Politische Korrektheit: Meinungsmacht und Begriffsfaschismus

Politische Korrektheit ist ein Begriff mit ernstzunehmender Karriere. Anfänglich war das große Ziel von politisch korrekten Formulierungen eine gerechte und würdige Behandlung aller Beteiligten in einer demokratischen Gesellschaft. Doch einige heutige Auswüchse zeichnen das Bild eines mittlerweile krankhaften Begriffs. Wohin führt politische Korrektheit?

Politische Korrektheit ist ein aus dem englischsprachigen Raum stammendes Schlagwort. In der ursprünglichen Bedeutung bezeichnet der englische Begriff politically correct die Zustimmung zur Idee, dass Ausdrücke und Handlungen vermieden werden sollten, die Gruppen von Menschen kränken oder beleidigen können (etwa bezogen auf Geschlecht oder Rasse).  Die mit „PC“ bezeichnete Politikform Affirmative Action entstand in den 1980er Jahren infolge der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die versuchte, der Diskriminierung von Minderheiten mit Hilfe nicht wertender, neutraler Sprache entgegenzuwirken. Die Bezeichnung politically correct wurde dabei zunächst als Eigenbezeichnung von den Vertretern dieser Bewegung verwendet.

Doch die Bedeutung hat sich gewandelt. Wie dieser Fall eindrücklich zeigt:

„Auch der Bayerische Rundfunk will kreativ sein, „kreativ und fair“ sogar. Zu diesem Zweck hat er einen kleinen Leitfaden herausgegeben, bayrisch-blau und heiter-zitronig auf dem Titel, schwarz und blau auf Weiß im Innenteil, voll „praktischer Tipps“. Hinführen soll der Faden zu einem Ziel, das man gerne alternativlos nennte, wollte der BR als „modernes Unternehmen“ nicht künftig eine besonders „alltagstaugliche, gut lesbare und hörbare“ Sprache verwenden. Zugleich soll diese Sprache – und das ist das eigentliche Anliegen – „geschlechtergerecht“ sein, „denn wer nicht genannt wird, kommt nicht vor.“

Faktisch aber soll die männliche Endung künftig in allen Sendungen des Bayerischen Rundfunks nicht mehr vorkommen. Der Feldzug gegen diese wird als „sprachliche Gleichstellung“ verkauft. Es handelt sich um eine Ausmerzung. Weil der „Teilnehmer“ auf „–er“ endet, soll nur von der „Teilnahmegebühr“ die Rede sein. Aus „Feuerwehrmännern“ sollen „Einsatzkräfte der Feuerwehr“ werden, aus Experten Fachleute, die Medienpartnerschaft soll den Medienpartner, die Vertrauensperson den Vertrauensmann ersetzen. Es stört halt schon sehr, das Mannsbild.“ – Cicero

Man hat es nicht leicht wenn man keine geschlechtsneutralen Wendungen verwendet und trotzdem als progressiv gelten will. Meistens heißt es dann, man sei „unmodern“, „nicht fortschrittlich“ oder gar „spießig“. Gleichwohl hält man durch, jedenfalls dann, wenn der eigene Konservatismus oder Liberalismus fest verankert ist und man es daher nicht mag, sich vorgeblich „fortschrittliche“ Gesellschaftsideen vorschreiben zu lassen. Und deshalb ist genau diese Anmaßung, ein pseudo-progressive Weltbild gesetzlich zu verankern – man denke etwa an die neuerdings „geschlechtsneutrale“ Sprache in der Straßenverkehrsordnung – etwas, das sowohl Konservative als auch Liberale äußerst kritisch sehen.

Dennoch geben sich Journalisten selbst einen Maulkorb.  Die „neuen deutsche Medienmacher«, die sich als »Interessenvertretung für Medienschaffende mit Migrationshintergrund« und als »Ansprechpartner für interkulturellen Journalismus« anpreisen. Diese hat jetzt an die Adresse  deutscher Journalisten ein »Glossar mit Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland« vorgelegt, damit auch ja niemand von der politisch korrekten Sprache abweicht. Darauf haben wir nur gewartet.

Auf 20 Seiten kann man schauen, wie prekäre Begriffe dekonstruiert und neu zusammengesetzt werden, natürlich »als Hilfestellung für die tägliche Redaktionsarbeit für Kolleginnen und Kollegen«. Es soll ja Menschen geben, die nicht kraft ihres eigenen Verstandes erkennen können, was »gut« und »böse« ist und denen besonders aufgeklärte Zeitgenossen helfen können. Wer will schon gesellschaftliche Höchststrafe erfahren, weil er von »Einheimischen« und «Migranten« spricht, wo es doch laut Broschüre »Einheimische und Mehrheimische« heißen soll.

Auch klärt uns das Heft auf, daß man nicht »Dschihad« sagen soll, um etwas Gewaltvolles wie einen »Heiligen Krieg« zu umschreiben, weil das Wort sich »auf einen inneren Auftrag« bezieht, »zum Beispiel beim Kampf gegen ‘das Böse’ im Herzen«. Auch wird uns mitgeteilt, daß wir sorgfältig zwischen »Salafisten« und »Salafiten« unterscheiden sollen, weil die einen etwas mehr und die anderen etwas weniger gewaltaffin sind.