in Afrika

Jährlich fließen rund 68 Milliarden Dollar von den Industrienationen in den afrikanischen Kontinent um dort für „Entwicklung“ zu sorgen. Von 1960 an gerechnet entspricht das der Summe von sechs Marshall-Plänen, wie der in Washington lehrende ghanaische Wirtschaftswissenschaftler George Ayittey unlängst vorrechnete. Zahlen aus dem Jahr 2010 belegen, dass dies jeden Steuerzahler in der Europäischen Union rund 100 Euro im Jahr kostet. Eine Menge Geld – das Ergebnis jedoch lässt zu wünschen übrig.

Nun ist insbesondere Afrika ein Kontinent, der durch koloniale Einflüsse schwer gebeutelt wurde und verständlicherweise Zeit braucht um wieder auf die Beine zu kommen. Die Voraussetzungen um auf eigenen Beine zu stehen, würde der schwarze Kontinent allerdings mit sich bringen. So bieten sich neben massiven Rohstoffvorkommen, von Öl über Diamanten bis hin zu Coltan, auch im Bereich des Tourismus unzählige Möglichkeiten um eigentlich nicht mehr auf Gelder aus dem „Norden“ angewiesen sein zu müssen.

Die Realität allerdings ist eine andere. Jahr um Jahr, so scheint es, steigt die Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern, ein autonomes, von Transferleistungen unabhängiges Bestehen scheint vielen aus dem Sinn gezerrt.

Zurecht darf hier die Frage aufgebracht werden, was da schief läuft. Zurecht darf hier nach der Verhältnismäßigkeit gefragt werden. Wie kann es sein, dass jedes Jahr Unsummen in etwas investiert wird und am Ende so wenig dabei rauskommt? Wieso haben Millionen Afrikaner nach über 50 Jahren Entwicklungshilfe immer noch keinen Zugang zu den absoluten Basics, wie Nahrung, sauberen Trinkwasser und medizinischer Versorgung?

Entwicklung ökonomischer Messdaten im Zentrum

„Transformation from a peasant-based economy to a just, peaceful and prosperous middle-income country […] investment priorities: energy, railway, waterways, air transport […] creating employment, raising per capita income levels[…]“ (Auszug aus dem „National Development Plan“ Uganda)

So oder so ähnlich lesen sich die meisten „National Development Plans“ der sogenannten „Entwicklungsländer“, im Zentrum steht dabei insbesondere die Entwicklung ökonomischer Messdaten, eine allgemeine „Annäherung an den westlichen Lebensstandard“ scheint das langfristige Ziel von „Entwicklungsarbeit“ zu sein. Dass viele Entwicklungsprojekte im „Globalen Süden“ bereits von vornherein zum Scheitern verurteilt sind, nährt sich aus einer Mischung von Ignoranz und Gleichgültigkeit. Der Preis, der für das blinde Langen nach ökonomischen Wachstum bezahlt wird, ist hoch und geht meist auf Kosten von Umwelt, Bevölkerung und Kultur.

Armut als bloßes Nichtvorhandensein finanzieller Ressourcen

Die Wurzel des Übels liegt dabei bereits in der Erhebung, welche Menschen denn nun auf „Entwicklungshilfe“ angewiesen seien: Nach der gängigen Erhebungsmethode der „World Bank“ gelten alle Menschen, welche von weniger als 1.25$ pro Tag leben müssen als „extrem arm“ und sind in unmittelbarer Folge auf Hilfe angewiesen. Der Umstand, dass Wohlstand bzw. Armut auf eine rein ökonomische Messgröße reduziert wird, führt allerdings zu einer drastischen Verzerrung des Gesamtbildes. Armut kann nicht als bloßes Nichtvorhandensein finanzieller Ressourcen definiert werden.

Ebenso begibt man sich bei der Bewertung von Entwicklungsprojekten auf’s monetaristische Glatteis. Demnach gelten Projekte mit höherem Ressourceneinsatz als besser, im entwicklungsspezifischen Kontext erfolgreicher, als jene mit geringerem Budget. Dem Endresultat, also der Frage, ob ein gewisses Projekt wirklich den gewünschten Effekt erzielt, kommt in diesem Zusammenhang leider eine Außenseiterrolle zu.

