„Tribute von Panem“ ist mehr als nur ein Film

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Am Wochenende habe ich mir den zweiten Teil von „Tribute von Panem: Mockingjay“ angesehen. Im Kino natürlich, so wie es sich gehört.

Abgesehen davon das mich die Story nebst der, man muss es auch zugeben können, Hauptdarstellerin gepackt hat, errinerte mich bereits der erste Teil „Hungerspiele“ an das Buch „1984“ von George Orwell, das er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben hat.

Aber Mockingjay Teil 2 bediente sich nicht nur einiger an das Orwellsche „Neusprech“ angelehnten Ausdrücke wie „Friedenstruppen“ für eine brutale Armee, sondern auch die durch Folter erzielte Gerhinwäsche an dem zweiten Hauptdarsteller Peeta Mellark, gespielt von Josh Hutcherson. Was mich noch viel mehr beeindruckte, war die eindeutige politische Nachricht die der Film zu übermitteln versucht hat. Und nicht nur versucht hat, sondern eben auch glänzend ausgeführt.

Es wurde gezeigt das auch Rebellen die an sich für eine gute Sache kämpfen, genau so brutal und kaltblütig vorgehen können wie das Regime. So wurden zum Beispiel die internen Bedenken bei der Planung der Offensive um zivile Opfer behandelt, wo es Stimmen der Vernunft gab und auch solche, die jegliche zivile Unterstützer des Regimes als legitime Ziele betrachten.

In der entscheidenden Szene vor dem Kapitol, dem Herrschaftssitz des Präsidenten Snow, gespielt von Donald Sutherland, warteten Menschen vor dem Eingang des Kapitols um sich in Sicherheit zu bringen, als ein Flugzeug kleine Fallschirmbomben über die wartende Menge abwirft. Als Sanitäter eintreffen, explodieren weitere von diesen Bomben mit Verzögerungszünder um grösstmöglichen Schaden anzurichten.

Was nach brutalem Hollywood-Drehbuch aussieht, ist in Wahrheit leider eine Taktik die sowohl von Terroristen, als auch von Armeen eingesetzt wird. Insbesondere die amerikanischen Drohnenangriffe folgen sehr oft genau diesem Muster wie im Film, so dass jegliche Behauptung der US-Regierung über die angebliche Sorge um zivile Opfer sehr zynisch erscheint.

Donald Sutherland, alias Präsident Snow in dem Film, sagte selbst etwas zu diesem Thema:

„Wenn es (noch) eine Frage geben sollte wofür der Film steht, ich werde es Ihnen sagen. Es geht um die Mächte in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dessen Profiteure. Krieg ist für den Profit. Es geht nicht darum „die Welt für die Demokratie zu retten“ oder „für einen König und (ein) Land“. Nein, bullshit. Es geht um den Profit für die obersten 10%, und die jungen Menschen die diesen Film sehen müssen erkennen, dass „blinder Glaube in ihre Anführer nur den Tod bringen wird“, wie Bruce Springsteen es gesagt hat.“

Genau das ist die Botschaft von Mockingjay Teil 2. Und das nicht einmal irgendwo tief in der Story vergraben, sondern relativ am Ende des Films in einem Brief des Strippenziehers Plutarch (dessen Filmname ebensowenig rein zufällig gewählt sein kann) an die Heldin von Panem, Katnees Everdeen.

Für tausende Blogger und Journalisten im Westen, die ihrer Profession nicht nachgehen können weil sie über eine andere Realität berichten als sie unsere Regierungen gerne hätten, ist dieser Film eine Bestätigung ihrer eigenen Arbeit. Eigentlich sollte er an sie und uns alle gewidmet sein. Es ist unsere Arbeit die wenigstens einen kleinen Teil dazu beiträgt, dass diese jungen Menschen die Donald Sutherland anspricht, ihrer politischen Führung nicht blinden Glauben schenkt.

15 Kommentare zu "„Tribute von Panem“ ist mehr als nur ein Film"

  1. Cindy was ich dir schon nach teil1 gesagt habt

  2. ‚Tribute von plemplem‘. Typische Hoolywood-Schulze mit politisch-korrekten Verschnitt.

  3. Die Zeit (oder war es der Spiegel?) interpretierte die Trilogie kürzlich tatsächlich als Feministinnen-Saga.

    Der Autor Zlatko Percinic hat die Kernaussage meiner Meinung nach sehr viel besser verstanden.

    Bemerkenswert im Mockingjay 2 auch die letzte Ansprache von Präsident Snow.

    Diese erinnert beinahe wortwörtlich an denselben Nonsense mit dem man uns die Irak, Afghanistan und Libyen Kriege verkauft hat.

