in Gesellschaft

NEOPresse.com: Ist die europäische Mittelschicht so stark unter Druck wie befürchtet oder propagiert?

Schramm: Ich denke, dass das eine sehr heterogene Gesellschaftsschicht ist. Es gibt ja das Phänomen, dass sich in Umfragen 80% der Menschen zur Mittelschicht zählen. Es gibt ernsthafte Studien, die besagen, dass in den letzten 10 Jahren 5 Millionen Menschen, rein materiell, von der unteren Mittelschicht in die Unterschicht abgestürzt sind, das aber nicht zugeben. Es gibt Länder, in denen die Mittelschicht wie bei uns nie existiert hat, aber ich glaube, dass die Mittelschicht gesamteuropäisch gesehen tatsächlich unter Druck gerät. Wie sie darauf reagiert weiß ich nicht, keine Ahnung.

Das Fatale aus deutscher Sicht zumindest ist, dass politische Innovation aus der Unterschicht, die eigentlich am stärksten unter Druck steht, gar nicht kommt. Das sind die Leute, die sich am ehesten den Wahlen verweigern. Die innovativen Kräfte tauchen aus dem aufgeklärten Bürgertum auf, was ich vor 10 Jahren noch nicht freiwillig geäußert hätte. Welche Innovationen kommen noch aus der SPD? Aus der Unterschicht kommt gar nichts, es sei denn eine Revolte gegen Dieter Bohlen vielleicht. Die Linke ist ja in der Unterschicht überhaupt nicht verankert, was politisch gesehen ja eigentlich das Sprachrohr sein müsste.

NEOPresse.comWar die Krise ein unvorhersehbarer, chaotisch ablaufender Zufall, liegt die Schuld bei den angeblich koksenden Bankern oder wird die Krise gesteuert und benutzt?

Schramm: Nein es war weder unvorhersehbar noch ist es chaotisch. Es ist eigentlich ziemlich zielstrebig abgelaufen. Die Macht des Finanzkapitalismus konnte sich ja nur so explosionsartig ausbreiten, weil die Staaten in ihrer absoluten Mehrheit sich von den Finanzkapitalisten abhängig gemacht haben, in dem sie eine lustige Schuldenpolitik betrieben haben. Mit dieser Schuldenpolitik konnten sie den Wählern ein Wachstum vorgaukeln, das durchwegs auf Pump finanziert war. Der Zuwachs der Schulden der Bundesrepublik Deutschland in den letzten 10 bis 15 Jahren sind fast deckungsgleich mit der Zuwachs des Volksvermögens.

Einer der Haken an der Sache ist, dass die Schulden von allen bedient werden müssen, während die Vermehrung des Volksvermögens zu 95% in die obersten 1-2% der Wohlhabenden gegangen ist. Die breite Masse hatte keinen Zuwachs.

NEOPresse.comWas man mittlerweile an realen Daten ablesen kann.

Schramm: Vor kurzem kam ja die Studie der EZB heraus, in der erstmals, ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, als Gradmesser der Vermögensverteilung der Einkommensmedian und nicht der Durchschnitt herangezogen wurde. Ich hab den Unterschied zwischen Durchschnitt und Median über Jahre versucht in mein Programm einzubauen und habe die Leute tötlich gelangweilt damit.

NEOPresse.comDiese Studie ist die erste von quasi höchster Stelle, welche transparent macht, was viele schon gespürt haben.

Schramm: Ja, und was machen sie jetzt damit? Sie relativieren es. Jeden Tag gibt es fünf Meldungen, dass das alles nicht so ernst genommen werden darf.

NEOPresse.comDas war zu erwarten.

Schramm: Ja, es war auch zu erwarten, dass sie funktioniert, die Beschwichtigung.

NEOPresse.comBei seinem Auftritt in der Harald Schmidth Show halt Rolf Hochhut zu einer gewaltsamen Revolution aufgerufen. Seiner Meinung nach sind gutgemeinte Parlamentsbeschlüsse nicht wirksam im Kampf, um den Stellenwert der sozialen Aspekte der Politik und die Änderung dieser zugunsten einer sozialen Marktwirtschaft. Würden Sie dem zustimmen?

