in Gesellschaft

Wer noch Ende der siebziger Jahre nicht den Wehrdienst in der BRD ableisten wollte, mußte eine Prüfung ablegen. Eine Gewissensprüfung. Man durfte ja aus Gewissensgründen den Wehrdienst verweigern, aber erstmal mußte beweisen, das man ein Gewissen hat. Wo käme man denn hin, wenn jemand ohne Gewissen sich weigern würde auf den Feind zu schießen?

In diesen Gewissenprüfungen kam es dann zu überraschend tollen Fragen. Was man täte, wenn man dabei wäre, wenn ein Mann mit einem Flammenwerfer in einen Kindergarten eindringt und man zufällig eine Waffe dabei hätte? Wenn man zufällig eine Flugabwehrrakete im Garten hätte und einen Atombomber im Visier, der gleich die Nachbarstadt vernichten würde? Was man tun würde, wenn man Holländer wäre, von den KZ´s wüsste und die deutschen Panzer rollen auf Holland zu?

Alles Fangfragen, auf die es keine „richtige“ Antwort gab. Nun, ich hatte wohl ein Gewissen. Bin nun stolzer Träger eines staatlich bescheinigten Gewissens. Kurze Zeit später wurde die Gewissensprüfung abgeschafft, man hatte wohl beschlossen, das es so was wie ein Gewissen nicht gibt. In der Ära Kohl und Schröder hat man dann gemerkt, das das wohl auch im politischen Bereich großflächig zutrifft.

Vielleicht gibt es schon Möglichkeiten, Gewissen operativ oder medikamentös entfernen zu lassen. Von der US-Armee weiß ich, das sie nach dem zweiten Weltkrieg gezielt Ausbildungsprogramme entwickelt haben, um Gewissen zu unterdrücken. Zu oft wollten ihre Cowboys nicht auf Unbekannte schießen, die gar keine Indianer waren. Das ging ja nun mal gar nicht. Eine häßliche Folge von Freiheit und Demokratie, die es auszumerzen galt.

Wie den Nachrichten regelmäßig zu entnehmen ist, ist ihnen dies wohl schon lange gelungen, spätestens seit Vietnam.

Anstelle einer Kultur des Gewissens tritt nun … eine Kultur der Macht. Es gibt viele lang vergessene Studien darüber, wie Macht Menschen verändern kann. Es kommt selten … wenn überhaupt, etwas Gutes dabei heraus.

Wir vergessen das zu leicht. Einer der nie gesagten Prämissen unserer Kultur ist: wer Macht hat, hat sie sich zurecht verdient und kann fehlerfrei mit ihr umgehen.

Blödsinn – aber Ursache für die Tatsache, dass die Medien die Mächtigen nicht mehr so sehr kritisieren, Ursache dafür, dass der Fall Hoeneß eine ganze Nation emotional verstörte: ein Machtmensch wird kriminell … das geht doch gar nicht, die sind doch per Definition „gut“, weil sie Macht haben!

Macht stellt Menschen über andere. Irgendwie … immer und überall. Manche verändern sich blitzartig, sobald sie auch nur ein Quentchen haben. Der Radfahrer – nach oben buckeln, nach unten treten – ein bekanntes Motiv. Viele Radfahrer streben gerade deshalb nach Macht. Endlich können sich all jene an der Welt rächen, die sich von ihr misshandelt, missachtet, missbraucht gefühlt haben. Und oft ist an ihren Gefühlen auch etwas dran, denn die Wunden werden in der Kindheit geschlagen. Oft ungewollt … doch Kinderseelen scheinen zu zart für diese Welt, um überhaupt ohne Wunden davon kommen zu können, selbst bei wohlmeinendsten Pädagogeneltern.

Oder vielleicht sind auch die gerade …. die schlimmsten, weil sie im Prinzip viel mehr Macht haben als normale Eltern.

Macht macht wahnsinnig … war mal ein Hippiespurch aus den Siebzigern.

Scheint es daher klug, Macht anzustreben?

Nein.

Aber wenn der Mann mit dem Flammenwerfer in den Kindergarten geht, dann hat man ein Problem.

Bleibt man stehen oder versucht, die Polizei zu rufen, macht man sich schuldig. Man wird es sehen an den vielen kleinen verbrannten Körpern und ein Gewissen wird wissen, das man seinen eigenen friedfertigen Heiligen- oder Gutmenschenstatus mit vielen Schmerzen unschuldiger kleiner Menschen erkauft hat.

