in Medien

Laut einem Bericht des Schweizer „Tages-Anzeigers“ sind die Texte über den Meister-Fälscher des „Spiegel“, Claas Relotius, in dem Online-Nachschlagewerk Wikipedia offenbar massiv manipuliert worden. Im Dezember 2018 machte der „Spiegel“ selbst publik, dass bei ihm im großen Stil gefälscht worden war. Bis dahin existierte kein Beitrag in Wikipedia über den mit Preisen überhäuften Reporter. Nach Bekanntwerden des Skandals wurde eiligst ein Text über den Fälscher Dutzender Reportagen und Interviews auf Wikipedia verfasst. Diese wurde im ersten Monat nach Veröffentlichung einem der meistgeklickten Beiträge. Bis heute ist der Eintrag weit über 600.000-mal aufgerufen worden. Aktuell beträgt der Text etwa 7000 Wörter – und ist deutlich verändert, als zu Beginn. Denn da war er wesentlich kürzer – und wesentlich kritischer.

Bei dem Online-Lexikon Wikipedia kann jeder mitmachen. Ab Februar schalteten sich etliche Leute in die Diskussion um Relotius ein. Sukzessive tauchten mehr als ein halbes Dutzend Wikipedia-Debütanten auf. Die Manipulatorengruppe, beschönigte nach und nach Stellen zu Relotius‘ Fälschungen. Relotius wird jetzt als einer der genialsten unter vielen Schriftstellern im Journalismus dargestellt. Er wird geradezu als „Karl May“ unserer Tage verharmlost. Im März tauchen weitere „Neuautoren“ in Wikipedia auf und ergänzen den Text um weitere „neue“ Protagonisten. Bislang wurde geschönt, gelöscht und Einiges hinzugefügt. Doch ab März wurde auch mit falschen und gefälschten Belegen operiert.

Der „Tages-Anzeiger“ hat indessen recherchiert, dass allein fünf von acht Wikipedia-Benutzerkonten, die nun überprüft worden seien, über ein und denselben Rechner gesteuert worden sein sollen. Die Nutzer sind gesperrt worden. Ein Nutzer habe sogar die IP-Adresse seines Rechners preisgegeben. Sie führe in eine Region Norddeutschland, aus der Relotius stammt. Die „akribische“ Vorgehensweise der „Relotius-Sympathisanten“ ist auch einem anderen Wikipedia-Aktiven aufgefallen: „In meinen Augen wirkt das, was hier über Relotius eingebracht wurde, wie ein „klassischer Relotius“.

Wir decken weitere Relotius-Fälle in Medien auf – hier.

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