in Gesellschaft

Von Lowana Veal

Reykjavik, 26. September (IPS) – Seit der Inhaftierung von Bradley Manning und der Festnahme von Julian Assange ist die Arbeit der Internet-Enthüllungsplattform ‚WikiLeaks‘ praktisch zum Stillstand gekommen. Das heißt aber nicht, dass andere ‚Whistleblower‘ ihre Aktivitäten eingestellt haben. In Island entsteht derzeit ‚The Associated Whistleblowing Press‘ (AWP).

„Eines der Hauptziele von AWP ist es, Journalisten in aller Welt zu vereinigen, damit sie entsprechende Storys ans Licht bringen“,

sagt der brasilianische Reporter Pedro Noel, einer der Hauptinitiatoren des neuen Projekts. Man werde die Dokumente analysieren, wie dies WikiLeaks eine Zeitlang gemacht habe, und aufbereitet in Umlauf bringen.

Noel sieht eine Kluft zwischen dem Rohmaterial – Dokumenten, die auf Missstände schließen lassen – und einer unparteiischen Berichterstattung, die nicht von Politik und Wirtschaft beeinflusst ist. Der Journalist kam zu der Überzeugung, dass somit Bedarf an einer neuen Plattform besteht. „Wenn die Daten nicht so erklärt werden, dass alle sie verstehen, gibt es keinen Grund, sie zu verbreiten“, meint er.

Noel lebt zurzeit in der isländischen Hauptstadt Reykjavik, von wo aus er Verbindungen in alle Welt knüpft. Seine neue Whistleblower-Website soll Ende September online gestellt werden. Früher hatte er ehrenamtlich für WikiLeaks gearbeitet und weiß, wie das System funktioniert.

Zwischen AWP und WikiLeaks sieht er jedoch einige strukturelle Unterschiede.

„Wir arbeiten dezentralisiert. Alle Arbeitsgruppen werden ihre eigenen Plattformen haben, auf denen sie Dokumente entgegennehmen. Zudem werden bei AWP Herausgeber und Belegschaft ihre Positionen tauschen.“

Missstände auch auf lokaler Ebene aufzeigen

Wie Noel weiter erklärt, fließen bei WikiLeaks die Informationen in eine einzige englischsprachige Website ein. Zudem würden Dokumente von globalem Interesse – in der Regel mit US-Bezug – veröffentlicht. AWP wolle dagegen auf lokale und internationale Missstände hinweisen.

Im Unterschied zu AWP stellt WikiLeaks solche Informationen exklusiv ausgewählten Medien zur Verfügung wie beispielsweise dem deutschen Wochenmagazin ‚Der Spiegel‘ oder der britischem Zeitung ‚The Guardian‘ im Fall von ‚Cablegate‘. Dabei ging es um vertrauliche Mitteilungen US-amerikanischer Diplomaten, die weltweit aus Konsulaten und Botschaften versandt wurden. AWP baut dagegen ein Team aus Analysten auf, die eigene Geschichten auf lokalen Websites veröffentlichen. Von der Hauptwebsite aus soll zu lokalen Seiten verlinkt werden.

Open-source-Software, die auch die Enthüllungsplattform GlobaLeaks nutzt, soll laut Noel Anonymität gewährleisten. Zugang erhält man über den Browser TOR. AWP wird demnach nicht in der Lage sein, die Absender von Dokumenten ausfindig zu machen. Denjenigen, die Informationen bereitstellen, wird zudem geraten, ihre Emails verschlüsselt zu verschicken.

Noel hat sich mit seinem Projekt vor allem deshalb in Island niedergelassen, weil das Parlament 2010 einstimmig die ‚Iceland Modern Media Initiative‘ (IMMI) verabschiedet hat, die Whistleblowern und investigativ tätigen Journalisten Schutz zusichert. In der Resolution wird auch ein neues Gesetz zur Stärkung des Rechts auf Meinungsfreiheit gefordert. Die von der Abgeordneten Birgitta Jonsdottir vorangetriebene Initiative stützt sich auf Gesetze zum transparenten Umgang mit Medien in verschiedenen Ländern. Experten kritisieren allerdings, dass in Island bisher keine ausreichende Internetsicherheit gegeben ist. (IPS/ck/2012)

Diese und tausende andere News finden Sie ab jetzt auch auf Krisenfrei.de
  • Deutschlands größte alternative Suchmaschine
  • Über 2000 News aus allen TOP Quellen
  • Unabhängig und Übersichtlich
>>> JA, ich möchte alle alternativen News auf einen Blick


Dein Kommentar

Kommentar