Hat man die Möglichkeit zu handeln, in dem man Macht in Form einer Waffe hat (hier reicht schon ein Auto, mit dem man über den Täter drüberfährt), kann man Schlimmes verhindern. Aber … vielleicht hätte er den Flammenwerfer nie zum Einsatz gebracht? Und auf jeden Fall … hat man einen Menschen getötet, etwas, woran man sich schnell gewöhnen kann … und es persönlich nur seltenst gut verarbeitet kriegt.

Es gibt in solchen Situationen keine Möglichkeit, „sauber“ zu bleiben – oder „gerecht“.

Das alte menschliche Ideal vom (allmächtigen) „gerechten König“ ist ein ebenso Traumbild wie das Traumbild vom „gerechten Krieg“, zu dem wir gerade mal wieder in der Ukraine eingeladen werden. Ein mächtiges Traumbild, aber eben nur ein Traumbild.

Absolute, königliche Macht macht absolut wahnsinnig – könnte man denken. Schlimm, wenn man diese Überzeugung auf absolut mächtige Wirtschaftslenker überträgt – aber kein Wunder, das derartig geprägte Lenker und Entscheider dann in regelmäßigen Abständen Weltwirtschaftskrisen inszenieren. Vielleicht auch ein Grund, weshalb man sie überhaut in Kinderpornoskandale und Sado-Maso-Orgien verwickelt sieht … und ein Grund, warum die mächtigste Nation der Erde mit Bürgern voller Allmachtsbewusstsein so viele Massenmörder hervorbringt … und so viele Kriege führt, trotz freiheitlich-demokratischer Grundgesinnung.

Der menschliche Geist, seine Seele, sein psychisches Rüstzeug ist für solche Art von Macht offenbar nicht geeignet … so gut seine Intentionen auch sein mögen.

Macht korrumpiert … und ich weiß auch nicht, warum mir da gerade die Partei der Grünen in den Sinn kommt.

Wahrscheinlich, weil man dort sehen konnte, wie schnell so etwas geschehen kann, wie schnell die Friedenspartei bereit war, aus guten Gründen (die sich später wie so oft als erlogen herausstellten) Bomben auf Zivilisten zu werfen, ja, sogar einen chemischen Krieg gegen Menschen zu führen. Kollateralschäden wurden auf einmal zur friedenspolitischen Maßnahme.

Ich denke, was Arno Luik mit seinem „Putsch von oben“ meinte war … eine wahrscheinlich zufällige Allianz von Menschen, die Geschmack an Macht bekommen hatten und die gewissenlos bereit waren, diese einzusetzen um das Gesicht das Landes für Träger von Macht freundlicher zu gestalten. Lohnte sich ja auch finanziell. Für alle anderen wurde das leider unfreundlich und endete im Abbau von Menschenrechten und Sozialstaat und einem Krieg gegen die real existierende „Sozialromantik“.

Darum weiß man auch eigentlich nicht so richtig, wie man dagegen vorgehen soll. Man bräuchte Macht, um Macht in ihre Schranken zu weisen … wer will aber gerne so wahnsinnig werden wie die demokratischen Staatenlenker?  Darum fehlt der Widerstandsgeist der alten Zeit, denn auch die einst friedensliebenden Grünen haben bewiesen, das sie gegen die Korruption durch Macht nicht gefeit waren. Das ging ganz schnell.

Die schädliche Wirkung von Macht auf die menschliche Psyche wurde in unserem Land Rechnung getragen durch ihre Aufteilung. Gesetzgebung, Rechtsprechung, ausführende Gewalt wurden deshalb getrennt, damit nie wieder ein „Führer“ die Möglichkeit bekommen sollte, Macht zu mißbrauchen. Schon Weise, die Väter dieses Landes.

Die Weisheit lässt allerdings nach – Merkel greift schon mal nach der vierten Macht … und die Macht der Lobbyisten unterwirft sich nach und nach alle übrigen Mächte.

Ich glaube, das niemand den Verlockungen und Verführungen von Macht widerstehen kann. Es sei denn, sie sind wie Heiner Geisler im Ruhestand – und der Einfluß der Macht läßt nach. Man bekommt einen klareren Blick für die Dinge, der Rausch läßt nach, der Wahn fällt ab, die Besessenheit verschwindet.

