Ein todschicker neuer Markt – Brustamputation

Ein neuer Markt lässt ärztliche Herzen höher schlagen. Bei der vorsorglichen bilateralen Mastektomie werden weibliche Brüste abgenommen auf den bloßen Verdacht hin, das selbiger sich vielleicht später als wahr erweisen könnte.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich verrückt zu machen. So kann Frau sich vorsorglich ihre beiden Brüste amputieren lassen und dann auch noch mit missionarischer Werbewirksamkeit an die Öffentlichkeit treten. Was Angelina Jolie da vorgeturnt hat, grenzt an einen Aufruf zur Selbstverstümmelung. Eine Operation sollte stets von allen verfügbaren Mitteln das letzte sein. Eine Totalamputation hingegen das allerletzte. Merke: Stahl hat nichts im Menschen verloren. Und niemand kann vorhersagen, ob OP und Narkose ohne Komplikation verlaufen werden. Derzeit wird die Schauspielerin über den grünen Klee gelobt. Brad Pitt preist ihren Heldenmut, die Zeitungen himmeln sie an als mutige Ikone und Vorreiterin. Es scheint, als solle dieser Irrsinn zur Mode erhoben werden. „Hast Du Deine schon? Ich hab auch schon einen Ersttermin. Das machen die ja jetzt alle so. Hach!“ Andere Frauen überlegen bereits, ob sie nicht auch… Und sie sind damit nicht alleine. Auch Männer gibt es, die aus Angst vor Hodenkrebs dasselbe erwägen. Alles wegen einer völlig künstlichen Wahrscheinlichkeitsrechnung, die nichts, aber auch gar nicht mit dem echten Leben zu tun hat. Kurz gesagt: Angelina Jolie wurde verarscht und ist stolz darauf.

Die Natur schert sich nicht um Wahrscheinlichkeiten. Jemand mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, kann dennoch gesund bleiben. Ein Mensch mit niedriger Wahrscheinlichkeit kann dennoch erkranken. Und es lässt sich keinesfalls vorhersagen, in welcher der beiden Wahrscheinlichkeiten sich das Leben niederlassen wird. Entscheidend ist an dieser Stelle daher nicht die Präventivektomie, sondern das Monitoring. Jeder noch so kleine Tumor sondert Tumorfaktoren ab, die im Blut nachweisbar sind. Bildgebende Verfahren hingegen vergrößern das Risiko eher durch ihre ionisierende Strahlung. Ein große Schritt zur Risikovorsorge ist der Verzicht auf Deodorants, die Aluminium enthalten. Nachweislich wandern Alupartikel aus Deos zu den Lymphknoten der Brust und aktivieren dort Krebszellen, indem sie normales Gewebe verändern. Der schweißhemmende Effekt kommt zustande, weil die Alupartikel sämtliche Schweißdrüsen derart verkleben, dass diese dicht sind. Tolle Vorstellung.

Mit meiner Kritik bin ich nicht alleine. So hat denn auch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, ihrer Skepsis im Falle Jolie Ausdruck verliehen.

„Ich halte nichts davon, es jedermann als die einzig richtige Lösung zu propagieren,“ so die Medizinethikerin, und weiter: „Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass alles, was in den Genen steht, auch tatsächlich schon ein festgeschriebenes Schicksal ist.“

Stattdessen verweist sie auf die wichtige Rolle regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hält sich hingegen schweigend bedeckt, obwohl er es besser wissen müsste. Wen wundert’s? Winkt doch ein neues Geschäftsfeld.