in Asien

Einer der Punkte, wo China immer wieder mal in den Schlagzeilen auftaucht, ist der Streit über ein paar kleine Inseln im südchinesischen Meer.

Nun, eigentlich denkt man sich nicht viel dabei – irgendwelche Felsbrocken im Meer, die eigentlich keinen interessieren würden, und die vermutlich interessant wurden weil es irgendwo im Schelf drumrum Bodenschätze geben könnte oder so. Eine Bemerkung in der Zeit lies mich aufhorchen: Die US-Regierung „wirft der Volksrepublik China vor, mit der Aufschüttung die freie Schifffahrt in der Region zu bedrohen, durch die ein Drittel der weltweiten Erdöltransporte verlaufen“. Klingt nach Propaganda, aber geht es dort vielleicht doch um was anderes als irgendwelche Rohstofflagerstätten im Meer drumrum?

Nehmen wir also mal an, da sei was dran an der Gefahr, irgendeine böse Macht könnte die Kontrolle über ein paar Inseln dazu missbrauchen, um die freie Schiffahrt durch diese Gegenden zu unterbrechen. Sehen wir uns dann einmal an, welche Länder das wie stark gefährden würde. Der Großteil geht nach China, vieles nach Taiwan, Südkorea und Japan. Wer wäre gefährdet, wenn China den Weg durch das südchinesische Meer sperren würde? Hm, niemand. Schließlich sind Taiwan und Japan genauso von Osten zu erreichen, und auch Südkorea hätte, soweit es sich nicht gleichzeitig noch mit Japan verkracht, alternative Versorgungswege. Umwege sicher – es wäre also wirklich nicht nett von China, sowas zu tun – aber trotzdem nichts, was eine existentielle Gefahr für diese Staaten wäre, weswegen man es auch für Erpressungen kaum verwenden kann.

Also ist die Idee, die freie Schifffahrt wäre so irgendwie bedroht, einfach nur anti-chinesische Propaganda? Was die Bedrohung durch China betrifft, sicherlich. Aber Propaganda tendiert oft dazu, dem Gegner zu unterstellen, was man selbst vorhat. Wie sähe es denn für China aus, wenn eine andere Macht all diese Inseln kontrolliert und dann das südchinesische Meer blockiert?

Sicher, auch China könnte man auf anderen Wegen erreichen. Die da wären zwischen Indonesien und Taiwan, oder zwischen Taiwan und Japan, oder zwischen Japan und Südkorea. Hm. Alles Verbündete der USA. Und auf dem längsten Stück, zwischen Taiwan und Japan, liegt mitten drin die Insel Okinawa, die mehr oder weniger ein US-Stützpunkt ist. So herum macht die Bedrohung der freien Schifffahrt durchaus Sinn: Chinas Zugang zum Weltmeer könnte durchaus blockiert werden. Und wenn die USA oder ein mit ihr eng verbündeter Staat die Kontrolle über die umstrittenen Inseln bekäme, wäre dies durchaus praktisch realisierbar.

Ein Blick auf die Landkarte, und die augenblicklichen politischen Konstellationen ist also nicht nur ausreichend, um festzustellen, ob es um die fraglichen Inseln herum eine Gefahr für die freie Schifffahrt gibt, sondern sogar wer davon bedroht ist und von wem sie ausgeht.

Und wenn man sich diese Gefahr vor Augen hält, wird klar, dass die angeblich so aggressive chinesische Politik vor allem Selbstverteidigung ist, und der Sicherung der eigenen Versorgung mit Öl dient. Klar mag der Besitz von Felsbrocken im Meer sehr angenehm sein in Zeiten, in denen sich daraus Ansprüche auf Rohstoffe im Schelf drumrum ergeben. Trotzdem wäre dies etwas, worüber man ohne weiteres verhandeln könnte.

Die Gefahr einer US-Ölblockade dürfte jedoch zu existenziell sein, als dass China bereit sein würde, darüber zu verhandeln. Dass die USA zu solch einem Eingriff in die freie Schifffahrt durchaus bereit wären, weiß man ja aus der Geschichte, wo ein amerikanisches Ölembargo gegen Japan zumindest eine erhebliche Rolle für die japanische Entscheidung, Pearl Harbor anzugreifen, spielte.