Das ist Tolkiens Mythos vom Ring der Macht, der alles verdirbt. Schön, das dieser Mythos nun so weit verbreitet ist, das man dieses Gleichnis anwenden kann.

Jenen Mann mit dem Flammenwerfer gab es übrigens wirklich. Es war schrecklich, was er damit anrichtete.

Heute will man uns verkaufen, dass dieser Mann Putin heißt – und wir die Macht haben, ihn aufzuhalten. Wir haben gerade eine Inflation solcher Menschen: Saddam Hussein, Osama bin Laden, Muammar al Gaddafi – um nur ein paar zu nennen.

Viele schaffen es gar nicht in bis in die Medien.

Nur gut, dass unsere Kultur das Gewissen inzwischen völlig abgeschafft hat – was würden wir uns sonst aufregen!

Dafür fällt uns der Umgang mit Macht immer leichter – ebenso die Schaffung einer Kultur, die sich der Macht und ihren Degenerationen devot beugt, auch sich wenn dadurch unsere Unterhaltungsindustrie zunehmend dem Zirkus in Rom annähert.

Gewissen – so lernen wir daraus – schadet nur der Quote.

Dabei …. wäre es wohl weise, nur jenen Menschen Macht zu geben, die ein Gewissen haben. Aber wer würde von den heutigen Lenkern der Welt dann noch seinen Job behalten?

Und wer würde der Wirtschaft dann noch einen richtig schönen, äußerst profitablen Krieg schenken?

Allein – was es dann alles wieder aufzubauen gibt: ein Traum für Leistungsträger!

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Kommentar

40 Kommentare

  1. Sehr überzeugend, Herr Dammann! Über das, was Gewissen ist, lohnt es, noch weiter nachzudenken. Verlleicht findet man es zwischen unserer hormonell betriebenen Gefühlswelt, dem Hauptsitz der Seele, und den Strukturen die wir irgendwo zwischen ihr und den Rechenoprationen des Geistes (Neocortex) jeder für sich installliert haben. Das Erlebnis der Macht jedenfalls behindert die Menschen bei einertragfähigen Errichtung solcher Konstruktionen.

    Die Vorstellung, dass wirtschaftliche Macht sich eher zufällig konzentriere und darauf dränge, sich die politische Macht offen oder heimlich einzuverleiben,
    ist mir zu sehr „Mainstream.“ Das sah schon Karl Marx mit seiner Konzentrationsmaxime richtiger. Aber niemand will Verschwörungstheoretiker…

    • Vielen Dank, Herr Ehlers. Das Thema Gewissen vertiefe ich gelegentlich in meinen Arbeiten. Noch viel faszinierender als Gedanken über „Gewissen“ finde ich aktuell die Abwesenheit des Begriffes im öffentlichen Denken und Reden: immerhin war es damals noch wichtig genug, um sich staatlich angeordneter Pflicht zu entziehen. Man stelle sich vor, man könne dies heute noch tun: sich aus Gewissensgründen der Schulpflicht entziehen! Oder der Arbeitspflicht! Wahlpflicht gibt es noch nicht – weil allzuviele aus Gewissensgründen die Wahlen boykottieren – auch in interessantes Thema.

  2. Ha! Das absurde Theater hab ich auch noch mitgemacht: „Sie gehen mit ihrer Freundin im Wald spazieren und plötzlich springen 3 Russen(!) aus dem Gebüsch und wollen ihre Freundin vergewaltigen. Sie haben zufällig ihr G3 dabei (ich hatte aus der BW heraus verweigert) … was tun sie?!“ Vorgetragen im selbstgerecht-entrüsteten Ton des ethisch-moralisch überlegenen Großinquisitors. Der Vorsitzende thronte die ganze Zeit in der Mitte, ohne mich eines Blickes zu würdigen oder wenigstens guten Tag zu sagen … und las in seiner BILD. Das war wirklich ganz großes Kino! Bin im ersten Anlauf natürlich sang- und klanglos abgesoffen, was dann meine eigene Sturheit geweckt und die restliche BW-Zeit sehr interessant gemacht hat, bis es im 2. Anlauf klappte

  3. Bin übrigens geb. 1958, examinierter Psychologe mit staatlich geprüftem Gewissen … und würde heute angesichts der gesellschaftlichen und politschen Degeneration fast aller westlichen Gesellschaften NICHT mehr verweigern, sondern mir die Ausbildung ganz gezielt mitnehmen, denn die könnte sich durchaus noch als brauchbar erweisen.

