Al-Qaida Plan auf dem Weg zur Erfüllung: 2013 Kalifat und Endsieg 2020

2005 beschrieb ein Buch erschreckend genau den Plan des Kalifats von al-Qaida. Sieben Phasen des Dschihad werden für die Zukunft prognostiziert. Jetzt würden uns demnach in der Phase 5 befinden, was auch zeitmäßig aufgeht.

2005 ist ein Buch von Fuad Hussein erschienen, das es in sich hat und beunruhigend wirken kann. Der jordanische Autor war zusammen mit dem ebenfalls aus Jordanien stammenden al-Sarkawi, bis zu seinem Tod 2006 Chef von al-Qaida im Irak, 1996 im Gefängnis zusammengetroffen und stand mit ihm sowie mit anderen islamistischen Terroristen wie Seif al-Adl danach in Kontakt. In seinem Buch beschreibt er die aus den Interviews mit „al-Qaida-Ideologen“ eruierte Planung bis 2020.

„Ich habe eine Reihe von Qaida-Ideologen interviewt, um herauszufinden, wie die Zukunft des offenen Krieges zwischen al-Qaida und Washington aussehen wird“, schreibt der Jordanier im Vorwort. Was er dann auf den Seiten 202 bis 213 vorlegt, ist ein Szenario, das von der Verblendung der Terroristen ebenso zeugt wie von ihrer brutalen Kompromisslosigkeit. In sieben Phasen, geht daraus hervor, hofft das Terrornetzwerk ein islamisches Kalifat zu errichten, welches zu bekämpfen die westliche Welt dann zu schwach sein wird.

Der Spiegel hatte 2005 das Buch und die darin ausgeführte Strategie kurz vorgestellt („Szenario des Schreckens – und des Wahns„). Die Ideen werden hier von Telepolis noch einmal verglichen und vorgestellt:

„Phase 1: Zwischen 2000 und 2003 fand danach das „Aufwachen“ statt, das mit den Anschlägen von 9/11 eingesetzt hatte, um die USA zu einem Krieg gegen den Islam zu provozieren, was auch mit dem Krieg gegen Afghanistan und schließlich gegen den Irak gelungen war: „Das Schlachtfeld wurde ausgeweitet“, al-Qaida wurde durch die Reaktion der „Schlange“ in New York „als Führer der Nation gekrönt“ die Islamisten konnten ihre Botschaften weltweit verbreiten.

Phase 2: 2003-2006, also zur Zeit, als Fuad Hussein seine Gespräche führte und das Buch schrieb, sollte das Öffnen der Augen stattfinden. Der Feind sollte in einen Krieg hineingezogen werden. Es sollten Fähigkeiten entwickelt werden, einen „elektronischen Dschihad“ zu führen. Beides wurde im Irak mit einer Vielzahl von Terroranschlägen oder mit Kämpfen um Städte wie Falludscha sowie mit der Perfektionierung der Medienstrategie erreicht. Immer wieder wurde vom US-Verteidigungsminister Rumsfeld betont, dass die Terroristen im Medienkrieg überlegen seien. Zudem sollten die Aktivitäten auch auf andere islamische Länder erweitert werden. Tatsächlich fanden Anschläge in Saudi-Arabien oder in der Türkei statt und breitete sich al-Qaida in Ländern wie Somalia oder Jemen aus. Man wollte finanzielle Unterstützung aus anderen islamischen Ländern erhalten, der Irak sollte zur Operationsbasis werden, die Rekruten anzieht und ausbildet.

Phase 3: Zwischen 2007 und 2010, also von den al-Qaida-Strategen gesehen in der Zukunft, sollte ein Aufstehen und Aufrechtstehen stattfinden. Der Kampf sollte auf al-Sham erweitert werden. Damit war Syrien, aber eigentlich Groß-Syrien gemeint, was schließlich 2013 in den Namen ISIS (ad-Dawlah al-Islāmīyah fīl-‚Iraq wa ash-Shām – Islamic State of Iraq and Syria) mündete. Zu Groß-Syrien wurde auch der Libanon und Jordanien gerechnet. Plan war es, die Region neu zu ordnen. Geplant waren auch Anschläge in Israel.