Vielmehr sollte der Begriff „Entwicklung“ eine viel größere Bandbreite als die der rein ökonomischen Komponente umfassen. Der in vielen Projekten inhärente Wachstumsfetischismus mag zwar in zahlreichen Fällen zum erhofften Effekt führen, gefährdet aber im Gegenzug die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung. So wird zum Beispiel der durch den steigenden Konsum erhöhten Müllproduktion meist nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Auch werden kulturelle Gewohnheiten im Entwicklungsprozess oft vernachlässigt, entscheidend gestört oder gar gänzlich ausgelöscht. An den Punkten an denen Kultur und Modernisierung aufeinander krachen, sind soziale Spannungen und Unruhen ein unweigerlicher Begleiter.

Entwicklungsarbeit hin zu mehr Lebensqualität

Vielmehr sollte Entwicklung hin zu einer allgemeinen Steigerung der Lebensqualität fungieren. Entscheidende Bereiche wie die gesundheitliche Versorgung, sanitäre Einrichtungen oder der Zugang zu sauberen (Trink-) Wasser sollten vermehrt in den Fokus gerückt werden. Eine wichtige Komponente spielt dabei die Bildung. Auch hierbei wird häufig der Fehler begangen, dass vom „Westen“ finanzierte Schul- oder Bildungsprojekte in den „Entwicklungsländern“ eben auch einen Lehrplan des Geberlandes im Gepäck haben.

Die gelehrten Curricula spiegeln in den seltensten Fällen die soziale, ökonomische und kulturelle Realität des Landes, in welchem sie gelehrt werden, wider. Entwicklung als Prozess wird als solcher aber nur von Erfolg gekrönt sein, wenn neben der ökonomischen Komponente eben auch auf kulturelle, soziale und historische Faktoren Rücksicht genommen wird.

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Kommentar

  1. Das kommt nie da an wo es gebraucht wird. Die stopfen sich alle die Taschen voll und der Rest wird für Sachen ausgegeben die keinem da unten was nützen. Und wenn dann doch mal was fertig errichtet wird steht es nicht lange weil es mal wieder nen Putsch gibt und die alles zerstören oder die klauen alles was nicht Niet und Nagelfest ist. Sinnlose Unterfangen und nicht mal vernünftig durchdacht!! Aber ist ja nicht Ihr Geld!

  2. Viel zuwenig wird in der Entwicklungshilfe gefragt: War das Projekt überhaupt notwendig? Oft projizieren wir unsere Vorstellungen, was gut und richtig ist, z.B. auf die Afrikaner. Könnte das Projekt nicht auch ohne fremde Hilfe realisiert werden?
    Die Idee, dass der Retter immer von außen kommen muss, gefällt vielen hellsichtigen Afrikanern nicht. Gute Absichten werden in ihr Gegenteil verkehrt. Sie glauben daran, dass die Probleme mit einheimischen Mitteln gelöst werden können.
    Volker Seitz, Botschafter a.D./Buchautot

  3. Die Entwicklungsgelder sind bereits nach wenigen Wochen von den Zinszahlungen für die Kreditgeber weggefressen. Also versorgen wir mit unseren Steuern und Spendengeldern nur die Finanziers, die dann wieder in den reichen Industrieländern zu finden sind.
    Doofer geht es nicht mehr.

  4. Entwicklungshilfe: Wenn die armen Leute eines reichen Landes für die reichen Leute eines armen Landes Geld spenden.
    Denis Healey, brit. Politiker

    Kolonien lagen ausschließlich im Unternehmerinteresse. Und hier deren wichtigstes Argument: Durch die Industrialisierung in Deutschland war nicht nur ein großes Arbeiterproletariat entstanden, das eine Gefahr für das Staatssystem bildete, die Verbesserung der hygienischen und medizinischen Versorgung ließ auch die Bevölkerung rapide ansteigen. Von 1875-1913 erhöhte sich die Reichsbevölkerung um 25 Millionen (+60%). Die Befürworter sahen den wichtigsten Vorteil der Kolonien im „Export der sozialen Frage“.
    Natürlich ging es primär um Rohstoffe und die Ausbeutung des Kontinents. Es hätte…

  5. Die BRDDR ist viel zu verfilzt und verfault, als daß sich noch irgendwas an der „Entwicklungshilfe“ ändern ließe. Wir können ja nicht mal hier im Blog irgendwas ändern.