    So habe ich das damals auch (aus)gehalten und bin in den „Genuß“ einer 1-jährigen Vollausbildung bei der Marineinfanterie gekommen (ja, auch wir haben Marines), die sich in brenzligen Situationen auch schon bezahlt gemacht hat.

    Mit der Macht ist es ja noch viel schlimmer! In den Positionen mit größter Machtfülle haben wir ausgesprochene Psychopathen, die NIE ein Gewissen hatten, das korrumpiert werden…

    • Als ich schrieb: „… was … die restliche BW-Zeit sehr interessant gemacht hat“ war das i.S. der alten chinesischen Verwünschung gedacht: „Mögest Du in interessanten Zeiten leben!“

      M.a.W. ja, das war ein echter Spießrutenlauf … und zwar interessanterweise nicht etwa wegen Schikanen durch Vorgesetzte, sondern aufgrund von Mobbing durch die lieben Kameraden, die mein Verhalten nicht wirklich goutieren mochten. Ich war damals als Wehrpflichtiger auf einer Marine-Unteroffiziersschule mit vielen Zeitsoldaten zusammen (MUS Plön). Aber auch hier galt: „Nur die Harten kommen in’n Garten!“ … ;-)

  4. @macmarine: von einem ausgebildeten Psychologen würde ich allerdings dann doch gerne was über seine Beobachtungen zu den Psychopathen an den Hebeln der Macht hören. Wird ja vielleicht Zeit für Schützengraben – aber Auswanderung auf den Mars.

    • Da gibt es tatsächlich Einigesl, auf das ich mich beziehe. Leider hab ich im Moment nicht die Zeit, schnell mal einen Überblick zusammenzustellen und muß mich (vorerst) auf eine schon in anderen Kommentaren gegebene Literaturempfehlung beschränken:

      A.M. Lobaczewski (1998) Political Ponerology

      Aus dem Vorwort: „And then, there is what A. Lobaczewski calls Macro-social Evil: large scale evil that overtakes whole societies and nations, and has done so again and again since time immemorial.“

      Es gibt aktuelle Studien … google mal „Psychopathen regieren uns“. Man kann es auch so ausdrücken:

      „Was wir zu fürchten haben, ist nicht die Unmoral der großen Männer, sondern die Tatsache, daß Unmoral of zu Größe führt.“ ~Alexis de…

  5. Schaut man in die Geschichte, z.B. den Wechsel von Republik zur Diktatur durch Julius Cäsar, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass der Mißbrauch der Macht mit deren Konzentration korreliert.

    Vielleicht ist die Gegenrichtung, also ein Mitsprache- wie Votumsrecht der Bevölkerung insgesamt entschärfend. Excesse macht die Bevölkerung dann vermutlich in gewissem Umfang unmöglich.

    Es gibt ja auch kleinere Gesellschaften wie z.B. die auf den Pazifikinseln, die bei Entscheidungen gemeinsam Rat halten und so ihre Dinge regeln – ohne Regierung oder Diktator.

    Direktdemokratie – würde gerne mal sehen, wie das in der Praxis funktioniert.

    • Funktionieren würde das natürlich nur, wenn die Bevölkerung auch die Informationen kontrolliert – andernfalls gewinnen die Kapitalisten über ihre Massenmedium erneut die Herrschaft.

      • @Richard: ich denke … nur wenige verstehen momentan, dass der Kampf um die Information aktuell die Massendemonstrationen auf der Straße an Wichtigkeit ersetzt hat. Vielleicht verstehen das auch viele und ich vertue mich hier – weshalb an Demonstrationen in Deutschland niemand mehr wirklich was liegt. Ohne Gedanke – keine Handlung … und ohne Information kein Gedanke, könnte man sagen.

        • Josef Pulitzer:

          „Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich, und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekanntmachung allein genügt vielleicht nicht; aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen.“

    • Direktdemokratie? Dann würde ja das Volk entscheiden, was gut für es ist. Undenkbar – man hat ja in der Schweiz gesehen, was dabei herauskam …. und die Reaktionen in Deutschland waren dabei sehr „interessant“. Hier weiß die Regierung, was gut ist für das Volk – und zwar schon seit der Reichsgründung von 1871. Das hat in Deutschland Tradition!

