in D/A/CH

Die Debatte um die Legalisierung von Cannabis hält nun schon eine ganze Weile an in Deutschland. Zuletzt wurde diese Debatte aber immer intensiver, zumal die Politik im März 2017 die berauschende Pflanze zum medizinischen Einsatz legalisierte. Zum Beispiel können seither Schmerzpatienten Cannabis auf Rezept erhalten. Dies wird von Legalisierungsbefürwortern als großer Schritt gewertet, doch die Forderungen nach der totalen Entkriminalisierung von THC gehen weiter. Hätte das aber wirklich überwiegend Vorteile, so wie es Befürworter gerne aussehen lassen?

Welche Vorteile hätte eine Legalisierung von Cannabis über die heilende Wirkung hinaus?

Cannabis galt lange Zeit als die Einsteigerdroge schlechthin. Zugegeben, nichts hat sich daran wirklich geändert. Nach wie vor geben viele Drogensüchtige an, einst mit dem Kiffen erste Drogenerfahrungen gesammelt zu haben. Nichtsdestotrotz konnte die Politik in Deutschland nicht mehr die Augen vor der Realität verschließen: die THC-haltige Pflanze besitzt heilende Wirkung. Uruguay erkannte das schon 2013, Mexiko will bald nachziehen. Kanada entkriminalisierte die Pflanze letztes Jahr. Und das sind nicht die einzigen Nationen auf der Welt. In Europa jedoch gehen die Debatten in den Parlamenten verschiedener Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) weiter. So auch in Deutschland. Die heilende Wirkung wurde schließlich im März 2017 von der Bundesregierung respektiert und akzeptiert, seither dürfen Ärzte unter strengen Auflagen, z.B. zu schmerztherapeutischen Zwecken, Cannabis verschreiben. Dieses gibt es dann in der Apotheke.

In Berlin fordern Anhänger der FDP und der Grünen seit längerem schon eine kontrollierte Freigabe von THC, nicht nur zu medizinischen Zwecken. Die Unionsparteien sind dagegen, jedoch können auch die Neinsager die Vorteile nicht komplett ignorieren. Die Legalisierung von Cannabis würde nicht nur für den Konsumenten nette Bonis bringen:

  • Der kontrollierte Verkauf von Cannabis könnte besteuert werden. Dies würde mehr Gelder in die Staatskasse spülen. Mehr Einnahmen im Bundeshaushalt? Das abzulehnen dürfte allen Politikern schwerfallen.
  • Die Wirtschaft könnte ebenfalls profitieren. Nicht nur würde der Bedarf an Zubehör, wie z.B. Zigaretten-Papier und Filter zum Selbstdrehen, steigen, durch die entstehenden Verkaufstellen wird Umsatz erzeugt. Letztendlich könnte ein ganz eigener Handelszweig am Konsummarkt entstehen. Wirtschaftliche Umsätze spülen widerrum noch mehr Steuern in die Staatskasse und die Verkaufstellen könnten Arbeitsplätze erzeugen.
  • Die Entkriminalisierung von Cannabis hätte entlastende Auswirkungen auf die Justiz und Polizei. Weniger Kriminalität durch den illegalen Handel mit THC bedeutet weniger Strafverfolgungen und weniger Gerichtsprozesse.
  • Weniger Kriminalität hat auch für Konsumenten Vorteile. Diese würden nämlich zurück in die Legalität geführt. Zeitgleich besteht weniger Kontakt zu Dealern, denn das Gras kann einfach und legal im nächsten Shop besorgt werden. Dadurch nimmt auch der Kontakt zu anderen Drogen ab.
  • Cannabis ist nachweislich weniger suchterzeugend als Nikotin und Alkohol. Es sei zu erwähnen, dass das verminderte Suchtrisiko hierbei nur auf körperliche Suchterscheinungen bezogen ist.
  • Die Qualität von Cannabis könnte staatlich streng überprüft werden. Im Rahmen des Verbraucherschutzes wären so u.a. mögliche Gesundheitsschäden durch sog. Strecken und Verunreinen des Grases minimiert.

Bei Weitem ist dies keine vollständige Liste an Vorteilen. Ein tragfähiges Modell zur kontrollierten Freigabe fehlt ohnehin und manche dieser Vorteile könnten abgeschwächt oder auch verstärkt werden, je nachdem, wie eine Legalisierung am Ende aussehen würde.

