Taschkent der US-Luftwaffenstützpunkt in Usbekistan geschlossen), aber die Aufwendungen, diese Ziele zu erreichen waren für Russland beträchtlich. Heute erscheint die Perspektive der Eröffnung neuer US-Basen in der Region ohne Machtübernahme in den zentralasiatischen Republiken durch die neuen US-treuen politischen Kräfte unwahrscheinlich.

Wenn wir das Thema weiter verfolgen sollte angemerkt werden, dass die Amerikaner die aktuelle Situation nach dem „11. September“ für die Intensivierung der militärischen Kontakte mit der Region der Zentralasien auch in anderen Bereichen nutzten.

In der Mitte des ersten Jahrzehnts der 2000er Jahre haben die Amerikaner ein militärisches Eindringen in das Kaspische Meer versucht, indem sie anboten, mehr als 100 Millionen Dollar investieren zu wollen. Das Großprojekt wurde jedoch durch die politische Haltung der Mehrheit der Länder der Kaspischen Region blockiert.

Der Versuch der NATO, eine gewichtigere Rolle in den Gewässern des Kaspischen Meeres zu spielen hat zur Eskalation des Wettrüstens beigetragen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden diese Bemühungen angesichts der strategischen Lage des Kaspischen Meers unter günstigeren Bedingungen fortgesetzt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt der amerikanischen Militärstrategie in Zentralasien ist die Förderung, Ausstattung und Vorbereitung der einzelnen hochmobilen Abteilungen der bewaffneten Kräfte der Länder der Region (Special forces, die Bewachung der ersten Personen des Staates). Der bekannteste davon ist „Kazbrig“.

Damit löst die US-Seite ein paar Aufgaben gleichzeitig

Das Pentagon rechnet damit, solche Abteilungen bei ihren ausländischen Operationen für sich zu gewinnen, bei gleichzeitiger Minimierung eigener Kosten und menschlicher Verluste.
Es bilden sich positive Beispiele für die zentralasiatischen Länder bezüglich Herstellung eines militärischen Aufbaus nach den Grundsätzen der NATO. Es stärkt die US-Kontakte zur Führung der Armee- und Eliteeinheiten der Region, stellt ihnen gegenüber loyale Generäle nach vorne. In der Situation innerstaatlicher Krisen orientieren sich solche Einheiten häufiger als andere auf die Position des „Weißen Hauses“ und stellen sich auf die Seite des Westens.
Gleichzeitig eignen sich die US-Spezialeinheiten (SOF) während der Beschäftigung mit den zentralasiatischen Gegenüber Kenntnisse über die fremde Militärtechnik und Bewaffnung sowie über die Militär-Taktiken in den abgelegenen Gebieten an.

Der Kampf gegen den Terrorismus

Die militärische Präsenz in der zentralistischen Region erklären die Vereinigte Staaten gewöhnlich als eine Notwendigkeit zur Bekämpfung des Terrorismus. Aber die wirkliche Haltung in Washington zum Terrorismus ist eine sehr spezifische: Terrorismus, besonders der selbst erzeugte, ist in einem bestimmten Maß Bedrohung, aber auch ein beliebtes Instrument der US-Außenpolitik. Eigentlich gründet das Problem des Terrorismus in Zentralasien ja vor allem auf die Strategie der Vereinigten Staaten.

Die ersten terroristischen Organisationen, die hier entstanden sind, erhielten ideologische und materielle Unterstützung aus der afghanischen Richtung, wo in den 1980er Jahren Washington und seine Verbündeten die Mudschaheddin im Kampf gegen die UdSSR unterstützten. Später, in den 2000er Jahren, erlitten diese Gruppen, die aus Zentralasien nach Afghanistan gedrängt wurden und sich dort den Taliban anschlossen, große Verluste während der Kämpfe mit der westlichen Koalition. Das trug dazu bei, dass sich die Aktualität der terroristischen Organisationen in Zentralasien verringerte. Heute schafft das Weiße Haus erneut die Voraussetzungen für das Wachstum des Terrorismus, indem es Konflikte im nahen Osten und in Nordafrika produziert.

Öffentlich schätzen die Vertreter der USA Terrorismus ausschließlich negativ ein und unterstützen die antiterroristischen Abteilungen in Zentralasien, aber in der Praxis werden die Terrorgruppen von US-Geheimdiensten zum Beispiel, für den Sturz von unbequemen Regierungen verwendet. Die US-Strategie in Zentralasien besteht darin, dass die Vereinigten Staaten für die Erreichung eigener Ziele in der Region hier den islamistischen Faktor als akzeptabel ansehen und ihn so interpretieren, wie es ihnen gerade passt, um ihren jeweilig aktuellen Interessen zu dienen. In diesem Zusammenhang ist es für Russland wichtig, den US-Strategen nicht die Initiative bei der Entwicklung der regionalen Mechanismen zur Bekämpfung terroristischer Bedrohung zu überlassen, weil das, wenn es die Umstände erlauben, von Amerika gegen Moskau verwendet werden kann.

