Kommentar: Macht und Gewissen

Wer noch Ende der siebziger Jahre nicht den Wehrdienst in der BRD ableisten wollte, mußte eine Prüfung ablegen. Eine Gewissensprüfung. Man durfte ja aus Gewissensgründen den Wehrdienst verweigern, aber erstmal mußte beweisen, das man ein Gewissen hat. Wo käme man denn hin, wenn jemand ohne Gewissen sich weigern würde auf den Feind zu schießen?

In diesen Gewissenprüfungen kam es dann zu überraschend tollen Fragen. Was man täte, wenn man dabei wäre, wenn ein Mann mit einem Flammenwerfer in einen Kindergarten eindringt und man zufällig eine Waffe dabei hätte? Wenn man zufällig eine Flugabwehrrakete im Garten hätte und einen Atombomber im Visier, der gleich die Nachbarstadt vernichten würde? Was man tun würde, wenn man Holländer wäre, von den KZ´s wüsste und die deutschen Panzer rollen auf Holland zu?

Alles Fangfragen, auf die es keine „richtige“ Antwort gab. Nun, ich hatte wohl ein Gewissen. Bin nun stolzer Träger eines staatlich bescheinigten Gewissens. Kurze Zeit später wurde die Gewissensprüfung abgeschafft, man hatte wohl beschlossen, das es so was wie ein Gewissen nicht gibt. In der Ära Kohl und Schröder hat man dann gemerkt, das das wohl auch im politischen Bereich großflächig zutrifft.

Vielleicht gibt es schon Möglichkeiten, Gewissen operativ oder medikamentös entfernen zu lassen. Von der US-Armee weiß ich, das sie nach dem zweiten Weltkrieg gezielt Ausbildungsprogramme entwickelt haben, um Gewissen zu unterdrücken. Zu oft wollten ihre Cowboys nicht auf Unbekannte schießen, die gar keine Indianer waren. Das ging ja nun mal gar nicht. Eine häßliche Folge von Freiheit und Demokratie, die es auszumerzen galt.

Wie den Nachrichten regelmäßig zu entnehmen ist, ist ihnen dies wohl schon lange gelungen, spätestens seit Vietnam.

Anstelle einer Kultur des Gewissens tritt nun … eine Kultur der Macht. Es gibt viele lang vergessene Studien darüber, wie Macht Menschen verändern kann. Es kommt selten … wenn überhaupt, etwas Gutes dabei heraus.

Wir vergessen das zu leicht. Einer der nie gesagten Prämissen unserer Kultur ist: wer Macht hat, hat sie sich zurecht verdient und kann fehlerfrei mit ihr umgehen.

Blödsinn – aber Ursache für die Tatsache, dass die Medien die Mächtigen nicht mehr so sehr kritisieren, Ursache dafür, dass der Fall Hoeneß eine ganze Nation emotional verstörte: ein Machtmensch wird kriminell … das geht doch gar nicht, die sind doch per Definition „gut“, weil sie Macht haben!

Macht stellt Menschen über andere. Irgendwie … immer und überall. Manche verändern sich blitzartig, sobald sie auch nur ein Quentchen haben. Der Radfahrer – nach oben buckeln, nach unten treten – ein bekanntes Motiv. Viele Radfahrer streben gerade deshalb nach Macht. Endlich können sich all jene an der Welt rächen, die sich von ihr misshandelt, missachtet, missbraucht gefühlt haben. Und oft ist an ihren Gefühlen auch etwas dran, denn die Wunden werden in der Kindheit geschlagen. Oft ungewollt … doch Kinderseelen scheinen zu zart für diese Welt, um überhaupt ohne Wunden davon kommen zu können, selbst bei wohlmeinendsten Pädagogeneltern.

Oder vielleicht sind auch die gerade …. die schlimmsten, weil sie im Prinzip viel mehr Macht haben als normale Eltern.

Macht macht wahnsinnig … war mal ein Hippiespurch aus den Siebzigern.

Scheint es daher klug, Macht anzustreben?

Nein.

Aber wenn der Mann mit dem Flammenwerfer in den Kindergarten geht, dann hat man ein Problem.

Bleibt man stehen oder versucht, die Polizei zu rufen, macht man sich schuldig. Man wird es sehen an den vielen kleinen verbrannten Körpern und ein Gewissen wird wissen, das man seinen eigenen friedfertigen Heiligen- oder Gutmenschenstatus mit vielen Schmerzen unschuldiger kleiner Menschen erkauft hat.

Hat man die Möglichkeit zu handeln, in dem man Macht in Form einer Waffe hat (hier reicht schon ein Auto, mit dem man über den Täter drüberfährt), kann man Schlimmes verhindern. Aber … vielleicht hätte er den Flammenwerfer nie zum Einsatz gebracht? Und auf jeden Fall … hat man einen Menschen getötet, etwas, woran man sich schnell gewöhnen kann … und es persönlich nur seltenst gut verarbeitet kriegt.

Es gibt in solchen Situationen keine Möglichkeit, „sauber“ zu bleiben – oder „gerecht“.

