in Gesellschaft

Auch 40 Jahre nach Ende der Franco-Diktatur ist in Spanien noch immer das alte, reaktionäre, national-katholisch, patriarchalische Antlitz sichtbar. Frauen erfahren im Spanien 2018 (häusliche) Gewalt, Unterdrückung, Bevormundung, die Einschränkung universell geltender Bürgerrechte und sozio-ökonomische Benachteiligung.

Vielen Spaniern und vor allem Spanierinnen reicht es mit dieser Form der autoritären und frauenfeindlichen Politik, für welche die politisch rechte Partido Popular (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy steht. Millionen von Frauen haben am 8. März, dem Internationalen Weltfrauentag landesweit lautstark protestiert – und eine massenhaften Streik ausgerufen. In der Arte-Dokumentation erzählen sie von den Beweggründen für diesen ersten feministischen Streik Spaniens.

Was sagt es über ein Land aus, in dem Demonstrant*Innen pauschal kriminalisiert werden und mit horrenden Geldstrafen abgeschreckt werden sollen, in dem Frauen noch im 21. Jahrhundert auf rechtliche Selbstverständlichkeiten wie die Unversehrtheit ihres Körpers hinweisen müssen, in dem politische Aktivist*Innen und demokratisch legitimierte Politiker*Innen verprügelt, verhaftet und angeklagt werden? Diese Liste an Fragen könnte problemlos weitergeführt werden, denn das hier beschriebene Land – Spanien – hat noch mehr Rückschritte in Demokratie und Bürgerrechten gemacht.

In einigen Bereichen des sozialen und politischen Lebens verkörpert Spanien noch immer eine Art geistige Kontinuation der franquistischen Diktatur. In diesem gesellschaftlichen Klima, das vor allem im kastilischen Spanien von erzkonservativen reaktionären, nationalkatholischen Werten geprägt ist, müssen Frauen um ihre Rechte und Entfaltungsmöglichkeiten kämpfen. Junge Studentinnen wie Carlota und Sara versuchen vor allem Mädchen und Frauen für ihre demokratische und emanzipatorische Agenda zu mobilisieren, gerade in Zeiten, in denen Spanien unter autoritärer und sozial ungerechter Politik leidet, siehe Sparpolitik, Korruptionsfälle, Verschärfung der Abtreibungsgesetze und die repressive Zwangsverwaltung Kataloniens.

Die Arte-Dokumentation über die soziale Massenbewegung, die sich zwar explizit feministisch nennt, aber mit mehr als 5 Millionen Menschen auf den Straßen zahlreicher spanischer Großstädte durchaus klassenübergreifend auftritt, ist über den folgenden Link bis zum 9. Juli 2018 zu erreichen:

https://www.arte.tv/de/videos/079476-004-A/re-der-grosse-frauenstreik/

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Kommentar

  1. Es ist sehr verdienstvoll, dass die Redaktion der Neuen Presse einmal auf dieses – in Spanien! – vergessene Thema hinweist, das bei uns wahrlich längst Geschichte ist (mit Ausnahme der Lohnungleichheit).

    Die Präsentation mit den dusseligen *Innen zeigt auf der anderen Seite, dass sich der Feminismus bei uns immer mehr überschlägt.

    • Erstaunlich in Spanien sind 5 Millionen Bürger ( Männer und Frauen) am Weltfrauentag auf die Straße gewesen.
      DEUTSCHLAND schafft noch nicht mal 1 Million Bürger bei Demos ……. !

  2. Von mir ebenfalls ein Danke an die Redaktion für diesen Hinweis.. Es ist mir klar, daß überall wo der Katholizismus herrscht sehr viel Ungerechtigkeit besteht und Freiheit beschränkt wird. Das dies in Spanien noch so stark ist, ist letztendlich der Türkei gleichzusetzen. Ist denn Spanien dadurch wert in der EU zu verbleiben?
    Olaf Opelt
    Bundvfd.de