“Schöne neue Welt” nicht mit Serotonin

Die visionärste, aber dennoch real anmutende aller je beschriebenen Utopien, ist die “Schöne Neue Welt” des genialen Autors Aldous Huxley (1894 – 1963),  gesellschaftskritisches schwarzes Schaft einer berühmten britischen Wissenschaftlerfamilie. Diese Vision steht auf einer Stufe mit  George Orwells berühmter Utopie “1984″, die aber inzwischen von der Zeit (und der NSA) überholt worden ist.

Huxleys Roman spielt imJahre 632 A.F. (=after Ford, also nach Henry Ford), was dem Jahr 2540 n. Chr. entspricht. In dieser Welt wird  im Jahre 150 A.F., also in unserer Zeitrechnung schon in 34 Jahren (!), nämlich im Jahre 2058 n. Chr. , das realisiert sein, was heute mit den Begriffen “New World Order”, „Global Governance“  und “One World”  angesprochen wird: die Existenz eines von einer allmächtigen Weltregierung gelenkten Weltstaates an Stelle der alten Nationalstaaten.

Anders als bei Orwell in “1984″ werden die Bürger nicht nur überwacht und manipuliert. Bei Huxley macht sich die Regierung das Volk – aufgeteilt in Kasten von Alpha bis Epsilon- selbst, das es in staatlichen Brut- und Aufzuchtzentren im Reagenzglas entstehen und nach der Entkorkung unter kontinuierlicher Gehirnwäsche heranwachsen lässt. Obwohl damit fast jeder überkommene Widerspruchsgeist konsequent weggezüchtet wird, kommt die Regierung zur dauernden Sicherung des inneren Friedens nicht aus ohne ständige Manipulation – und ohne den Einsatz der Droge Soma, eines potenten mentalen Stimmungsaufhellers.

Wer denkt da nicht an Serotonin!?

Wer ein wenig über die fundamentalen neuen Erkenntnisse der Hormonlehre (Endokrinologie), besonders aus dem  Ende des letzten Jahrunderts,  informiert ist, denkt natürlich bei Soma sofort an das in den USA schon seit langem von Millionen Menschen als „life enhancer“ eingenommene frei verkäufliche Medikament Prozak, der bekanntesten medizinischen Droge aus der Familie der Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI).

Viel besser würde allerdings die Assoziation mit dem Botenstoff Serotonin selbst passen. Die Öffentlichkeit in den USA erfährt aber nichts darüber, wie sich der körpereigene Aufbau dieses das ganze Gehirngeschehen regulierenden unverzichtbaren “Wohlfühlhormons” auf ganz natürliche Weise anstoßen lässt. Der Experte, der die Zusammenhänge versteht und bereit ist, sie im englischsprachigen Raum zu verbreiten, muss erst noch gefunden werden.

In Deutschland und den deutschsprachigen Nachbarländern dagegen ist Serotonin für die Allgemeinheit mehr oder minder nur einer der vielen Begriffe aus der Biochemie, von deren tatsächlichen Bedeutung für das Leben man nichts weiß.

Huxleys Beschreibung der Möglichkeiten und Wirkungen von Soma ist wirklich visionär, denn als er sein Buch schrieb, kannte man keinen einzigen Stoff, der jeden Menschen auf natürliche Weise für einen langen Zeitraum und ohne jegliche nachteilige Nebenwirkung ruhig und zufrieden machen kann. Serotonin, das genau das tut, wurde von Rapport erst im Jahre 1948 entdeckt. Nicht vor den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts verstand man, dass diese chemische Substanz als Botenstoff der naturgegebene Schlüssel für ein glückliches und zufriedenes Leben ist, eben das  Schlüsselhormon. Die Allgemeinheit ist derweil weiter vom blinden Glauben umfangen, dass das Glück der Menschen von außen käme, es also weg bleibe,wenn man Pech im Spiel und in der Liebe hat.

Neue „Weltregierung“ wird eine andere Droge brauchen

Mit diesen vergleichbaren Wirkungen von Soma und Serotonin endet die nur scheinbar treffende Assoziation. Auch in den Händen einer monströsen Weltregierung ist der uns von der Natur mitgegebene Transmitter Serotonin kein geeignetes Mittel zur Lenkung der Menschenmassen. Serotonin ist auf unvorstellbar komplexe Weise in die natürliche Steuerung des individuellen Gefühlslebens jedes Menschen integriert. Es sorgt unter Modulation einer Fülle anderer Botenstoffe im Gehirn wie Melatonin, GABA, Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol, Testosteron, Oxytocin und Acetylcholin als Modulationshormon für Ausgeglichenheit und Harmonie. Es macht aber keineswegs stumpf und gefühllos (zum Glück auch). Ob es eine künstliche Droge überhaupt geben kann, die dieselben Wirkungen wie der in Äonen von der Evolution entwickelte Steuerstoff Serotonin hat, ist mehr als fraglich. Im Vergleich zu den Wirkmechanismen der Natur ist alle unsere Wissenschaft doch nur simples Stückwerk. Wenn die Pharmazie mal einen Wirkstoff entwickelt, der mehr als eine erstrebenswerte Hauptwirlung hat, ist das eine seltene Ausnahme. Die Natur dagegen testet und nutzt  in endloser Geduld selbst die verzweigsteten Verästelungen am Baum des Wissens.

Die künftigen machtlüsternen Beherrscher unserer Welt, auf deren offene Machtübernahme wir uns durchaus schon einstellen können, müssen sich da schon andere Mittel zur ultimativen Beherrschung der Menschen suchen als unsere natürlichen mentalen Steuermechsnismen.

Huxley ist kein Nostradamus. Seine Nennung des Jahres 2058 für die offene Installierung von Weltstaat und Weltregierung scheint aber plausibel angesichts der heute unübersehbaren Abhängigkeit der Nationalstaaten von den global agierenden Großkonzernen. Man müsste blind sein, um nicht zu erkennen, dass „unsere“ Politiker im Westen wie Obama und Merkel längst allein nach der Pfeife der großen globalen Wirtschaftsmächtigen tanzen. Sie entscheiden darüber, wer in der Welt satt wird und wer hungert.

Für die Realisierung der “Schönen Neue Welt” mit einer übermächtigen Zentralregierung steht Serotonin also nicht als Steigbügelhalter zur Verfügung. Als Sucht- und Suizidkontrollhormon steht es ihr sogar eher im Wege. Ein emotional in sich gefestigter Mensch, soviel weiß auch jeder Laie ohne Vorlage evidenzbasierter Studien, neigt nicht so leicht dazu, sich mit Hilfe von Drogen in eine Traumwelt zu flüchten.