in Musik & Film

Die BBC veröffentlichte am 16.07.17, dass die Rolle des „Dr. Who“ zukünftig von der Schauspielerin Jodi Whittaker übernommen wird.(1) „Dr. Who“ ist die bedeutendste Science Fiction Serie in Groß Britannien, verfügt weltweit über eine erhebliche Fangemeinde und besitzt Kultstatus. Bisher wurde „Dr. Who“ nacheinander von 12 männlichen Darstellern gespielt, der Bruch in der Rollenbesetzung spaltet nun die Fangemeinde der Serie.

Während sich ein Teil der Zuschauer begeistert zeigte, erklärten andere bisherige Fans, nicht mehr die Serie sehen zu wollen. Begeisterung und Ablehnung sind dabei nicht unbedingt geschlechtsspezifisch. Tatsächlich scheinen sich Zustimmung und auch Ablehnung der neuen Rollenbesetzung eher nach dem Verständnis des Charakters des „Dr. Who“ zu richten, als nach eventuellen Genderpräferenzen.(2)

Die BBC trägt mit der Entscheidung, eine bisher klassisch männlich besetzte Rolle mit einer Darstellerin zu besetzen, politische Auseinandersetzungen in das Unterhaltungsfernsehen, was von Fans der Serie kritisch gesehen wird. So vermuten Fans bereits, dass diese Entscheidung das Resultat einer überzogenen Political-Correctness oder gar von Polit-Propaganda sei. Auch steht mittlerweile die Frage im Raum, warum die BBC die Rolle so einschneidend gegen die Sehgewohnheiten des Publikums besetzt, anstatt entsprechende neue Serien und Charaktere zu entwickeln.

Gleiches gilt für die neue „Star Trek“- Serie „Discovery“, die in den USA Diskussionen darüber ausgelöst hat, ob Rollenbesetzungen auch in der Gegenwart Ausdruck bestimmter politischer Ausrichtungen der Investoren seien.
In den 60ger Jahren waren die ersten Star Trek- Folgen eine regelrechte Revolution auf dem Bildschirm, da auf der Brücke der „USS Enterprise“ nicht nur mit Außerirdischen wie „Mr. Spock“ sondern auch mit einem Russen, einem Asiaten und vor allem mit einer „Afro-Amerikanischen“ Offizierin besetzt war.

Gleichzeitig befanden sich die USA im Kalten Krieg und waren durch Rassenunruhen geprägt. Star Trek konnte entgegen der damaligen Auffassung von „Political-Correctness“ agieren, weil es sich bei dem Seriengenre um „Science-Fiction“ handelte, löste aber dennoch auch erhebliche Gegenreaktionen in der Öffentlichkeit aus.
Die neue politischen Diskussionen unter den Zuschauern wurden entfacht, da das neue Star Trek -Schiff „Shenzhou“ wie das erste chinesische Raumfahrzeug heißen soll, die Hauptrollen mit Frauen besetzt wurden, die zudem alle nicht der US-amerikanischen „weißen“ Mehrheit angehören.(3)

So teilt sich die Fangemeinde und Internet- Communitiy vor allem in zwei Gruppen. Während die eine Gruppe die Veränderungen als eine zeit-angepasste Weiterentwicklung sieht, sieht die zweite Gruppe in den Veränderungen vor allem politische Propaganda eines bestimmten Weltbildes zur Durchsetzung machtpolitischer und finanzieller Interessen.

Zur Diskussion stehen dabei ausdrücklich nicht die schauspielerischen Qualitäten der Darstellerinnen, weder bei Star Trek noch bei Dr. Who, die alle über entsprechende Referenzen verfügen. Das gilt insbesondere für Michelle Yeoh (Star Trek), die nicht internationaler Filmstar ist, sondern zudem 1999 zur Juri der Berlinale zählte.
Kern der Diskussionen in den Reihen des Publikums bildet vielmehr die Auseinandersetzung mit dem Gender- und Rollenverständnis in der westlichen Welt.

Dabei entsteht bei einem zunehmenden Teil der Gesellschaft sowohl in den USA als auch in Europa der Verdacht, dass (auch) in den Medien nicht eine Gleichberechtigung angestrebt wird, sondern lediglich die Rollen von angeblichen Herrschern und Beherrschten ausgetauscht werden sollen. Die Negativrolle in der jetzigen Gesellschaft sei – überspitzt zusammengefasst: „weiß, männlich, unerwünscht“.

Den politischen Machern spielen diese Auseinandersetzungen auf jeden Fall in die Hände. Denn ebenso wie es einer militanten Minderheit gelungen ist, die Aufmerksamkeit von politischen Inhalten des G20 Gipfels auf Straßenschlachten zu lenken, so sind auch diese Veränderungen in TV- Unterhaltungsserien politisch instrumentalisierbar.

Was nun der tatsächliche Sinn und Zweck der Veränderungen in den „Dr.Who“ – und „Star Trek“ Serien sein soll, bleibt bisher offen. Allein um Zuschauer-Quoten zu generieren, erscheinen diese Veränderungen dann ungeeignet, wenn zwar neue Zuschauer gewonnen werden, andere jedoch verloren gehen und der Verdacht der politisch opportunen Manipulation der Zuschauer gegen die BBC und gegen CBS (auch) im Unterhaltungssektor entsteht.

Diese Veränderungen in den Zuschauerzahlen und Gruppen ist grundsätzlich vorhersehbar, da bei der Produktion kostenintensiver Serien die Ermittlung des Zuschauerpotentials der Zielgruppen vor Produktionsbeginn stattfindet. Auch der Umfang der öffentlichen Diskussion wäre daher zu erwarten gewesen, kann aber unter Umständen auch ein Kalkül der Marketing-Abteilungen sein, die in der Provokation der Zuschauer eine Form der Werbung sehen.Das Science Fiction Begeisterte an sich am ehesten offen für Veränderungen sind, zeigen auf der anderen Seite auch die zahlreichen positiven Kommentare.

Gleichzeitig ist es für viele Zuschauer offenbar zunehmend entnervend, dass sich die aktuellen politische Diskussionen in alle Bereiche ihres Lebens ausdehnen – auch in das Unterhaltungsfernsehen – und ihnen keine Pausen mehr gegönnt werden. Diese Überfrachtung mit politischen Inhalten kann auch zu einer regelrechten Erschöpfung bei vielen Zuschauern führen, so dass diese sich dann von jeder politischen Diskussion fernhalten. Auch die tatsächliche Bedeutung und Funktion der sogennanten „Political-Correctness“ wird zunehmend in der Öffentlichkeit kritisch hinterfragt und als ein Instrument der Manipulation wahrgenommen.

Zu fragen bleibt dabei, ob anspruchsvolles Unterhaltungsfernsehen der Gegenwart auch unpolitisch sein kann oder sollte.Für das Science Fiction Genre an sich lässt sich schon jetzt eine Entscheidung treffen: der Konflikt, die Provokation, die Auseinandersetzung mit Fiktion, Vision und Realität sind nicht nur Bestandteile des Genres, sie machen den Science Fiction zu dem, was er ist.

(1) bbc.co.uk
(2) bbc.com
(3) Michelle Yeoh als Captain, Sonequa Martin-Greenals erster Offizier/“Number One“, Rekha Sharma als Sicherheitsoffizier

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