in Medien

Auch wenn es bei einem Blick auf die deutsche Medienlandschaft (insbesondere die neuen Medien im Internet betreffend) nicht immer selbstverständlich scheint: die Medienethik spielt bei Veröffentlichungen im Bereich der Massenmedien eine Rolle. Wie groß ist diese Einflussnahme und welche medienethischen Mittel bleiben, um übermütigen Skandalpressen das Handwerk zu legen?

Medienethik – was ist das und wieso wird es gebraucht?

Die Medienethik soll eine Art ethische Reflexion der Handlungsnormen im massenmedialen Bereich darstellen. Sie beschäftigt sich mit bestehenden Moralvorstellungen und Verhaltensrichtlinien des Arbeitsfelds Medien und stellt die Frage nach geltenden Werten und Normen. Durch verschiedene Institutionen wird versucht medienethisch Einfluss auf die Massenmedien zu nehmen und so moralisch fraglichen Veröffentlichungen entgegen wirken zu können.

Dass Massenmedien für die meisten Menschen die Haupt-Informationsquelle darstellen, ist erst einmal nicht negativ zu bewerten. Doch an dem Punkt, an dem Medien moralische Bedenken beim Schreiben über Bord werfen und alles veröffentlichen, was Gewinn bringen könnte, wird es schwieriger. Denn negative Beeinflussungen der Wahrnehmung der Rezipienten sind möglich. Das zeigt ein Experiment aus 2005, bei denen Fernsehzuschauer zur Entwicklung der Kriminalitätsrate in Deutschland seit 1993 befragt wurden. Obwohl diese rückläufig ist, waren 90 % der Befragten davon überzeugt, dass die Rate bei Sexualverbrechen seit den neunziger Jahren zwischen 502 bis 1027 Prozent gestiegen ist. Diese immense Lücke zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit kann mit auf die mediale Berichterstattung, die unverhältnismäßig viele Nachrichten über Verbrechen enthält, zurückgeführt werden. Dass die üblichen Verdächtigen nur zu gerne jede Neuigkeit, in der von Mord und Todschlag die Rede ist, als Aufmacher nutzen, ist nichts Neues. Nichtsdestotrotz müssen Grenzen gesetzt werden, um Beeinflussungen, gerade bei jungen Konsumenten, zu verhindern. Genauso, wie natürlich auch der Schutz der Privatsphäre durchgesetzt werden muss.

Die medienethische Regulierung

Es bestehen zwei Ebenen der massenmedialen Regulierung. Zum einen das Medienrecht, dessen Charakter durch eine stärkere Verbindlichkeit ausgezeichnet ist. Dieses stattet Medienschaffende mit verschiedenen Rechten und Pflichten aus und versucht ein Minimum an ethischem Handeln zu garantieren. Durch das Grundgesetz ist die Meinungs- und Informationsfreiheit der Medien verankert, zusätzlich bestehen Sonderrechte wie beispielsweise das Zeugnisverweigerungsrecht, wonach Journalisten vor Gericht Ihre Recherchequellen nicht angeben müssen. Eingeschränkt werden die Medienschaffenden insbesondere durch die die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und dem Recht der persönlichen Ehre. Eine der wichtigsten Kontrollinstanzen für die privaten Anbieter ist die Landesmedienanstalt (LMA). Im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sieht das Ganze nochmal anders aus, hier sind die Richtlinien sehr viel umfassender.