Anti-Drogen-Politik

Genauso ist für Russland unzulässig, die Initiative bei einem anderen Problem, dem Drogenhandel, den Amerikanern zu überlassen. Interessant ist, dass Drogenanbau und -handel auch hier vor allem aufgrund der US-Politik entstanden.

Das eigentliche Ziel der Anti-Drogen-Strategie der USA in der Region der Zentralasien ist nicht etwa ein erklärter Kampf gegen Drogen, sondern die Verwendung des Faktors Drogen gegen Russland. Dieser Kurs beinhaltet mehrere Komponenten:

Washington simuliert den Kampf mit dem Drogen-Tabakhandel lediglich und erlaubt nicht, Mohnfelder zu zerstören (d.h. die Ursache des Problems). Seit den frühen 2000er Jahren entwickelt sich einzigartige geopolitische Situation in der Welt: Die Vereinigten Staaten haben sich bei zwei weltweiten Epizentren der Drogenproduktion eingebracht, in Afghanistan und Kolumbien. Jedoch in Kolumbien in dem Sinne, dass sie dort aktiv die Ernten zerstören, aber in Afghanistan nicht. Diese Logik ist erklärbar: In den USA gibt es ein akutes Problem mit Kokain, aber die Hauptabsatzmärkte der afghanischen Opiate befinden sich in Russland. Es geht um die Untergrabung Russlands demographischen Potenzials.

In diesen Prozessen sind die zentralasiatischen Länder ein Transitbereich, einer der drei wichtigsten internationalen Heroin- Kanäle, mittels dessen Heroin über die so genannte „Nordroute“ in die russische Föderation geliefert wird. Eine entscheidende Rolle bei Ausbau und Verstärkung dieser Route spielte die Beseitigung des einheitlichen Systems des Grenzschutzes zu Afghanistan nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Daher ist klar, dass sich die Bemühungen der USA auf die Zukunft konzentrierte, auf die Eliminierung der Barrieren zwischen Afghanistan und den Russland angrenzenden zentralasiatischen Ländern. Amerikanische diplomatische Kreise treten nacheinander ein für die Ablehnung „überschüssiger“ Maßnahmen des Grenzschutzes zwischen diesen Staaten, für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und unterstützten politisch und finanziell den Abzug der Grenztruppen der Russischen Föderation aus der südlichen Grenze von Kirgisistan und Tadschikistan, die hier zuvor effektiv Drogen abfingen.

Die letzte Komponente der Strategie der USA ist die Bildung von Patronage (Günstlingswirtschaft) über Anti-Drogen Strukturen Zentralasiens. Die dichteste Obhut haben die Amerikaner über Anti-Drogen Agenturen in Tadschikistan und Kirgisistan aufgebaut, die an der Wende der 1990er und 2000er Jahre mit ihrer Beteiligung entstanden war. Darüber hinaus unternahmen die USA im Jahr 2011 den erfolglosen Versuch der Gründung einen supranationalen koordinierenden Struktur in Zentralasien für Drogen, die Mechanismen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) dublieren sollte. Dadurch wurde der westliche Einfluss auf das lokale Strafverfolgungs-System erweitert und die Front der Drogenbekämpfung wurde näher an die Grenzen Russlands verschoben. Das alles steht völlig im Widerspruch zu dem vorgeschlagenen Moskauer Ansatz zur Vernichtung der Mohnfelder, an den Stellen ihrer Kultivierung.

Die Handlungen der amerikanischen Seite für „Bekämpfung des Drogenhandels und des Terrorismus“ sagen viel darüber aus, dass der Herd der Instabilität im Zentralasien, die Zersiedelung, von den Amerikanern als Wunschergebnis betrachtet wird. Auch für den Fall, wenn das politische Protektorat und die langfristige militärische Präsenz der USA in diesem Bereich nicht garantiert werden können. Die permanente Krise der Sicherheit hat hier nur indirekten Einfluss auf die „amerikanische Insel“, während sie für die eurasischen Mächte sehr „heiße“ Gefahren schafft.

