in Asien

Am Montag wählen die Filipinos ihren neuen Präsidenten. Aussichtsreichster Kandidat ist „Dirty Harry“ Rodrigo Duterte, der in allen aktuellen Umfragen stark in Führung liegt. Doch dem Establishment in Manila passt das nicht…

Kein anderer Präsidentschaftskandidat polarisiert so stark, wie der Bürgermeister von Davao City, Rodrigo Duterte. Doch bei vielen Filipinos ist er überaus populär, weil er sich kein Blatt vor den Mund nimmt und sich in populistischer Manier dem Kampf gegen die im ganzen Land grassierende Korruption und die hohe Kriminalitätsrate aufnehmen will. Dabei hilft ihm auch sein Ruf als „Aufräumer“, den er sich in seiner Stadt aufgebaut hat – selbst wenn die Statistiken der Philippinischen Nationalpolizei (PNP) eine andere Sprache sprechen.

Vor allem auf der Insel Mindanao, dessen Hauptstadt Davao City ist, kann er auf eine starke absolute Mehrheit hoffen. Hier unterstützen ihn auch große Teile der muslimischen Minderheit, zumal er ihnen im Zuge der von ihm geplanten Föderalisierung des Landes auch mehr Autonomie zugestehen will. Aber auch die vielen Auslandsfilipinos, deren Anwalt er sein möchte, unterstützen ihn überwiegend. Zudem hat die mit rund drei Millionen Mitgliedern recht einflussreiche Sekte „Iglesia Ni Cristo“ (deren Angehörige bei Wahlen geschlossen jene Kandidaten wählen, welche die Kirchenführung für würdig erachtet) erklärt, dass sie ihn – und den Sohn des ehemaligen Diktators, Ferdinand Marcos als Vizepräsident – unterstützt.

Doch beim Establishment des Landes, deren rund 100 Familien oftmals schon seit der spanischen Kolonialzeit in hohen Positionen sind, ist er verhasst. Immerhin ist er derjenige, der ihnen den Kampf angesagt hat. Kein Wunder also, dass beispielsweise der Senator Antionio Trillanes, der selbst zur Wahl als Vizepräsident antritt, inzwischen mittels eines Anti-Duterte-Spots auf dem landesweit einflussreichen TV-Sender ABS-CBN eine Schmutzkübelkampagne führt.

Besonders jedoch fürchtet man sich vor Wahlfälschungen zuungunsten Dutertes. Viele Auslandsfilipinos (die schon vorab wählen dürfen) machten schon darauf aufmerksam, dass sie bei den Wahlautomaten Duterte angaben, als Ergebnis auf der Bestätigung jedoch den Kandidaten es Establishments, Mar Roxas, gewählt hatten, so dass sie – oftmals unter lautem Protest – eine Berichtigung einforderten.

Angesichts dessen, dass die Wahl Dutertes schon als so gut wie fix gilt, fürchtet man sich jedoch davor, dass einige „pflichtbewusste“ Wahlhelfer die Ergebnisse zu sehr zugunsten von Establishment-Kandidaten umändern, so dass der umstrittene Kandidat schlussendlich doch nicht Präsident wird – und damit auf den Philippinen gar ein Aufstand ausbricht. Beobachter warnen schon davor, dass dann „die Philippinen brennen werden“.

Aber auch bei einem Wahlsieg Dutertes befürchten so manche Experten den Ausbruch von Unruhen, zumal er bei einem zu forschen Vorgehen gegen die alten Eliten (die immerhin auch große Teile von Polizei und Militär kontrollieren) den Ausbruch eines Bürgerkriegs provozieren könne. Duterte seinerseits kann jedoch auf die Unterstützung der kommunistischen Untergrundarmee NPA zählen, die auch seine „Death Squads“ in Davao verstärken sollen. Hier stellt sich die Frage, ob der 71-jährige „Underdog“ wirklich genügend Kraft und Verbündete aufweisen kann, um diesen Machtkampf zu gewinnen.

Duterte ist die Hoffnung für viele Millionen Filipinos und dabei gleichzeitig der Schrecken der Eliten und ihrer Hilfswilligen. Egal ob er nun Präsident wird oder nicht – es wird auf jeden Fall Auseinandersetzungen geben. Die Frage ist nur, ob das ganze Land brennen wird, oder „nur“ die Paläste der Oligarchen.

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Und dann werden die Philippinen brennen…
    Sie haben keine Ahnung wie das Wahlverfahren abläuft.
    Die Daten der Wahlmaschinen werden online an das Rechenzentrum des Hersteller übermittelt und dann an COMLEC weitergeben. Die Ergebnisse der Wahlmaschine werden zeitnah auf der Webseite von COMLEC veröffentlich.
    Ausserdem sind 92.000 Wahlmaschinen im Einsatz.

    • Ja, Sie haben recht, ich habe Null Ahnung – aber diese Wahl interessiert mich aus *außenpolitischen* Gründen sehr.
      Gewiss kann *man* nicht so ohne weiteres 92.000 Wahlmaschinen manipulieren, der Aufwand wäre riesig und die Gefahr, dass das auffällt ebenso.
      Sie sagen, dass die Ergebnisse online an COMLEC übermittelt werden – die Wahlkommission der Pilippinen.
      Also, wenn ich Wahlfälschung betreiben wollte, würde ich das dort tun. Die Anzahl der Mitwisser wäre vergleichsweise klein – vermutlich wären die mit wenigen Dollars leicht zu kaufen ???
      Ich weiß es nicht – überhaupt weiß ich von den Philippinen zu wenig.
      Andererseits ist der Einfluss der USA vermutlich noch immer immens und die haben ja große Erfahrungen in solchen Sachen …

      • Ich lebe seit 15 Jahren auf den Phlippinen. Bestens integriert und mit einer Filipina seit 15 Jahren verheiratet.
        Das Wahlverfahren hat sich schon beim letzen Mal bewährt.
        Wir werden einen guten Präsidenten( Duterte) bekommen.
        Aus vielen Kommentaren spricht elitäre Aroganz