ZDF verschweigt, welches Land die Atombombe auf Nagasaki geworfen hat

Vor 70 Jahren wurde auf die japanische Stadt Nagasaki eine Atombombe abgeworfen. Von den Tätern keine Spur. – Das vermittelt das ZDF in seiner Hauptnachrichtensendung „heute“ am 9. August. Umso praktischer erscheinen solche Formulierungen, wenn man bedenkt, dass jener Abwurf der USA auf Japan nur dem nationalen Testzwecke galt, und für den Verlauf des Krieges unerheblich war.

„Japan hat der Opfer des Atombombenabwurfs auf Nagasaki vor 70 Jahren gedacht. Bei einer Gedenkfeier warnte der Bürgermeister der Stadt, von dem Prinzip des Pazifismus nicht abzuweichen. Premierminister Abe erklärte, Japan werde Atomwaffenfrei bleiben. Bei dem Atombombeneinsatz waren etwa 70.000 Menschen gestorben. Tausende erlagen den Spätfolgen.“ – Quelle: „ZDF heute

Das berichtet Petra Gerster am 9. August in den Hauptnachrichten des ZDF, der zehnminütigen „heute“-Sendung. Doch irgendetwas scheint zu fehlen. Richtig: Wer warf den eigentlich die besagte Atombombe ab? Die „Täter“ wird man doch wohl mittlerweile gefunden haben, oder? Freilich waren es die USA, die die Atombombe auf Nagasaki warfen, offiziell um damit dem zweiten Weltkrieg endgültig ein Ende zu setzen. Denn Japan befand sich damals, selbst nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, weiterhin im Krieg mit den Alliierten.

Ein kleiner Fehler also? Wohl kaum. Denn wer den „Täter“ nennt muss auch dessen „Motiv“ nennen. Und das gestaltet sich in dieser Frage in der Tat schwierig, zumindest wenn man eine recht US-schonende journalistische Haltung an den Tag legen möchte. Immerhin wurde erst vor einigen Tagen bekannt, dass sowohl der Nagasaki-Atombombenabwurf als auch der in Hiroshima militärisch nicht notwendig war. Vielmehr ging es darum die Wirkung der A-Waffen zu testen:

„Sogar führende US-Militärs aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs hatten in einer Untersuchung kurz nach dem Kriegsende Zweifel geäußert, ob der Abwurf Notwendigkeiten bediente. «Von vielen Generälen und Admirälen ist aktenkundig, dass der Abwurf der Atombomben militärisch unnötig und moralisch nicht vertretbar war», sagt der US-Historiker Peter Kuznick von der American University in Washington. Doch vor allem in der amerikanischen Öffentlichkeit sollte sich diese Erkenntnis nie durchsetzen. Vielmehr war es die US-Propaganda, die erfolgreich die Sichtweise verbreitete, dass die Japaner zu einem endlosen Krieg bereit gewesen wären, wenn sie nicht mit den beiden Atombomben zur Kapitulation gezwungen worden wären. In seinem renomierten Nagasaki-Buch lässt der Journalist Klaus Scherer Zeitzeugen und Historiker aus den USA und Japan zu Wort kommen. Das Fazit: Von Beginn an ging es den USA darum, die neuen Bomben zu testen. Japan, militärisch längst geschlagen, lieferte dazu die Gelegenheit.“ – (Quelle: „Tagesanzeiger)

Doch all das findet keinen Platz in Gersters Berichterstattung. Hatte das ZDF zu wenig Zeit den Täter zu nennen? Wohl kaum; nach dem Bericht folgten zwei Minuten Sport, ehe die Sendung zu Ende war. Und so gilt im ZDF weiterhin: Täter Unbekannt.