in Musik & Film

Ein Gespenst geht um in Europas Kinos. Besser gesagt ein seltsam schräger Typ in einem Ganzkörperkostüm, dass entfernt an das Outfit von Spiderman erinnert. Und eben dieser Typ scheint Heerschaaren von Fans des Marvel-Comicuniversums in höchste Verzückung zu versetzen. Grund genug also, sich zur Vorpremiere des gleichnamigen Films zu begeben.

Ziemlich schnell wird klar: Deadpool ist anders. Sowohl die Figur selbst, als auch die Machart des Films. Dies wird schon im Vorspann deutlich, wenn der Zuschauer erfährt, dass der Film unter der Regie von „überbezahlten Honks“ entstanden sei.

Nicht für unter 16jährige geeignet

Der Film ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben, was wohl eher an den reichlichen und durchaus exzessiven Metzelszenen des Films, dem schlüpfrigen Humor des Hauptcharakters und dessen Vorliebe für die Band WHAM! liegt, als an den vorhandenen, aber eher harmlosen Nackt- und Sexszenen selbst.

Überhaupt ist es das Erfrischendste an Deadpool, dass sein ganze Art sich grundlegend vom schwulstigen Pathos anderer Marvelfiguren unterscheidet. Vergeblich sucht man den abgrundtief bösen Superschurken, dem eine Armada moralisch gefestigter Mutanten unter ständigem Verweis auf ethische Standards das Handwerk legen muss.

Deadpool ist ein Egoist, ein Zyniker, ein Drecksack, ein Kindskopf und gerade dadurch einfach ein sympathischer Typ, der eben mal seinen privaten Rachefeldzug startet.

Rasant, schnell & geradlinig

Nötig wird dieser, als der ehemalige Elitesoldat Wade Wilson (Ryan Reynolds) eine unheilbare Krebsdiagnose erhält. Ausgerechnet kurz nachdem er um die Hand seiner Freundin (Morena Baccarin) angehalten hat. In der tiefsten Depression trifft er auf einen mysteriösen Anzugträger. Dieser bietet ihm die Heilung von seiner Erkrankung und will ihm nebenbei auch noch Superheldenkräfte verleihen. Nach kurzem Zögern stimmt Wilson der Behandlung zu. Diese erweist sich aber als sadistische Prozedur, durchgeführt von dem unsympathischen Ajax.

Am Ende verfügt Wilson zwar in der Tat über grenzenlose Selbstheilungskräfte, ist allerdings optisch völlig verunstaltet. Daraufhin flickt er sich ein Kostüm zusammen und macht sich auf die Suche nach Ajax.

Story bleibt oberflächlich

Hier findet sich auch das einzige wirkliche Manko des Films: Die Geschichte bleibt nämlich weitgehend oberflächlich. Der Zuschauer erfährt fast nichts darüber, warum gerade Wilson das Angebot der Heilung gemacht wurde oder warum der böse Ajax eigentlich so böse ist. Vielleicht ist das aber auch den mangelnden Marvel-Grundkenntnissen des Autors geschuldet. Ansonsten ist die Story geradlinig, ohne spektakuläre Wendungen, aber immer rasant und unterhaltsam.

Gespickt werden die 108 Filmminuten mit flotten Sprüchen, Sarkasmus und einer gehörigen Prise Humor auf Meta Ebene, der besonders gut in unerwarteten Momenten zündet. Beispielsweise wenn Deadpool den Albtraum beklagt, Liam Neesons Tochter entführt zu haben.

Deadpool ist kein klassischer Superheldenfilm, es ist ein Film über einen großmäuligen Anti-Helden, der in seiner Art so originell ist, dass er allein dadurch das Prädikat „sehr empfehlenswert“ erhält.

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Kommentar

  1. Gerade für die Leser wie mich, die die primitive Marvel-Masche noch nie leiden konnten, ist es gut, hier zu lernen, dass sich junge Leute einen weniger pathetischen und nicht so lupenrein amerikanischen Superhelden ausgedacht haben, der jetzt durch die Medien gedrückt wird.

    So kennt man doch wenigstens die Figuren, die die Phantasie der nächsten Generation beschäftigen.

  2. Ich finde es auf jeden Fall einmal sehr gut, wieder einen positiven Artikel hier auf Neopresse zu finden, der sich nicht mit Problemen, sondern mit mit einer Freizeitaktivität beschäftigt.
    Geld für eine Kinoticket werde ich bei Deadpool aber nicht ausgeben und mir den Film erst im Fernsehen ansehen.