Die Neinsager haben legitime Argumente

Es gibt immer Gegner von Ideen. Das ist eine ganz normale Sache und für konstruktive, lösungsorientierte Diskussionen fast unabdingbar. Einige Nachteile einer Legalisierung von Cannabis sehen wie folgt aus:

  • Durch den staatlich-kontrollierten Anbau von Cannabis würde der THC-Gehalt natürlich steigen. Wie sich ein dauerhaft erhöhter THC-Gehalt allerdings auf uns auswirkt ist noch nicht in Gänze erforscht.
  • Wenngleich Cannabis weniger suchterzeugend ist wie Alkohol oder Nikotin, eine Gefahr der psychischen Abhängigkeit besteht natürlich immer. Cannabis sollte in Maßen genossen werden und keinesfalls als Ablenkung oder vermeintliche Lösung von Problemen.
  • Auch die heilende Wirkung vom sog. Gras ist nicht allumfassend. Bisweilen warnt die Forschung sogar, denn die Wechselwirkungen mit bestimmten Krankheiten ist noch nicht gänzlich erforscht. Psychose- und Schizophreniepatienten jedenfalls sollten den Konsum meiden.
  • Die Langzeitwirkung von dauerhaften Cannabiskonsum ist bisweilen ebenfalls noch nicht gänzlich erforscht. Eine gewisse Gesundheitsschädigung ist somit nicht auszuschließen.

Während die Bundesregierung sich uneinig ist, scheint sich die Stimmung im Volk zu drehen. In einer Umfragestudie 2018, hat der Deutsche Hanf
Verband (DHV) eine 46-prozentige Zustimmung unter allen Befragten nachweisen können, bezogen auf eine Legalisierung von Cannabis an über 18-jährige nach US-Vorbild. Das waren 2017 noch „nur“ 39 Prozent. Als mögliche Begründung für diesen Anstieg gibt der Verband einerseits die medizinische Freigabe der Pflanze an, andererseits auch die Meinung „die Drogenpolitik der Bundesregierung“ wäre „gescheitert“ unter den Befragten.

In Berlin jedenfalls stehen sich die Parteien gegenüber bei der Cannabis-Frage. Union und AfD lehnen eine kontrollierte Freigabe ab, FDP, die Linke und die Grünen wollen diese Freigabe. Sie möchten, dass Cannabis für den privaten Gebrauch an erwachsene Bürger abgegeben wird. Legal, doch kontrolliert. Die Abgabe an Minderjährige würde so eingeschränkt und die Gesundheitsrisiken durch unsauberes Gras minimiert. Doch ganz so einfach ist das alles natürlich nicht. Die Niederlande, welche im Februar 2017 den staatlichen Anbau von Gras genehmigte um die sog. Coffeeshops eigens zu versorgen, hat einen langen Weg hinter sich. Die Legalisierung wie sie heute existiert dauerte seit 1995 an, streng genommen. Damals entschied das Parlament, dass Cannabis nur an Erwachsene abgegeben werden darf, jedoch bis zu maximal 5 Gramm pro Kunde.

Deutschland wird noch Zeit brauchen auf dem Weg zur Cannabis-Legalisierung

Vor allem gesetzlich betrachtet, muss zu einer möglichen Legalisierung von Cannabis erst noch eine umfassende Grundlage geschaffen werden. Aber auch die Gesellschaft muss vorbereitet werden, schrittweise. Ein überstürztes Handeln der Politik würde hier gar keinen Sinn machen und am Ende womöglich mehr Schaden als Gutes bedeuten. Die Debatte um die Legalisierung von Cannabis wird jedenfalls weitergehen. Es bleibt abzuwarten wie Deutschland sich am Ende der Debatten entscheidet: für die Vorteile oder gegen die Risiken der Nachteile.

Autor: Thomas Schmied

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Dein Kommentar

Kommentar

  1. Klassischerweise ist eine Erhöhung des Wirkstoffgehaltes eine Begleiterscheinung der Kriminalisierung und nicht der Entkriminalisierung einer Substanz.

    Als Beispiel kann hier sehr anschaulich die Alkoholprohibition in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrachtet werden.

    Schwarzbrennern, Schmugglern und Verkäufern des illegalen Alkohols war aus ganz praktischen Gründen (z.B. Transport) daran gelegen, möglichst viel Wirkstoff auf möglichst geringes Volumen zu konzentrieren. Unbedingt nachgeordnet waren individuelle Kundenwünsche

    Wohl analog dazu verhält es sich bei Hanfblüten.
    Ein sich steigernder Wirkstoffgehalt ist im Wesentlichen das Resultat der ökonomischen Effizienzsteigerung eines illegalisierten Marktes.

  2. Die Bundesregierung meint, die Drogenpolitik ist nicht gescheitert. Weil es garnicht um den behaupteten Zweck geht.
    Dort in einem Kommentar verlinkt
    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2019/01/21/nach-langem-schweigen-andreas-nahles-befuerwortet-cannabis-modellprojekte

    finden sich die Hintergründe. Die Studie, die kürzlich für Rummel sorgte mit der Behauptung, daß Kiffen quasi „Hirnkrebs“ bei 14 jährigen erzeugt hätte ist als Fake entlarvt !