Das alte menschliche Ideal vom (allmächtigen) „gerechten König“ ist ein ebenso Traumbild wie das Traumbild vom „gerechten Krieg“, zu dem wir gerade mal wieder in der Ukraine eingeladen werden. Ein mächtiges Traumbild, aber eben nur ein Traumbild.

Absolute, königliche Macht macht absolut wahnsinnig – könnte man denken. Schlimm, wenn man diese Überzeugung auf absolut mächtige Wirtschaftslenker überträgt – aber kein Wunder, das derartig geprägte Lenker und Entscheider dann in regelmäßigen Abständen Weltwirtschaftskrisen inszenieren. Vielleicht auch ein Grund, weshalb man sie überhaut in Kinderpornoskandale und Sado-Maso-Orgien verwickelt sieht … und ein Grund, warum die mächtigste Nation der Erde mit Bürgern voller Allmachtsbewusstsein so viele Massenmörder hervorbringt … und so viele Kriege führt, trotz freiheitlich-demokratischer Grundgesinnung.

Der menschliche Geist, seine Seele, sein psychisches Rüstzeug ist für solche Art von Macht offenbar nicht geeignet … so gut seine Intentionen auch sein mögen.

Macht korrumpiert … und ich weiß auch nicht, warum mir da gerade die Partei der Grünen in den Sinn kommt.

Wahrscheinlich, weil man dort sehen konnte, wie schnell so etwas geschehen kann, wie schnell die Friedenspartei bereit war, aus guten Gründen (die sich später wie so oft als erlogen herausstellten) Bomben auf Zivilisten zu werfen, ja, sogar einen chemischen Krieg gegen Menschen zu führen. Kollateralschäden wurden auf einmal zur friedenspolitischen Maßnahme.

Ich denke, was Arno Luik mit seinem „Putsch von oben“ meinte war … eine wahrscheinlich zufällige Allianz von Menschen, die Geschmack an Macht bekommen hatten und die gewissenlos bereit waren, diese einzusetzen um das Gesicht das Landes für Träger von Macht freundlicher zu gestalten. Lohnte sich ja auch finanziell. Für alle anderen wurde das leider unfreundlich und endete im Abbau von Menschenrechten und Sozialstaat und einem Krieg gegen die real existierende „Sozialromantik“.

Darum weiß man auch eigentlich nicht so richtig, wie man dagegen vorgehen soll. Man bräuchte Macht, um Macht in ihre Schranken zu weisen … wer will aber gerne so wahnsinnig werden wie die demokratischen Staatenlenker?  Darum fehlt der Widerstandsgeist der alten Zeit, denn auch die einst friedensliebenden Grünen haben bewiesen, das sie gegen die Korruption durch Macht nicht gefeit waren. Das ging ganz schnell.

Die schädliche Wirkung von Macht auf die menschliche Psyche wurde in unserem Land Rechnung getragen durch ihre Aufteilung. Gesetzgebung, Rechtsprechung, ausführende Gewalt wurden deshalb getrennt, damit nie wieder ein „Führer“ die Möglichkeit bekommen sollte, Macht zu mißbrauchen. Schon Weise, die Väter dieses Landes.

Die Weisheit lässt allerdings nach – Merkel greift schon mal nach der vierten Macht … und die Macht der Lobbyisten unterwirft sich nach und nach alle übrigen Mächte.

Ich glaube, das niemand den Verlockungen und Verführungen von Macht widerstehen kann. Es sei denn, sie sind wie Heiner Geisler im Ruhestand – und der Einfluß der Macht läßt nach. Man bekommt einen klareren Blick für die Dinge, der Rausch läßt nach, der Wahn fällt ab, die Besessenheit verschwindet.

Das ist Tolkiens Mythos vom Ring der Macht, der alles verdirbt. Schön, das dieser Mythos nun so weit verbreitet ist, das man dieses Gleichnis anwenden kann.

Jenen Mann mit dem Flammenwerfer gab es übrigens wirklich. Es war schrecklich, was er damit anrichtete.

Heute will man uns verkaufen, dass dieser Mann Putin heißt – und wir die Macht haben, ihn aufzuhalten. Wir haben gerade eine Inflation solcher Menschen: Saddam Hussein, Osama bin Laden, Muammar al Gaddafi – um nur ein paar zu nennen.

Viele schaffen es gar nicht in bis in die Medien.

Nur gut, dass unsere Kultur das Gewissen inzwischen völlig abgeschafft hat – was würden wir uns sonst aufregen!

Dafür fällt uns der Umgang mit Macht immer leichter – ebenso die Schaffung einer Kultur, die sich der Macht und ihren Degenerationen devot beugt, auch sich wenn dadurch unsere Unterhaltungsindustrie zunehmend dem Zirkus in Rom annähert.

Gewissen – so lernen wir daraus – schadet nur der Quote.

Dabei …. wäre es wohl weise, nur jenen Menschen Macht zu geben, die ein Gewissen haben. Aber wer würde von den heutigen Lenkern der Welt dann noch seinen Job behalten?

Und wer würde der Wirtschaft dann noch einen richtig schönen, äußerst profitablen Krieg schenken?

Allein – was es dann alles wieder aufzubauen gibt: ein Traum für Leistungsträger!

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