Kommentar zur Wahl: Farbe bekennen

In den Medien wird seit der Manipulation des US-Wahlkampfes durch russische Hacker, dem vermeintlichen Angriff von Putin gegen die westlichen Demokratien – eigentlich aber schon seit Wikileaks und der nicht mehr steuerbaren Gegenöffentlichkeit im Internet – von Fakenews, Verschwörungstheorien und Filterblasen gesprochen.

Und tatsächlich ist das Internet heute ja voll von interessensgeleiteten Forenbeiträgen, Blogs und Videomaterial zu den unterschiedlichsten Weltanschauungen. Zum Teil sind das orthografische Wüsten, die auch vom Intellekt her nur wenige Oasen der Erkenntnis aufweisen. Dennoch ist es schwierig, sich selbst nach deren aussortieren im Internet zu orientieren. Sich eine umfassende rationale Meinung zu Themen der Zeit, zu Politikern, zu Kriegen, zu Despoten, Terrorismus, zur Einwanderung zu bilden.

Schon die Vielfalt der Themenbereiche macht das nahezu unmöglich. Und jeden Tag kommen Ereignisse und Informationen hinzu. Das alles überfordert den normalen Medienkonsumenten natürlich. Er sucht sich entweder ein Schwerpunkthema heraus oder versucht, sich bei den Öffentlich Rechtlichen ein Gesamtbild zu verschaffen.

Letztere verkünden gerne, daß es dem Deutschen an Medienkompetenz fehle und daß die nur bei IHREM ausgewogenen Programmangebot wirklich möglich sei.Aber das ist nicht der Fall! Das Fernsehen, Radio und die Mainstreampresse sind alles andere als ausgewogen und objektiv. Und die beiden großen Nachrichtensendungen taugen auch nicht gerade dazu, den Menschen die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge objektiv zu erklären.

Ebenso wenig vermitteln sie dem Zuschauer irgendwelche ethischen Werte über die Guten und Schlechten in den weltweiten Auseinandersetzungen. Die Guten sind immer wir. Und die Schlechten, Bösen sind diejenigen, die rauben, morden, foltern, vergewaltigen, weil sie Wilde, fanatische Moslems – oder einfach nur neidisch auf unseren Wohlstand sind.

Oftmals drückt sich dieser Neid und Hass aus, indem in muslimischen Ländern amerikanische Flaggen verbrannt werden. In unseren Medien kommt das dann immer ganz groß raus. Schließlich geht das auch uns etwas an, denn Morgen kann es die deutsche Flagge sein. Auch gegen uns in Europa richtet sich ja mittlerweile der Hass dieser radikalen Islamisten. Gegen unsere Werte und unser westliches Leben.
So vermitteln es uns jedenfalls die Medien.

Daß dieser Hass gegen die Amerikaner, genau wie die Attentate in Europa aber seine Gründe hat, wird gerne verschwiegen oder verschleiert. Ebenso der Imperialismus der USA. Der sich Macht- und Energiehungrig zum Nulltarif an den Ressourcen anderer Länder, vorzüglich im Nahen und Mittleren Osten, bedient. Der jeden rohstoffreichen oder (für ihn) strategisch wichtigen Staat dieser Erde zuerst destabilisiert, in Grund und Boden bombt und dann ausbeutet. Vorgeschobene Menschen- oder Frauenrechte sowie der besondere Schutz von Kindern, scheren die USA dabei einen feuchten Kehricht.

Übrigens haben die amerikanischen Ausbeutungskonzerne auch Russland unter Jelzin schon mächtig ausgebeutet. Worunter das russische Volk arg leiden mußte. Wie auch unter den Oligarchen. Bis Putin kam, die Amis raus warf und die Oligarchen in ihre Schranken verwies. Seitdem ist er überaus beliebt in seinem Land.

Die Ausbeutung Afrikas geht im Grunde genauso vonstatten wie die im Nahen Osten. Doch sind da nicht nur die Amerikaner am Werk. Es gibt dort einige Jelzins, die die Ressourcen verhökern, anstatt sie den dort ansässigen Menschen zugute kommen zu lassen. Aber leider ist da kein Putin in Sicht.

