in Gesellschaft

Deutschland ist ein Wachstumsmotor und Deutschlands Wirtschaft wächst: Wir sind reich! Ein Hoch auf den Kapitalismus! Ein Hoch auf den Sozialstaat! Das rufen zurzeit diverse Medien in Deutschland. Doch das alles sind Dinge, auf die ca. 20% der Deutschen nicht einstimmen können, denn sie sind von Armut betroffen. Oder konkreter: die EU definiert ihr Einkommen und ihre Lebensverhältnisse als „von Armut betroffen“. Doch es ist weniger die Armut die hier die Schuldige ist, es ist der Arbeitsmarkt, das Kapital, die Marktwirtschaft an sich.

Reiches Deutschland

Sie leben in Villen, besitzen Unternehmen und oft auch Haufenweise Immobilien: die obere Mittelschicht, die Reichen und die Superreichen.

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) lag das gesamte Bruttovermögen der privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2007 bei rund 8 Billionen Euro. Grund- und Immobilienbesitz machte dabei mit 5,3 Billionen Euro den größten Teil aus.

Doch das riesige Nettovermögen ist sehr ungleich verteilt: Werden die Personen nach der Höhe ihres Nettovermögens geordnet und dann in zehn gleich große Gruppen eingeteilt, so zeigt sich für das Jahr 2007, dass das reichste Zehntel über 61,1 Prozent des gesamten Vermögens verfügte. Darunter hielten die obersten fünf Prozent 46 Prozent und das oberste Prozent etwa 23 Prozent des gesamten Vermögens. Gegenüber dem Jahr 2002 hat die Konzentration der Nettovermögen im oberen Bereich der Gesellschaft weiter zugenommen, in allen anderen Dezilen sind die entsprechenden Anteilswerte 2007 dagegen niedriger.  [by-nc-nd/3.0/de/]

Diese 5% sind die Nutznießer dieser Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Gewinner sind die Reichen. Man könnte diese Gruppe schon fast mit dem Mittelstand verwechseln, denn es scheint als würden gerade diese paar Prozent die Zielgruppe der deutschen Politik sein.

Armes Deutschland

Doch das ist nicht der Bundesdeutsche Durchschnitt. Mittlerweile sind 19,6% der Deutschen unter der, von der EU festgelegten Armutsgrenze. Oder treffender: sie leben dort. 2011 wurden hingegen „nur“ 16,1 darin einkategorisiert. Weitere 15,2% liegen unter der – ebenfalls von der EU festgelegten – Armutsgefährdungsquote. Ein schön gewähltes Wort um den drohenden Verlust der Existenz zu beschreiben.

Jeder Fünfte ist ein Opfer dieser Entwicklung. Doch wo ein Opfer ist, da ist auch ein Täter. „Heruntergedumpt“, durchgeschleudert und ausgespuckt wurden sie vom sogenannten Arbeitsmarkt. „Wegrationalisiert“, auf Wirtschaftsdeutsch. Sie sind die bedauernswerte Ausscheidung der Marktwirtschaft – und so werden sie auch behandelt: Hartz-Gesetze und systematische Zerstörung des Sozialstaats. Eine erneute Eingliederung in den Arbeitsalltag ist gar nicht gewünscht. Sie liegen wahrhaftig auf dem Müllberg des Kapitalismus.

Aber es sind nicht nur die Ärmsten der Armen die Opfer dieser Politik sind. Und es ist nicht nur der Sozialstaat der – Hinterrücks getötet- in die Ecke geworfen wurde. Das Symbol der Volkswirtschaft, der Träger, Konsument und eigentlicher Nutznießer der Politik verarmt – Der Mittelstand. Jeder Ökonom würde bei einer solchen Prognose wahrscheinlich die Hände über den Kopf zusammenschlagen und hysterisch das Ende der deutschen Volkswirtschaft vorhersagen, doch diese Tatsache ist nicht nur wirtschaftlich gesehen ein riesen Problem. Es sind jene Menschen, die jahrelang den deutschen Staat auf ihren Schultern getragen haben und am meisten mit Steuern belastet wurden, die nun ebenfalls von Armut bedroht sind.

Wenn Medien und Politik von der Verarmung der Gesellschaft und der Schere zwischen Arm und Reich faseln, fühlen sich die meisten Menschen in Deutschland nicht angesprochen. Freilich: Denn sie sind der glorreiche und hochgelobte Mittelstand des Landes. Doch dass diese „Schere“ bereits weite Teile des Bürgertums betrifft, ahnen die Wenigsten: „Die Armen“ sind immer die anderen. Doch dabei ist es gerade die tragende Mittelschicht die in diesen Jahren zu dem grausam verarmten Teil der Gesellschaft „aussortiert“ wird.

