ZEIT-Chefredakteur zur Flüchtlingskrise: Wir haben zu regierungskonform berichtet

Der Chefredakteur der Wochenzeitung „ZEIT“ übt drastische Kritik an den Medien in der Hochphase der Flüchtlingskrise. Sowohl sein Blatt als auch Andere hätten „zu uniform“ berichtet, weil sie „geradezu beseelt von der historischen Aufgabe“ gewesen seien.

Kritik wird lauter

In Zeiten drastisch sinkender Auflagen für die großen Tages- und Wochenzeitungen, Magazine und politischen Illustrierten dieses Landes, ist Selbstkritik in den Reihen der Alpha-Journalisten immer lauter zu vernehmen. Zuletzt äußerte sich das Mitglied der „STERN“-Chefredaktion, Hans-Ulrich Jörges, kritisch und betonte bei einer Podiumsdiskussion im Juni:

„Es ist etwas faul in unserer Branche. […] Vor allem was die schreckliche Erscheinungsform des Rudeljournalismus angeht. Wir haben es mit einer veränderten Medienhierachie zu run. Es sind die Online-Medien, die mittlerweile den Takt vorgeben. Was am Morgen Top-Thema bei Spiegel Online ist, läuft am Abend ihn ähnlichem Stil in der Tagesschau. Wir lügen nicht – wir sind schlampig, denkfaul und ein bisschen propagandistisch.“

Auch in der „FAZ“ werden die Töne zunehmend kritischer. Der Redakteur Michael Hanfeld bescheinigte den „Öffentlich-Rechtlichen“ im Zuge der Flüchtlingskrise eine Art des „Willkommens-Journalismus“, der Distanz vermissen lasse: „’Wir schaffen das‘ – die drei Worte scheinen bei ARD und ZDF seit einiger Zeit zur inoffiziellen Programmleitlinie geworden zu sein,“ schrieb er in einem Beitrag.

ZEIT-Chefredakteur gesteht Fehler ein

In der „ZEIT“, der größten deutschen Wochenzeitung, zeigt man sich zunehmend selbstkritisch. Der Chefredakteur Giovanni di Lorenzo schreibt in einem Gastbeitrag für das Monatsmagazin „Cicero“:

„Wir waren aber zumindest in der Anfangszeit geradezu beseelt von der historischen Aufgabe, die es nun zu bewältigen galt. Damit einher ging die Missachtung der Ängste in der Bevölkerung. Noch problematischer war die kritiklose Übernahme der Erklärungen einer Bundesregierung, der nun jedes Wort recht war, sich etwas nachträglich schönzureden, was in Wirklichkeit ungeplant passiert war.“

In der Folge, beklagt di Lorenzo, sei es zu einer „Vergiftung der Gesellschaft“ und zu einem „Vertrauensverlust gegenüber den Eliten“ gekommen. Zudem sei in der Flüchtlingsfrage die „Fähigkeit zur Differenzierung“ abhanden gekommen:

„Ohne Not haben wir uns wieder dem Verdacht ausgesetzt, wir würden mit den Mächtigen unter einer Decke stecken, wir würden so uniform berichten, als seien wir gesteuert; wir würden die Sorgen und Ängste der Menschen ignorieren, die nicht selbst zur Flüchtlingshilfe oder zur politischen Klasse gehören.“

Einseitigkeit in der Flüchtlingsfrage nachgewiesen

Di Lorenzo spielt in seinem Beitrag unter anderem auf einen Titel der „ZEIT“ an, wo es im September in großen Worten hieß: „Willkommen!“. Die darauf folgenden Leitartikel ignorierten die Probleme, die mit einer derartig großen Anzahl von Migranten einhergehen könnte und pflegten eine rein positiv-moralische Konnotation. So schreibt beispielsweise Gero von Randow in der „ZEIT“ vom 4. September: „Aber hat Deutschland schon in vollem Umfang begriffen, welches Glück ihm gerade selbst widerfährt? (..) Deutschland wird sich bald verjüngt und ethnisch bunter wiederfinden als je zuvor.“

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier kommt auf der Online-Plattform „Übermedien“ zudem zu dem Eindruck, dass auch die „Tagesthemen“ der ARD zu „überemotionalen Darstellungen, denen sachliche Distanz fehlt[e]“, neigten:

„Als roter Faden zog sich durch die Berichterstattung vor einem Jahr die Überzeugung, dass es nicht möglich ist, Flüchtlinge aufzuhalten, und dass es – solange die Fluchtursachen nicht beseitigt sind – deshalb keine andere Möglichkeit gebe, als sie hier willkommen zu heißen. […] Und damit stellten sie die Politik der Kanzlerin implizit als weitgehend alternativlos dar.“

Auch eine neuer Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Berichterstattung sehr einseitig verlief. Das Projektteam an der Hamburg Media School (HMS) rund um Michael Haller, emeritierter Professor der Universität Leipzig, hat mehr als 34.000 Pressebeiträge ausgewertet und kommt zu einem scharfen Ergebnis: Insgesamt seien 82% der Beiträge zur Flüchtlingsdebatte „positiv konnotiert“ gewesen. Die Medien hätten sich, so die Studie, das Motto der Bundeskanzlerin – „Wir schaffen das!“ – zu Eigen gemacht.

Die übergroße Mehrzahl der Leitmedien (zwei Drittel) haben, so Haller, am Anfang „übersehen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen in großer Zahl und die Politik der offenen Grenzen die Gesellschaft vor neuen Problemen stellt“. So wurde aus dem Begriff der „Willkommenskultur“ ein Dissensbegriff, an dem sich gegenwärtig die Geister scheiden.

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