„Was aber hat das alles mit den Bundestagswahlen in Deutschland zu tun? Mit den Sorgen des kleinen Mannes, die die neue Regierung etwas mindern sollte? Wir haben doch in unserem Land selbst genug Probleme!“

Die Flüchtlingsproblematik, die mit den globalen Ereignissen verknüpft ist. Unsere weltweit verflochtene Wirtschaft, die im Kapitalismus mit seinem ständigen Wachstumsanspruch zu immer neuen Höhenflügen ansetzen muß. Die Probleme mit Griechenland und England. Mit der Populistenpartei AFD. Unser persönliches Auskommen, welches nach dem größten Raubbau (Umverteilung) in der Geschichte der Bundesrepublik, der Agenda 2010, immer schwieriger zu bestreiten ist. „Was interessiert die Weltpolitik, wenn einem der Vermieter, die Versandhäuser und Banken im Nacken sitzen?“

Obwohl das natürlich irgendwie alles miteinander verknüpft ist – Deutschland ist ja auch stark im Export, baut Bomben und Waffen für den US- wie auch für den IS- Terror – möchte ich nun zu den Wahlen kommen. Zu den Politikern, unseren Volksvertretern und den Wählern.

Der ein oder andere wird sich sicher schon entrüstet haben wegen dieser vermeintlichen Arroganz in der Gesellschaft, bei Behörden, im Beruf. Schließlich kämpfen wir alle unseren Kampf ums überleben in der Berufswelt und der immer hektischer und unpersönlicher werdenden Gesellschaft. Den Kampf um unser persönliches Glück, der mit dem immer komplexeren Leben und den ganzen Komsumgütern zur Ablenkung immer mehr an Fahrt gewinnt. Oftmals wissen wir gar nicht mehr, was Glück überhaupt bedeutet. Wir verwechseln es mit materiellem Wohlstand, mit Shopping- Exzessen. Einem neuen IPhone oder Riesen- TV.

Diese Wahrnehmungsprobleme bezüglich des persönlichen Glückes, der Grundzufriedenheit mit dem eigenen Leben, kommen natürlich nicht von ungefähr. Sie sind den Zwängen unsereres modernen Lebens geschuldet, welches durch das systematische Bildungswesen und die Medien auf Leistung und Marktkonformität programmiert wird. Die Märkte (Finanz- und Waren- Wirtschaft) besitzen absolute Priorität, der sich jeder unterzuordnen hat. Wer nicht mitspielt, erfährt gesellschaftliche Ächtung, die auch von den Medien gesteuert ist.

Und wer den Bildungsanforderungen dieser Zeit nicht gewachsen, wer zu alt oder vom Berufsleben ausgepowert ist, findet sich schnell im Niedriglohnsektor wieder. In extra für diese Menschen geschaffenen „entwerteten“ Jobs. Man schaue sich die einst hervorragend bezahlten Altenpflegerinnen an. Die ebenfalls schwer arbeitenden Metaller.

Die Entwertung der Arbeitsleistung zieht sich heute durch nahezu alle Berufsfelder. Und selbst in der Wissenschaft ist oftmals der langjährige Praktikant der typische Berufsanfänger.

Man kann sich jetzt einreden (die Politik und die Medien helfen einem dabei), daß alles auf die Globalisierung zurück zu führen ist. Schließlich müssen wir konkurrenzfähig bleiben. Uns geht es ja immer noch besser als dem Krabben puhlenden Menschen in Afrika, dem Wander- Chinesen, der unser Back- Shop Mehl erntet oder die Früchte für unsere Marmeladenkonzentrate. Aber solche Gedanken sind absolut irreal, entstammen einer geschickten, gesellschafftlichen Indoktrinierung. Unsere Konzerne müssen nicht mit der Dritten Welt konkurrieren! Sie sind heute global tätig und auch am Elend dieser abermillionen Menschen schuld. Die Zusammenhänge sind heute absolut fließend und globaler Natur.

Die Problematik, die wir mit den Umwälzungen (Lohnzurückhaltung, Einschnitte im Sozialsystem, der Prekarisierung von abermillionen Menschen) in unserem Land ausbaden müssen, kommt nicht von ungefähr. Das ganze ist von raffgierigen Konzernen, Banken und Aktiengesellschaften aus der Gier nach immer mehr initiiert.
Eben jenen, denen auch die weltweiten Aggressionen und Kriege sehr gelegen kommen. Womit ich nun wirklich bei unseren Volksvertretern angekommen bin.

Wortgewandte intelligente Menschen sind das, deren Ausführungen man aber seltsamerweise immer nur dann nachvollziehen kann, wenn es um unsere Stimmen geht. Wenn sie uns das blaue vom Himmel herablügen, was aber nach der Wahl ganz schnell wieder vergessen ist. Nur scheint es niemandem aufzufallen, daß die Volksvertreter vor der Wahl, dann in trockenen Tüchern plötzlich wieder die Gesinnung wechseln und ihren alten Herren folgen. Wo dann von einem auf den anderen Tag nicht mehr nachvollziehbar ist, wieso sie diese und jene Weichen gegen das Volk stellen.

