in Gesellschaft

Um entrüsteten Fragen zuvorzukommen: auch ich habe einen Opa von fast neunzig, der noch Auto fährt. Ja, ich habe meinen Opa lieb, aber ich möchte nicht, dass er noch Auto fährt. Und ja, mein Opa ist senil, so wie alle in diesem Alter es sind, denn senil ist kein Schimpfwort, es bedeutet nichts anderes als den Abbau körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit im Alter – also etwas ganz normales.

Am Sonntag verstarb das vierte Opfer des Geisterfahrerunfalls vom 10. August auf der A3 bei Passau. Der 79-jährige Verursacher war damals 10 km in falscher Richtung gefahren, bevor er frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte.

Ebenfalls am Sonntag war ein 86-jähriger als Geisterfahrer auf der A38 bei Nordhausen unterwegs. Zwei Fahrzeuge gerieten beim Ausweichen in die Leitplanken, wobei zwei Menschen verletzt wurden.

Wenig später brachte es ein 76-jähriger auf der A96 zwischen München und Wörthsee auf 20 km Geisterfahrt. Nach Familienangaben  war bekannt, dass er an einer Bewusstseinsstörung leidet. Nur wegen des geringen Verkehrs am frühen Morgen kam es zu keinem Unfall.

Wie lange wird schon darüber diskutiert, ob eine Altersgrenze eingezogen wird, bei der entweder der Führerschein abzugeben oder eine Fahrtauglichkeitsprüfung zu absolvieren ist?! Aber natürlich tut sich da gar nichts. Keine Partei kann es sich leisten, das konkret vorzuschlagen – zu viele Wählerstimmen könnte das kosten, denn das Recht auf freie Fahrt für freie Bürger ist unantastbar, quasi gottgegeben. Was muss erst passieren, wie heftig muss die Katastrophe sein, die etwas bewegen wird? Ein Reisebus, vollbesetzt mit Kindern, die von einem Falschfahrer hingerichtet werden – würde das dann reichen?

Und hört mir auf mit den Standardargumenten – dass es keinen statistischen Nachweis gäbe für eine höhere Beteiligung älterer Fahrer an Unfällen, dass jeder Mensch im Alter unterschiedlich leistungsfähig ist, dass Alter gar nichts besagt, sondern man so alt ist, wie man sich fühlt, und dass jeder selbst am besten einschätzen kann, ob er’s noch bringt.

Wie wäre es mal mit dem gesunden Menschenverstand? Wie viele medizinische Studien gibt es, die die erhebliche Einschränkung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit ab einem gewissen Alter belegen? Hier nur ein Verweis als Beispiel. Und mit der Selbsteinschätzung ist es so eine Sache: diejenigen, die die größte Gefährdung darstellen, können sich selbst am wenigsten einschätzen.

Zweifellos gibt es Menschen, die auch im hohen Alter gut und sicher fahren. Dann ist es für sie aber auch kein Problem, das unter Beweis zu stellen und sich einem Test zu unterziehen. Manchmal ist es eben notwendig, Rechte zu beschneiden, wenn sie in die berechtigten Interessen von Mitmenschen eingreifen.

Für mich ist das Recht der Opfer höher zu achten. Sie hatten das Recht zu leben.

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15 Kommentare

  1. Die Autorin hat offenbar ihre eigene verlinkte Beweislegung nicht verstanden, denn die meisten Unfälle bauen die 18 -25 jährigen und die wenigsten die älteren Verkehrsteilnehmer.

    • Sehe ich ähnlich. In der Gruppe der 18-25 jährigen, welche sich motorisiert bewegen, gibt es massenweise infantile Typen, welche aufgrund dieser Tatsache eine Gefahr für den Strassenverkehr und die sich daran beteligende Restbevölkerung darstellen. Deshalb muss man die Bedenken der Autorin auch auf die Gruppe Jugendliche ausweiten, welche den geistigen Zenit nie erreichen werden.

  2. Sehr geehrter Herr Eckart ,

    ich glaube erst mal keiner Statistik egal von wem sie gemacht wurde.
    Seid Jahren erfahre ich in meinem Beruf von Unfällen
    wie Sie ausgegangen sind,gab es Tote,Verletzte oder
    nur Sachschaden.
    Festgestellt habe ich folgendes.
    die 18-25 Jährigen denken Sie können schon alles.Ignoieren Ihre Umwelt und fahren unkonzentriert.
    die 25-40 Jährigen sind arogant.
    die 40-65 Jährigen haben Erfahrung.Es gibt aber auch hier die Ausnahmen , das Sie in den Jahren nichts dazu gelernt haben.
    die 65- ….. bauen einfach mit der Konzentration in
    vielen Dingen ab und das auch im Straßenverkehr.
    Der wird doch oft von den 18-65 Jährigen zum Spießrutenlauf.
    Daher kann doch ein der Realität erkennender Senior
    das…

  3. Richtig, dann müsste der Mainstream aber mehrmals am Tag seine Headlines ändern und das tut er nur für Propaganda!!! Und alte Leute, die nur Geld kosten und nicht mehr produktiv sind?

