Missbrauch in der katholischen Kirche: Ausmaß ist erschreckend

Eine aktuelle Studie, die von deutschen Bischöfen selbst in Auftrag gegeben wurde, zeigt, wie groß das Ausmaß der Verbrechen an Minderjährigen tatsächlich ist. Die Bischöfe in Deutschland hatten die Untersuchung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche selbst initiiert. Das Ausmaß ist erschreckend. Die Ergebnisse der Studie sind am Mittwoch bekanntgegeben worden. Darin wurde sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch Pfarrer, Diakone und männliche Ordenspriester untersucht. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte den Auftrag einem unabhängigen Forscherkonsortium in Auftrag gegeben.

Nach den vorliegenden Zahlen sollen 1.670 Kleriker zwischen den Jahren 1946 und 2014 aktenkundig geworden sein. Das berichtet die Welt. Die Studie soll der Welt am Sonntag vorliegen. Die mutmaßlichen Opfer sollen 3.677 Kinder und Jugendliche sein, zwei Drittel Jungen und ein Drittel Mädchen. Mehr als die Hälfte der Missbrauchten waren zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre alt. In jedem sechsten Fall soll es zu unterschiedlichen Vergewaltigungen gekommen sein, so die Ergebnisse der Studie.

Untersuchungen in anderen Ländern wie Chile, den USA oder Australien brachten ähnlich erschreckende Ergebnisse zu Tage. Bislang wollten die deutschen Kirchenoberhäupter nicht wahrhaben, dass die Lage in Deutschland ähnlich schockierend ist.

In den Ländern Chile, Australien und den USA durfte die Forschergruppe direkt auf Kirchenakten zugreifen. Dies wurde der deutschen Forschergruppe, bestehend aus Psychologen, Kriminologen und Soziologen, in Deutschland allerdings verwehrt. Die Forscher mussten sich bei ihren Untersuchungen auf die Angaben der 27 Diözesen verlassen. Die weitergegebenen Informationen unterlagen der Hoheit und Kontrolle der katholischen Kirche. Sie finanzierte auch die Untersuchung.

Vermutlich werden die Missbräuche ein weitaus größeres Ausmaß haben, als von den Diözesen angegeben. Die Dunkelziffer dürfte ebenfalls um ein Vielfaches höher sein. Dennoch zeigt die Studie, welche Missstände in der Kirche herrschen. Bei der Untersuchung stellten die Forscher auch die Frage, welche Sexualmoral in der Hierarchie der katholischen Kirche eine Rolle gespielt haben könnte und welche Strukturen diese Formen des Missbrauchs begünstigen.

Die Untersuchungsergebnisse stellen den eigentlichen Auftrag der Kirchen, Menschen zu dienen, für die Schwachen da zu sein sowie allen Menschen mit Barmherzigkeit zu begegnen, in Frage. Stattdessen haben sogenannte Geistliche die Hilf- und Arglosigkeit von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt, um sie zu demütigen, zu missbrauchen und zu vergewaltigen. Damit haben sie ihnen unendliches seelisches Leid zugefügt, wenn nicht sogar die jungen Kinderseelen zum Teil für immer zerstört. Viele haben davon gewusst, aber dennoch die Greueltaten schweigend gedeckt. Die Glaubwürdigkeit der Kirche ist schwer angeschlagen.