Sie verramschen volkseigene Unternehmen (z.B. der Wasserversorgung), Immobilien (Krankenhäuser…), Autobahnen…(PPP)). Zerstören die umlagefinanzerte Rente, bauen die gesetzliche Krankenversicherung ab, was den Versicherungskonzernen Milliardenmärkte eröffnet.
Wodurch den Menschen im Land Kosten aufgehalst werden, die sie immer mehr finanziell belasten und nicht selten in Armut stürzen. Und das in einem der reichsten Länder der Erde!

„Marktkonforme Demokratie“, eine lebendige Wirtschaft mit „sich selbst regulierenden Märkten“ wird das genannt. Von Menschen, für die nur ein schlanker Staat ein guter Staat ist. Wo die originären Aufgabe (Wasserversorgung, Müllentsorgung) und andere kommunale Aufgabenbereiche der Privatwirtschaft zur Profitmaximierung überlassen werden. Das sind alles Vorgänge, die sich auf das Leben jedes einzelnen Menschen in unserem Land auswirken.

Und dann hört man sich die Aussagen der Menschen in seinem Umfeld an, daß es ja sowieso nichts nützt, wählen zu gehen. Von Menschen über 50, die ein Leben lang schwer gearbeitet haben. Die ihre mickrige Rente von etwas über 40 Prozent des einstigen Lohnes erst mit frühestens 67 Jahren bekommen und in den meisten Fällen dann auch noch im staatlichen Schikane- System Hartz4 landen. Diese Menschen meinen wirklich, dass das naturgegeben ist und sie keinen Einfluß darauf haben!?

Es stimmt, unsere Politiker- Kaste ist ein absolut korrupter Haufen. Läßt sich ihre Frohndienste, ihre Verbrechen am Volk nach ihrer Politik- Karriere mit millionenschweren Vorstands- und Beraterposten vergüten. Und sie können das nur, weil wir sie nicht zur Hölle gejagt haben, als es daran war. Weil wir uns durch ihre medialen Nebelkerzen und die Spindoktoren des Kapitals den Blick auf die Realität haben verschleiern lassen. Weil wir sie immer wieder als das kleinere Übel gewählt haben

Es mutet an wie die Filterblase, in die man heute alle verfrachtet, die den kleinsten kritischen Gedanken gegen den Kapitalismus oder unsere so fragwürdigen westlichen Werte äußern. In die man Putin verfrachtet hat und einige der aufmüpfigen Wissenschaftler, Ökonomen, ehemalige Presse- und Politik- Größen. Oder die Folgepartei der einstigen DDR, die SED. Die heutige Linkspartei, die durch permanente Diskreditierung im Tenor ganzer Generationen der Kommunismus- Hetze beim Wähler fast keine Beachtung mehr findet.

„Klar, es erwartet uns eine DDR 2.0, in Mangelwirtschaft und mit Mauerschützen, wo alle nur noch sächsisch babbeln dürfen!“ Wenn wir auch nur einen Blick ins Programm der Linken werfen. Dabei müßte eigentlich bekannt sein, daß die Linke heute nicht mehr klassisch kommunistisch ist. Ja dass sie mittlerweile sogar die einstige SPD, die seit Schröder nicht mehr als ein feuchter Abklatsch der Umverteilungspartei CDU ist, mit ihrem Programm ersetzt hat. Wer heute der „Sozial ist, was Arbeit schafft!“- Parole von SPD und CDU lauscht – die übrigens aus dem Fundus der Nazi- Propaganda stammt, dem muß bei so viel Frechheit die Galle hochsteigen.

Das ist widerwärtig und arrogant. Ein Schlag ins Gesicht von 10 Millionen prekär Beschäftigten, Aufstockern, kranken-, alten oder aus der Arbeitslosen- Statistik herausgefälschten Menschen. Und Hartz4 Beziehern.

Aber wer heute an die Friedensmissionen der US- Amerikaner und die Gefährlichkeit des Despoten Putin glaubt und sich dessen Meinung und Interviews nie einmal über den Mainstreamrand hinaus ansehen würde, der kommt natürlich auch nicht auf den Gedanken, sich auf Youtube oder im Bundestags- Stream anzuschauen, wie Sahra Wagenknecht die Merkel- Regierung auseinander nimmt.

Wie da für jeden erfahrbar und auch verstehbar, die wirklichen Probleme und Problemlösungen unserer Zeit und Gesellschaft auf den Tisch kommen. Ohne Larifari, Nebelkerzen und Ablenkungsmanmöver. Und wie die verkommene, korrupte Brut dann lärmt, stört und über die Tische geht, wenn sie ihre wahren Werte im Spiegel der Realität vorgehalten bekommt. Das ist wirklich köstlich! Nichts ist alternativlos – jagen wir sie zur Hölle!