Wie die Medien uns auf die nächste Bundeskanzlerin vorbereiten

Wer sitzt 2017 auf dem Stuhl des Regierungschefs? Die gängige Meinung in politisch-journalistischen Kreisen ist eindeutig, Angela Merkel wird wohl nicht noch einmal zur Wahl antreten. Doch, dass gerade die Union wohl wieder den Bundeskanzlerposten besetzen wird, bestätigen aktuelle Umfragen. Von einem Regierungswechsel ist keine Spur. Doch nicht nur die CDU macht sich deswegen auf die Suche nach einen Nachfolger von Angela Merkel, auch die Medien beteiligen sich aktiv. Beobachtet man die Berichterstattung der letzten Jahre gerät vor allem eine Figur in den Fokus: Ursula von der Leyen. – Man bereitet uns vor.

Die perfekte Kandidatin

Ursula von der Leyen stammt aus einer absoluten CDU-Familie. Entsprechend wuchs man in Parteikreisen auf. Die geborene Albrecht wurde am 8. Oktober 1958 in Ixelles/Elsene, Region Brüssel geboren.

Nach dem Abitur am Gymnasium Lehrte studierte sie von 1977 bis zu ihrem Studienabbruch 1980 Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Göttingen und Münster. Im Jahre 1978 besuchte von der Leyen die London School of Economics and Political Science (LSE). Ein anschließendes Medizinstudiuman der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) schloss sie 1987 mit dem Staatsexamen und ihrer Approbation als Ärztin ab. Anschließend war sie als Assistenzärztin an der Frauenklinik der MHH tätig. 1991 erfolgte hier auch ihre Promotionzur Dr. med.

Ursula von der Leyen ist die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen Ernst Albrecht (1930–2014) und dessen Ehefrau Heidi Adele (1928–2002) und die Nichte des Dirigenten George Alexander Albrecht. Ursula von der Leyen hat fünf Brüder, darunter Hans-Holger Albrecht, Präsident und CEO von Millicom International Cellular SA (MIC), und Donatus Albrecht, Vorstandsmitglied der Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius.

Ursula von der Leyen ist seit 1990 Mitglied der CDU. Von 1996 bis 1997 war sie Mitglied im Landesfachausschuss Sozialpolitik der CDU Niedersachsen, anschließend auch Mitglied im Arbeitskreis Ärzte der CDU Niedersachsen. Von 2001 bis 2004 gehörte Ursula von der Leyen dem Rat der Stadt Sehnde an und war hier auch Vorsitzende der CDU-Fraktion. Daneben war sie zu dieser Zeit auch Mitglied der Regionsversammlung der Region Hannover und dort Vorsitzende des Ausschusses Gesundheit und Krankenhäuser.

Am 4. März 2003 trat sie ihren Posten als Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit in der von Ministerpräsident Christian Wulff geführten niedersächsischen Landesregierung an. In ihrer Amtszeit fiel sie bundesweit hauptsächlich dadurch auf, dass sie gegen starke Proteste von Sozialverbänden und der Bevölkerung das Landesblindengeld abgeschafft hatte. Von 2003 bis 2005 war sie Mitglied des Niedersächsischen Landtages. Beim CDU-Bundesparteitag in Düsseldorf im Dezember 2004 wurde sie nach der überraschenden Niederlage von Hermann-Josef Arentz im ersten Wahlgang ins Präsidium der CDU gewählt. Seit Februar 2005 leitet sie auch die CDU-Kommission Eltern, Kind, Beruf.

Am 17. August 2005 wurde sie von Angela Merkel in das Kompetenzteam für die Bundestagswahl 2005 der CDU/CSU für die Bereiche Familie und Gesundheit berufen. Am 22. November 2005 wurde Ursula von der Leyen als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführten Bundesregierung, dem Kabinett Merkel I, vereidigt.

Bei der Bundestagswahl 2009 wurde von der Leyen über die Landesliste Niedersachsen in den Deutschen Bundestag gewählt. Anschließend wurde sie am 28. Oktober 2009 im Kabinett Merkel II erneut als Familienministerin vereidigt. In den auf diese Wahl folgenden Koalitionsverhandlungen wurde Ursula von der Leyen, die für die Unionsparteien in diesem Ressort die Verhandlungen führte, in der Öffentlichkeit als kommende Gesundheitsministerin gehandelt. Das Ressort Gesundheit wurde jedoch vom FDP-Politiker Philipp Rösler übernommen.

