Der NATO-Krieg in Libyen — Kulturzerstörung inbegriffen

Wissenschaftler alarmiert über Kunstplünderungen in Libyen

Chennai/Tripolis (KAP) Ein russischer Wissenschaftler und Journalist hat sich alarmiert über eine massive Zerstörung von Kulturgütern in Libyen geäußert. Das Nationalmuseum in Tripolis sei geplündert worden; die archäologischen Schätze würden illegal nach Europa gebracht, sagte der Orientalist Nikolai Sologubovsky laut der indischen Zeitung „The Hindu“ (Sonntag). Der Nato warf er vor, die antiken Stätten Leptis Magna und Sabratha bombardiert zu haben. Bereits am Donnerstag hatte UNESCO-Direktorin Irina Bokova zum Schutz der Kulturgüter aufgerufen. Fünf Stätten in Libyen stehen auf der Liste des Weltkulturerbes.
Sologubovsky berichtete nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Libyen, Felszeichnungen im Gebirge Tadrart Acacus seien von Antikenräubern mit Chemikalien abgelöst worden. Die teils 14.000 Jahre alten Zeichnungen gehören seit 1985 offiziell zum Weltkulturerbe. Die ebenfalls auf der UNESCO-Liste stehende Römerstadt Leptis Magna 120 Kilometer östlich von Tripolis sei hingegen bei Luftschlägen der Alliierten beschädigt worden, so der Wissenschaftler. Auch auf die antike Phönizierstadt Sabratha im Westen seien Bomben niedergegangen.
„Plünderungen in Libyens Kulturstätten sind seit Februar im Gang“, sagte Sologubovsky. Er befürchte, Libyen erlebe „das gleiche tragische Schicksal wie die Altertümer des Irak, die vom siegreichen US-Militär geplündert wurden.“
Bereits vor geraumer Zeit hatte Libyen laut der Zeitung Ägypten und Nachbarstaaten gebeten, gegen den Schmuggel von Kulturgütern aus Libyen vorzugehen. Allerdings erlebte Ägypten selbst schwere Kunstplünderungen während des „Arabischen Frühlings„.
UNESCO-Direktorin Bokova wandte sich mit ihrem Appell an die Libyer, die Nachbarländer und Akteure im internationalen Kunsthandel, „alles zu tun, um das unschätzbare Kulturerbe Libyens zu schützen“. Die Kunstschätze seien wesentlich für die Identität und die Selbstachtung der Bevölkerung; dies helfe den Menschen, „sich eine bessere Zukunft aufzubauen“, so Bokova.
http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/41209.html
Das wird wohl ein Traum bleiben!
_________________________________________

(Wikipedia):  Leptis Magna war eine antike Stadt in Libyen und eine der drei Städte der Landschaft Tripolitanien in der Provinz Africa.
Leptis Magna befindet sich nahe der Stadt al-Chums, etwa 120 km östlich von Tripolis. Innerhalb der großen Ruinenstätte sind der severische Triumphbogen, die Thermen, das alte und neue Forum und das Theater aus römischer Zeit sehenswert. Auf der gegenüber liegenden Seite der Wadi Lebdah liegen das sehr gut erhaltene und wieder hergestellte Amphitheater und der direkt am Meer liegende Circus. Es handelt sich um die größte erhaltene antike Stadt der Welt. 1911/1912 begannen die Ausgrabungen unter italienischer Leitung. In dieser Zeit wurde auch der severische Triumphbogen rekonstruiert. 1982 wurde Leptis Magna von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Amphitheater und Porticus in Leptis Magna -- Bildquelle: www.livius.org

Nur 5% der Stadtfläche wurden bisher ausgegraben. Aufgrund der ungünstigen Winde, die aus der Wüste heiß und trocken und vom Meer feucht und salzig über die Stadt wehen, zersetzen sich die freigelegten Teile der Stadt jedoch, weshalb es Stimmen gegen das weitere Ausgraben der Stadt gibt.
Die Stadt war die erste Handelskolonie der Phönizier in Tripolitanien (8. Jahrhundert v. Chr.). Sie geriet unter die Oberhoheit Karthagos und nach der Eroberung durch Numidien unter römische Herrschaft (46 v. Chr.). Im Römischen Reich gewann Leptis Magna große Bedeutung und Wohlstand als Handelszentrum für exotische Tiere aus Afrika, die durch die Garamanten über den Transsaharahandel geliefert wurden. Vor allem Löwen und Elefanten wurden für die Zirkusspiele im ganzen Reich benötigt. Während der Auseinandersetzungen zwischen Pompeius und Caesar kämpfte die Stadt gegen die Position von Caesar und wurde nach dessen Sieg mit einem Tribut von 100.000 Hektolitern Olivenöl bestraft. In Leptis Magna sollen in dieser Zeit bis zu 100.000 Menschen gelebt haben. Nachdem die Stadt schon unter Trajan zur colonia erhoben worden war (fortan besaßen alle freien Einwohner das römische Bürgerrecht), verlieh Kaiser Septimius Severus (reg. 193 bis 211), der aus Leptis Magna stammte, dem Ort das ius italicum, welches eine weitgehende Befreiung von Abgaben bedeutete. Der Kaiser ließ seine Heimatstadt zudem prächtig ausbauen.
In der Mitte des 3. Jahrhunderts kam es durch Nomadeneinfälle zu einem Niedergang der Stadt. Zwar wurde sie unter Diokletian erneut zur Provinzhauptstadt ernannt und erlebte im 4. Jahrhundert einen erneuten Aufschwung, doch verlor die Stadt nach der Eroberung durch die Vandalen (455) an Bedeutung. 533 wurde Leptis unter Kaiser Justinian I. wieder dem Imperium Romanum eingegliedert und erlebte als Sitz eines dux limitis eine Nachblüte. Entscheidend war dann die Eroberung der Stadt durch die Araber (wohl 647). Bald nachdem unter letzteren Oea (Tripolis) zum neuen Zentrum von Tripolitanien geworden war, wurde Leptis Magna von der Bevölkerung aufgegeben.