Weiter besteht eine Medienselbstkontrolle, die von innen heraus geschieht und damit auf freiwilliger Basis stattfindet. Die Ziele der Selbstkontrolle sind letztendlich die gleichen wie die des Medienrechts: das Etablieren von medienethischem Handeln, um den Einfluss der Medien auf die Gesellschaft und Individuen in eine positive Richtung zu lenken. Die Medienselbstkontrolle kann, anhand ihres Grades an Freiwilligkeit, nochmals unterteilt werden: die freiwillige Selbstkontrolle fällt in den Bereich der „reinen“ Freiwilligkeit, ganz ohne Einwirkungen von außen. Die Kontrollorgane sind zum Beispiel der Deutsche Presserat oder der Deutsche Werberat. Diese Räte (bestehend aus Vertretern der Branche) verfassen Verhaltensregeln (z.B. den Pressekodex), die einem höheren Maß an Medienethik entsprechen und versuchen diese durchzusetzen.

Allerdings ist die Reichweite dieser Kontrollinstanzen eher mäßig. Wenn dem Presserat ein medienethischer Verstoß gemeldet wird, so bleibt hier lediglich die Möglichkeit einer Rüge, die ausgesprochen werden kann und dann von betroffenen Massenmedien abgedruckt werden sollte. Weitere, verbindlichere Sanktionen sind nicht vorgesehen. Diese sind den Kontrollinstanzen der regulierten Selbstregulierung vorbehalten. Diese medienethische Selbstkontrolle unterscheidet sich durch ein höheres Maß an Fremdkontrolle, durch die Richtlinien durchgesetzt werden sollen. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf dem Jugendmedienschutz, die zentrale Aufsichtsbehörde ist die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Außer einer Rüge besteht bei Verstoß gegen Richtlinien der regulierten Selbstregulierung noch die Möglichkeit betroffene Anbieter von Medieninhalten mit Geldstrafen Einhalt zu bieten.

Und was bringt’s?

Dass auch bei bestehenden medienethischen Richtlinien viele Veröffentlichungen stark grenzwertig sind, ist jedem klar, der regelmäßig breit gefächerte Inhalte konsumiert. Es wird schon eher die Frage aufgeworfen, ob die Regulierung ausgereift genug ist oder letztendlich ohne Bedeutung für die Massenmedien. Gerade der Presserat wird oftmals als „zahnloser Tiger“ verspottet, der zwar mächtig wirkt, aber kaum Einfluss nehmen kann. Dieser Eindruck wird auch verstärkt, wenn man eine der ausgesprochenen Rügen betrachtet: BILD.de wurde Anfang diesen Jahres für einen Artikel mit dem Titel „Patensohn schlägt liebe Oma (†61) tot“ mit einer Rüge versehen.

Klein und unauffällig findet die abgedruckte Rüge unter dem Artikel Platz. Inhaltlich wird hier von einem Mord an einer älteren Dame berichtet, den laut BILD.de der Enkel vollzogen haben soll. Ironischerweise wird direkt über der Rüge zu einem aktuelleren Artikel des Tatbestandes verwiesen: wie sich herausstellte, stand der – unter anderem von BILD.de beschuldigte – Enkel in keinem Zusammenhang mit dem Fall. Ob sich der Leidtragende des Artikels durch die Rüge sehr viel weniger in seiner Privatsphäre verletzt fühlt, weniger Menschen Artikel dieser Art lesen wollen oder BILD.de sich nun in Zukunft weniger reißerisch und wertend äußern wird bleibt also mehr als fraglich.

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Kommentar

  1. Medien und Ethik ist heute praktisch kein Thema mehr. Wir können uns schwarz ärgern über die Zensur in den von Dritten beherrschten Medien und
    darüber, dass selbst in kritischen Medien die persönliche Meinung der Betreiber den Vorrag vor der objekten Berichterstattung hat. Uns allen ist bewusst, dass wir daran nichts ändern können. Wie sollen wir dann noch einmal einer fremden Information trauen können?

    Ein sicheres Mittel, um die Spreu vom Weizen zu trennen, ist die saubere Trennung von Information und Meinung. Wer nicht mit dem gebotenen geistigen Abstand schreiben kann, sondern mit jedem Satz – ob mit Berechtigung oder nicht – zugleich seine Missachtung Anderer herausschreit, gehört nicht zu den Guten!