Die These, dass es die Angst Chinas vor einer US-Blockade ist, die sein Verhalten in der südchinesischen See begründet, hat allerdings eine Schwachstelle: Viel würde es nicht helfen, das südchinesische Meer zu kontrollieren, die US-Blockade würde einfach woanders angesetzt, Die Straße von Malakka bietet sich an.

Allerdings beschränkt sich Chinas Aktivität auch nicht auf die südchinesischen Inseln. Die chinesischen Bemühungen, Handelswege zu entwickeln und vor den USA zu sichern, sind ja unter dem Titel „Seidenstraße“ bekannt geworden, aber sie beschränken sich keineswegs, wie die ursprüngliche Seidenstraße, auf Festlandsverbindungen durch Mittelasien. Yurasumy hat beispielsweise eine Analyse dieser Strategie in drei Teile unterteilt, bei dem es nur im dritten Teil um die Landverbindungen geht, während es im ersten und zweiten Teil um die Seewege geht, insbesondere im ersten Teil um die südliche Flanke. Und dort werden zwei wichtige Projekte erwähnt, die eine logische Ergänzung sind zur Sicherung der chinesischen Transportwege im südchinesischen Meer sind.

Dies ist einmal das Kra-Kanal oder Thai-Kanal genannte Projekt eines Kanals durch Thailand nahe der Grenze zu Malaysia. Dieser Kanal, den die Chinesen bauen wollen, und der dann auch von ihnen kontrolliert werden dürfte, würde der chinesischen Schifffahrt eine sichere Weiterfahrt in den indischen Ozean erlauben, wenn die Straße von Malakka blockiert ist.

Hinzu kommt, als Alternative, der chinesisch-pakistanische ökonomische Korridor (CPEC), ein Korridor, der China mit dem Hochsee-Hafen Gwadar, der von den Chinesen ausgebaut und verwaltet wird, verbindet. In beiden Fällen ist wohl aktuell und offiziell noch nicht von einer direkten militärischen Kontrolle die Rede. Aber darüber, dass Hafen Gwadar und der Thai-Kanal auch zu chinesischen Militärstützpunkten werden könnten, wird zumindest spekuliert. Und es bietet sich natürlich auch an.

Man muss bedenken, dass bei beiden Projekten zwar ein langfristiger ökonomischer Nutzen höchst plausibel ist, aber dem auch einiges entgegensteht. Eine Einsparung an Seeweg durch den Thai-Kanal ist zwar vorhanden, aber gegenüber dem Panama-Kanal oder dem Suez-Kanal faktisch unerheblich. Wie schnell sich diese Investition rentiert, vor allem weil die Kosten durchaus erheblich sind, ist daher die Frage. Auch der CPEC verlangt erhebliche Investitionen, und birgt außerdem große politische Risiken in sich – Pakistan ist schließlich alles andere als ein stabiles Land.

Nur, was wiegen diese Risiken schon, wenn man sie ins Verhältnis setzt zur Bedrohung der Seewege durch die USA? Diese Bedrohung wiegt schwer genug, um dafür ein paar ökonomische Risiken einzugehen. Von daher betrachtet, fügt sich alles zu einem recht konsistenten Bild zusammen. Und dieses Bild sagt uns, dass es bei der Auseinandersetzung im südchinesischen Meer China vor allem um die Sicherung seiner eigenen Seewege gehen dürfte. Man sollte sich daher nicht beeindrucken lassen, wenn Chinas Verhalten dort von irgendwelchen Medien als aggressiv dargestellt wird. Geopolitisch betrachtet sieht dies eher nach Verteidigung aus als nach Aggression.

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21 Kommentare

  1. Der Denkansatz ist richtig, denn er paßt in die chinesische Strategie die weltweite (Handels)Seemacht zu werden. Dazu gibt es auch eine schön Doku (lief im TV, mir fällt der Name nicht ein), wo eindrucksvoll gezeigt wurde, wie China weltweit Häfen aufkauft u.baut! Gigantische Großprojekte, welche in Rekordzeiten verwirklich werden. (Dazu wäre die BRD heuzutage gar nicht mehr in der Lage – weder vom Finanziellen, noch vom Logistsichen.) China will die Seewege/Handelsrouten u.Häfen kontrollieren, denn wer diese kontrolliert, kontrolliert alles. Wichtig dabei ist, das China das alles auf friedlichem Wege macht, sie kaufen es einfach u.nicht wie die USA, welche die Welt mit Kriegen überzieht, um ihre geopolitischen Ziele zu erreichen.

