in Medien

Von Marcela Valente

Buenos Aires, 8. Januar (IPS) – In Argentinien fordern die Redakteure alternativer Zeitungen die Verabschiedung eines neuen Gesetzes, das ihnen hilft, sich gegenüber den großen kommerziellen Medienhäusern zu behaupten.

In dem südamerikanischen Staat sind etwa 241 solcher Non-Profit-Publikationen im Umlauf, die ein breites Spektrum an Themen – von Politik, Gesellschaft und Frauen über Kunst, Literatur, Musik und Kino bis zu Design, Handarbeit und Philosophie – abdecken. Sie existieren im Schatten der 450 Zeitschriften, die von den großen Medienkonsortien im Lande herausgegeben werden. Immerhin bedienen sie etwa 1,4 Millionen Leser und versorgen viele kleine Druckereien mit Aufträgen.

Die Druckerzeugnisse werden weder von staatlicher noch privatwirtschaftlicher Seite subventioniert. Dennoch enthalten sie vergleichsweise wenige Werbeanzeigen. Sie leben quasi vom Verkauf ihrer Printausgaben.

Seit 2011 haben sich die Redakteure der alternativen Presse mehrheitlich zur Vereinigung der unabhängigen Kulturzeitschriften (AReCIA) zusammengeschlossen und setzen sich für die Verabschiedung eines neuen Gesetzes ein, dass den Non-Profit-Mediensektor nachhaltig stärken soll.

Menschenwürdige Arbeitsplätze

„Mit unserer Vereinigung wollen wir zeigen, dass wir ein wirtschaftlich aktiver Sektor sind, der menschenwürdige Arbeitsplätze- und –bedingungen schafft und der vom Barverkauf lebt“, meint die AReCIA-Vorsitzende und Redakteurin der unabhängigen Zeitschrift ‚Mu’, Claudia Acuña.

Mu ist Ende 2001 vor dem Hintergrund der argentinischen Finanz- und Wirtschaftskrise an den Start gegangen. Herausgeber ist die Kooperative ‚La Vaca‘ (‚Die Kuh‘), die inzwischen auch zahlreiche andere alternative Kommunikationsprojekte betreibt und Journalisten in Kursen administrative Fähigkeiten vermittelt, Kenntnisse, die sie in den Journalistenschulen nicht lernen.

Aus einer von AReCIA im vergangenen Oktober durchgeführten Umfrage geht hervor, dass 95 Prozent der 241 unabhängigen Kulturzeitschriften Argentiniens im Druckform erscheinen. Der Rest wird übers Internet verbreitet. Dieses im Technologiezeitalter bemerkenswerte Phänomen beschränkt sich nicht nur auf die Hauptstadt Buenos Aires: 48 Prozent der Publikationen werden im Landesinnern herausgegeben und versorgen ihre Leser mit lokal relevanten Informationen.

Den in AReCIA zusammengeschlossenen Redakteuren ist es gelungen, Zustellungsabkommen mit der Post abzuschließen und etliche Versuche kommerzieller Mediengruppen wie ‚Clarín‘ und ‚La Nación‘ abzuwehren, sie aus den Verkaufs- und Verteilungskanälen auszuschließen.

„Es gibt eine hohe Medienkonzentration“, kritisiert Acuña. Die kommerziellen Zeitschriften lebten von staatlichen und privaten Werbeeinnahmen und seien quasi Werbekataloge, die damit ihr Geld verdienten, sich zur Schau zu stellen.

„Sie haben an Glaubwürdigkeit verloren. Wir hingegen sind ein alternativer Markt, der von den Lesern unterstützt wird. Wir sind somit anders und wir wachsen.“

„Wir wollen keine Almosen“

Der AReCIA-Vorsitzenden zufolge fehlt ein Gesetz, dass die alternativen Medien stärkt und der Gründung neuer Publikationen Vorschub leistet. „Wir wollen keine Almosen“, versichert sie. „Wir fordern Gleichbehandlung ohne Diskriminierung.“ Die Vorlage, über die ab März diskutiert wird, reklamiert Steuervergünstigungen und den Zugang zu Finanzierungsmitteln. Auch soll der Staat dazu verpflichtet werden, ein Kontingent dieser alternativen Medien abzunehmen und in den 3.000 öffentlichen Bibliotheken des Landes auszulegen.

Nach Ansicht der alternativen Medienmacher trägt ein solches Gesetz dazu bei, das Monopol der kommerziellen Medien wirksam zu bekämpfen und zu zeigen, dass eine andere Kommunikation möglich sei.

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