in Medien

Wellmann, 03.02.2013/Satire?/ Da war es uns gerade gelungen, das Bild des gemeinen Berliner Bürgers, nicht mehr notwendiger Weise nur durch „Große Klappe, aber ohne Verstand“ darzustellen, da kommt diese Jauchegrube von einem Fernsehsender daher, Skrupellos, Gefühllos und Gedankenlos und macht alles wieder zunichte. Mehr noch, RTL verweigert mir jegliche Intelligenz und hätte sich damals bestimmt, mit Freude, hinter meine Eltern gestellt, um zu verhindern, dass ich ein Gymnasium besuche.

Das stand übrigens im Wedding, meinem Geburtsbezirk, war Französisch-, Naturwissenschaftlichen Zweiges, und stellte für den Großteil der Weddinger Bevölkerung ein unerreichbares und damit indiskutables Ziel dar. Heute wage ich zu behaupten, dass dies aus Angst geschah. Aus Angst nicht in der angemessenen „Liga“ zu spielen, oder dem Druck des Ausseiters nicht standzuhalten. Im Besonderen aber deshalb, weil man die schützende Gruppe nicht verlassen wollte.

Der einfache Mann, die einfache Frau, deren Wohngemeinschaft RTL immerhin noch den durchgeknallten „Musiker“ gestattet, der dann aber schon wieder so durchgeknallt und- verzeihung bitte – so komplett Stulle ist, dass es einem die Pein relativ extrem ins Licht keitelt. Sie wissen was ich meine, oder? Wenns einem hinten die Schulterblätter zusammen zieht, man den Kopf in den Nacken legt und abwechselnd schreit und bitterlich weint …?

Dazu kommt, in meiner Jugendzeit hatte jeder Berliner Bezirk so seine eigene Sprachkultur und man konnte, in der Regel, relativ einfach erkennen, wer woher kam. Heute ist es anders, was keinesfalls besser, oder schlechter heißen soll. Auch nicht soll damit die Qualität der Menschen in Berlin als gut, oder schlecht bewertet werden. Es ist eben anders. Der, an sich recht sympathische, Weddinger Slang wird hier gemixt mit der Neuköllner Kodderschnauze, die einen äußerst aggressiven Unterton bekommen hat, im Laufe der Jahre.

Oder der etwas gestelzte, leicht arrogante Dialekt des Bezirks Schöneberg, im Westen, mischt sich unter den, nicht minder arroganten und vor allem aber, durch die getragene Aussprache des SCH bekannten, ehemaligen „Ostbezirks“ Friedrichshain. Das ist schon schlimm, wenn es dann von einem Pseudolaien-aber eigentlich ganz echten Schauspieler, der gebürtig aus Würzburg kommt, versucht wird zu schauspielern.

Nicht auszuhalten ist es allerdings, wenn man bedenkt was jetzt noch dazu kommt, an Dialekten, Sprachen, Telekommunikativen codes und Abkürzungen und überhaupt durch das, was man heutzutage Sprache nennt. Sie machen sich ja gar kein Bild!

Verbal nun sowieso schon verwirrt, sucht man dann wenigstens Menschen von schlichtem Gemüt, um die schlecht kopierte Sitcom aus den USA, die das Leben einer Patchwork Familie zeigt, mit schauspielerischen Ergüssen zu füllen. Und ohne den Menschen die da schau(rig)spielern zu nahe treten zu wollen, aber so stellt RTL uns also mal wieder als die lustigen Sprücheklopfer, mit der Intellektualität eines , in der Brotbox ´ne Woche vergessenen Leberwurstbrotes, dar. Na da(r)nke.

Da bekommt doch Joey-ich bin doch süß!-Dschungelcamp-König einen ganz anderen Nachgeschmack. Einen Grimmigen.

Das Dschungelcamp ist für den Grimmepreis 2013 nominiert.

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