in Medien

„Die eigentliche Fotografie ist tot“ – So ein Zitat des weltberühmten Fotografen Arnold Crane, der  die Zeit der echten Fotografie durch die Digitalisierung (ja, einige Verfechter der analogen Kunstform müssen sich bei diesem Wort das ein oder andere Tränchen verkneifen) abgelöst und beendet sieht.  Die Tatsache, dass die digitale Fotografie immer mehr zunimmt und die analoge allmählich aus dem Alltag, wie auch aus den Köpfen der Menschen verschwindet, ist unbestritten. Daher ist es umso wichtiger sich die Frage zu stellen wo die Fotografie heutzutage steht.

 

Das Werk eines Hobby- oder Profifotografen? Oft nur sehr schwer zu unterscheiden

Das Problem für die meisten Berufsfotografen stellen die Amateur- und Hobbyfotografen dar. Wo früher ein Bild noch als regelrechte Kunst angesehen wurde, müssen sich diese ehemaligen ‚Künstler‘ mit den gleichen spöttischen Kommentaren von Möchtegern-Picasso-Müttern auseinandersetzen wie Maler, die sich mit Leib und Seele der abstrakten Kunst widmen: „Das hätte mein 4-jähriger Sohn auch hinbekommen!“ Als leidenschaftlicher Verfechter der Kunstform Fotografie möchte man diesen Müttern am liebsten ins Gesicht schreien, ob sie schon einmal was von DPI, Blooming oder Aliasing gehört haben, sodass ihnen die Lockenwickler aus den Haaren springen und ihre Sprösslinge heulend die 600,- Euro Spiegelreflexkamera fallen lassen, von der sie nicht einmal im Ansatz erahnen können welche Wundertaten sie vollbringen kann. Dennoch, vereinfacht ausgedrückt ist genau das der Knackpunkt: Jedes Kind kann mit der nötigen Ausrüstung und einem Druck auf den Auslöser zum Profifotografen werden – zumindest in technischer Hinsicht.

Ist es also bloße Tagträumerei und sinnlose Energieverschwendung als Berufswunsch „Fotograf“ anzugeben? Wie kann man als Berufsfotograf überhaupt noch aus der Masse herausstechen und nicht in den regelrechten Bilderflutwellen untergehen? Wie schafft man es die Fotografie wieder als wichtigen Aspekt, der sie unbestritten ist, in die Köpfe der Menschen zurückzubringen und Talente, die in der Berufsfotografie Fuß fassen wollen, zu fördern?

Es wurden schon zahlreiche Versuche unternommen die ‚brotlose Kunst‘ wieder rentabel zu machen – einige mehr, andere weniger erfolgreich. Nehmen wir nur mal das Beispiel der Arte-Castingshow „Photo for Life“. Eine eher halbherzige und lachhaft inszenierte Sendung in der der Fotograf Oliviero Toscani sechs ‚Nachwuchstalente‘ castet um den Besten zu fördern. Das gesamte Format erinnert doch sehr an „Germany’s next Topmodel“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ – obwohl man der Serie zu Gute halten muss, dass die Teilnehmer nicht systematisch blamiert werden und der Fremdschämfaktor doch eher gering gehalten ist. Die Auswahl dieser ‚Nachwuchstalente‘ scheint allerdings mehr nach ihrer Fähigkeit sich im Fernsehen zu repräsentieren  als nach ihren Fotografie- Fähigkeiten getroffen worden zu sein. Es ist eigentlich sehr traurig, dass einem so hoch angesehenen Fotografen wie Toscani (fotografierte unter anderem die bereits verstorbene Magersüchtige Isabelle Caro und brachte dadurch eine heftige Diskussion ins Rollen) die meisten peinlichen Szenen zuzuschreiben sind.

Als einen sehr viel besseren Ansatz stellt sich das Modell des Fotografen-Journalisten-Kollektivs heraus. Das Erfolgskonzept dieser Verbindungen, wie z.B. „2470media“, „Kollektiv25“ oder „enarro“, besteht in dem Zusammenschluss einiger Fotografen mit Redakteuren, Journalisten, Autoren, etc., die gemeinschaftlich Aufträge an Land ziehen und von mehreren Ländern aus zusammen agieren können. Man merkt, dass diese Leute wirklich etwas in der Welt verändern wollen und ihr ganzes Herzblut an ihren Projekten hängt.

Ein kritischer Aspekt auf den viele Fotografen heutzutage setzen ist die bewusste Provokation, Brutalität und der Schockeffekt, den ihre Bilder auslösen. Dabei stoßen sie oft an die ethischen und moralischen Grenzen. Allerdings sollte man sich besonders in diesem Genre fragen, ob der Zweck nicht doch die Mittel heiligt!? Wenn man z.B. von einem tödlichen Autounfall in der BILD berichtet und dort die Leichen abbildet nur um die Auflage in die Höhe zu treiben ist dies natürlich höchst unethisch und verwerflich. Wenn ein Fotojournalist aber im Rahmen einer Reportage über den Drogenkrieg in Mexiko berichtet und den abgetrennten Kopf eines Opfers in einer verlassenen Wüste zeigt, soll das der Aufklärung und der Beseitigung von Missständen dienen (vgl. WorldPress Photo 2011, dritter Preis der Kategorie „General News“ – Singles, Javier Manzano).

Man muss immer bedenken, dass ein professionelles Bild nicht in erster Linie informieren soll, dafür ist sein Weg vom Ereignis zum Betrachter zu lang. Das Bild kann in diesem Fall nicht mit anderen Medien, z.B. dem Internet mithalten. Ein Bild ist vielmehr dazu da um zum Nachdenken anzuregen. Erst wenn dieser erste Anstoß getan ist, wenn ein Bild es schafft die Menschen zu bewegen und über Missstände und Schwierigkeiten in der Welt zum Reflektieren zu bringen, dann kann der ganze Prozess der Verbesserung beginnen. Und genau das ist der Unterschied zwischen professioneller, wichtiger Fotografie und Amateuraufnahmen.

Daher sollte man alles dafür tun damit Fotografen ihrer Pflicht, Emotionen – seien es schlechte oder gute – beim Menschen mittels ihrer Bilder heraufzubeschwören, nachgehen können, sodass der von Almut Adler verfasste Satz wieder an Bedeutung gewinnt:

„Fotografieren ist wie schreiben mit Licht, wie musizieren mit Farbtönen, wie  malen mit Zeit und sehen mit Liebe“.

 

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


Anzeige

Dein Kommentar

Kommentar