Protestwelle in Brasilien: Sieben Städte senken Buspreise

UBERLANDIA (Brasilien), 19. Juni (RIA Novosti).

Zehn Cent mehr für den Fahrschein – Brasilien führt vor, wie leicht sich eine mächtige Protestwelle entfachen kann. Die Bürgermeister von sieben Hauptstädten brasilianischer Bundesstaaten wollen nun lokalen Medienberichten zufolge das Busfahren wieder billiger machen.
Brasilien erlebt eine der heftigsten Protestwellen in der Geschichte des Landes. Am 13. Juni begannen die Demonstrationen gegen die Fahrpreiserhöhungen und die hohen Ausgaben für die Austragung der Fußball-WM. Die unzufriedenen Bürger kritisieren zudem die mangelnde Finanzierung im Bildungs- und Gesundheitswesen.  Am Montag gingen in 11 Städten des Landes, darunter der Hauptstadt Brasilia, bereits mehr als 220.000 Menschen auf die Straße.
Am Dienstag gaben die Bürgermeister der Städte Porto Alegre, Recife, Joao Pessoa, Manaus, Cuiaba und Vitoria die sofortige Senkung der Fahrpreise bekannt.
Der Bürgermeister von Sao Paulo, Fernando Haddad, beharrte vor dem versammelten Stadtrat, der mehrheitlich für  eine Preissenkung eingetreten war, auf den aktuellen Tarifen. Er gab jedoch bekannt, er werde die Ausgaben für den öffentlichen Verkehr eingehend prüfen und überlegen, wie Senkungen der Fahrpreise für Bus und U-Bahn zu finanzieren sind.
Die Proteste in Sao Paulo gehen indes den sechsten Tag hintereinander weiter. Im Zentrum sind 50 000 Manifestanten auf der Straße.
In der Nacht auf Mittwoch kam es in einer der zentralen Regionen der Stadt zu Unruhen, melden brasilianische Medien. Ein Teil der Demonstranten versuchte, das Bürgermeisteramt zu besetzen und wurde dabei von der Polizei abgedrängt. Danach sei es den zahlenmäßig überlegenen Protestteilnehmern jedoch gelungen, die Überhand zu gewinnen. Der wütende Mob tobte durch ein Polizeirevier, mehrere Banken und Geschäfte und steckte einen neben dem Bürgermeisteramt geparkten Kamerawagen eines TV-Senders in Brand. Einige Randalierer warfen Steine auf das Amtsgebäude, Fensterscheiben und die Fassadenbeleuchtung  gingen zu Bruch.
Eine andere Gruppe von Demonstranten versuchte dabei vergeblich, die Plünderungen und Krawalle aufzuhalten. Laut Medienberichten musste ein Sondertrupp einrücken. Es kam zu acht Festnahmen.
In Rio de Janeiro wird ebenfalls protestiert. Zur Vorbeugung von Unruhen sind dort 1200 Polizeikräfte im Einsatz.
Die brasilianische Präsidentin Dilma Rouseff hatte am Dienstag vor Journalisten geäußert, das Land werde mit den friedlichen Protesten nur stärker. Die Regierung würde die „Stimme des Wandels“ hören.
Die Verhandlungen um die Fahrpreise in Rio de Janeiro und Sao Paolo gehen indes weiter.
http://de.rian.ru/world/20130619/266326295.html