Streiks in Kambodscha: Die blutigen Hände der westlichen Textilindustrie

Hunderttausende Textilarbeiter in Kambodscha streiken für mehr Lohn, doch die Militärregierung unter Ministerpräsident Hun Sen lässt die demonstrierenden Menschen von der Polizei und der Armee brutal niederknüppeln, und schreckt zur Brechung des Protestes nicht einmal vor dem Einsatz von Schusswaffen gegen das eigene Volk zurück. Die westliche Textilindustrie macht sich dabei mitschuldig.

Mit rund 400.000 Menschen die sich an den Streiks zur Verdoppelung des Mindestlohns von 80 auf 160 Dollar im Monat beteiligen, befinden sich rund zwei Drittel aller Beschäftigten im Textilsektor seit Wochen im Streik. Die kambodschanische Regierung bot jedoch lediglich eine Erhöhung des menschenunwürdigen Mindestlohns auf 100 Dollar an. Davon können die Textilarbeiter jedoch ihre Familien weiterhin kaum ernähren, so dass selbst Kinder an die Nähmaschinen müssen, damit wir im Westen billige Kleidung kaufen können.

Ministerpräsident Hun Sen, dessen orthodox-marxistische Kambodschanische Volkspartei, die 90 der 123 Sitze in der Nationalversammung hält, regiert das Land immer autokratischer und versucht im Zuge der Unruhen auch die Opposition zu bekämpfen. Der ehemalige Kommandeur der Roten Khmer gilt als skrupellos und soll schon mehrere politische Rivalen auf dem Gewissen haben. Oppositionspolitiker Sam Rainsy, Chef der liberalen Sam Rainsy Partei, stellt sich hingegen demonstrativ auf die Seite der streikenden Textilarbeiter. Damit wird auch er zunehmend zur Zielscheibe der kommunistischen Regierung.

Von den westlichen Modemarken ist hingegen kaum etwas zu hören. Bekannte Labels wie H&M, Nike, Adidas oder Puma lassen in dem asiatischen Land ihre Waren zu Bedingungen produzieren, die man in Europa aus dem 18. und 19. Jahrhundert kennt: Kinderarbeit, wöchentliche Arbeitszeiten von bis zu 80 Stunden, Elendsbaracken, Hungerlöhne und keinerlei Rechte. Wird man krank, bekommt man eben keinen Lohn für die Fehlzeiten. Urlaub? Fehlanzeige. Erst im vergangenen Juni entließ ein kambodschanischer Zulieferer von Nike 300 Mitarbeiter, weil sie für höhere Löhne und gegen die Inhaftierung von Arbeitskollegen streikten.

Anstatt Druck auf die kambodschanische Regierung auszuüben und sich für menschenwürdige Standards einzusetzen, geht es den Modelabels scheinbar nur um möglichst niedrige Kosten. Für die einen Firmen, weil sie ihre T-Shirts hierzulande um unter 5 Euro verkaufen wollen, für die anderen Unternehmen zur Maximierung der Gewinnspannen. Hierbei verweisen sie gerne auf ihre Zulieferer im Land, die sozusagen als Subunternehmer dafür verantwortlich wären. Angesichts der brutalen staatlichen Repressionen gegen die Streikenden kann man durchaus sagen, dass die westliche Textilindustrie nun Blut an ihren Händen kleben hat.

Selbst wenn wir Konsumenten können jedoch dazu beitragen, dass sich die elenden Zustände in Kambodscha, Bangladesh und anderen Niedriglohnländern verbessern. Ein Boykott von Textilien aus diesen Staaten, bzw. von Unternehmen die dort produzieren lassen, wäre zwar mittelfristig erfolgreich, würde jedoch den Arbeiterinnen dort ihre Lebensgrundlage nehmen, sofern man seinen Unmut über die dort herrschenden Zustände nicht auch bekundet.

Besser ist es, zum Beispiel beim Einkauf von Kleidung nach der Herkunft zu fragen und gerade jetzt keine in Kambodscha hergestellten Textilien zu kaufen. Dabei kann man direkt in der Filiale ein vorbereitetes Schriftstück hinterlassen, in dem man auf die Gründe für die Kaufenthaltung verweist und die Modekette darauf hinweist, dass man dort hergestellte Kleidungsstücke erst dann wieder kauft, wenn die Produzenten endlich für menschenwürdige Standards sorgen. Bei den ohnehin überfüllten Kleiderschränken hierzulande würde es ohnehin keinen großen Unterschied machen, wenn man anstatt 10 t-Shirts zu 4,99€ zukünftig eben 7 Stück zu 6,99€ kauft. Oder etwa nicht?