in Medien

Eine wirkliche Qual der Wahl hatten die abstimmungsberechtigten US-Amerikaner zwar gestern eigentlich nicht, aber eine Qual war es teilweise, die Berichterstattung hierzu im deutschen Fernsehen anzuschauen. Von ARD und ZDF sollte man eigentlich ein wenig mehr erwarten.

Es ist sicher nicht einfach, stundenlang unterhaltsam und informativ eine Wahlnacht den Zuschauern zu präsentieren, aber was war das denn bitte? Da wurde in der vergangenen Nacht beim ZDF vor der Bekanntgabe eines Ergebnisses oder einer Hochrechnung ein Tusch gespielt. Jawoll, ein Tusch! Die ARD wartete mit dem erwiesenen Politkexperten Matthias Opdenhövel und einer nervigen Band auf. Dieses komische neumodische Dings hat man natürlich auch noch eingebunden. Ach, wie heißt es noch? Internet, genau. So eines kaufe ich mir demnächst vielleicht auch mal. Um in diesem Gebiet vermeintlich gut aufgestellt zu sein, lud das ZDF den Blogger Sascha Lobo ein. Der kennt sich ganz bestimmt prima mit Twitter und Co. aus, ist aber sonst eigentlich ziemlich uninteressant und hat nicht viel zu sagen.

In der ARD bekam man dafür die anstrengende und selten wirklich komische Gayle Tufts angeboten. Ein amerikanischer Geburtsort scheint beim ersten deutschen Fernsehen Qualifikation genug zu sein. Traurig. Über die erbärmliche Catherine von Fürstenberg-Dussmann verliere ich lieber kein Wort. Mitunter dachte ich: “Hmm, eigentlich fehlen nur noch Cheerleader”, aber vielleicht gab´s die ja auf RTL. Den Sender schenkte ich mir fast ganz. Ansonsten schaute ich CNN ein wenig, worüber ich nichts Besonderes schreiben kann, aber ein Lob gibt es noch für Phoenix. Der Sender übernahm weitgehend die Berichterstattung von CBS, hatte aber dazu als Experten neben dem US-Journalisten Erik Kirschbaum wie fast immer, wenn es um US-Politik geht, Thomas Jäger von der Universität Köln vor Ort.

Jäger ist jemand, dem ich ohne physische und psychische Schmerzen immer zuhören kann. Er ist wahrlich kein Entertainer, aber darum ging´s hier auch eigentlich nicht, sondern um Politik, was andere Sender teilweise zwischenzeitlich vergessen hatten. Jäger analysiert jedenfalls nüchtern, unaufgeregt und kompetent. Gegen all die Wichtigtuer mit Halbwissen eine echte Wohltat. Als ich später wieder einmal zurück zur ARD schaltete, sagte Jörg Schönenborn dort gerade den streng durchdachten Satz “Die Hispanics wachsen stark in Colorado.” Nun, was soll man dazu noch schreiben? Das bedarf keines weiteren Kommentars. Naja, wenigstens haben sich die Amerikaner am Ende in der Wahlkabine doch nochmal für das etwas geringere Übel entschieden. 

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