Indonesien: Dumpinglöhne lassen Einkommensschere weit auseinanderklaffen

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Von Sandra Siagian – Der Straßenhändler wird wohl kaum je einen Fuß in dieses Einkaufsparadies für Wohlhabende setzen.

Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in Indonesien im Laufe der Jahre immer weiter vergrößert. Laut der Statistikbehörde BPS hat sich der Gini-Index, der die Einkommensverteilung auf einer Skala von 0 bis 1 misst, im vergangenen Jahr von etwa 0,36 auf 0,41 erhöht.

In dem südostasiatischen Land mit etwa 250 Millionen Einwohnern haben es nur wenige Menschen zu Wohlstand gebracht. Schätzungsweise 28 Millionen Menschen leben nach Angaben der Weltbank unterhalb der Armutsgrenze und verfügen somit über ein Einkommen von weniger als 292.951 Rupien (24,4 Dollar) monatlich. Die Hälfte aller Haushalte bewegt sich an der Armutsgrenze oder darunter.

Leere Versprechen des Staatschefs

Als Staatpräsident Joko Widodo im vergangenen Oktober in sein Amt kam, versprach er, das Einkommensgefälle zu verringern. Zugleich betonte er, das Land mit der viertgrößten Bevölkerung der Erde für Investoren attraktiver zu machen. Dagegen laufen Gewerkschaften Sturm. Sie befürchten, dass unkontrollierte ausländische Finanzströme den indonesischen Arbeitskräften schaden könnten.

„Wir sind einverstanden mit dem Plan der Regierung, Anreize für Investoren zu bieten, um das Wirtschaftswachstum zu fördern. Doch die Regierung muss auch sicherstellen, dass die Beschäftigten mit niedrigen Einkommen geschützt werden“, sagt Said Iqbal, Vorsitzender des indonesischen Gewerkschaftsverbandes KSPI.

Unterschiedliche Grenzen für Mindesteinkommen

Das Durchschnittseinkommen in Indonesien liegt laut BSP bei etwa 115 Dollar monatlich. In jeder Provinz und jedem Bezirk gelten andere Grenzen für ein Mindesteinkommen. In der Hauptstadt bewegt sich diese Grenze derzeit bei ungefähr 206 Dollar. Gewerkschaften wenden jedoch ein, dass der Betrag nicht die steigenden Lebenshaltungskosten deckt.

„In Malaysia wurde das Mindesteinkommen auf 228 Dollar, in Thailand auf 244 Dollar und auf den Philippinen auf 274 Dollar festgelegt“, erklärt Iqbal. Tausende Arbeiter waren am 1. Mai seinem Aufruf gefolgt und für höhere Löhne auf die Straße gegangen.

„Wir können bisher nicht erkennen, dass der Präsident etwas unternommen hat“, kritisiert er. „Die Löhne müssen mit dem Anstieg der Preise für Erdöl und Verbrauchsgüter Schritt halten.“

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO hatte im Januar berichtet, dass jeder dritte regulär Beschäftigte – etwa 33,6 Prozent aller Arbeitnehmer mit einer Vollzeitanstellung – Geringverdiener sind. Während die Niedriglöhne in manchen Schwellenländern steigen, sind der ILO zufolge prekäre Beschäftigungsverhältnisse in Indonesien die Norm.

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Vergeblicher Kampf gegen Niedriglöhne

Laut dem Report verdienen 45,9 Prozent der regelmäßig Beschäftigten weniger als den im August 2014 gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes IGB, wirft der indonesischen Regierung vor, nicht ausreichend gegen die zunehmende soziale Ungleichheit und den weiter anwachsenden informellen Sektor vorzugehen.

„Die Gewerkschaften des Landes kämpfen seit Jahren gegen Niedriglöhne. Doch die Menschen verdienen immer noch nicht genug für ein Leben in Würde“, sagte Burrow anlässlich eines Besuchs in Jakarta am 1. Mai. „Für einen umfassenden sozialen Schutz ist nicht gesorgt.“

Laut der Weltbank verläuft in Indonesien der Anstieg der Arbeitsplätze langsamer als das Bevölkerungswachstum. „Die öffentlichen Dienstleistungen sind unzureichend, wenn man sie an mittleren Einkommensstandards misst.“ Auch dem Gesundheitssektor und der Infrastruktur bescheinigt die Bank Defizite.

Millenniumsziele in weiter Ferne

Indonesien scheint somit weit entfernt von den Millenniumsentwicklungszielen der Vereinten Nationen zu sein, die bis Ende dieses Jahres erreicht sein sollen. So ist etwa die Säuglings- und Müttersterblichkeit mit 228 beziehungsweise 190 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten sehr hoch.

Nur 68 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu verbesserten Sanitätseinrichtungen – weit entfernt von dem MDG, das 86 Prozent vorsieht. Etwa 153,2 Millionen Menschen – 62 Prozent der Gesamtbevölkerung – leben in ländlichen Regionen, in denen Krankenhäuser, Schulen und Finanzinstitutionen nicht leicht zu erreichen sind. Experten zufolge wird es höchste Zeit, dass das Land Maßnahmen zu einer gerechteren Verteilung der Einkommen ergreift.

Während einige Beobachter darauf beharren, dass die niedrigen Löhne Investoren anziehen könnten, sind andere Experten vom Gegenteil überzeugt. Die zunehmende Ungleichheit in den vergangenen zehn Jahren habe den ärmsten 50 Prozent der Bevölkerung kaum Gewinne verschafft, sagt Keith Loveard von der Beratungsfirma ‚Concord Consulting‘ in Jakarta.

Exorbitante Logistikkosten

Die Regierung könnte das Blatt wenden, wenn sie bürokratische Engpässe in mehreren Bereichen beheben würde. Laut Loveard belaufen sich in Indonesien die Kosten für Logistik auf mehr als ein Viertel der Produktionskosten. Den Unternehmen bleibe nichts anderes übrig, als die Beschäftigten finanziell auszubeuten.

„Solange die Transportkosten nicht durch bessere Infrastrukturen und weniger Bürokratie gesenkt werden, bleibt etwa die Situation der Fertigungsindustrie äußerst schwierig.“

Der Fertigungsbereich bietet ILO zufolge in Indonesien die meisten regulären Arbeitsplätze nach dem Dienstleistungssektor und trägt erheblich zum Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum bei.

Finanzinstitutionen wie die Weltbank weisen darauf hin, dass die Einkommensungleichheit in dem Land so schnell wächst wie sonst in kaum einen anderen Staat Südostasiens. Solange die Regierung in Jakarta keine Sozialprogramme für die Ärmsten einführt und nicht in die Infrastruktur investiert, dürfte demnach in den nächsten Jahren der soziale und politische Zusammenhalt verloren gehen.

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