Virologe räumt auf: Fehler in der Merkel-Corona-Strategie

Der Virologe Klaus Stöhr wird auf Basis seiner beruflichen Vita kaum als Verschwörungs-Virologe betrachtet werden können. In einem Merkur-Interview nun rechnet er mit den bisherigen Pandemie-Strategien der Merkel-Regierung sehr deutlich ab. Auch die Warnungen vor den Mutanten sieht Klaus Stöhr sehr viel differenzierter.

Das wird nicht funktionieren

Die Virologin Melanie Brinkmann aus dem Merkel-Beraterstab etwa wird dahingehend zitiert, sie fordere eine ZeroCovid-Strategie. Stöhrs klage Aussage: „Zero Covid ist zero realistisch. Ein solches Ziel a) zu erreichen und b) in der Mitte von Europa im Winter zu halten, sei absolut unrealistisch. Er wundere sich, dass „man sich ernsthaft damit befasst“.

Dies sei eine rein mathematische Betrachtung der Situation. Die Realität der Bekämpfung mit anderen Atemwegserkrankungen, die ansteckend sind, zeigt, dass die Inzidenz im Winter 10 bis 15fach so hoch sei wie im Sommer.

Die Inzidenz ließe sich auch durch einen harten Lockdown nict auf weniger als 100 senken – zumindest nicht auf Dauer. Ziel sollte es vielmehr sein, eine positive Agenda zu formulieren, ein Ziel, auf das alle gemeinsam hinarbeiten könnten. Dann würde das Verständnis für Maßnahmen steigen.

Es würde dafür ein fachübergreifendes Beratungsgremium benötige. Dazu zählten zusätzlich auch Sozialwissenschaftler oder Kommunikationsexperten wie auch Gesundheitsökonomen. Er selbst habe bereits viele Regierungen beraten und stets einen „repräsentativen Kreis an Experten unterschiedlicher Fachrichtungen“ erlebt.

So hat er das Krisenmanagement bei Ausbrüchen seiner Darstellung nach bislang erlebt. Offenbar meint die Merkel-Regierung, darauf verzichten zu können oder zu wollen. Allein die Kommunikationsstrategie ist, sofern sie nicht optimiert würde, nicht geeignet, Menschen auf dem langen Weg durch eine Pandemie mitzunehmen. Die Erinnerungen an Weihnachten und die zahllosen Versprechungen sind ein beredtes Beispiel.

Auch die Betrachtung der Mutation in Großbritannien rechnet Stöhr zu den Problemfällen. Der prozentuale Anteil der Mutation an den Infektionen steige immer weiter. Die Neuansteckungen selbst hätten sich in den vergangenen zehn Tagen halbiert. Die Variante sei, so jedenfalls sieht es aus, auch beherrschbar.

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