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=xUR_8p-u7tY[/youtube]

Schramm: Hier hat Herr Hochhut leicht reden, da er sich ja mittlerweile in einem Alter befindet, wo er selbst nicht mehr direkt beteiligt wäre und die Folgen von der Generation seiner Enkel ausgebadet werden müssen.
Generell haben wir noch viel zu verlieren. Das ist ein Aspekt und der zweite ist, bei solchen Unruhen ist der Ausgang immer offen, das muss nicht automatisch zum Besseren führen. Also ich bin misstrauisch und sehr ängstlich in der Beziehung.

NEOPresse.comSie sehen also noch Chancen, über das gegenwärtige Politische System einen Wandel herbeizuführen?

Schramm: Ich hoffe es, ich hoffe es ausserordentlich. Ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union, nicht des Euro, das ist für mich nicht das Problem, würde die Gefahr bergen, dass das bei einem Teil des Bürgertums mühsam erkämpfte europäische Gefühl auf der Strecke bleiben würde. Dann könnten Leute wie Berlusconi die Gewinner sein. Wenn es zu sozialen Unruhen kommt, dann nationalisiert sich der Konflikt jeweils wieder, obwohl es eigentlich ein internationaler Konflikt ist. Dann wäre meine Sorge, dass rechtsradikale und rechtspopulistische Figuren wie Berlusconi oder Le Pen davon profitieren würden. Das steckt hinter meiner Angst vor sozialen Unruhen. Ich glaube nämlich, dass die Linke davon gar nicht profitieren würde.

Gleichzeitig darf man das nicht zu schwarz sehen. Ich habe ja in Interviews immer wieder gesagt, dass die Protestaktionen rund um Stuttgart21, die ja in Deutschland für das Bürgertum eine bedeutende Rolle gespielt haben, ihre Wirkung in den Hinterköpfen sehr vieler Politiker nicht verfehlt haben. Viele Aktivisten glauben ja, sie wären gescheitert. Ich sage jedoch immer, dass sie überhaupt nicht gescheitert sind. Die Botschaft ist bei vielen Politikern sehr genau angekommen. Wozu die Leute in Stuttgart fähig waren. Wozu die Leute fähig sind, wenn sie wirklich unzufrieden sind. Die Demonstranten in Stuttgart waren ja Menschen aus der bürgerlichen Mitte, aus dem konservativen Bürgertum und die SPD war praktisch nicht vertreten. Die SPD ist ja bis heute für den Bahnhof.

NEOPresse.comDie Proteste haben viele Politiker aufgeschreckt, wozu auch der zufriedene und sanftmütige deutsche Bürger fähig ist?

Schramm: Ja, ich glaube auch, ein Teil der momentanen Bereitschaft den sehr wohlhabenden Steuerflüchtlinge genauer auf die Finger zu schauen, ist eine Mischung aus völlig leeren Staatskassen und einer Angst vor dem Wähler. Die Debatte, welche aufgrund der „Offshore-Leaks“ entstanden ist, ist ja schon einmal ein schöner Anfang. Wenn man sieht, welchen Wirbel das verursacht hat, in der Hoffnung, dass dieser Wirbel sich nicht binnen Wochenfrist wieder legt.

NEOPresse.com: Wird sich legen! Ausser Friede Springer verstärkt den Druck.

Schramm: Aach, Sie rauben einem jede Hoffnung! Ich hoffe Sie haben unrecht!

NEOPresse.comDen Leuten ist nicht bewusst, welch drastischen Einfluss ähnliche Steuererleichterungen für ihren eigenen Lebensstandard hätten.

Schramm: Die Leute kapieren nicht, was es heißt, dass jährlich eine Billion Euro aus den Händen des Staates verschwindet bzw. erst gar nicht in die Hände des Staates kommt.

NEOPresse.comApropos Hoffnung: Ein Leser bzw. Autor von NEOPresse hätte folgende Frage an Sie: „Wie hilfreich bzw. hilflos fühlt sich ein politischer Kabarettist in der heutigen Zeit?“

Schramm: Auf einer Skala von 0 bis 10? Neun! Wenn zehn völlig hilflos ist, ist der politische Kabarettist Georg Schramm bei neun. Und dem Leser können Sie noch ein Zitat mitgeben, auf die Frage, „Warum machen Sie es dann überhaupt?“.