  6. „Gesetzgebung, Rechtsprechung, ausführende Gewalt wurden deshalb getrennt, damit nie wieder ein “Führer” die Möglichkeit bekommen sollte, Macht zu mißbrauchen. Schon Weise, die Väter dieses Landes.“

    Ganz im Gegensatz zu den Bürgern, die potemkinsche Dörfer nicht einmal erkennen, wenn sie drin wohnen.

    1. Wo kein Kläger, da kein Richter.
    Staatsanwälte sind weisungsgebunden. In letzter Instanz der Exekutive.

    2. Die Hälfte der Legislative wird durch Listen bestimmt. Diese Listen werden von der (kommenden) Exekutive bestimmt.

    3. Man kann Mitglied der Exekutive & Legislative gleichzeitig sein.

    4. Es gibt Teile der vierten Gewalt, die ebenfalls von der Exekutive besetzt werden (Rundfunkräte).

    Es gibt keine Gewaltenteilung in…

  7. @Hund: ja, da bräuchte es einiges an Erläuterungen. Ich meinte die Väter des Grundgesetzes … bzw. ihre ursprünglich Absicht, die kurz nach dem ersten Moment verwässert wurde und bis heute fortschreitend verwässert wird, bis sie – im wahrsten Sinne des Wortes – „überflüssig“ geworden ist. Die „Exekutive“ hat in der Tat im Jahre 2014 die Allmacht erobert – oder steht dicht davor. Entsprechend wahnsinnig wird auch die Politik Deutschlands – oder?

    • Das würde dann heißen: es gäbe Menschen, die mit Macht hervorragend klar kommen – der Weg zum gerechten König wäre geebnet. Nun – Bias war ja auch Elitephilosoph, der meinte, „Rechtschaffenheit“ wäre eher was für häßliche Menschen. Aber vielleicht hat er ja recht? Bei König Artus soll das ja gut geklappt haben.

      • „Menschen, die mit Macht hervorragend klar kommen“ oder den „gerechten König“ gibt’s natürlich.

        Ein Kollege hat diesbezügliche Ergebnisse in einem TED-talk vorgestellt. Untersucht wurden CEOs großer US-Firmen und deren Führungsstil und Persönlichkeit. Bewertet wurden sie von Mitarbeitern und anhand von Interviews. Es fand sich ein Spektrum von eindeutig destruktivem, psychopathischen Führungsverhalten einiger CEOs bis hin zu fairem, menschlichen und empathischen Umgang mit der Belegschaft … unabhängig von der Größe der Unternehmen.

        Dabei waren die positiven CEOs wirtschaftlich deutlich erfolgreicher, die Identifikation der Mitarbeiter mit diesen Firmen stark. Am anderen Extrem gab’s sogar eine Firmenpleite noch vor…

        • @Macmarine: die Arbeit über die CEO´s würde ich gerne mal sehen. Ebenso wüsste ich jetzt gern, wie der Satz mit den Firmen zuende geht. Es wäre schon ein Durchbruch, wenn man zeigen könnte, das menschlicher Umgang mit Mitarbeitern zu wirtschaftlichem Erfolg führt. Deutschland setzt gerade beim Umgang mit Arbeitslosen auf Druck und lebensgefährdende Sanktionen: vielleicht könnte man der Regierung da mal Alternativen aufzeigen.

          • … Firmenpleite noch vor Studienende. Ich werde mal auf die Suche nach dem TED-Talk gehen.

            Auf die Frage, ob man den Auftritt der USA paranoid oder gar psychopathisch kann, gibt es keine einfache Antwort.
            Zum einen stammen beide Begriffe aus der Individualdiagnostik, sind also zur Beschreibung und Analyse geostrategischer Aktionen einer Nation eher ungeeignet, wohl aber auf das Verhalten des Führungspersonals anwendbar. Sofern dieses zugänglich ist, sollte man spontanes Verhalten analysieren, z.B. den Vorfall, als unser Herr Schäuble seinen Pressesprecher öffentlich und genüsslich „hingerichtet“ hat und die Pressemeute sich königlich amüsierte, anstatt den Saal zu verlassen. Ähnliches kennt man von Bush, Cheney, Clinton, Obama, AM …

          • Der TEDx Talk von Prof. Fred Kiel – Psychopaths in the C-suite:

            http://www.youtube.com/watch?v=vqBPZR63vfA

            Hier noch einer vom Altmeister Prof. Philip Zimbardo (of Stanford Prison fame) – The Psychology of Evil

            http://www.ted.com/talks/philip_zimbardo_on_the_psychology_of_evil

            Wenn wir schon dabei sind, James Glattfelder – Who controls the World?

