in Gesellschaft

Lydia Polgreen
22. Juli 2012

Als Roger Boka mit seinem Auktions-Geschäft in den 90-er Jahren begann, waren die Tabak-Börsen der Stadt gedämpfte Plätze, außer der einschmeichelnden Stimme des Auktionators. Eine Handvoll weißer Farmer, von denen jeder hunderte Tabak-Ballen verkaufte, kamen in Sportwagen, checkten in den besten Hotels der Stadt ein und warteten auf ihre dicken Schecks.
In der Auktionssäson dieses Jahres herrscht eine ganz andere Szene unter dem höhlenartigen Dach der Bock Tobacco Auction Floors. Jeden Tag kommen hunderte Bauern in Minibussen an und auf der Ladefläche von Pickups, viele mit Frau und Kindern im Schlepptau. Sie campten die Nacht über auf offenem Feld in der Nähe und schwärmten dann in die Halle mit tausend Geräuschen, um ihre Ernte zu verkaufen. Es war lebhaft und gedrängt; zwei Frauen kamen in dem Auktionssaal nieder. Der sichtbarste Unterschied aber war die Farbe ihrer Gesichter – alle waren sie schwarz.

„Man pflegte hier nur weiße Gesichter zu sehen“, sagte Rudo Boka, und seine Tochter, die jetzt das Familienunternehmen führt, sagte: „Jetzt ist es für alle da. Es ist ein wundervoller Anblick.“
Bevor Zimbabwes Regierung im Jahr 2000 mit der gewaltsamen und chaotischen Übernahme der Farmen in weißem Besitz begann, bauten weniger als 2000 Bauern Tabak an, die lukrativste Ernte des Landes. Und das Meiste war in weißer Hand. Heute bauen 60 000 Bauern hier Tabak an, die große Mehrheit ist aber schwarz und viele von ihnen arbeiten auf kleinen Grundstücken, die ihnen bei der Landverteilung zugewiesen wurden. Die Meisten hatten keine Erfahrung mit Tabakanbau; doch es gelang ihnen, eine deftige Ernte einzufahren, die von ihrem Tief im Jahr 2008 mit 105 Millionen pounds [1 pound = 450 gr] auf 330 Millionen pound in diesem Jahr stieg.

Der Erfolg dieser Kleinbauern hat dazu geführt, die Folge von Zimbabwes erzwungener Landverteilung neu einzuschätzen, auch wenn sie die Gewalt und die Zerstörung verurteilen.
Die Übernahme der weißen kommerziellen Farmen war für Zimbabwe in vielfacher Hinsicht eine Katastrophe. Sie unterminierte eine von Afrikas stabilsten Ökonomien, und als das Wachstum abnahm und die Währung wegen der Hyperinflation wertlos wurde, da nahm die Arbeitslosigkeit und der Hunger zu. Große Landstücke wurden den Kumpanen von Mugabe gegeben, von denen viele sie nicht einmal bebauten. Eine politische Krise entstand und es gab gewalttätige Maßnahmen der Sicherheitskräfte, die hunderte Leute töteten. Die Erträge von Grundnahrungsmitteln und für den Export sanken.
Aber inmitten all des Elends erhielten Tausende von Menschen kleine Landstücke bei der Landreform und in den vergangenen Jahren haben viele von diesen neuen Bauern die Krise überwunden und es geht ihnen recht gut. Sie hatten kaum eine andere Wahl, als das Land anzubauen, und viele von ihnen können davon leben und produzieren Ernten, die nicht denen der weißen Famer gleichkommen, deren Land sie erhunerschwinglich sindielten, aber die weit von der Katastrophe entfernt sind, die viele vorhersagten, meinen heute einige Analytiker und Forscher.

„Wir haben keine Entschuldigung für die Art, wie es durchgeführt wurde“, sagt Ian Scoones, ein Landwirtschaftsexperte an der Uni von Sussex, der die Landreform in Zimbabwe im vergangenen Jahrzehnt eingehend studiert hat. „Aber es gab viele Mythen, die erzählt wurden – dass die Landreform eine einzige Klatastrophe wäre, dass alles Land von Kumpanen der herrschenden Partei übernommen worden wäre, und dass alles nur ein einziges Chaos wäre. Das ist es nicht. Aber es ist auch kein großartiger Erfolg geworden.“

Den kompletten Artikel der New York Times kann man hier lesen.

Anmerkung des Übersetzers:
Zähneknirschend wird nun ein Teil der Wahrheit zugegeben. ABER kein Wort davon, dass England – wie üblich – den Friedensvertrag brach, indem es nicht die weißen Farmer auslöste, wie vorher vereinbart. Man wollte natürlich das Land ins Elend stürzen und damit zeigen, wie dämlich die Afrikaner sind. Und die Regierung von Mugabe sollte natürlich auch verschwinden. Aber trotz aller Schikanen, aller Schmutzkampagnen, trotz aller Boykotts und Sanktionen ist die Regierung nicht ausgewechselt worden. Und auch Dank chinesischer Hilfe geht es langsam wieder bergauf.
Und noch etwas erscheint mir unglaubwürdig. Ich weiss es aus Tansania, dass die Kaffee-Erträge der Kleinbauern ERHEBLICH über denen der Großbetriebe lagen. Und dies ist eine Erfahrung, die auch in Südamerika und an vielen anderen Orten gemacht worden ist. Möglicherweise haben die weißen Farmer sehr viel Düngemittel verwendet, die sich die schwarzen Bauern nicht leisten können.

Quelle

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