Zwei Gründe:

Meine tiefe Resignation wird merkwürdigerweise zunehmend von jungen Leuten aufgefasst die hinterher zu mir kommen uns sagen, ich finde es toll, dass sie es machen. Das gibt mir was. Ich selber spüre es schon gar nicht mehr. Aber es gibt Leute, denen es etwas gibt. Das ist schön.

Der zweite Satz, das ist der ultimative Satz über die Wirkungsweise des politischen Kabaretts und zwar von einem ganz Großen, von Matthias Beltz, der sich leider mit 57 Jahren vom Acker gemacht hat. Der Matthias Beltz hat auf die Frage, was er mit seinem politischen Kabarett erreichen möchte mal geantwortet, und da gibt es dann auch nichts hinzuzufügen:

„Ich möchte die Menschen auf ihrem Weg von der Hoffnungslosigkeit über die Trostlosigkeit in die Aussichtslosigkeit begleiten.“

Er hat dann hinterher immer eine Flasche Chardonnay aufgemacht und diese auch getrunken.

NEOPresse.com: Und die Hoffnungslosigkeit heruntergespült?

Schramm: Ja! Den Satz habe ich von ihm einmal gehört und er ist seitdem in meinem geistigen Gepäck. Man könnte noch eine dritte Antwort anführen. Ich glaube, wenn ich mich nicht mehr über das Ganze aufregen würde, ich glaube dann würde ich platzen. Ich würde ersticken oder platzen. Wahrscheinlich ersticken.

NEOPresse.com: Bezüglich Hoffnungslosigkeit: Sie sind ja Vater von drei Kindern. Was raten Sie Ihren Kindern bzw. generell jungen Menschen? Sich anzupassen oder Widerstand zu leisten?

Schramm: Meine Kinder sind keine politischen Querulanten. Meine Töchter haben ein klares politisches Bewusstsein, sind jedoch weit davon entfernt, sich politisch zu engagieren. Mein Sohn ist politisch mäßig interessiert und ich versuche ihm beizubringen, seinen Weg zu finden, für den er sich nicht zu schämen braucht und in den Spiegel schauen kann. Das ist schon eine ganze Menge.

NEOPresse.com: Wäre es besser für junge Menschen, sich der Hoffnungslosigkeit gar nicht bewusst zu werden?

Schramm: Genau das wäre ihnen zu wünschen, dass sie sich der Aussichtslosigkeit nicht bewusst sind, sondern das Auflehnen gegen die Dinge, die Ihnen die ältere Generation vorsetzt, als Teil des Erwachsenwerdens begreifen. Wie sie das dann ausgestalten, das weiss man im Einzelfall dann nicht, aber die Entpolitisierung des Alltags hat bei jungen Menschen schon unglaubliche Ausmaße angenommen. Obwohl das jede Generation immer über die folgende Generation gesagt hat.

NEOPresse.comViele meinen, es macht keinen Unterschied welche „Farbe“ sie wählen!

Schramm: Ich weiss es nicht. Ich will es nicht wahrhaben, dass es keinen Unterschied macht. Ich sehe die Alternativen eher, dass sie sich in Bürgerbewegungen und regionalen Aktionsbündnissen zusammentun für einen bestimmten Zweck und anschließend evtl. wieder auseinanderlaufen. Das ist natürlich eine ganz andere Form des gesellschaftspolitischen Engagements, als in eine Partei einzutreten.

Ich habe noch keinem meiner Kinder vorgeschlagen, in eine Partei einzutreten und das für mich selber auch immer ausgeschlossen. Aber ein gesellschaftliches Engagement, das erwarte ich schon von meinen Kindern. Ob das dann erst auf den zweiten Blick politisch ist, das ist mir völlig egal. In der Region, in der ich lebe, die im Vergleich zu anderen deutschen Regionen eine sehr niedrige Arbeitslosenrate hat, erlebe ich das gesellschaftliche Engagement in Gruppen oder gemeinnützigen Vereinen als großen Stabilitätsfaktor.