  2. China ist eine faschistische Großmacht die jetzt ganz Asien unter seine Kontrolle bringen will. So wie es die Tibeter abschlachtet, um an Land und Rohstoffe zu kommen, so wie es die Uiguren unterdrückt, Russland infiltriert, Afrikanische Staaten in Abhängigkeit bringt, Europa spaltet, versucht, Nord- und Südamerika aufzukaufen.
    Das ist Chinas Staatsprogramm seit mehr als 2000 Jahren, seit dem ersten Kaiser.

    Herr Bergmann hätte nicht erwähnen müssen, dass er „kommunistisch“ geformt worden ist, man merkt es seinem stupiden Text an. Grundsätzlich immer den USA die Schuld an allem zu geben ist doch wirklich zu blöd.

    • Dass Sie China hassen, geht aus Ihrer Wortwahl schon hervor. Was eine kommunistische Erziehung mit einer Sympathie für das heutige China zu tun haben soll, ist mir nicht klar, kommunistisch ist dort ja nur noch der Name der Partei. Ganz abgesehen davon, dass zur Zeit meines Aufwachsens die Chinesen im Ostblock genauso Feinde waren wie der Westen.

      Haben Sie auch inhaltliche Kritik? Ich hab ja schließlich nicht einfach so, sondern mit Blick auf die Landkarte die These aufgestellt, dass eine Blockade des südchinesischen Meers für die Chinesen sinnlos, aber für die USA sinnvoll sein könnte.

      Und wo genau haben Sie in den geostrategischen Betrachtungen eine Schuldzuweisung gesehen?

    • Sie wissen von der chinesischen Geschichte wenig – ich mache das an Tibet fest, das seit Jahrhunderten zu China gehört – als autonomes Territorium, was nicht heißt, dass *man* dort tun kann, was man will. Es war 1954 (?), ausgehend vom Westen, Kaschmir usw., zu schweren Unruhen gekommen – von den Briten angezettelt, versteht sich. Ende mit der Geduld Pekings. Die Folgen sind hierzulande bekannt – aber eben nur zum Teil. Für die Masse der Tibeter bedeutete dies das Ende der Quasi-Leibeigenschaft von den Klöstern, die bis dahin die alleinigen Landbeherrscher waren und die Landbevölkerung brutalst ausbeuteten – da war gut Beten in den Klöstern! Bin kein Kommunist, aber für die Masse der Tibeter verbesserte sich die Situation gravierend!

  3. China ist eine faschistische Großmacht die jetzt ganz Asien unter seine Kontrolle bringen will. So wie es die Tibeter abschlachtet, um an Land und Rohstoffe zu kommen, so wie es die Uiguren unterdrückt, Russland infiltriert, Afrikanische Staaten in Abhängigkeit bringt, Europa spaltet, versucht, Nord- und Südamerika aufzukaufen.
    Das ist Chinas Staatsprogramm seit mehr als 2000 Jahren, seit dem ersten Kaiser.
    Herr Bergmann hätte nicht erwähnen müssen, dass er „kommunistisch“ geformt worden ist, man merkt es seinem stupiden Text an. Grundsätzlich immer den USA die Schuld an allem zu geben ist doch wirklich zu blöd.

  4. China ist .. geworden ..

    China wird nationalistisch regiert. Fridliche Die kleinen Inseln werden umgebaut zu Flugzeugträgern. Schließlich fühlt China sich auch von den USA eingekreist.
    Die Chinesen stecken fest. Die Kulturrevolution ist lange her und nun warten die auf einen neuen Führer.
    Der Westen fällt auf seine eigenen Propaganda herein. China hat so immense Devisenreserven, das könnte die ganze Welt aufkaufen.
    Und auf den Ölhandelsruten der Pax Americana haben die Amerikaner schon lange nicht mehr das Sagen. Von den ehemals 600 Kriegsschiffen sind noch 200 in Betrieb.
    Der Ölhahn wird in der Straße von Homus und im Golf von Aden abgedreht. Imperien wachsen und zerfallen auf dem Weltmeer.