Handels-und Wirtschaftsbeziehungen

Für die US-Wirtschaft ist diese Region weder als Handelspartner noch als eine Quelle von Rohstoffen von Interesse. Das ist nur eine sehr entfernte ökonomische Peripherie. Eine begrenzte Aufmerksamkeit zeigen die US-Konzerne nur kasachischer Erdölwirtschaft, indem sie in deren Entwicklung rund 12 Milliarden US-Dollar investierten und dann die Produkte vor allem nach Europa weiterverkaufen. Doch trotzdem betreibt hier Washington eine unverhältnismäßig starke wirtschaftliche Diplomatie, die bei näherer Betrachtung auf die Eindämmung der wachsenden Kooperationen der zentralasiatischen Länder mit Russland und China abzielt.

Als die wichtigsten Instrumente der amerikanischen Wirtschaftspolitik treten Infrastruktur- (vor allem, Pipeline-) Planungen, Programme der internationalen Finanzinstitutionen (u.a. IWF, Entwicklungsbanken), Zuschüsse für die Durchführung liberaler Reformen (Granten) und nicht zuletzt Sanktionen auf. Noch in der Mitte der 1990er Jahre wurde von dem Rat der nationalen Sicherheit der USA das Konzept eines südlichen Energiekorridors entwickelt, das Pipeline-Systeme für den Export des Kaspischen Öls und Gases nach Europa mit Umgehen Russlands über den Kaukasus und die Türkei vorsah. Die Idee wurde von der EU und Ankara unterstützt.

Die Realisierung dieses Projektes gelingt bisher nur teilweise, gestartet ist der zentrale Abschnitt (Kaukasus) des Korridors und der Bau des westlichen (türkischen) Abschnitts wird weiter betrieben. Aber der wichtigste, der Ost-Abschnitt (Trans-Kaspischer Bereich) ist seit vielen Jahren eingefroren, als Ergebnis derer Bekämpfung durch Moskau. Falls ein groß angelegtes geopolitisches Projekt des südlichen Energiekorridors abgeschlossen würde, wäre Russlands Einfluss besonders in drei Regionen verringert. In Europa (wegen der Konkurrenz mit dem kaspischen Energieträger), in Kalifornien (auf Grund der Schwächung des Russischen Monopols auf den Transit von Kohlenwasserstoffen nach Westen) und im Kaukasus (wo die Loyalität der lokalen Behörden gegenüber dem Westen durch zusätzliche Einnahme von Transit-Gebühren angeregt wird).

In den letzten Jahren war ein wesentlicher Schwerpunkt der wirtschaftspolitischen Strategie der USA auch ein Kampf gegen russische Integrations-Initiativen. Zum Schaden der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) wurde eine negative Informations- und diplomatische Kampagne entfesselt. Für deren Finanzierung brauchte es einen großer Teil der amerikanischen Gelder, die eigentlich für die Förderung der regionalen Wirtschaft (350 Millionen US-Dollar für die Jahre 2013 bis 2016) vorgesehen waren. Diese Konfrontation wird bis auf die Felder der Welthandelsorganisation übertragen. Im Jahr 2013 trat aufgrund der Empfehlung der westlichen Berater Tadschikistan der WTO bei und solche rechtlichen Verpflichtungen machen es dem Land jetzt schwer, sich der eurasischen Wirtschaftsunion anzuschließen. Im Jahr 2015 haben sich die USA bereit erklärt, Kasachstan nur unter der Bedingung in die WTO aufzunehmen, wenn das Land das Niveau des Tarif-Schutzes für mehrere Tausend Produktionspositionen senkt, wie er zuvor in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) vereinbart wurde. Das wirkte mit bisher unterschätztem Schaden gegen die Interessen der EAWU.

Schließlich brachten die Vereinigten Staaten im Jahr 2011 ihre Alternative der eurasischen Integration ein, ihr Geo-Wirtschaftliches Konzept einer weiteren „Neuen Seidenstraße“. Dessen Vektor richtet sich allerdings nicht nach Norden, sondern nach Süden und schlägt vor, in erster Linie die Verlegung von Straßen, Stromleitungen und anderen Versorgungsleitungen für die Kommunikation zwischen Zentral-und Süd- Asien durch Afghanistan zu legen. Jedoch werden die Pläne von der Vereinigten Staaten inzwischen selbst gebremst wegen der hohen Kosten ihrer Umsetzung und der instabilen Lage in der islamischen Republik Afghanistan.

Soft Power

Die amerikanische Seite hat die Region mit vielfältigen Netzwerken von solchen NGOs, Medien, Bildungseinrichtungen und Internet-Gruppen geradezu übersät, die an der Aktion von Manipulation der gesellschaftlich-politischen Prozesse beteiligt sind.

Der Mechanismus der „Soft Power“ hat bereits während der „Tulpen Revolution“ von 2005 ins Schwarze getroffen, die zeitweilig Kirgisistan in die Umlaufbahn des dominierenden Einflusses der USA einbezog, aber die daraus resultierenden Kosten für die Republik waren die politische Destabilisierung und Untergrabung der Wirtschaft für viele kommende Jahre.