Nach dem Rücktritt des Bundesministers für Arbeit und Soziales, Franz Josef Jung, am 27. November 2009 wurde von der Leyen am 30. November 2009 zu dessen Nachfolgerin ernannt. Ursula von der Leyen bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 18. Wahlperiode des Bundestages(2013). Ursula von der Leyen auf der Bank der Bundesregierung im Deutschen Bundestag neben Christian Schmidt, im Vordergrund Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier, 2014. Am 17. Dezember 2013 hat von der Leyen nach dreimonatigen Koalitionsverhandlungen das Amt der Verteidigungsministerin in der großen Koalition von CDU/CSU und SPD übernommen und ist damit die erste Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums.

Ihre Biographie scheint nahezu perfekt zu sein für eine mögliche Spitzenkandidatur. Sie passt in den sozialen Blickwinkel eines konservativen Wählers – religiös, gebildet, wenig auffallend, familienorientiert – ebenso wie in die Erwartungshaltung eines mitte-links Wechselwählers – weiblich, sozioliberal, progressiv. In Parteikreisen gibt es zwar Widersacher, trotzdem findet sie viel Zustimmung, vor allem wegen ihrer Regierungserfahrung. Vor allem eins wird aber wohl entscheidend sein: Die Nähe und das Vertrauen von Angela Merkel. Und die genießt sie, nahezu uneingeschränkt. Alles in Allem erscheint sie für die CDU/CSU, der es ansonsten eher an Kandidaten und Alternativen fehlt, die perfekte Kandidatin zu sein.

Mediale Vorbereitung

Da die CDU eher ein Kanzler-Wahlverein ist, als eine echte politische Partei, ist gerade die Frage nach den zukünftigen Kandidaten auch für die Medien von elementarer Bedeutung. Die SPD, die die einzige Chance auf einen realistischen Gegenkandidaten hat, scheitert bereits an der 25% Grenze und ist damit weit entfernt von einer Koalition mit den Grünen, die selbst nur wenig Potential haben. Rot-Rot-Grün wäre eine knappe Alternative die aber mit Blick auf Gemeinsamkeiten und Stabilität nicht wirklich realistisch ist. Dagegen könnte die AfD 2017 in den Bundestag einziehen und nahezu jeden SPD-Traum mit einem Schlag vernichten. Währenddessen scheint sich die FDP mit der erfolgreichen Wahl in Hamburg wieder aufzurappeln. Es gibt also wenig Möglichkeiten in anderen Parteien nach möglichen Kanzlern oder Kanzlerinnen zu suchen, man kommt als Journalist an der CDU nicht vorbei – und diese, bietet selbst nur wenige personelle Möglichkeiten.

Eine davon ist Ursula von der Leyen, die sowohl in der CDU als auch in der Gesellschaft eine breite Unterstützung genießt. Besonders mit der Aufgabe als Bundesverteidigungsministerin die Bundeswehr mit dem größten Haushaltsetat in den Griff zu bekommen, hat Regierungschefin Merkel für die Zukunft einen genialen medialen Schachzug veranstaltet.

Und die Medien? Die haben keine Scheu davor bei der Kanzlerinnenvorbereitung mit zu machen. Erst am Montag veröffentlichte die ZEIT in ihrer Ausgabe einen großen Artikel mit dem Titel „Operation Röschen„. Darin geht es im wesentliche darum politisch-analytisch die Chancen, Fähigkeiten und Hindernisse der Ursula von der Leyen herauszufiltern. „Kann sie wirklich Kanzlerin werden? Worin ist Ursula von der Leyen besser als Merkel? Auf wen hört sie? Was sind ihre Schwächen, wer ihre Gegner?“ Diesen Fragen geht der Autor Peter Dausend nach.