NEOPresse.comAber der Eintritt in das politische System ist aussichtslos für junge Menschen?

Schramm: Nicht aussichtslos, aber da muss man schon ganz besonders gestrickt sein, um das auf sich zu nehmen.

Man darf auch den Spaßfaktor nicht geringschätzen und von oben herab als alter Sack behaupten: „Ihr wollt ja nur Spaß haben!“. Es ist auch ein gewisses Recht, dass das Engagement Spaß machen sollte und das ist beim politischen Engagement nicht wirklich zu erkennen.

Es gab ja mal eine Zeit bei der 68 Bewegung, da waren die besten Mädels zufrieden, wenn man in linken Gruppen agiert hat. Das war für nicht wenige die Triebfeder. Meine Mutter z.B. hat gesagt, sie hat mit den Kommunisten geliebäugelt, weil die am besten aussahen und die besten Redner waren (lacht).

NEOPresse.comWahlen bringen also keine echten Alternativen und sich in politischen Parteien zum Entscheidungsträger befördern zu lassen ist auch keine verlockende Option. Was tun?

Schramm: Wahrscheinlich muss man den Opportunismus der etablierten Parteien benutzen. Angela Merkel hat ja aus Angst vor dem Wahlbevölkerung ihre Atompolitik rückgängig gemacht. Nicht aus Angst vor einem GAU. Sie hat aus Angst davor, dass die Angst der Bevölkerung sich gegen sie wendet aus rein opportunistischen Gründen ihre Entscheidung rückgängig gemacht. Sie hat also aus Angst vor dem Wahlvolk das Richtige getan. Nicht aus eigener Überzeugung.

NEOPresse.comIst das Ihre Vorstellung von gesellschaftspolitischem Engagement, den Druck aufzubauen?

Schramm: Ja. Ich weiss, dass ohne Fukushima auch der Kretschmann auch nicht Ministerpräsident in BW hätte werden können. Das ist ein bitterer Beleg dafür, dass es schwere Katastrophen braucht damit die Leute zu Verstand kommen. Die Energiewende der Kanzlerin war ja die Wende von der Wende, das wissen wir alle, aber es war Angst vorm Wahlvolk.
Wenn sie jetzt auch noch als Angst vor dem Wahlvolk offen gesagt hätte, ich bin für einen Mindestlohn und wenn das mit der FDP nicht zu machen ist, dann machen wir es mit jemanden anderen, dann hätte sie aus Angst vor dem Wahlvolk das Richtige getan. Aber da ist der Druck nicht stark genug. Fukushima taugt nicht dafür und ein Asteroideneinschlag ist etwas unspezifisch (lacht).

NEOPresse.comZum Abschluss etwas persönliches: Die Figur in Ihrem aktuellen Programm Lothar Dombrowski findet sich in der Welt der Senioren bzw. der Welt der Ausgemusterten nicht richtig zurecht. Der Mensch Georg Schramm tritt bald kürzer, wie ist der Ausblick auf das Alter?

Schramm: Von den politischen Entwicklungen habe ich ja eine Vorstellung, düster. Wenn ich in diesen düsteren Rahmenbedingungen halbwegs gesund bleibe, dann hätte ich noch eine Weile Spaß mitzumischen, zu Essen, zu Trinken und zu Streiten. Dafür etwas mehr Zeit zu haben als in den letzten zehn Jahren.

NEOPresse.comMehr Zeit wobei mitzumischen?

Schramm: Zum Beispiel jungen Leuten ausladende, überlange Interviews zu geben und nicht sagen zu müssen, ich habe 10 Minuten Zeit und danach muss ich einen Text für „Neues aus der Anstalt“ schreiben. Ich bleibe politisch engagiert und gehe zu wohltätigen Veranstaltungen, für die ich sonst gar keine Zeit gehabt hätte.

NEOPresse.comWie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Jetzt steht ja der Abschied von der Bühne an.

