in Gesellschaft

Von Emilio Godoy

Mexiko-Stadt, 6. März (IPS) – Während sich 117 katholische Kardinäle auf das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes vorbereiten, sorgen die Fälle von Pädophilie innerhalb der Kirche weiterhin weltweit für Empörung. Opfer und Menschenrechtsaktivisten dringen darauf, dass kirchliche Würdenträger, die direkt oder indirekt an sexuellem Missbrauch beteiligt waren, nicht über den Nachfolger des am 28. Februar zurückgetretenen Benedikt XVI. abstimmen dürfen.

Mindestens fünf Kardinäle, die der Pädophilie beschuldigte Priester schützten, stehen unter dem Druck der Öffentlichkeit. Einer von ihnen ist Norberto Rivas aus Mexiko. „Damit die Kirche ihre moralische Statur wiedererlangen und zu dem werden kann, was sie einmal war, muss der neue Papst von Menschen gewählt werden, die sich moralisch einwandfrei verhalten“, sagte der mexikanische Aktivist Joaquín Aguilar, der in Mexiko das Netzwerk von Missbrauchsopfern von Priestern (SNAP) leitet.

„Die schreckliche Krise, in die die Kirche durch die Vertuschung der sexuellen Gewalt geraten ist, kann nur überwunden werden, wenn die Beschuldigten sich aus dem Konklave zurückziehen.“

In der ganzen Welt sei es in der Regel so, dass die politischen Rechte von Angeklagten, Verurteilten oder Komplizen von Verbrechern ausgesetzt werden, betonte Aguilar. „Warum verhält sich der Vatikan nicht entsprechend, wo er doch behauptet, eine moralische Autorität zu sein? Es ist eine Schande für die Kirche. Die Beschuldigten verhöhnen die Opfer und ihre Forderungen.“

Pädophiler Priester in die USA versetzt

Als Seminarist war Aguilar selbst 1994 von Pater Nicolás Aguilar, der nicht mit ihm verwandt ist, sexuell missbraucht worden. Der Pater war Gemeindepfarrer in der zentralmexikanischen Stadt Puebla, bevor er nach Los Angeles in Kalifornien versetzt wurde. Aus Dokumenten, die die Erzdiözese von Los Angeles im Februar auf Anordnung eines Gerichts freigab, ließ der inzwischen zum Kardinal geweihte Norberto Riva Aguilar in die USA versetzen, um ihn vor einer Bestrafung in seiner Heimat zu schützen.

Ein Gericht in Mexiko befand Nicolás Aguilar der Pädophilie für schuldig. Gegen Zahlung einer Kaution blieb er jedoch auf freiem Fuß, sein derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt. Auch in den USA wird inzwischen nach ihm wegen des mutmaßlichen Missbrauchs von 26 Jungen gefahndet. Joaquín Aguilar ist in Los Angeles gegen Rivera vor Gericht gezogen und wirft ihm vor, die Taten des Priesters vertuscht zu haben, als er in den achtziger Jahren Bischof von Puebla war.

Beschuldigungen werden auch gegen den US-Kardinal Roger Mahony erhoben, der von 1985 bis 2011 Erzbischof in Los Angeles war. Er musste wegen des Vorwurfs, pädophile Priester in seiner Diözese geschützt zu haben, von seinem Amt zurücktreten.

Am 1. Februar wurden Mahony alle Befugnisse entzogen, nachdem die Erzdiözese auf einen Gerichtsbeschluss hin Personalakten von 122 beschuldigten Priestern veröffentlicht hatte. Die Dokumente enthüllten, dass Mahony an der Verschleierung der Vorfälle beteiligt war. Am 23. Februar sagte er vor Gericht aus. Anfang März gab er bekannt, vom Vatikan zu dem Konklave eingeladen worden zu sein.

Zu den Kardinälen, die von den Missbrauchsopfern aufgefordert worden sind, nicht an der Papstwahl teilzunehmen, gehört auch Sean Brady, der Primas der römisch-katholischen Kirche in Irland. 2010 wurde bekannt, dass er als Priester 1975 an Treffen teilnahm, bei denen zwei Teenager Schweigegelübde unterzeichneten, in denen sie sich verpflichteten, nicht über die sexuelle Belästigung durch einen anderen Geistlichen zu sprechen.

Aktivisten verlangen auch von dem belgischen Kardinal Godfried Danneels, der der Kirche in seinem Land von 1979 bis 2010 vorstand, dem Konklave fernzubleiben. Belgische Zeitungen berichteten, dass der Kardinal in seiner Amtszeit in mindestens 40 Fällen über sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester informiert worden war. Ende Februar wurde das frühere Oberhaupt der Katholischen Kirche in Schottland, Kardinal Keith O’Brien, von Papst Benedikt zum Rücktritt angehalten.

Nur ein schottischer Kardinal bleibt Konklave fern

Die britische Tageszeitung ‚The Observer‘ hatte berichtet, dass sich drei Geistliche und ein früherer Priester in Schottland beim Vatikan über „ungebührliches Verhalten“ von O’Brien beschwert und seine sofortige Amtsenthebung gefordert hatten. O’Brien, der nach eigenen Angaben nicht an der Papstwahl teilnehmen wird, entschuldigte sich am 3. März für sein Verhalten.

„Es handelt sich um eine Frage der Gerechtigkeit für die Opfer von sexuellem Missbrauch und um eine Frage von Ethik im Kardinalskollegium, das in Kürze eine Person wählen wird, die Gerechtigkeit schaffen soll“, sagte die Geschäftsführerin der Organisation ‚Observatorio Eclesial‘, Gabriela Juárez.

Von den kritisierten Kardinälen hat bisher jedoch nur O’Brien auf eine Teilnahme am Konklave verzichtet. Missbrauchsopfer kritisieren, dass Benedikt XVI. sich zwar mehrfach für die Vorfälle entschuldigt, aber niemals wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergriffen hat.

In seinem 2010 veröffentlichten Buch ‚Abusos sexuales en la Iglesia Católica‘ (Sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche) führt der argentinische Journalist Jorge Llistosella mehr als 9.000 Fälle weltweit aus den vergangenen 50 Jahren auf.

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