Doch das ist kein Einzelfall. Unter dem Titel „Frauen an die Macht!“ startete die größte deutsche Talkshow von Günther Jauch im Juli letzten Jahres eine Diskussionsrunde, in der allgemein eigentlich eher wenig diskutiert wurde. Zwar lag der Fokus während der ARD-Sendung klar auf der ebenfalls eingeladenen Hillary Clinton, von der Leyen wurde aber auch nicht schlecht inszeniert. Im Prinzip war die Runde perfekt geeignet um den Deutschen ihre nächste Kanzlerin mal so richtig schmackhaft zu machen. Da saß eine mögliche präsidial-Kandidatin der USA, die aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit und „Yes we can“-Attitüde auf viel Begeisterung in Deutschland stößt, neben einer möglichen Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2017.

Eher am Rande hatte auch noch Margot Käßmann einen Platz gefunden. Sie selbst ist religiös, sympathisch und auffällig d’accord mit den Positionen von der Leyens. Freilich, Käßmann passt als ehemalige Landesbischöfin und Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages perfekt zum typischen CDU-Wähler aus der Mitte und – wer hätte es auch anders gedacht- erstaunlich gut zur möglichen Kanzlerkandidatin der Union: Ursula von der Leyen. Diskutiert wurde in der Runde eher wenig. Man schub sich Argumente zu, war sich freundlich einig und senierte über die deutsch-amerikanische Partnerschaft. Selbstverständlich stellte Günther Jauch auch oft genug die K-Frage: „Wollen Sie denn nun Bundeskanzlerin werden, Frau von der Leyen?“ oder: „Wäre das nicht eine gute Kombination, Sie [Frau Clinton] und Sie Frau von der Leyen an der Spitze der Weltgemeinschaft?“ Von der Leyen verneinte – noch.

Bereits 2013 ging die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in eine ähnliche Richtung: „In der Union taugt nur von der Leyen zur Merkel-Nachfolgerin“ heißt es dort in einem Artikel des Autors Günter Bannas. Darin schreibt er wörtlich: „Von allen Unionspolitikern ist Verteidigungsministerin von der Leyen derzeit die einzige, die zur Nachfolgerin der Kanzlerin taugt. Dafür muss sie sich aber im neuen Amt erst bewähren.“

Doch auch ganz aktuell ist die Debatte um die mögliche Nachfolge von Angela Merkel. Ulrike Demmer und Daniel Goffart, zwei „Focus“-Journalisten, charakterisieren von der Leyen in ihren Artikeln als „Kanzlerin der Reserve“, die auf ihre Chance wartet und sich in Stellung bringt. „Ihre Popularität im Volk, ihre geballte Energie und Intelligenz, die langjährige Erfahrung in verschiedensten Ämtern sowie ihre Fähigkeit, auch international eine gute Figur zu machen“ würden sie auszeichnen. Merkel habe von der Leyen bewusst „befördert“ und sie zur Verteidigungsministerin gemacht. „Sie selbst sieht das Ministerium als ultimative Härteprobe“, analysiert Biograf Dausend. „Sie wusste im Vorfeld, dass es nicht einfach wird. Wie hart es tatsächlich wird, hat sie erst im Amt gespürt.“

Mit einem Augenzwinkern titelt die Huffington-Post: „Ursula von der Leyen ist schon Kanzlerin – im Aalglattsein“. Auch Die WELT ist sich sicher: „Ursula von der Leyen nimmt Merkels Kanzleramt ins Visier“ und beschreibt freundlich wie schön der Weg zum Kanzleramt sein könnte.

Die Befürwortung ist auch im Fernsehen zu beobachten. Ursula von der Leyen ist bei den meisten Teilnahmen in Talkshows auf einem stolzen 13. Platz. Wohlgemerkt: Nicht nur Politiker sind dort gelistet. Sie ist der am siebtmeisten genannte Politiker in TV-Nachrichten. 2013 war sie mit nur 160 Nennungen nicht mal in der Top-20 aufzufinden. Die Folgen kann man auch beobachten: Ihre Beliebtheit in der deutschen Bevölkerung ist seit 2010 um einiges gewachsen – sie konnte ihre Werte fast verdoppeln. Ein Wunder wäre es zumindest nicht, wenn Ursula von der Leyen 2017 auf dem Kanzlersessel landet. Bis dahin sind die Deutschen längst darauf vorbereitet (worden).

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