in Gesellschaft

„Es wird große soziale Konflikte in Deutschland geben“, prophezeit der Wirtschaftswissenschaftler Dennis Snower in einem Interview mit der „Welt“. „Viele Menschen haben das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen geraten ist. Trump, Brexit oder Gelbwesten – die Menschen fühlen sich durch die politischen Ereignisse stark verunsichert.“ Snower ist Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Er prangert die Politik an, denn „sie verkenne die Bedürfnisse der Menschen.“

Dass es derzeit „schlimm um die Welt stehe“, sei ein Resultat einer Politik, die nicht wisse, wie sie mit den Problemen in der Welt umgehen solle. Sie führe die Unzufriedenheit der Menschen vor allem auf die wirtschaftlichen Probleme zurück. Zwar seien die Menschen in Europa und gerade aktuell in Frankreich sichtbar mit ihrer wirtschaftlichen, also finanziellen Lage unzufrieden. Doch den Betroffenen gehe es um weitaus mehr, als um ihre wirtschaftliche Situation. Die Versuche der Politik, die Menschen durch finanzielle Wohltaten zu beschwichtigen, könnten deshalb nur schiefgehen, so Snower.

Menschen müssten die Möglichkeit haben, ihr Schicksal und ihr Leben weitgehend mitzugestalten. Globalisierung und Digitalisierung und der damit verbundene Wandel nähmen den Menschen das Gefühl von Sicherheit und gäben ihnen stattdessen das Gefühl, nicht mehr Herr des eigenen Lebens zu sein. Das sei eine gewaltige Belastung. Die Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht könnten aber nicht durch die Bereitstellung finanzieller Mittel genommen werden. Auch ein bedingungsloses Grundeinkommen, meint der Ökonom Snower, könne die Probleme nicht lösen. Dadurch entstünde nur noch ein viel stärkeres Abhängigkeitsverhältnis der Bürger vom Staat.

Der wirtschaftliche Fortschritt habe nicht zu einem sozialen Fortschritt geführt. Das sei das Grundproblem, glaubt Snower. Denn die Politik habe die Bedürfnisse der Unzufriedenen übersehen, weil der Fokus nur auf die Wirtschaft gelegt wurde. Was den Menschen fehle, sei mehr sozialer Zusammenhalt. Menschen müssten sich als ein Teil der Gesellschaft fühlen und dieses Gefühl sei in Deutschland in weiten Teilen verlorengegangen. Die Regierung werde deshalb nicht mehr als legitim angesehen, weil die Bürger nicht mehr das Gefühl hätten, einer Gemeinschaft anzugehören.

Deutschland habe sich durch den wachsenden Wohlstand immer mehr zu einer Gesellschaft entwickelt, in dem Menschen nicht mehr das Gefühl hätten, in ihrem sozialen Umfeld etwas zu bedeuten. Das Gemeinschaftsgefühl der Nachkriegszeit sei verlorengegangen. Stattdessen gehe es nur noch um Wirtschaftswachstum und Leistung. Die Welt sei zwar wirtschaftlich immer stärker miteinander verbunden, doch die soziale Integration vor Ort habe stark gelitten. Der soziale Zusammenhalt hat nur solange gestimmt, wie sich die Menschen als Nation empfunden haben, meint Snower. Die Politik müsse den Fokus wieder darauf legen, das soziale Gemeinschaftsgefühl der Bürger zu stärken, beispielsweise durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht oder eines verpflichtenden Zivildienstes für alle jungen Menschen.

 

 

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Kommentar

  1. Wie wäre es mit einem Bild des Wirtschaftswissenschaftlers statt zum 100.000mal Merkel?

    Fast muss man annehmen, dass ihr Merkel-affin seid.

  2. Das habe ich schon vor fast 20 Jahren festgestellt dass sich Deutschland seinen sozialen Sprengstoff selber züchtet.
    Dazu muss man wahrlich kein Wissenschaftler sein.
    Beobachtung und einschalten des Hausverstandes (= gesunder Menschenverstand + Logik) genügt.
    Das Problem ist nur, Hausverstand gibt es anscheinend nicht mehr. Man schaue sich die Zustände in Deutschland an.
    So kann z.B. in einer Stadt die Schule samt Kita am Zusammenbrechen sein, die Idioten wählen dieselben Deppen die ihnen das am laufenden Band einbrocken wieder.

    • Habe das selbe gedacht. Bei mir sind es bereits 40 Jahre Voraussage.
      Mich wundert überhaupt wievielerlei Verrücktheiten von oben andere imstande und bereit sind zu glätten.
      Kein Politiker räumt seinen Bockmist danach zur Seite.