Schramm: Das ist kein Abschied von der Bühne, sondern von der Solotournee, aus diesem engen Rahmen eines Tourprogramms das zwei Jahre im voraus festgelegt ist. Andernfalls müsste ich jetzt schon wieder an einem neuen Soloprogramm sitzen. Ich habe Pläne, noch ein paar Sachen zu machen mit Kollegen, die ich sehr schätze, aber das sind dann keine Solounternehmungen mehr. Vielleicht mache ich auch mal einen Themenabend oder eine Lesung zu einem Thema, aber nichts, was dann für zwei Jahre einen bundesweiten Tourneecharakter haben soll. Das gibt auch die Freiheit, Anfragen von Aktionsbündnissen oder Organisationen anzunehmen und dort z.B. eine halbe Stunde aufzutreten. Ich hatte in den letzten Jahren viele Anfragen von Aktionskreisen, zu denen ich nur sagen konnte, es ist eine tolle Sache die ihr macht, aber es tut mir leid ich habe leider keine Zeit.

NEOPresse.comGibt es schon konkrete Pläne mit Kollegen? Darf man eine, zumindest sporadische, Rückkehr ins Fernsehen erwarten? Wird es einen Georg Schramm bei Maischberger zu sehen geben?

Schramm: Also bei Frau Maischberger sicher nicht. Da geh ich aus Überzeugung nicht hin! Mittlerweile haben die Redaktionen gottseidank gemerkt, dass ich es ernst meine und fragen auch gar nicht mehr danach. Eine Zeitlang musste ich immer wieder von neuem erklären, dass ich nicht komme. Das ist aber seit ein, zwei Jahren kein Problem mehr. Ich habe meine Ruhe, das ist sehr angenehm.
Zu einer satirischen Sendung etwas beizusteuern zu einem Thema, bei der es sich lohnt mitzumachen, wäre ich, wenn man mich fragt, nicht grundsätzlich abgeneigt. Hängt immer davon ab, zu welchem Thema.

Herr Schramm, vielen Dank für das Interview und Ihre Zeit!

Sehr gerne, jetzt muss ich mich aber schleunigst auf meinen Auftritt vorbereiten gehen.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Uer9kRkj5lg[/youtube]

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Kommentar

21 Kommentare

  1. Eine perfekte Darstellung von Georg Schramm in Wort und Bild.
    Doch kein Lob ohne Tadel:
    G. Schramm will leider nichts wissen von dem relativ neuen Konzept eines Wirtschaftssystems namens „Wirtschaftswunder 2.0, BGE 2.0, oder Bandbreitenmodell“. Er scheint es regelrecht zu ignorieren, obwohl dieses Konzept doch für fast sämtliche Probleme, die von ihm so treffend beschrieben werden, effektive Lösungen anbietet.

  2. Lieber hochgeschätzter Herr Schramm, die Zeiten sind zu ernst, – wir können es uns nicht erlauben, irgendjemanden auszugrenzen. Niemanden. Ob „reflexiert“ oder „reflektiert“. Es ist keine Zeit für „polare“ Kindereien. Sie machten uns die Macht der Herrschaftssprache bewusst. Sobald wir uns vor ihr verbeugen, sie verinnerlichen.
    Um unbeeindrückt urteilen zu lernen, müssen wir lernen, alle Schreckgespenster, -alle-, zu verbannen. Ohne das kein befreiendes Er-Wachstum, sagte der Liliputaner.

    Mit den besten Wünschen
    Hans-Peter Schröder

  3. jetzt will er nur gegen jauch antreten!
    nein, georg, du hast deine chance gehabt:

    aber als zeichen, als ein schmaler streifen der hoffnung im morgengrauen, hätte seine kandidatur sicher vielen menschen mut gemacht, sich NICHT mehr sich alles gefallen zu lassen oder in argonie zu erstarren. diese gelegenheit wurde ohne not vertan. leider. Hemingway beschrieb in seiner erzählung „wem die stunde schlägt“ die geschichte eines freiheitskämpfers gegen die reaktion im spanischen bürgerkrieg.
    unser kämpfer blieb hinter dem ofen sitzen und ließ seine stunde verstreichen…

    alles lesen wollen? -> N75 bei
    DRESDNERFAMANEWS

  4. tolles tolles interview.
    bin gespannt was der herr schramm noch alles machen wird.
    klingt als hätte er alles andere als pension im sinn.

    schlieslich ist er so berühmt wie nie zuvor.
    eins noch ganz wichtig:
    schramm hat gesagt der bundeskanzler hat nur die macht des gesprochenen wortes.
    wenn das so ist, dann gibts keinen besser geeignet als ihn, für den job.
    um nicht zu sagen er hat ihn schon

  5. Alles richtig Herr Schramm, alles richtig, nur „das aus der Unterschicht nix kommt“, und Ihr erstaunen darüber, da sollten Sie nochmal drüber nachdenken.

