in Musik & Film

Spielbergs Film „The Post“, im Deutschen „Die Verlegerin“, befasst sich vordergründig mit der Nixon – Ära, ist aber auch – und unübersehbar- Hollywoods Anklage eines Präsidenten Donald Trump, eines Präsidenten, der die Pressefreiheit missachtet, das präsidiale System der USA dermaßen korrumpiert und missbraucht, wie es vor ihm nur Richard Nixon getan hat.

Auch die Frage, ob Whistleblower Verräter oder Patrioten sind, wirft der Film auf. Denn, der Aufstiegs der Washington Post von einer Regionalzeitung zu einem der wichtigsten Blätter der USA steht die Veröffentlichung der sogenannten „Pentagon Papers“. Daniel Ellsberg hatte als Berater des Pentagon die sogenannten „Pentagon Papers“ kopiert und der Presse übergeben, um so zu belegen, dass die US- Amerikanischen Bürger über Ziele und tatsächlichen Verlauf des Vietnam-Krieges belogen wurden.

Ellsberg wurde von Nixon als Whistleblower gejagt, der Presse versuchte die Nixon Regierung einen juristischen Maulkorb zu verpassen. Die New York Times und Washington Post publizierten dennoch 1971 Teile der Pentagon-Papers, gegen den massiven Widerstand der US- Regierung und Richard Nixon. Die Affäre um die Pentagon Papers ging der Watergate Affäre voraus, die schließlich zum Sturz Richard Nixons führte.

Der deutsche Titel „Die Verlegerin“ wird dem Inhalt des Films nicht gerecht, denn es geht nicht allein um die Person der Herausgeberin der Washington Post, Katherine Graham, gespielt von Meryl Streep. Tatsächlich war Katherine Graham durch den Tod ihres Mannes Herausgeberin der Washington Post geworden und musste, in einem noch mehrheitlich von Männern dominiertem Terrain, ihren Weg finden, sich emanzipieren, in Ihre Rolle als Herausgeberin der Washington Post hineinwachsen.

Es geht in diesem Film jedoch vor allem um die Pressefreiheit und um das Überleben einer Zeitung unter erheblichem politischen und wirtschaftlichem Druck. Es geht um politische Einflussnahme, um die Frage, wem Herausgeber und wem Journalisten tatsächlich verpflichtet sind. Auch in Deutschland ist diese Frage brandaktuell, wenn Journalisten im öffentlich rechtlichen Rundfunk seitens der Intendanz scheinbar gezwungen werden, Nachrichten zu unterdrücken oder sogar Falschmeldungen zu publizieren, um die Politik der Regierung zu unterstützen.(1)

Ben Bradlee, der Chefredakteur der Washington Post, im Film dargestellt von Tom Hanks, war der wesentliche Macher, der Motor der Post, der sowohl seine Reporter als auch die Herausgeberin antrieb, der sowohl die Herausgabe der „Pentagon-Papers“ durchsetzte, als auch die damals noch jungen Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein nicht nur in ihren investigativen Recherchen im Watergate-Skandal antrieb, sondern ihnen vor allem auch die notwendige Rückendeckung verschaffte.

Der Film zeigt aber auch die Leistungen der vielen Journalisten, die an den Recherchen und an der Veröffentlichung der Pentagon-Papers sowohl durch die New York Times als auch durch die Washington Post mitgewirkt haben, zeigt, wie Teamwork investigativen Journalismus möglich macht. Auch zeigt der Film den Konflikt der Herausgeberin Katherine Graham, die einerseits Ihrer Zeitung verpflichtet ist, andererseits sich in der High Society bewegt, und Personen wie Robert MacNamara zu ihrem engen Freundeskreis zählt.

MacNamara war, 1961 bis 1968 US-Verteidigungsminister, die Veröffentlichung der Pentagon-Papers belastete auch ihn persönlich. Die eigentliche Leistung der Herausgeberin bestand, sowohl in der Frage der Pentagon Papers als auch später während des Watergate-Skandals, in ihrer Standhaftigkeit im Eintreten für die Pressefreiheit, gegen die erheblichen politischen und gesellschaftlichen Widerstände.

Die Entstehung des Films zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Zufall, wenn man sich den Zustand der US-Regierung unter Präsident Donald Trump ansieht, wenn man sieht, wie Ansehen und Wirkung des US-Amerikanischen Präsidentenamtes durch Donals Trump massiv beschädigt werden. Es ist auch kein Zufall, dass Meryl Streep eben jene Zeitungsherausgeberin spielt, die Richard Nixon widerstand geleistet hat, wenn man weiß, dass sie Donald Trump ablehnend gegenüber steht und Trump sich öffentlich beleidigend über Meryl Streep geäußert hat.

Sehenswert ist der Film, denn die Pressefreiheit ist nicht nur in den USA massiv in Gefahr, sondern auch in Europa, insbesondere in Deutschland. Zwar erreicht er nicht die düstere Atmosphäre und Spannung von „All the President’s Men/Die Unbestechlichen“ mit Dustin Hoffmann und Robert Redford (USA 1976), aber der Film ist dennoch interessant und kurzweilig, die zahlreichen, sehr guten Schauspieler verkörpern Ihre Rollen glaubhaft.
Zu Empfehlen ist, sich diesen Film, „The Post/die Verlegerin“, zuerst und dann „All the President’s Men/Die Unbestechlichen“ anzusehen.

Ab 22.02.2018 in den deutschen Kinos. Regie: Steven Spielberg, Darsteller: Meryl Streep (Katherine Graham; Tom Hanks (Ben Bradlee), Carrie Coon (Meg Greenfield), Bruce Greenwood (Robert McNamara), Bob Odenkirk (Ben Bagdikian) Matthew Rhys (Daniel Ellsberg) uvm.
Musik: John Williams

(1) nach Aussagen von Mitarbeitern verschiedener Öffentlich-Rechtlicher Rundfunkanstalten

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Die Vereinnahmung des Journalismus durch den Staat ist ein weltweites Problem. Auch ohne eine verfassungsrechtlich gesicherte Befreiung der Journalisten von der Bevormundung durch die Eigentümer der Medien können sie ihre für den Rechtsstaat und die Demokratie unverzichtbare Rolle nicht spielen.

    Aber findet sich dazu etwas in der GroKo-Vereinbarung?

  2. „Plädoyer FÜR Pressefreiheit“ und das im Bezug zur Washington Post ?
    echt jetzt ? lol….also genau jene WP, die Trump bereits im Frühjahr 2016 aus seinem Wahlkampf ausschloss ?
    jene WP also, die medial Hauptbeteiligt war an dem ganzen FISA-Irrsinn !?
    Die WP also, die seit 1 1/2 Jahren nach wie vor völlig ohne Beweise die Werbetrommel rührt „Russland habe sich pro Trump in den US-Wahlkampf eingemischt“ ?
    ..und dazu Meryl Streep !? die Freundin und massive Unterstützerin von Killary; die Freundin und Unterstützerin von Weinstein; Streep die seit Jahren keinen Hehl daraus macht Trump zu hassen.
    …….und das als Plädoyer für Pressefreiheit ?
    Sorry aber es ist was es ist: ein reines Hollywood-Produkt aus der Traumfabrik :-(

    • Richtig erkannt als Propaganda Film des Establishments. Der Jornalist versteht leider die Hintergründe nicht und noch etwas grün hinter den Ohren.