Eine direkte Folge des Putsches in Bischkek war nicht nur eine Verschlechterung der Beziehungen mit Russland, der Anstieg des Nationalismus, des radikalen Islamismus und des Drogenhandels, sondern auch ein Abstieg von Kirgisien zurück im Bereich der Entwicklung von demokratischen zivilgesellschaftlichen Institutionen, die aber lauthals öffentlich in Washington propagiert werden.

Leider bleibt Kirgisistan in Zentralasien auch heute in dem Bereich, wo die amerikanischen politischen Strategen über eine Vielzahl von Werkzeugen verfügen.

Gefährlich für die kommende Zeit ist auch die gegenwärtige politische Übergangsperiode in Kasachstan und Usbekistan, Russland kann nicht ausschließen, dass dem Westen gegenüber loyale gesellschaftlich-politische Kräfte russophob werden, hier versuchen, alle mögliche Vorteile aus allen möglichen politischen Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Abgang des Präsidenten Nursultan Nasarbajew (Kasachstan) und Islam Karimow (Usbekistan) zu ziehen.

Vor diesem Hintergrund unterliegt die Wirksamkeit des Mechanismus „Soft Power“, den Russland in der Region schafft, in vielerlei Hinsicht der bereitgestellten „Soft Power“ der USA.

Und dies geschieht trotz der natürlichen Vorteile Russlands, wie der Verbreitung der Russischen Sprache, russischer Diasporen, gemeinsamer historischer Leistungen, des starken Einfluss des russischen Fernsehens usw.

Dies geschieht vor allem aufgrund der Tatsache, dass Moskau in den meisten Fällen die Einmischung in die innenpolitischen Prozesse der benachbarten Ländern vermeidet und sich auf die humanitären Programme konzentriert.

Die Kampagne der Vereinigten Staaten in Zentralasien zeigt deutlich die Stärken und die Schwächen der amerikanischen Außenpolitik
Ihre unbedingte Stärke bleiben die klare Priorität der eigenen nationalen Interessen, die Fähigkeit, für die Lösung ihrer Aufgaben Verbündeten zu mobilisieren, die Anpassung an die diplomatische Arbeit der modernen Sozial-, Kommunikations- und digitalen Technologien und eine klare ideologische Botschaft, attraktiv für viele ausländische Bürger, trotz der Diskrepanz der liberalen Rhetorik mit den Taten, die diese Rhetorik tarnt.

Zu den Schwächen des amerikanischen Kurses gehören innerparteiliche- und  Zuständigkeits-Konkurrenz in den USA, die sich auf die internationalen Beziehungen auswirken,
verschwenderischer Umgang mit materiellen Ressourcen, auch für die (auf dem Papier noch) erste Wirtschaft in der Welt gibt es ihre Grenzen und  das Ignorieren, oft sehr demonstrativ, von asiatisch kulturellen und politischen Traditionen, obwohl viele US-Experten wissen, dass beispielsweise Projekte zur Popularisierung homosexueller Beziehungen in der patriarchalischen orientalischen Gesellschaft schlecht wahrgenommen werden.

Aber die vielleicht offensichtlichste Schwachstelle an der das amerikanische politische und ökonomische Establishment nicht nur in Zentralasien sondern weltweit krankt, besteht im vorherrschenden und penetrant vorgezeigten Gefühl einer auserwählten US-Überlegenheit und Exklusivität. Dass erzeugt nicht nur dieses geradezu krankhafte bedingungslose Streben nach Weltherrschaft, sondern beeinträchtigt die Wahrnehmung der Wirklichkeit derart, dass sie nicht nur in Details fehlerhaft sondern grundsätzlich falsch ist. Eine Strategie kann immer nur so gut, wie die Objektivität der zugrunde liegenden Lagebeurteilung sein Es ist daher sicherlich nicht anders zu erwarten, dass Washington die allgemeinen strategischen Absichten in Bezug auf Zentralasien, gehorchend der Logik einer Abschreckung Russlands beibehält.

Dieser Vektor war bei drei aufeinanderfolgenden amerikanischen Regierungen stabil und wird wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit unverändert bleiben, solange die politische Klasse in Washington ihr Land als eine die Regeln machende, deren Auslegung einzig bestimmende, auserwählte Supermacht begreift, die ihre Interessen in allen, auch den entlegensten Ecken der Welt durchzusetzen gewillt ist. So bleiben offenbar auch ihre Methoden des geopolitischen Kampfes unverändert starr die alten, nämlich zynisch und menschenverachtend.