    Die Unterschicht ist arm, krank und ausgebrannt, nachdem sie jahrzehntelang die Drecksarbeit erledigt hat, und ihr von den Medien Jahr ein Jahr aus vertellt wird sie sei selber Schuld. Wer sich noch regt wird mit Mieterhöhungen Stromschulden u. a. in die Insolvenz getrieben.

    Das ganze System lebt von „der Unterschicht“, was glauben Sie denn was einem Unterschichtler passiert der sich wehrt?

    Und was dann noch übrig bleibt gründet zur Zeit tatsächlich Genossenchaften.
    > http://www.youtube.com/watch?v=BQVOB0URp0c

    Denn die linke zu wählen bringt kein Geld.

    • “ … was glauben Sie denn was einem Unterschichtler passiert der sich wehrt? …“

      Ich frage zurück:

      “ … was glauben Sie denn was einer Unterschicht passiert die sich NICHT wehrt, weil sie ihre schärfste Waffe ohne Not aus der Hand gelegt hat: Solidarität??“

      Hella

      • Übrigens:
        Nur zwei Kriterien sind es, die Opfer von Tätern unterscheiden:

        1. der Grad ihrer Organisiertheit
        2. die Stellung zur Gewaltfrage.

        H.

  6. Herr Schramm, Sie fehlen so sehr in der Anstalt, vermute mal auch vielen „alten“ Kollegen…

    @Mats
    Die Gründe die Sie für das fehlende Engegement der Unterschicht anführen sind sicherlich eminent, nur sind diese kein nachvollziehbarer Grund bei Wahlen einmal alle paar Jahre ein Kreuz bei der einzigsten Interessenvertretung (DIE LINKE) zu machen.

  7. Der Herr Schramm…., er fehlt mir sehr im Fernsehen!
    Allerdings die Aussage: “das aus der Unterschicht nix kommt” verwundert mich. Denn der Herr Schramm müsste wissen, dass die Unterschicht weder Lobby noch Geld hat. Auch unsere so genannte „freie Presse“ hat mit der Unterschicht nichts am Hut, außer der üblichen Diskriminierung: „faul, dumm, Säufer, arbeitsscheu, selbst schuld“ etc. Was soll da also kommen? Die Leute sind mit Überleben und unsichtbar sein beschäftigt. Das ist ein Fulltime Job. Außerdem werden sie von unserem Staat massiv unter Druck gesetzt. Wenn sie sich nicht genehm verhalten, dann wird ihnen das Existenzminimum gekürzt. Zum Verhungern freigegeben, weil ungehörig verhalten. So läuft das, Herr Schramm!

    • Sie bringen es auf den Punkt! Leider begreifen sehr viele Bürger in D-Land die Situation der H4-Menschen nicht wirklich, und Herr Schramm macht da leider keine Ausnahme. Der sollte mal hören was Ralph Boes erzählt ->
      „Wie Behörden Hartz IV Empfänger überprüfen“
      http://www.youtube.com/watch?v=Bh6oDHuX9Go

      Der Aberwitz ist freilich die Vermutung, das die Spezialdemokraten und das Banksterzäpfchen „Hätte, hätte, Fahrradkette“ Peer irgend etwas verkehrt machen – das ist nun wirklich sehr naiv gedacht. Denn das wurde ziemlich sicher genau so bei der Konferenz in St.Moritz 2011 beschlossen. Naja, vielleicht weiß der Georg das alles auch, aber er sagt nix mehr dazu .. http://www.youtube.com/watch?v=J1wbUUnPUB0

    • 1.)
      „… dass die Unterschicht weder Lobby noch Geld hat.“

      Wer sollte sich denn um die Unterschicht kümmern, wenn sie sich nichtmal selber um sich kümmert und drauf wartet, daß andere ihr die Kastanien aus dem Feuer holen?

