in Musik & Film

Hollywood beherrscht die Kinoleinwände der westlichen Welt und nur selten bekommt mal ein ausländischer Film in Deutschland größere Aufmerksamkeit, der nicht aus den USA stammt. Doch es gibt weltweit beachtliche Filme, die nicht nur qualitativ hochwertig sind, sondern auch einiges über die jeweilige Kultur lehren. Dieser Artikel widmet sich drei beeindruckenden japanischen Filmen, die sich in der Machart völlig von westlich geprägten Sehgewohnheiten unterscheiden und viel über das Land und seine Geschichte erzählen.

Lady Snowblood (1973)

Lady Snowblood, eine vollendete Rachegeschichte. Was der Regisseur hier auf die Bildschirme zaubert, wie er mit Zoom, Musik und Farben arbeitet, wie er die charismatische Hauptfigur in Szene setzt und dem Blut eine Art eigenen Charakter gibt, beeindruckt sehr. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich Quentin Tarantino hier so einige unübersehbare Inspirationen für seinen eigenen Samurai-Revenge-Film holte. Einige Szenen wirken gar, als hätte Tarantino sie einfach nachinszeniert. Doch diesen Vergleich mit einem westlichen Werk braucht Lady Snowblood überhaupt nicht, denn auch ohne Tarantinos Ritterschlag ist der Film so fesselnd in seinen Bildern, dass er ab der ersten Minute Gänsehaut auslöst.

Was man exploitationfilmtypisch storytechnisch einfach hinnehmen muss, macht er durch eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema Rache wieder wett. Lady Snowblood präsentiert zu Beginn den Drang nach Selbstjustiz für den Zuschauer menschlich und nachvollziehbar, zeigt jedoch im Laufe des Films, weshalb diese Art der persönlichen Vollstreckung gesellschaftlich untragbar ist. Wenn das Gesetz „Schuld“ hat, gibt es für ebendiese keinen Anlass mehr. Bösartig und dennoch wunderschön, extrem blutig und doch wirkt der Film sehr clean. Ambivalenz in der Inszenierung sowie der Herangehensweise an das Thema macht Lady Snowblood zu einem großartigen Werk.

Violent Cop (1989)

Violent Cop von und mit Takeshi Kitano. Den meisten Deutschen dürfte dieser große japanische Regisseur, Schauspieler und Comedian wohl am ehesten durch Takeshi’s Castle ein Begriff sein. Die Stimmung aus dieser albernen Parkour-Show zieht sich durch Violent Cop wie ein roter Faden. Der ziemlich brutale Film über einen gewalttätigen Polizisten, der sich um moralische Grundsätze seines Berufs nicht weiter schert, bricht seine spannenden Szenen immer wieder durch extrem lustige, überspitzte Nuancen, die den Zuschauer nicht zuletzt durch Kitanos Mimik und seinen zu Beginn eindimensional wirkenden Charakter zum Lachen bringen.

Für westliche Verhältnisse kann die Vermischung von einer absolut schonungslosen und zum Ende hin grausamen Geschichte mit skurrilen Slapstick-Momenten durchaus gewöhnungsbedürftig sein. Für mich hat gerade diese Mischung den Film zu etwas Besonderem gemacht. Immer wieder nimmt die Geschichte unerwartete Wendungen. Schockierendes bringt plötzlich zum Lachen und Lustiges schockiert. Die Geschichte ist hierbei stark genug, um diese Brüche auszuhalten.

Kitano hat sich zu einem meiner absoluten Lieblingsschauspieler entwickelt und auch als Regisseur zeigt er mit Violent Cop großartige Kameraarbeit und seinen Sinn dafür, mehrere Ebenen der Unterhaltung gekonnt zu einem Gesamtwerk zusammenzuführen. Der etwas andere Buddy Cop Film handelt von dem Polizeiberuf in Japan, aufgrund der schlechten Bezahlung von Korruption durchzogen und es geht zu Beginn aufgrund des Charakters der Hauptfigur auch um fehlende Standards für die Einstellung von Polizisten. Im Laufe des Films verschieben sich die Sympathien so langsam und unterschwellig, dass es dauert, bis einem dieses Kunststück der Inszenierung und des Drehbuchschreibens auffällt.

Die Geschichte spitzt sich immer mehr zu und endet mit einem Knall, der die Probleme der Verbrechensbekämpfung in dem Land der Yakuza und damit die dortige Polizei-Frustration so gut auf den Punkt bringt, wie es selten ein Film geschafft hat. Violent Cop ist filmisch ein Genuss, ist spannend, lustig, schockierend und erzählt eine Geschichte mit Tragweite. Kitanos Leistung als Regisseur ist, dass der Film dennoch in keiner Sekunde emotional überfordert. Seine Leistung als Hauptdarsteller ist, dass seine Figur und damit der Film dennoch glaubhaft bleibt.

Godzilla (1954)

Godzilla, im Westen zur platten Grundlage für zweitrangige Abenteuerfilme verkommen, steht in Japan wie ein Sinnbild für die US-amerikanischen Atombombenabwürfe 1945. Godzilla, das Wesen, das durch Atomtests geschaffen wurde, ist in dem Originalfilm von 1954 mehr als nur Monster. Der ganze Film zeigt eine verängstigte Gesellschaft, die einer völlig unerwarteten Bedrohung gegenübersteht und beinahe daran zu zerbrechen droht. Als wäre diese Visualisierung der atomaren Bedrohung nicht schon beeindruckend genug, geht Godzilla noch einen Schritt weiter und setzt sich mit der wissenschaftlichen Verantwortung gegenüber den Gefahren ihrer Erfindungen auf eine sehr interessante Art und Weise auseinander.

Godzilla ist ein durch und durch japanischer Film, der nur als solcher funktioniert. Betrachtet man das Werk vor dem Hintergrund der japanischen Geschichte, so ist er durchaus ein Meisterwerk der Geschichtsaufarbeitung, das sich nicht scheut, Ursachen zu benennen und anzuprangern. Das Atombombentrauma, verarbeitet in einem durchaus spaßigen Abenteuerfilm mit charmanten Effekten, wirkt für einige westlich Geprägte vielleicht taktlos, regt aber deutlich stärker zum eigenen Nachdenken an, als ein klassischer Historienfilm ohne Interpretationsspielraum. Und dieses „eigene Nachdenken“ ist doch das Einzige, was Bewusstsein und dann Veränderung schaffen kann.

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