            http://www.ted.com/talks/james_b_glattfelder_who_controls_the_world

            Und ein Link zu Prof. Bob Altemeyer, aus Kanada, der wesentlich beigetragen hat zum Verständnis des „autoritären Charakters“, der Gruppe unter uns, die sich am einfachsten von Psychopathen für ihre Zwecke einspannen läßt, ohne selbst essentielle Psychopathen zu sein:

            http://home.cc.umanitoba.ca/~altemey/

      • „Rechtschaffenheit“ «Καλοκαγαθία». Was man dem griechischen Text von Bias entnimmt, ist eher die Aufforderung den angeborenen Mangel an äußerer Schönheit durch ein ständiges Streben nach bestmöglicher körperlicher Kondition und charakterlicher Integrität auszugleichen, da der körperlich benachteiligte Mensch oft mit der Ablehnung seiner Mitmenschen konfrontiert wird, was wiederum Minderwertigkeitskomplexe auslösen kann, die eventuell die gesellschaftliche Stabilität gefährden können. […]

        • […] All dies natürlich immer im Rahmen des griechischen Ideals der körperlichen und geistigen Vortrefflichkeit, da unsere Vorfahren im Glauben waren, dass nur der ausgeglichene Mensch den erfolgreichen Fortbestand der Gesellschaft sichern könnte. Utopisch? Vielleicht. Elitär? M. E. nicht, obwohl die Verzerrung solcher Ideale durch gewisse Regimes sicherlich zu einer solchen Betrachtungsweise beigetragen hat.

        • Καλοκαγαθία … πωσ γαρ ού; Oder: wer sollte etwas dagegen haben? „… der körperlich benachteiligte Mensch oft mit der Ablehnung seiner Mitmenschen konfrontiert wird, was wiederum Minderwertigkeitskomplexe auslösen kann“ ist aus individualpsychologischer Sicht stimmig.

          Aber auch das gegenteilige Phänomen ist bekannt: Menschen, die mit makelloser physischer Schönheit gesegnet sind und dadurch von Kindesbeinen an von ihrer Umwelt bewundert, begehrt und bevorzugt werden, zeigen mitunter (d.h. natürlich nicht zwangsläufig) einen erschreckenden Mangel an intellektueller und emotionaler Reife („Herzensbildung“), wachsen also zu flachen, langweiligen und narzisstischen Persönlichkeiten heran, insb. wenn Eltern da nicht gegensteuern.

        • Schönheit – so sagt man heute – liegt um Auge des Betrachters. Um jegliche Mängel auszugleichen, hatten wir die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte verfasst … so dass es auch den „Mangelmenschen“ möglich ist, die Tür hinter sich zuzumachen und den Ansprüchen des selbstgerechten Mob zu entkommen … so jedenfalls würde ich dem guten Bias heute antworten, da – politisch gesehen – die „Erfindung“ des „Mangelmenschen“ direkt in den Niedriglohnsektor führt, wo der dankbar für wenig Geld existieren darf. Einer Kultur, die Sklavenhaltung für völlig normal hielt, sieht das sicher auch so.

      • Es gibt auch aktuellere Beispiele für Leute die mit Macht gewissenhaft umgehen können/konnten, leider zu wenige..
        Ich denke nur es bedarf einer sehr harten „Schule“, um solch einen Charakter auszubilden.
        z.B.
        José Mujica – Präsident Uruguay, Mandela, Gandhi…

    • Äh, jein! Das wenige, was wir an empirischer Forschung dazu haben, spricht eher für die Sichtweise des bereits zitierten Alexis de Tocqueville:

      „Was wir zu fürchten haben, ist nicht die Unmoral der großen Männer, sondern die Tatsache, daß Unmoral oft zu Größe führt.“

      Hitler wurde nicht erst durch die ursupierte Macht korrumpiert: „Mein Kampf“ kam 1925/26!

      Unser gesellschaftliches Problem ist, daß wir diese gefährliche Subspezies der Psychopathen nicht identifizieren können. Selbst der bekannte Dr. O’Hare, Erfinder der Psychopathie-Skala, mit 20+ Jahren Forschungserfahrung sagt, dass er einen essentiellen Psychopathen nicht auf Anhieb erkennen kann. Dagegen erkennen diese sich gegenseitig sehr gut und vernetzen sich bei Bedarf!