      Die Unterschicht braucht keine Lobby, sie IST Lobby („wäre zumindest eine, würde sie sich in aller Stille organisieren).

      H.

      • 2.)
        Die Unterschicht hat wenig (oberfaules) Geld, ja, aber sie hat Vermögen:

        Vermögen ist nicht das was man besitzt, sondern das, was man VERMAG – und das wäre eine Menge, käme die Unterschicht mal vom Fernseher weg und würde sich wieder regelmäßig im Hinterzimmer der Stammkneipe koordinieren! Aber solange der Fernseher läuft, Bockwurst und Bier noch bezahlt werden können, wird kein Finger gerührt. Wir haben biblische Zeiten: Ein ganzes Volk verkauft für ein Linsengericht sein (demokratisches, rechtsstaatliches, kuturelles und privates) Erbrecht.
        Dieses Volk wird entweder aufwachen, oder untergehen. Die Historie hat uns ja schon zweimal gezeigt, wofür sich die Deutschen aber entscheiden werden … „Das große Karthago führte drei…

    • Mir fehlt er im Fernsehen nicht, denn ich finde es besser, wenn Menschen aus Fleisch und Blut zusammenkommen(!), um ihn LIVE zu erleben – besonders wenn sie sich hinterher noch zusammensetzen und was organisieren!
      Fernsehen ist in meinen Augen nur noch Ruhigstellung und Vereinzelung der Massen: Jeder handlungsunfähig in seiner Wohnzelle: Ein Traum für alle Machtneurotiker und das organisierte Verbrechen, das sich nun ungehindert die Staatsgewalt unter den Nagel reißt – ganz „legal“.
      Die europäischen Völker müssen wieder lernen, praktisch und selbstbestimmt zu handeln – allem neuerlichen Obrigkeitsgehabe von Politik und „Justiz“ zum Trotz, denn letztere haben durch das von ihnen geschaffene Unrecht ihre Legitimation grundsätzlich…

  8. Ein angenehmes Interview, war kaum anders zu erwarten. Ich habe nur den Eindruck, dass Schramm zu viel Hoffnungen auf Steinbrück legt. Rot-grün nach der Wahl wäre vermutlich eine unangenehme Option, denken wir an das letzte rot-grüne Bündnis im Bund.

  9. Zunächst möchte ich sagen, dass ich Herrn Georg Schramm sehr schätze!

    Weniger schätze ich allerdings, dass eine Zeitung wie die NEOPresse offenbar nicht in der Lage ist, einen solchen Artikel Korrektur zu lesen. Ich habe jedenfalls mindestens 7 einfachste Rechtschreibfehler entdeckt.

    Entschuldigung, mich stört das erheblich.

  10. „… Man denkt, es kann nicht sein, dass man so viele Fehler immer wieder von Neuem macht. ..“

    Geehrter Herr Schramm, lassen Sie mich mit der alten russischen Weisheit antworten:

    „Was heißt hier „Fehler im System?!“ – Das ist der ZWECK des Systems!“

    Hella

  11. Hallo Herr Schramm,das Interview mit Ihnen finde ich sehr interessant. Liegt nicht eigentlich der dicke Hund darin begraben, dass der Linken vor einem Vierteljahrhundert nach dem Zerfall des (Ost-)Sozialismus, der -wenn auch vehement abgelehnt- trotzdem irgendwie existierte – auch als Utopie im Promillebereich – schlicht die wesentlich Idee abhanden kam, wohin sich die (Welt-)Gesellschaft entwickeln sollte?
    Ist dies nicht das Dilemma? Am Kapitalismus rumwerkeln war doch immer SPD
    und nie besonders sexy.
    Als Ersatz dafür wurde der „Rassismus“ entdeckt. Rassismus etc. ist allerdings nur einen „Nebenwiderspruch“.“Anti-Rassismus“ heutzutage bedeutet doch
    praktisch, dass man einem schwarzen Faschisten noch nicht mal die Meinung…