Wie gegen unabhängige Medien vorgegangen wird

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Je mehr Erfolg und Zuwachs die unabhängigen Medien bekommen, desto häufiger werden auch die Angriffe auf sie. Das jüngste Beispiel wird auf dem Portal www.konjunktion.info in dem Artikel „Journalismus: Wenn der Mainstream über alternative Medien berichtet“ aufgezeigt.

Der Autor Michael Lehner berichtet darin, der freien Journalistin Simone Brunner Anfang Dezember 2014 ein Interview gegeben zu haben, das sie mit mehreren Autoren verschiedener unabhängiger Portale zum Thema „Medienlandschaft im deutschsprachigen Raum“ geführt hat. Darauf folgte ein Artikel von Frau Brunner in der österreichischen Zeitschrift Falter in der Ausgabe 7/2015 mit dem Titel: „Nichts ist wahr. Alles ist möglich“.

Da Herr Lehner wertneutral über den Artikel berichten wollte, stelle er auf seinem Portal (siehe Quellenangaben unten) das Interview mit Frau Brunner und darunter, den von ihr verfassten Artikel zum Vergleich ein, sodass sich jeder selbst ein Bild machen kann.

Wie sieht ein korrektes journalistisches Verhalten bei Interviews aus?

In meinem Beruf als Psychologin hatte ich mehrfach mit Journalisten zu tun, wenn ich um ein Interview zu einem fachlichen Thema gebeten wurde. Meine Erfahrungen diesbezüglich waren durchwegs positiv und die Journalisten verhielten sich aus meiner Sicht absolut korrekt. So wurde mir vor jedem Interview angeboten, den jeweiligen Artikel oder Teile davon, in denen ich zitiert wurde, vor der Veröffentlichung gegenlesen zu können. Schließlich gibt man freiwillig ein Interview und ohne Interviewpartner hätten die Journalisten nicht viel zu berichten. Da immer nur ein Teil, manchmal sogar nur ein sehr kleiner Teil für einen Bericht verwendet wird, kann manches aus dem Zusammenhang gerissen eine andere Bedeutung bekommen. Daher ist es nur gut und richtig, etwaige Missverständnisse oder Ungenauigkeiten in Zitaten vorher abklären zu können. Das ist korrekter Journalismus!

Beim Lesen des Artikels von Frau Brunner hatte ich den Verdacht, dass dies hier höchstwahrscheinlich nicht geschehen ist. Da ich aber nicht mutmaßen wollte, habe ich die jeweiligen Autoren per Mail kontaktiert und sie danach gefragt.

Herrn Lehner teilte mir mit, dass er nicht die Möglichkeit hatte den Artikel vorab zu lesen und etwaige Änderungen zu besprechen. Das Interview fand in schriftlicher Form statt. Er räumt ein, selbst auch nicht aktiv danach gefragt zu haben. Allerdings habe ich bei meinen Interviews auch nie danach fragen müssen. Wie oben bereits beschrieben, gehörte dies stets zur ersten Zusicherung von Seiten der Journalisten noch vor Beginn des Interviews, unabhängig davon in welcher Form dieses stattfand. Aber in diesen Fällen bestand auch nicht die Absicht die Interviewpartnerin in ein schlechtes Licht zu setzen.

Andre Eric Keller vom Contra Magazin berichtet ebenfalls, dass Frau Brunner ihn den Artikel nicht autorisieren ließ. Das Interview fand bei einem Treffen alternativer Medien, bei dem auch Marco Maier anwesend war, statt. Im Artikel „Mainstreamjournalisten: Die Hüter und Pächter der Wahrheit“ ist Herrn Kellers Darstellung des Interviews zu lesen (siehe Quellenangaben). Hier gewinnt man leicht den Eindruck, als ob Frau Brunner sich für dieses Interview nicht viel Zeit genommen und auch kein echtes Interesse gezeigt hat.

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Stefan Hofbauer von der Neopresse hat eine Autorisierung verlangt, woraufhin ihm zwei Zitate zugeschickt wurden. Die von ihm verlangten Änderungen wurden nicht berücksichtigt.

Ist das korrekter Journalismus?

Doch nun weiter zu dem Artikel. Frau Brunner schreibt z. B. folgendes über einen der Autoren „… ist ein fülliger Mann Anfang 40“. Solche wertenden Beschreibungen über das Aussehen von Autoren sind allerdings nicht sachdienlich. In Zeiten von Gender, Diversity und politischer Korrektheit, wo man schon auf jede Formulierung aufpassen muss, sollten derartige Aussagen ebenfalls unterlassen werden. Solche Darstellungen liest man üblicherweise in Romanen, wenn es darum geht den Lesern eine Vorstellung von den Protagonisten zu geben. Da gehören sie auch hin. Aber wer braucht solche Beschreibungen in einem Artikel über alternative Medien?

Abschließend schreibt Frau Brunner in einem Absatz in Bezug auf die Kritik an den Systemmedien und das Thema Ukraine über die „Blogger“:

„Frappierend ist derweil die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Da ist die Kritik an den „Systemmedien“, sie seien gesteuert, gekauft, manipuliert. Viele nennen das als Antrieb, überhaupt erst aktiv zu werden. Für sich selber scheinen die Regeln der gründlichen Quellenrecherche derweil nicht zu gelten.“

Wie sie zu diesem Schluss kommt, ist nicht klar ersichtlich.

Da stellt sich die Gegenfrage: Inwieweit gelten für Frau Brunner die Regeln eines korrekten journalistischen Verhaltens? Zuspruch bekam sie in den Kommentaren zu ihrem Artikel bislang nicht.

Ich schließe mich Herrn Lehners Worten an: Möge sich jeder anhand der Quellenangaben selbst ein Bild machen!

Quellen:
http://www.konjunktion.info/2015/03/journalismus-wenn-der-mainstream-ueber-alternative-medien-berichtet/
http://www.contra-magazin.com/2015/02/mainstreamjournalisten-die-hueter-und-paechter-der-wahrheit/
http://www.falter.at/falter/2015/02/10/nichts-ist-wahr-alles-ist-moeglich/

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