    • Man fragt sich andersrum, was eigentlich diese Inseln die USA angehen ??? Das nächste US-Territorium – Hawaii – liegt über 9.000 km entfernt, das US-Festland gar fast 12.000 km. Wobei die Legalität der US-Zugehörigkeit Hawaiis bei den Hawaiianern selbst durchaus umstritten ist … Die USA sollen sich mal besser um ihr eigenes Territorium bemühen, da gäbe es genug zu tun und sie bräuchten dann auch nicht permanent ihre Blut-triefenden Hände in andere Länder zu stecken. – In den ca. 230 Jahren ihrer Existenz ca. 220 Kriege geführt zu haben, das ist schon was! Nicht unbedingt der Beweis für die stets nur selbst behauptete Friedensliebe …

  5. Über den Nicht-Anlass, der das Ganze gerade wieder in die News gebracht hat, hat Peter Lee gerade einen guten Artikel in der Asia Times geschrieben: „South China Sea missiles: The Woody Island media circus explained“.

  6. Ich denke die Insel dient auch als Auftankplatz für Kampfjets, wenn man mit einem Land Krieg führt, dass weiter entfernt liegt. Die Insel liegt etwa 700-1000 km vom chinesischen Festland entfernt.
    M.E. muss man alle Kleininseln in diesem Gebiet besitzen, wenn man nicht von den Amis dort eingekesselt werden will.

  7. Der Artikel ist interessant aber vernachlässigt zwei Punkte…

    1) China beansprucht den südchinesischen Meeresraum bereits seit 200 Jahren

    2) In dem Gebiet selbst gibt es bedeutende Rohstoffe die China für sich beansprucht, andere Anrainerstaaten allerdings auch.

    PS Die Spratley Inseln sind keine Felsbrocken sondern Korallenriffe auf die Sand aufgeschüttet wird.

    • Diese Punkte hätten natürlich berücksichtigt werden müssen, wenn das Ziel gewesen wäre, herauszufinden, wer im Streit um die Inseln recht hat. Darum ging es mir aber gar nicht.

      Eigentlich ging es mir nur um die geopolitische Betrachtung.

      Die hat natürlich auch einen Einfluss darauf, wie man die aktuelle Politik wertet. Egal ob China moralisch, historisch, oder sonstwie im Recht ist, wird man ein aggressives Bestehen Chinas auf der Kontrolle der Inseln halt anders bewerten, wenn deren Kontrolle durch die USA China fundamental gefährdet, als wenn es dadurch selbst in eine Position kommt, andere fundamental zu gefährden.

    • Auch wenn Sie einen chinesisch aussehenden Namen nutzen, scheinen Sie von der Chinesischen Geschichte wenig bis nichts zu wissen. Lesen Sie mal weiter oben, was ich *Alfons I.* dazu schrieb! Leider reichen 750 Zeichen nicht weit – die Sache ist weitaus komplexer, als sie hierzulande medial verbreitet wird. – Und der Herr Dalai Lama ist doch auch ein sooo netter Mensch!

  8. Ist Neopresse für den Genozid an den Tibetern?
    Für die Unterdrückung anderer Minderheiten der von China besetzten Gebiete?

    Es ist an der Zeit für eine Klarstellung seitens der Herausgeber, wofür Neopresse eigentlich steht.
    Zunehmend besteht der intensive Eindruck, dass Neopresse im Auftrag der Chinesischen und russischen Machthaber Propaganda verbreitet.

    Unabhängigkeit sieht anders aus. Dann müssten mal auch Beiträge auf NEOPRESSE erscheinen, die kritisch die Situation in Russland und China betrachten. Die sucht man allerdings bei Neopresse vergebens. Das ist mehr als auffällig….

    • Wenn Sie Artikel lesen wollen, die „die kritisch die Situation in Russland und China betrachten“, können Sie doch die Massenmedien nutzen, die wimmeln ja dort nur so. Ich sehe für mich jedenfalls keinen Grund, Informationen weiterzuverbreiten, die eh schon überall verbreitet werden. Es gibt ja schließlich in unseren Lückenmedien genug Lücken, die zu füllen sich lohnt.

  9. Neopresse unterstützt eben die Wirtschaftsliberalen, für die China das gelobtes Land der unbegrenzten Ausbeutung ist…
    Demnächst wird man hier erklären, die chinesische Regierung steht telepathisch unter der Kontrolle des NSA, denn natürlich sind alle chinesischen Funktionäre Gutmenschen, die den chinesischen Bauern und Arbeitern, den Minderheiten und Menschen in den Nachbarstaaten eigentlich ihre ganze Zuneigung entgegenbringen wollen, nur der böse, böse Ami verhindert dass…