Medien-Jubel über Arbeitegebernahe Studie

Es sind gerade die liberalen, bürgerlichen und staatlichen Leitmedien die in diesen Tagen laut aufjubeln. Eine Studie des Arbeitgebernahen „Instituts der deutschen Wirtschaft“wurde veröffentlicht. Lauthals und voller Begeisterung stürzen sich die Journalisten auf das gefundene Fressen. „alles gar nicht so schlimm wie gedacht“ – so die frohlockende Quintessenz aus den Berichten der Medien. „Ostdeutschland steht beim Einkommen viel besser als erwartet da“, schreibt zum Beispiel „die Welt“. Und wahrhaftig: auf dem ersten Blick scheint die Studie ein heilender Balsam für den beunruhigten deutschen Michel zu sein. „Na, läuft doch“ könnten sich sicherlich Viele beim Überfliegen ihrer morgendlichen Tageszeitung denken. Doch bei all dem Jubel, verlieren die Journalisten und Leser den Blick auf das Wesentliche: Die Armut in Großstädten liegt bereits bei 22% und auch generell sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus.

Sozialstaat! Welcher Sozialstaat?

Selbst nach diesen erschütternden Zahlen werden wohl weite Teile der Gesellschaft voller Euphorie und Widerstandskraft die Fahne der sozialen Marktwirtschaft hochhalten. Sie fühlen sich wohl nicht betroffen, und das obwohl sie selbst mit zwei Jobs und Überstunden kaum Geld haben um ihren Lebensunterhalt zu bezahlen, von der verfügbaren Zeit ganz zu schweigen. Das „Burn-out Syndrom“ ist dann oft der Schuldige. Bei allen Übel der verarmten Gesellschaft; gegen das Modell einer sozialen Marktwirtschaft ist wohl wenig einzuwenden, Oder noch eher: Ihre Fahne sollte man wohl wirklich hochhalten. Denn es ist gerade der Sozialstaat, der – so scheint es – ebenfalls „wegrationalisiert“ wurde. Vom wirtschaftlichen Erfolg bei Mitnahme der „Schwachen“ – keine Spur.

Vor einigen Jahre konnte sich der ständig an Kaufkraft und Geld verlierende Bürger wenigstens am wirtschaftlichen Erfolg festklammern, die schiefgegangene Mitnahme der „Schwachen“ wurde zähneknirschend hingenommen. Doch nun scheint auch dieser wegzubrechen. Katastrophale Wachstumsprognosen, stetig sinkender DAX und verschlechterte Arbeitslosenzahlen sind die Schlagzeilen der Stunde. Was bleibt dem immer kleiner werdenden bürgerlichen Teil der Bevölkerung noch? Ein altes Modell von Ludwig Erhard? Eine Kanzlerin mit leeren Versprechen? Zurzeit, ist es die Studie des „Instituts der deutschen Wirtschaft“, die für diesen Zweck herhalten muss. Vielleicht erheitert sie ja trotzdem den Ein oder Anderen, beim stundenlangen Warten im Jobcenter – Dem Müllberg der Marktwirtschaft.

QUELLEN:

Welt, „Ostdeutschland steht besser da als erwartet“: http://www.welt.de/wirtschaft/article131575890/In-diesen-Regionen-herrscht-in-Deutschland-Armut.html
Neues-Deutschland, Arbeitegebernahe Studie: http://www.neues-deutschland.de/artikel/943584.hoeheres-armutsrisiko-in-grossstaedten.html
Institut der deutschen Wirtschaft, Studienergebnisse „Armut in Deutschland“: http://www.iwkoeln.de/de/presse/pressemitteilungen/beitrag/regionaler-armutsvergleich-grossstaedte-schneiden-schlecht-ab-179372
Statista, Armutszahlen in Deutschland: http://de.statista.com/themen/120/armut-in-deutschland/
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), „Einkommensverteilung in Deutschland“: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61769/einkommensverteilung
BpB, Vermögensverteilung in Deutschland: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61769/einkommensverteilung
BpB, Armut in Deutschland: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61769/einkommensverteilung

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Kommentar

  1. wo was ist, wird was, wo nichts ist, wird nie was werden….. Entscheidungen am Schreibtisch…. Rentner, die keine Gutverdiener Ihr Leben lang waren (aber geschufftet haben), sowie Kranke oder „nur“ Arbeitslose, alle über einen Kamm !.. Pensionen oft ums dreifache höher als Rente… Mieten steigen… Kindergeld auch für Millionäre…. eine Rentnerin erzählte mir, dass Sie 160 Eur. monatl. zum leben/essen hat…. um mehr zu haben, müßte Sie umziehen, von zwei auf ein Zimmer…. weg von Freunden, weg vom Viertel und spart sich dann ev. 50 od. 70 Eur. monatl. !?… ja… uns geht es gut…. aber die ganze Politik wird die Kleinen hier u. in ganz Europa kaputt machen !…. erkennt kein Oberer, dass es Zeit wird, etwas zu ändern ?… schlimm