in D/A/CH

Das deutsche Gesundheitssystem scheint verwirrend zu sein. Das geht aus einer Umfrage hervor. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben demnach an, dass sie sich nur schwer im deutschen Gesundheitssystem zurechtfinden. Sogenannte Patientenlotsen sollen dem entgegenwirken. Doch diese Lotsen werden bisweilen nur vereinzelt eingesetzt.

Vor allem alte Menschen verstehen das Gesundheitssystem nur schwer

Es geht vor allem um alte Menschen, die keine nahestehden Personen haben, die ihnen helfen können. Denn gerade für die Senioren scheint das deutsche Gesundheitssystem wie ein Dschungel, in dem sie sich nur schwer zurechtfinden. Patientenlotsen sollen deshalb helfen, die medizinische Versorgung zu organisieren. Daneben sollen Patientenlotsen auch Hilfestellungen zu verschiedenen Versorgungsangeboten und Sozialleistungen geben.

Grit Braeseke vom Berliner IGES Institut ist eine der Befürworterinnen von institutionellen Patentienlotsen für das deutsche Gesundheitssystem. „Wenn der Arzt erkennt, dass der Patient nicht richtig an seiner Therapie mitwirken kann oder ein Rückfallrisiko besteht, dann kann er dem Patienten einen Patientenlotsen an die Seite stellen.“ Braeseke wurde von der Patientenbeauftragten der Bundesregierung beauftragt, die Wirkung von Patientenlotsen national, wie auch international zu analysieren. Ihr Ergebnis ist, dass die Lotsen nicht nur Patienten, die Hilfe mit dem Gesundheitssystem brauchen, zur Seite stehen, sondern auch unnötige Gesundheitskosten vermeiden.

Patientenlotsen bislang nur stark limitierte Modellprojekte

Bisweilen jedoch muss Braeseke beobachten, dass Patientenlotsen nicht institutionell arbeiten, sondern lediglich in einer Art vereinzelter Modellprojekte eingesetzt werden. Zudem auch nur für bestimmte Zielgruppen. Zum Beispiel Senioren, Schlaganfallpatienten, pflegebedürftige oder psychisch kranke Menschen. Hinzu kommt, dass die Hilfe durch diese Patientenlotsen nicht dauerhaft anhält und regional nur sehr begrenzt stattfindet.

Braeseke fordert deshalb schnelleres Handeln von Seiten der Bundesregierung. Patientenlotsen im deutschen Gesundheitssystem müssten „von den gesetzlichen Kassen zur Regelleistung“ gemacht werden. Vor allem für „schwer, chronisch oder mehrfach erkrankte Menschen, die ihre Versorgung nicht selbst oder mit Hilfe ihres Umfeldes organisieren können.“ Ein Arzt solle hierzu die Notwendigkeit feststellen. Braeseke gibt zudem an, dass sie laut eigenen Berechnungen mit mindestens 720.000 Bedürftigen bundesweit rechnet.

Patientenlotsen würden Hunderte Millionen Euro verschlingen

Doch kostet das natürlich alles. Rund 600 Millionen Euro würden die institutionellen Patientenlotsen verschlingen. 600 Millionen Euro, um für 720.000 Menschen den Dschungel namens deutsches Gesundheitssystem leichter beschreitbar zu machen. Laut Braeseke würden aber auch Einsparungen erfolgen, da „Rückfälle verhindert oder Krankenhausaufenthalte vermieden werden können“.

Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, unterstützt Braeseke’s Vorschläge. Sie will sich stark machen für die Patientenlotsen, zum Beispiel im Gesundheitsministerium. Dabei sollen vorerst nur mehrfach, schwer und chronisch Kranke die Hilfe von Patientenlotsen in Anspruch nehmen können. „Den Bedarf, die Patientenlotsen auszuweiten sehe ich durchaus. Doch letztlich müssen wir das Gesamtsystem im Blick haben und schauen, ob dafür dann Geld da ist.“

Bei all den kursierenden Erweiterungen und Änderungen des sozialstaatlichen Systems, vor allem von Seiten der SPD, Erhöhungen der Ausgaben für die Bundeswehr, Forderungen nach Steuererleichterungen wie z.B. die Abschaffung des Solidaritätszuschlags und mehr Ideen/Konzepten, die am Ende den Bundeshaushalt mehr und mehr finanziell belasten würden, ist es gegenwärtig nur schwer vorstellbar, dass die Bundesregierung sich mit Patientenlotsen ernsthaft beschäftigt. Das sind schlechte Neuigkeiten für all diejenigen, die das deutsche Gesundheitssystem nicht oder nur schwer verstehen. Auf der anderen Seite mag das Argument gelten, dass Patientenlotsen nicht die am meisten priorisierte Aufgabe der Bundesregierung 2019 sein sollte.

Autor: Thomas Schmied

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