    P.S. @Alexander Axt: die „political correctness“ wurde im Film gezielt als Stilmittel für bestimmte Charaktere verwendet um dem Zuschauer die Memisierung gewisser Ausdrücke vor Augen zu führen.
    Beispiel: letzte Ansprache von der Laiens betreffend deutschem Einsatz in Syrien. Genau zuhören. Ein Musterbeispiel für…

  4. In diesem Film steckt die ganze erbärmliche Wahrheit

    • Bei Huxley werden keine Bücher verbrannt, weil keiner mehr da ist, der Bücher lesen will. Orwell fürchtete jene, die uns Informationen vorenhalten, Huxley jene, die uns mit Informationen so sehr überhäufen, daß wir uns vor ihnen nur in Passivität retten können. Orwell fürchtete, daß die Wahrheit vor uns verheimlicht werden könnte, Huxley, daß die Wahrheit in einem Meer von Belanglosigkeiten untergehen könnte. 1984 ist gewalttätig und ein Gefängnisstaat, bei Huxley werden die Menschen kontrolliert, indem man ihnen Vergnügen zufügt. Orwell fürchtete, das Verhaßte werde uns zugrunde richten, Huxley, das, was wir lieben, werde uns zugrunde richten. Schöne neue Welt.

      „Surrogate – mein zweites ich“ passt und die „Borg“ passen.

  5. Ich hatte mir im Fernsehen den Anfang des ersten Teils angeschaut. Und zwar bis zu dem Zeitpunkt, als die jungen Leute auf dem „Kampfplatz“ ankamen und das Schlachten begann – dann habe ich angewidert abgeschaltet.

    Auf einen derart perversen Stoff können heutzutage nur noch die Amerikaner kommen.

    Ich hatte gehofft, dass wir über das Stadium der Gladiatorenkämpfe im alten Rom hinaus wären. Womöglich bewegen wir uns aber (wieder) genau dort hin ???

    panem et circeses …

  6. Ein guter Beitrag, im Gegensatz zu uns lassen die Mächtigen einem VIP-artist diese Worte durchgehen. In unsicheren Zeiten kann sich das ändern: McCarthy-Ära. Heute wird die Bevölkerung überwacht, es herrscht z.B. zwischen Dresden-Leipzig ein Klima der Denunziation, der Einschüchterung, des Kriminalisieren: „das ist nicht nur in Leipzig so“, bis zu Überwachungstechnik. Folterähnliche Praktiken, Schläger runden die illegalen Methoden des Sicherheitsapparats ab-Zuruf: „wie unter’n Nazis.“ Schlimm ist, dass Polizei .. Justiz in politisch relevanten Fällen Verfahren, Recht manipulieren, beugen (häufig bestätigt). Zeigen mit dem Finger nach oben, Wegschauen, Zurufe: „soll Ruhe geben“, „Staatsanwältin.. Anruf von oben“-ein Terrorstaat!

  7. Auch in Deutschland bewegt sich Langsam
    Widerstand
    Zwar fallen noch keine Bomben, aber der
    Gegner ist übermächtig und hat
    ebenfalls Trupps um für übergeordneter
    Ordnung zu Sorgen.
    Da werden selbst alte und Kranke vermöbelt.
    Wie heißen die ?
    Egal,aber der Widerstand wächst und wächst.
    Teil 4 bald hier auf Sendung

  8. (1)
    „Tribute von Panem“ oder vor Jahren gesehen: „AVATAR“ – in Teilen „Herr der Ringe“ – sind Filme mit Realbezug unseres Wesens, ein Spiegel über uns. Wobei „Avatar“ bei mir Begeisterung auslöste – Pandora, da würde ich gern sein. Und „Tribute von Panem“ löst in mir einen bitteren Bezug auf Heidi Klums „GermanyNextToModel“ aus. Aber diese Filme wurden nicht nur wegen der Unterhaltung gemacht, sie sind tatsächlich zum Nachdenken über uns selbst inszeniert wurden. In diesen Werken liegen viel bittere Wahrheit, Sehnsüchte und menschliche Träume verborgen. Und ich bin froh, dass es….—>2

  9. (2)
    …noch professionelle Regisseure gibt die Themen unserer Zeit wahrhaft aufgreifen und professionelle Filme machen. Nebenbei: Donald Sutherland – der immer solche fisen Rollen spielt (den ich nicht leiden kann) – ist wirklich ein toller Schauspieler. Doch real sind wir und unser Handeln – leider. Was nützen Filme über die Zerstörung unserer Welt und uns selbst, wenn sich nichts ändert. Doch diese Filme lassen das Bewusstsein über die Algegenwärtigkeit von Terror, Mord, Rassismus, Sklaverei und Korruption reifen.

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