Ex-Geheimdienstoffizier: „Wir haben keine freie Presse mehr“

Der Ehemalige US-Geheimdienstoffizier Ray McGovern hat in einem Interview mit der Zeitschrift „Hintergrund“ seine Einschätzung zu der westlichen Pressewelt und politischen Situation zum Besten gegeben. „Wir haben keine freie Presse mehr“ so  der ehemalige Berater von Ronald Reagan und George Bush Senior. Er gehörte auch zu den Verfassern des Briefes an Angela Merkel, in dem die Zustände der westlichen „Beweisführung“ gegenüber Russland schwarf kritisiert wurden.

„Keine freie Presse“

Der Zeitschrift “Hintergrund” gab Ray McGovern in Berlin ein Interview, in dem er u.a. mit den anglo-amerikanischen Medien abrechnet:

„(…) Das funktioniert deshalb, weil wir in den USA eine kontrollierte Presse haben, auch in Großbritannien verhält es sich so. Im Falle Deutschlands bin ich mir diesbezüglich nicht so sicher, aber auch hier in den Medien stelle ich eine große Unterstützung für eine Politik fest, die Putin verteufelt und die die Konfrontation sucht. Die Medien funktionieren nicht mehr im Sinne einer Vierten Gewalt. Und das ist die größte und auch gefährlichste Veränderung, die ich während meiner 51 Jahre in Washington erlebt habe: Wir haben keine freie Presse mehr (…)”

BND als „Zweigstelle der NSA“

Auch zu den Geheimdienstlichen Informationen bezüglich des Ukraine-Kriegs hat der Ex-Geheimdienstoffizier eine Meinung. Der BND sei nur eine „Zweigstelle der CIA und der NSA“.

„Was Politiker wie Angela Merkel meines Erachtens wissen sollten: Nicht nur die USA betreiben einen recht freimütigen, politisch instrumentalisierten Umgang mit ‚Geheimdienstinformationen‘. Der BND macht wahrscheinlich dasselbe, denn er ist im Grunde eine Zweigstelle der CIA und der NSA. Und er will seine besondere Beziehung zu den US-Diensten nicht riskieren. Daher gibt er wahrscheinlich dieselben irreführenden Informationen heraus, die die Entscheidungsträger in Washington von den US-Diensten erhalten. Wir beobachten gegenwärtig dasselbe wie 2003 beim Irak: Gefälschte Geheimdienstinformationen werden benutzt und in die Propagandaschlacht geworfen, um einen Krieg zu rechtfertigen. Wir sagen daher: „Frau Merkel, nehmen Sie sich ein Beispiel an ihrem Vorgänger Gerhard Schröder.“ Der hatte damals durchschaut, dass George W. Bush mittels gefälschter Geheimdienstberichte seine „Koalition der Willigen“ in die Schlacht führte und hat dazu konsequenterweise „nein“ gesagt. So schonend wie möglich sagen wir in unserem Brief an die Kanzlerin: „Frau Merkel, beenden Sie Ihre unterwürfige Haltung gegenüber den USA, der Zweite Weltkrieg ist schon lange vorbei! Werden Sie erwachsen!“. Würde die Kanzlerin eigenständiger handeln, sie wäre überrascht, auf wieviel Zuspruch sie dabei in der Bevölkerung in Deutschland stoßen würde.“

Ehemaliger Berater unter 7 US-Präsidenten

McGovern war als Mitarbeiter der CIA unter sieben US-Präsidenten insgesamt über 27 Jahre lang für die morgendliche Berichterstattung im Weißen Haus zuständig. Er arbeitete als junger Offizier für die CIA, wo er verantwortlich für die Analyse der sowjetischen Politik in Vietnam war. Von 1981 bis 1985 gehörte er zu den für Geheimdienste verantwortlichen Offizieren, die dem Präsidenten Ronald Reagan und dem Vize-Präsidenten George H. W. Bush täglich Bericht erstatteten. Anschließend war er als einer der Senior-Analysten verantwortlich für die Vorbereitung der Tagesberichts der CIA an den US-Präsidenten. Bei seiner Pensionierung wurde er mit der Intelligence Commendation Medal von Präsident Bush ausgezeichnet. Diese Medaille gab er im März 2006 zurück aus Protest gegen die Beteiligung von CIA-Mitarbeitern an Folterungen im Irak.

002 übte er öffentlich Kritik am Einsatz der Geheimdienste durch Präsident Bush im Vorfeld des Krieges im Irak. Im Jahr 2003 gründete er zusammen mit anderen ehemaligen CIA-Mitarbeitern die Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS). Diese Organisation widmet sich der Analyse und Kritik der nachrichtendienstlichen Tätigkeiten, speziell in Bezug auf den Krieg im Irak. McGovern spricht im Auftrag der Anti-Kriegs-Gruppe Not in Our Name. Laut Pressemitteilungen der Gruppe erhebt McGovern symbolische Anklagen wegen Kriegsverbrechen gegen das Weiße Haus im Auftrag eines „Volkstribunals“. Er lehnt die offizielle Version der Terroranschläge am 11. September 2001 ab und fordert eine neue, unabhängige Untersuchung der Ereignisse. In einem Fernseh-Interview mit Tucker Carlson auf MSNBC im Mai 2006 sagte er wörtlich: „Ich habe das Akronym OIL seit vielen – jetzt seit zwei Jahren benutzt: O für Öl; I für Israel und L für Logistik. Logistik ist die permanente – jetzt sagen wir ,nachhaltige‘ – Militärbasis, welche die USA im Irak halten will.“

QUELLEN:

Hintergrund, Interview mit Ray McGovern: http://www.hintergrund.de/201409093233/globales/kriege/qwir-haben-keine-freie-presse-mehrq.html
Wikipedia, Ray McGovern: http://de.wikipedia.org/wiki/Ray_McGovern