      • Politisch würde dies bedeuten, dass wir uns vom Ideal der Demokratie mit großer Aussicht auf Erfolg verabschieden können … wenn wir nur die „richtigen“ Männer an die Spitzer wählen. Oder Frauen. Ich erinnere mich da an Studien aus den achtziger Jahren, die nachwiesen, dass schon ein stärker motorisiertes Auto – eine ganz kleine Form von Macht – den Charakter ändert, bzw. negativ beeinflusst. So wie den Mann mit dem Sportwagen, der mich gestern rechts überholt hat … in der Innenstadt auf dem Bürgersteig. Mit Vollgas.

  8. DAS sind Psychopathen:

    „So heinous were some torture methods that in at least one case lower-level CIA officials walked off the job when forced by their superiors to inflict pain in a manner that even they saw as unconscionable.

    According to the [Washington] Post, “The report also cites cases in which officials at CIA headquarters demanded the continued use of harsh interrogation techniques even after analysts were convinced that prisoners had no more information to give.”

    „The Obama administration has given its full support to the CIA, with White House Press Secretary Jay Carney explaining that President Obama has “great confidence in John Brennan and confidence in our intelligence community and in our professionals at the CIA.”

    • Diese völlige ethische Entgleisung der Führungsmacht der westlichen „Wertegemeinschaft“ reiht sich nahtlos ein in eine unheimliche Folge von Unterträglichkeiten wie Angriffskriegen, Auftragsmorden oder systematische Abhöraktionen von besten Verbündeten. Darf man letzteres eigentlich paranoid nennen? Und den politischen Gesamtauftritt des Landes psychopathisch?

  9. @Richard:Besonders in Rom, teils auch in der Geschichte danach bis heute, sind viele Wege der Kontrolle der Macht vergeblich versucht worden – nur nicht die direkte Demokratie.

    Diese sollte aber funktionieren, wenn man nur nicht zuviel von ihr verlangt. In Deutschland beispielswese würde es reichen, auf allen politischen Ebenen Volksentscheide einzuführen (ohne zu enge Quoren).
    Im Übrigen könnte das parlamentarische System des Grundgesetzes durchaus erhalten bleiben. Auch müssten die“Ewigkeitsgarantien“ des GG nicht durch Mehrheitsentscheid des Volkes beseitigt werden können, wie insbesondere die Grundrechte, der Rechtsstaat und die Gewaltenteilung, natürlich auch die drekte Demokratie selbst.

  10. So interessant der Artikel ist. Das mit der Gewaltenteilung ist zwar eine gute Idee, In der BRD allerdings ein Trugbild. Selbst im Grundgesetz, gibt es erstmal „Gewaltenverschränkung“, zwischen Exekutive und Legislative. KLingt zwar fast wie Gewaltenteilung praktisch fast das Gegenteil. Explizit vorgeschrieben ist die Trnnung der Justiz. Es wurde 1955 mal angedacht, diese Verfassungsvorgabe umzusetzen, und die „bewährten“ Strukturen aus der Zeit des Obrigkeitsstaates verfassungskonform umzubauen. Dabei blieb es dann.
    Inzwischen kümmern die Parteipolitik diese Verfassungsvorgabe genausowenig wie das Verbot von Angriffskriegen, Rüstungshandel, sowie bei Parteienfinanzierung und Haushaltsvorgaben.

  11. Eine Gewissensprüfung? Es war wohl eher eine Glaubensprüfung. Wer nicht ausreichend indoktriniert war, auf einer Seite des von den gleichen Leuten auf beiden Seiten geschaffenen eisernen Vorhangs, wanderte auf beiden Seiten in Richtung Schwierigkeiten.
    Alle Politiker sind, seit der Schaffung privater Zentralbanken, eine Art von politischen Kontrakt-Schauspielern. Zufällig kann das nicht sein, denn auch der „böse“ Putin hat den gleichen Vertrag unterschrieben und dürfte auch nur grob sein Rolle kennen. In unserem Land dürfte seit Wilhelm ii. dieser Schauspielervertrag öffentlich sichtbar sein. Und auch Hitler hatte seine Schauspielerausbildung und seinen Schauspielervertrag.
    Daran hat sich bis heute nichts geändert.Es stellt sich die…

  12. wer wirklich die Macht hat. Die Banker sind bei den Rittern von Malta zu finden. Logen haben Sitze bei der UN. Jesuiten schaffen eigene Länder (z.B. Kuba).