Phase 4: Würde man die Strategie ernst nehmen, wäre Phase 3 erst einmal nicht eingetreten, weil al-Sarkawi getötet und al-Qaida im Irak geschwächt wurde. Auch die nächste Phase (2010-2013) trat nicht so ein, wie man dies erhoffte – oder vielleicht doch. Vorgesehen war, arabische Regime zu stürzen oder ins Wanken zu bringen, indem Unruhen geschürt werden. So sollte die Zusammenarbeit mit den USA aufgedeckt und Regime geschwächt werden, die mit Israel kooperieren. Zudem sollten elektronische Angriffe auf die US-Wirtschaft und Angriffe auf arabische Erdöl-Anlagen. Gold sollte gestärkt werden, um den US-Dollar zu schwächen.

2012 wurde der saudische Ölkonzern Saudi Aramco von einem Cyberangriff heimgesucht (Saudi Aramco und die Ölbranche erwarten weitere Cyber-Angriffe), möglicherweise gab es weitere Angriffe auf andere Konzerne. Ob Dschihadisten dahinterstecken? Und es gab den Arabischen Frühling, der Ende 2010 in Tunesien begann und sich im Nahen Osten und Nordafrika ausbreitete. 2011 wurden Libyen, Ägypten und Syrien erfasst. In Ägypten wurde nach den Tahrir-Protesten und dem Sturz von Mubarak der Durchstart der Islamisten durch einen Militärputsch zurückgeschlagen, Libyen und Syrien verfielen zu „failed states“, in denen Islamisten ebenso wie in Mali oder Nigeria immer stärker wurden. Gleichzeitig ging man im Westen davon aus, nachdem Osama bin Laden getötet wurde und al-Qaida in Pakistan, im Jemen und in Somalia durch den Drohnenkrieg dezimiert wurde, dass die Terrororganisation geschwächt, „on a path to defeat“ gebracht worden sei.

Phase 5: Wir kämen nach der 2005 veröffentlichten Strategie in der Gegenwart an. 2013-2016 sollte der „Islamische Staat“ oder das Kalifat erklärt werden. Beides ist 2014 geschehen. International würden Veränderungen stattfinden, die angelsächsische Achse würde geschwächt sein, vor allem in der islamischen Welt, und neue Mächte wie Indien und China hervortreten, mit denen Muslime nicht im Krieg stehen. Letzteres trifft jedenfalls nicht zu, auch wenn die BRICS-Staaten die Supermacht USA mit ihren Alliierten zunehmend schwächen, während al-Qaidas Macht zunimmt.

Phase 6: Es wird interessant. Bislang scheint die Strategie realisiert worden zu sein, zumindest ist al-Qaida bzw. der Islamische Staat als Nachfolger gestärkt aus den Konflikten hervorgegangen und ist wieder zu einem bedrohlichen Gegner des Westens geworden. 2016 will man in einen totalen Krieg eintreten. Nach der Ausrufung des Kalifats werde die „islamistische Armee“ die Endschlacht beginnen. Der IS ist keine Terrororganisation mehr, sondern eine weiter anwachsende Armee mit erbeuteten schweren Waffensystemen und womöglich auch mit Kampfflugzeugen. Bislang erscheint der IS trotzdem den westlichen Streitkräften völlig unterlegen zu sein und diesen wenig entgegenzusetzen haben, zumal wenn der Angriff auf den Einsatz von Bodentruppen verzichtet. Es waren gerade die Angriffe auf die Bodentruppen, die al-Qaida im Irak Stärke verliehen und Ziele geboten haben. Geht es also jetzt darum, den Westen wieder in einen Boden- und Stadtkrieg zu verwickeln? Die Stärke von IS ist weiterhin, dass seine Kämpfer nicht taktisch überlegen, sondern unbedenklich ihr Leben ins Spiel bringen.

Phase 7: Die Vision vom Endsieg ab 2020. Al-Sarkawi und Co. setzten nicht nur auf ihre Strategie, sondern auch auf die demografische Macht. 1,5 Milliarden Muslime auf dem Dschihad würden schlicht die Unterwerfung der Nichtmuslime zur Folge haben. Der Endkampf werde nicht länger als zwei Jahre benötigen.“