  4. Alle 10 Jahre die Fahrtauglichkeit überprüfen: 28, 38, 48, 58 usw. Man sollte auch meiner Meinung nach alle 2,5 Jahre einen Erste-Hilfe Kurs machen, das würde zwar nicht den Straßenverkehr allgemein sicherer machen, aber auf Dauer die Tötungsrate mindern.

  5. Ich stimme der Autorin zu. Ich finde, ab gewissem Alter muss die Tauglichkeit kontrolliert werden. Mit zunehmendem alter ist man halt langsamer. Nicht um sonst brauchen ältere Menschen Fürsorge von den Mitmenschen. Schön gesagt: Sie hatten das Recht zu leben! Sie tun es nicht mehr, nur weil jemand sich überschätzt, nur weil jemand stur ist, egoistisch und uneinsichtig.

    • Bin mit dem Kommentar nicht einverstanden.
      Wir leben in ’nem (demokratischen) Rechtsstaat. Zu der Demokratie, die keine ist, sag ich jetzt mal nichts.
      Aber in einem Rechtsstaat gilt das Recht, die Gesamtheit aller Gesetze.
      An sich kein schlechtes Modell, wie ich finde. Die Kritik ist an den Gesetzgebern und Rechtsprechern zu äußern.

  6. Jeder wird einmal Senior
    Die Verkehrsunfallstatistiken weisen bei Fahranfängern ,insbesondere in den Phasen, wenn diese sich mit dem Fahrzeug vertraut fühlen eine höhere Verunfallung als bei Seniorunfällen auf. Bitte nachlesen. Mit der oben geführte Logik müssten die Krankenhäuser alle dichtgemacht werden, denn jährlich sterben 15000 Personen an Keimen die nur in profitökonomisch geführten Krankenhäusern auftreten. Vielleicht auch mal –Sommerreifenerlaubnis für LKW s im Winter- Saudummer Schreiberling

    • Das stimmt. Als Ergänzung noch die Suizid-Rate in D. Sie ist drei mal höher als die Verkehrsopfer. Scheint aber keinen wirklich zu interessieren, weil – diesen Menschen zu helfen, kostet Geld. Die Verkehrsopfer sind medienwirksamer – wie heuchlerisch!

  7. Wer von allen Postings kann von sich behaupten, zu 99,9% in einer Unfallsituation richtig zu handeln, ohne vorher zu googeln wie 1989 Erste-Hilfe gelehrt worden ist? Als man im Ascona die Führerschein Prüfung machte… in abgelegten Orten (z.B.: Im ländlichen Gebiet der Schneeeifel), wo ein RTW+ Notarzt keine 8 Minuten braucht, sondern 20. Euch wünsche ich diese Situation und dieses Gewissen. Und spart mir irgendwelches Geschwalle von Infrastruktur,

  8. Mir hat mal ein Augenoptiker gesagt, wenn es eine Meldepflicht für Optiker geben würde – für Menschen, die so gut wie blind mit ihrem Auto zur Brillenanpassung vorfahren – würden die Straßen auch sicherer werden :-)

  9. Frage mich wo die ganzen Statistiken her kommen. Wer Zeitung liest und sich mal auf die VK-Unfälle konzentriert wird sehen das mind. 80% von den Unfallverursachern Ü70 Fahrer waren. Klar verursachen die jungen unerfahrenen auch viele Unfälle aber das darf man nicht auf die gleiche Stufe setzen da diesen ja noch die Erfahrung fehlt die ein älterer Fahrer eigendlich schon haben sollte. Daher ist es ausschlißlich die reine fahruntauglichkeit aufgrund körperlicher und geistiger einbusen die bei alten Menschen zu Unfällen führen. Da bringt dann auch keine Belehrung oder Strafe etwas. Ein kostenfreier jährlicher Fahreignungstest ab 65 Jahren wäre eine gute Sache. Aber dazu müsste man seinen Stolz erst mal ablegen und sein Alter eingestehen.

  10. Wehe wenn „einmal“ ein älterer Mensch einen Unfall verusacht, dann muss man gleich nach „Gesetzen“ rufen.
    Was ist mit den alkoholisierten Autolenkern? Wer schützt die Menschen vor ihnen. Ältere fahren deutlich vorsichtiger als jüngere Menschen.